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Die Strache-Affäre: Warum wir das Video aus Ibiza veröffentlicht haben
Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa

Woher das Strache-Video kommt? Das können wir nicht verraten, der Schutz der Quelle ist das höchste Gut im Journalismus. Warum wir es veröffentlichen? Weil es unsere Pflicht ist.

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bambata 22.05.2019, 04:57
300.

Ich glaube langsam, denjenigen, die hier andauernd auf dem Zeitpunkt der Veröffentlichung herumreiten, kann man die Information nur mit Hammer und Meißel ins Hirn hämmern, damit es dann mal endlich im Hippocampus verarbeitet werden kann: dem SPIEGEL hat man das Video Anfang Mai zugespielt. Daraufhin wurde es einer den Umständen gebotenen, außerordentlich aufwendigen Prüfung unter Einbeziehung von forensischen Experten unterzogen. Nachdem man von der Echtheit der Personen und der Nichtmanipulation der Tonspuren überzeugt war, hat man diejenigen Passagen, die eine politische Bedeutung haben und damit für die Öffentlichkeit von Relevanz sind, zusammengeschnitten und das Ganze so zeitnah wie möglich publiziert (man kann ja schlecht 6 Std. Videomaterial auf der Homepage zum Anschauen bereitstellen, abgesehen davon wurden bewusst persönliche Passagen aus Gründen der Persönlichkeitsrechte herausgeschnitten).

Wenn der SPIEGEL es Anfang Februar bekommen hätte, dann hätten wir Mitte Februar davon erfahren, wenn sie es Anfang kommenden Monats erhalten hätten, dann hätten wir eben nach der Europawahl davon erfahren. Was ist denn daran bitte so schwer zu kapieren? Solch brisantes Material hält keine Redaktion nur einen Tag länger zurück, als unbedingt notwendig, schon gar nicht, wenn man die Story als Titelgeschichte zu platzieren beabsichtigt. Und natürlich soll die sich auch verkaufen, nichts ist legitimer als das.

Abgesehen davon, was spricht dagegen, als Urheber des Videos ein international renommiertes, deutschsprachiges Nachrichtenmagazin für die Veröffentlichung auszuwählen? Schließlich hat der SPIEGEL eine enorme Reichweite (Nr. 1 unter den Nachrichtenpublikationen im deutschsprachigen Raum, soweit ich weiss) und wird auch an österreichischen Kiosken verkauft. Außerdem wurde als nationales Medium der Falter mit ins Boot geholt.

Ich bin übrigens überzeugt davon, dass die tatsächlichen Urheber des Werkes der Redaktion des SPIEGEL vermutlich gar nicht mal namentlich bekannt sind. Muss ja auch nicht, da die Inhalte des Videos für sich sprechen und eine Prüfung auf Authenzität auch ohne Kenntnis der Urheber möglich ist. Das unterscheidet Videos von Emails oder Vergleichbarem, da kann man ohne weitere Kenntnis der Urheberschaft und der Wege der Erlangung des Materials eben nicht so ohne Weiteres von Echtheit ausgehen bzw. diese überprüfen. Außerdem wurden Strache und Gudenus vor der Veröffentlichung informiert und es wurde ihnen Gelegenheit gegeben, eine Stellungnahme abzugeben. Nicht eine Silbe der veröffentlichten Redebeiträge wurde von diesen in Abrede gestellt. Alles was die sich in den Pressekonferenzen und nachfolgenden Interviews zusammengestottert haben, waren ein halbgares Eingeständnis, eine kaum glaubwürdige Entschuldigung sowie ganz viel Opferrolle. Was ja auch kaum anders zu erwarten war.

Wir erleben hier ein Paradebeispiel, wie in einer demokratischen Gesellschaft die Gewaltenteilung funktionieren sollte. Ein Grund übrigens, warum Strache auch so sehr an einer Abschaffung derselben nach ungarischem Muster interessiert war. Nur wird er dazu glücklicherweise nie wieder Gelegenheit bekommen.

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bambata 22.05.2019, 05:03
301.

Zitat von musca
Im Prinzip finde ich es schon richtig, wie es der Spiegel und die Süddeutsche im Bezug auf das Ibiza - Video gemacht haben. Das finde ich ok. Aber, ...es darf nicht vergessen werden - dieses Video hat eine Staats und Regierungskrise in Österreich ausgelöst. Ich bin Österreicher, wir haben vorgezogene Neuwahlen nun. Womöglich muss auch der Bundeskanzler noch seinen Hut nehmen ..alles quasi drunter und drüber...in Österreich. Aufgrund dieses Alles schön und gut, aber als Österreicher interessiert mich trotzdem wer der Auftraggeber dieses Videos war , weniger wer es gedreht hat. Meine Meinung auch, das die Österreicher auch das Recht haben zu wissen, wer das Video in Auftrag gegeben hat und aus welchen Gründen. Wir dürfen deswegen auch vorzeitig neu wählen...also betrifft das indirekt jeden österreichischen Staatsbürger. Nette Grüße
Politische Aktivisten? Reicht Ihnen das als Antwort? Die werden kaum an die Öffentlichkeit treten. Finden Sie sich damit ab, dass das vermutlich niemals ans Tageslicht gelangen wird. Wenn politische Aktivisten bei den Linken was finden, soll es doch sicher auch an die Öffentlichkeit gelangen, nicht wahr? Hat doch bei Silberstein und SPÖ auch gut funktioniert. Gut, die haben sich selbst demontiert, aber die Öffentlichkeit hatte ein Anrecht, davon Kenntnis zu erlangen. Wenn es durch Dritte veröffentlicht worden wäre, wäre das aber ebenso in Ordnung gewesen. Genau wie jetzt in der Kausa Strache.

