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Diplomaten-Kritik an Trump: Britischer Außenminister distanziert sich von Botschafter
AFP

"Dysfunktional" und "unberechenbar": Diese Bewertung der Trump-Regierung durch seinen Botschafter weist der britische Außenminister Hunt zurück. Es gilt herauszufinden, wie die Depeschen an die Medien kamen.

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olsche 08.07.2019, 14:03
40.

Ein Hoch auf diesen Botschafter. Interessant ist ja, dass sich selbst in solch einer Kleinigkeit Trump zu Wort gemeldet hat. HT der eigentlich keine wichtigen Aufgaben zu erledigen? In Deutschland hätte wir uns gewundert, hätte sich Merkel zu Äußerungen des amerikanischen Botschafters zu Wort gemeldet.
Bedauerlicherweise hat sich der britische AM nicht schützend vor seinen Botschafter gestellt, sondern den ergebenen Gefolgsmann gegeben.

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derjoey 08.07.2019, 14:07
41.

Zitat von cobaea
Natürlich ist der Botschafter nicht mehr zu halten - Diplomaten heissen so, weil sie diplomatisch sein sollen. Also zwar die Ziele des Entsendelandes vertreten, ohne den Gastgeber vor den Kopf zu stossen. Um die Ziele verfolgen zu können, muss man die Situation realistisch beurteilen und genauso an das Entsendeland übermitteln. Aber im Gastgeberland hat sich ein Diplomat nicht in die Politik einzumischen und er verprellt den Gastgeber nicht - schliesslich will er noch etwas von ihm.
In diesem Fall handelte es sich allerdings laut Artikel um geheime Briefings an das Außenministerium, und da ist es sicherlich nicht gewünscht, wenn der Botschafter diplomatisch-freundlich statt offen und direkt kommunizieren würde. Ich würde mir als Chef des Botschafters auf jeden Fall ehrliche Antworten auf meine Fragen wünschen und kein Herumgeschwurbel oder Heruntergespiele.

Die Reaktion des britischen Außenministers halte ich für normal. Der muss halt öffentlich diplomatisch agieren. Und nur weil Mr. Trump unfähig dazu ist, muss sich ja nun nicht jeder Politiker auf dessen unterirdisches Niveau herabbegeben.

Sorgen würde ich mir an Stelle von Mr. Hunt und Mr. Darroch wegen der undichten Stelle machen, denn die ehrliche Meinung eines Botschafters durchzustechen ist ja nun nicht gerade Whistleblowing - da wollte jemand einfach nur Schaden verursachen.

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kael 08.07.2019, 14:09
42. Einspruch!

Zitat von Grzegorz
The British are too polite to be honest, while the Germans are too honest to be polite. Das ist mal wieder das Dilemma der Briten. Anstatt einfach mal ehrlich zu sein wird geschwurbelt. Versucht mal einem Engländer ein Stück Kuchen anzubieten. Die Reaktion wird wahrscheinlich etwas in der Richtung 'I cannot possibly...' sein. Es wird diplomatisch und höflich abgelehnt aber doch gewollt. Der Deutsche bietet dann nichts mehr an. Wir sind da ehrlicher und sagen was wir wollen oder denken.
Internationale Diplomatie hat ihre eigenen Gesetze der Zurückhaltung gegenüber dem jeweiligen Gastland. Das gilt auch für Deutschland. Wir snd also keineswegs "ehrlicher und sagen, was wir wollen oder denken" als andere, wenn erstmal das Kind in den Brunnen gefallen ist - wenn z. B. die kritische Einschätzung eines Botschafters über die Regierung des Gastlandes in die Öffentlichkeit geraten ist. Ein deutscher Außenminister könnte gar nicht anders handeln als der britische und würde es auch nicht. Pech für den Botschafter.

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kuac 08.07.2019, 14:14
43.

Zitat von Peace&Freedom
Wem profitiert der Leak? .......
Wahrheit und Ehrlichkeit.

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cyborgpiratelaserninja 08.07.2019, 14:14
44.

No Sh*t? Der Außenminister sieht in einer offiziellen Erklärung anders als jemand der in einer eher vertraulichen Situation eine Aussage macht? Ja sag bloß. Man stelle sich nur vor er wäre auch noch Mitglied einer Regierung, deren Nation aufgrund einer einigermaßen schwerwiegenden Entscheidung nach so ziemlich jedem möglichen Verbündeten greifen muss.