Spielt auch keine Rolle. Entscheidend sind die Inhalte des Videos. Und weil die Österreicher so gewählt haben, wie sie gewählt haben, haben sie jetzt eine Krise in ihrem Land. Wenn sie ihre Stimme nicht zu fast einem Drittel Leuten gegeben hätten, die das Land bei erster sich bietender Gelegenheit zum eigenen Wohle an russische Oligarchen verscherbeln, die Pressefreiheit nach ungarischem Muster aushöhlen und Parteispenden über dunkle Kanäle an ihre Partei (vermutlich auch zur persönlichen Bereicherung) hätten leiten wollen, dann gäbe es jetzt auch keine Krise in Österreich. Ziemlich simple Schlussfolgerung, oder?

Und wenn eine beliebige Partei in Deutschland nach ähnlichem Muster handeln würde, ganz gleich ob es sich um die CDU, SPD, die Grünen, FDP, AfD oder die Linke handeln würde, wäre ich über eine Veröffentlichung ebenso dankbar, gerne auch mit versteckter Kamera aufgenommenes Material. Schließlich will ich ja wissen, wie meine Volksvertreter ticken. Und wenn es sich um Regierungsparteien handeln würde, wäre ich der Erste, der nach Neuwahlen rufen würde.

Und von mir aus kann so eine Geschichte aus D auch der Falter als erstes aufs Titelblatt bringen.

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KingTut 22.05.2019, 05:19
302. Politische und juristische Konsequenzen

Zitat von Palmstroem
"Genau dafür sind Journalisten da. Es war richtig und wichtig das Video zu veröffentlichen." Stimmt, ebenso richtig, wie von Wikileaks, die Emails von Hillary Clinton und ihre DOC zu veröffentlichen. Die Wähler müssen natürlich erfahren, was sich hinter den Kulissen abspielt.
Dass Sie als ausgewiesener Trump-Apologet natürlich die so genannte E-Mail Affäre von Hillary Clinton mit ins Gespräch bringen, wundert mich nicht. Jedoch hatte diese weder politische noch juristische Konsequenzen für sie, trotz langwieriger Untersuchung durch das FBI und den republikanisch geführten Kongress, die kein juristisch relevantes Fehlverhalten feststellten.
Die Strache-Affäre hingegen hat schon kurz nach ihrer Publikmachung weitreichende Konsequenzen für ihn und seine Partei. Die juristische Relevanz, auch im Hinblick auf die Regierungstätigkeit der FPÖ, wird sich demnächst zeigen.

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descartes 22.05.2019, 05:40
303.

Zitat von Sik Imarg
Bezüglich der Veröffentlichung des Videomaterials wird im Nachlauf zu klären sein, ob Persönlichkeitsrechte verletzt wurden oder nicht. In diesem Fall ist davon auszugehen, da die betroffenen Personen, ohne ihr Wissen unter Vorspiegelung einer nicht existierenden Privatsphäre, von der aber diese ausgingen, gefilmt wurden. Grundsätzlich ist es hierbei nicht von Bedeutung, dass es sich um rechts orientierte Personen handelt. Recht und Gesetz gelten unabhängig von der politischen Ausrichtung. Es wird des Weiteren spannend zu beobachten sein, inwieweit der Spiegel sich mitschuldig gemacht hat durch die Preisgabe des Contents, ob dem Wissen der Verletzung der Persönlichkeitsrechte und welche rechtlichen Schritte diesbezüglich unternommen werden jenen beschriebenen Sachverhalt gerichtlich beurteilen zu lassen. Jedenfalls hat der Spiegel die Büchse der Pandora geöffnet. Von nun an ist es erlaubt alle Politiker, unabhängig der Zugehörigkeit zu einem bestimmten politischen Spektrum, hinters Licht zu führen, um ihre wahren Absichten offenzulegen. Gratulation Spiegel, sie haben das getan, was für ihren Kolumnisten Sascha Lobo unannehmbar ist. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte ade, zumindest für die politischen Feinde, womit der Spiegel nicht besser ist als jene. Dies ist zu bedauern.
Hier wiegt das Interesse der Öffentlichkeit ganz klar mehr, als das Recht auf Privatsphäre, in Anbetracht des Amtes, welches Herr Strache inne hatte, ist dies keine Frage! Zumal die OSAschaft ja bereits die Unbedenklichkeit diesbezüglich mitgeteilt hat.

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sa7ra9 22.05.2019, 05:51
304. x

Wenn das Video zufällig gedreht worden wäre, dann könnte man so argumentieren, aber nicht so. Ich bin mir sehr sicher von über 90% der Spiegel MA könnte man unter gewissen Umständen genau so ein kompromittierendes Video erstellen. Letztlich wurde das Video veröffentlicht um Auflage zu machen und da muss man auch mal ehrlich sein - Journalismus ist Business und kein Arbeiter Samariter Wohlfahrtsverband.

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daniel-36 22.05.2019, 06:04
305. Nein

Nein, hier macht man es sich zu einfach. Die Ersteller des Videos, dessen Planung, Vorbereitung und Durchführung größere Geldmengen verschlungen haben, müssen veröffentlicht werden. Ebenso das gesamte Video und nicht nur die Ausschnitte, die die Redaktion als Bürgertauglich definiert. Wenn sie den neutralen Journalismus leben, was sie vorgeben, dann veröffentlichen sie alles und überlassen der Bevölkerung, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dies kann ich nicht tun, wenn andere entscheiden, was ich sehen darf und was nicht.

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stefan.p1 22.05.2019, 06:15
306. Da kann ich zu 100% zustimmen

Zitat von Tingletangle
...dem glaubt man nicht, und wenn er doch die Wahrheit spricht. Leider bleibt trotz all der Beteuerungen ein mehr als fader Beigeschmack. Zu gut passt das Timing, zu gut die politische Gemengelage als dass all das nur ein Zufall sein kann. Vielleicht ist es einer, ich selbst muss leider sagen, mir fehlt der Glaube.
Zumal es genau in die Spiegelkampagne gegen rechte Parteien
passt. Erst ein Offenlegen der Urheber dieser von langer Hand und höchst Professioneller Aktion rundet die Storry ab. Vor allem sehe ich darin ein größeres Skandal/Schlagzeielen - Potenzial als die Geschichte zweier berauschter Politiker die sich Bestechen lassen.
Das wäre bestes 007 Kino! Und wohlmöglich der größere Skandal.

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ceroc 22.05.2019, 06:16
307. Linke Nummer

Die Stellen in denen Strache wiederholt auf die Einhaltung der Gesetzmäßigkeiten hinweist werden zufällig erst nach dem Wahlsonntag veröffentlich oder nie.

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BUKL 22.05.2019, 06:21
308. Politiker...

Helmut Kohl hat nie die Quellen der ominösen Parteispenden genannt. Sein höchstes Gut? Erinnert sich noch wer an die Amigo-Affäre? Oder an Möllemann? Oder was bedeutet es, wenn ein Politiker sagt "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort..." (Uwe Barschel)?
Sind alle Politiker "lupenreine Demokraten" (Zital G. Schröder) und denken nie an sich selbst, kleben nie an ihren Stühlen? Habe irgendwo gelesen, Politik wäre ein schmutziges Geschäft. Was man damit wohl meinte?
Die Veröffentlichung war ok, keine Frage. Der Zeitpunkt etwas seltsam. Wenn ich die Artikel und die Kommentare so lese, kann so etwas nur bei den Rechten passieren, denn bei den anderen Parteien handelt es sich alle um Demokraten, die nur das Wohl des Volkes im Kopfe haben. Ist das wirklich so? Gab oder gibt es nicht auch solche Situtationen bei anderen, wo nicht gefilmt wurde, wo die Unterhaltung nicht auf einer Falle basierte? Was ist mit den Parteispendern (s.o.)? Spendeten diese hohe Beträge nur weil sie so nett sind?
Das sind Fragen, die ich mir stelle. Vielleicht andere auch? Man weiß es nicht.
Also bitte liebe Presse, bleibt in Zukunft weiter am Ball. Recherchiert in diesem Thema weiter, "ermittelt in allen Richtungen", wie es so schön heißt. Eine Information "zugespielt" (allein das Wort hat ein Geschmäckle) zu bekommen und dann zu veröffentlichen ist keine richtige Recherche, oder?

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rgw_ch 22.05.2019, 06:46
309. Weiterfragen

Wichtig wäre auch, zu erfahren, wieviel von dem Geschwätz Strache tatsächlich realisiert hat. Denn er war ja in der Regierung und hatte dank der Verzögerung dieser Publikation zwei Jahre lang Zeit, sich "in echt" bestechen zu lassen. Ich hoffe, die Recherche geht da weiter. Für die Bevölkerung ist es nämlich viel wichtiger zu wissen, ob ein Regierungsmitglied bestechlich ist, als ob es darüber salbadert.

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