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escherischiacoli 08.07.2019, 14:15
45. Nur für den Dienstgebrauch

ist die Kommunikation zwischen Diplomaten und Ministerium eigentlich gedacht. Veröffentlichungen dieser Art schaden nur der Diplomatie. Der Botschafter hat das getan was von ihm erwartet wird, und dass sich sein Chef von ihm distanziert, war ebenso klar abzusehen wegen der verzweifelten wirtschaftlichen Lage, die von den Brexiteers verursacht wurde. Das können uns Populisten also bieten: ein Land nachhaltig schwächen, um dann vor jeder etwas stärkeren Volkswirtschaft direkt um Vergebung für die eigene Meinung zu betteln. Nur noch abstossend.

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kuac 08.07.2019, 14:17
46.

Zitat von shmubu
Ja, der Botschafter hatte einfach zu hohe Ansprüche an andere Regierungen. Aber: Es kann einfach nicht jede Regierung so professionell, geistreich und zuverlässig sein, wie die britische. Nicht jedes Land verfügt über eine brillante Theresa May und ein derart kooperatives und lösungsorientiertes Parlament. Von England lernen heisst wohl siegen lernen...
Niemand in der Trump-Administration hat die Aussage des Botschafters widersprochen. Es ist eine brillante und treffende Analyse.

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neanderspezi 08.07.2019, 14:18
47. Botschafter mit wahrheitsgetreuer Beurteilung seines Gastlandes

Den Außenminister Großbritanniens mittels Durchstechen der geheimen Beurteilung der US-Administration und ihres Chefs durch den Botschafter Kim Darroch des in Brexit-Anstrengungen sich abmühenden ehemaligen Imperiums, in äußerste Verlegenheit zu bringen, kann vermutlich nur jemand gefingert haben, der unmittelbar daraus Nutzen zu ziehen beabsichtigt. Wer diesen Joker ausgespielt haben mag, ist sicher nur durch die in Britannien anstehende Wahl zu entschlüsseln, vor der dem gegenwärtigen Außenminister in seiner Rolle als Kandidat für den Premierposten eine ins Schleimen gehende Demutsgebärde gegenüber Trump und seinen Aktivisten auferlegt wurde, was zweifellos einer ansehnlichen Portion Wahlberechtigter in ihrer glühenden imperial ausstaffierten total realitätsfernen Isolationsrolle absolut nicht gefällt und einem Meister gezielter Beeinflussung ausgesprochen gute Dienste leistet.

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klichti 08.07.2019, 14:23
48.

Zitat von Normaler Wutbürger
Das eigentlich Skandalöse an dieser Geschichte ist, dass die Presse es mal wieder geschafft hat, an vertrauliche Notizen zu gelangen um diese zu veröffentlichen. Nicht um das Volk aufzuklären oder irgendeinen Skandal aufzudecken, sondern für eine Schlagzeile, die dafür sorgt dass ein Topdiplomat (der offensichtlich was taugt) abgesägt wird. Gratulation.
Die Presse ist schuld? Das kann nur jemand schreiben, dem an einer freien Presse nichts gelegen ist. Wer will keine freie Presse? Totalitäre Regimes und ihre Anhänger. Sie haben ein Problem. Anhänger von etwas zu sein, was wir Gott sei Dank noch nicht haben, muß hart sein für Sie.

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vrag_naroda 08.07.2019, 14:38
49. Das entscheidende Problem

Zitat von pariah_aflame
In was für Zeiten leben wir nur, dass das entscheidende Problem ist, wer das Memo der Presse gesteckt hat und nicht, dass der mächtigste Mann der Welt eine dysfunktionale und unberechenbare Administration betreibt.
ist für die Briten eher ein unloyaler Mitarbeiter an sensibler Stelle.
Die zutreffende Beurteilung des Charakters von Personen an den Schalthebeln der Macht und Einschätzung der Handlungsweise derselben also die Übermittlung der vor Ort gewonnenen Expertise an die Regierung seines Staates ist eine wichtige Aufgabe eines Botschafters. Vielleicht ein Relikt aus noch nicht allzufernen, nicht vernetzten Tagen. Heute entblödet sich der Führer auf Zeit einer Weltmacht nicht, sich direkt über den Volksempfänger Smartphone in einer Twittersendung direkt an Gott und die Welt zu wenden und dort seinen Launen zu fröhnen. Dank freier Presse, die inzwischen auch weltweit in Bruchteilen einer Sekunde zugänglich ist, ist es nun auch keine spuckewegreißende Enthüllung mehr, was der britsiche Botschafter da nach Hause meldet. Die Frage ist doch eher was den Mitarbeiter dazu getrieben hat die wenig spektakuläre Erkenntnis seines Chefs zu "verraten": Ist er ein mutmaßlicher Trumpfan, ein persönlicher Gegner des Botschafters, ein um was auch immer besorgter Bürger?

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