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Drangsalierung ausländischer Reporter: "Ihr seid Feinde Ägyptens"
REUTERS

Ägyptens Militärregime hat neben den Muslimbrüdern einen neuen Feind ausgemacht: ausländische Reporter. Sie werden als Lügner beschuldigt und eingeschüchtert. Auch ein SPIEGEL-ONLINE-Team wurde grundlos stundenlang inhaftiert.

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RalfHenrichs 19.08.2013, 18:16
1. Faschismus

Der Gründer der Sozialdemokratischen Partei Ägyptens, ein entschiedener Gegner der Muslimbrüder, nannte heute im Morgenmagazin das Militärregime faschistisch. Recht hat der Mann.

Gegen Faschismus muss der Westen aber entschieden vorgehen. Das Mindeste ist Abbruch jeglicher wirtschaftlicher und diplomatischer Beziehungen zu Ägypten.

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Carabus 19.08.2013, 18:22
2. optional

Die Ägypter haben wohl nur noch die Wahl zwischen Teufel und Belzebub: dem alten korrupten Mubark Staat gestützt auf Militär und Polizei oder einem islamistischen "Gottesstaat". Doch vorerst wohl eine Phase mit viel Blutvergießen oder gar Bürgerkrieg. Good By Ägypthen!

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fatfrank 19.08.2013, 18:28
3. So so, muss er?

Zitat von RalfHenrichs
Gegen Faschismus muss der Westen aber entschieden vorgehen. Das Mindeste ist Abbruch jeglicher wirtschaftlicher und diplomatischer Beziehungen zu Ägypten.
Genau verkehrt. Die besten Geschäfte lassen sich mit Diktatoren machen, die ihre Bevölkerung gnadenlos unterdrücken. Das weiß man inzwischen sehr gut im sog. "Westen".

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elikey01 19.08.2013, 18:29
4. Woher kommt diese verquer-emotionale Geisteshaltung?

Zitat von sysop
Ägyptens Militärregime hat neben den Muslimbrüdern einen neuen Feind ausgemacht: ausländische Reporter. Sie werden als Lügner beschuldigt und eingeschüchtert. Auch ein SPIEGEL-ONLINE-Team wurde grundlos stundenlang inhaftiert.
So übel wirkt sich aus, wenn man bei einem Regimewechsel die alten "Eliten" (u.a. z.B. polizeil. Folterknechte) in ihren Funktionen weitgehend belässt.
Das haben Mursi und die MB wohl nicht bedacht, weil sie womöglich die "Eigenschaften und Befähigungen" dieser Staatsgewalten für ihre Interessen im Bedarfsfall zu nutzen gedachten.

Da Ägypten und insb. auch das (stark wirtschaftl. involvierte) Militär auf ausländ. Investoren, Tourismus und Geldgeber (IWF) letztlich angewiesen ist, kann der Westen nur noch auf dieser Schiene agieren: Alle Gelder sperren.
Die Touristikunternehmen haben Reiseangebote gänzlich eingestellt.

Gerade die USA, die nicht nur ägyp. Offiziere ausbildete, sondern das Militär mit jährl. Mrd.-Hilfen unterstützte, hat hier h.E. eine entscheidende Rolle wahrzunehmen.

Unter Mubarak war damit der Frieden Ägyptens gegenüber dem israel. Nachbarn gewährleistet.
Dass der islamist.. Aufruhr unter den brutalen militär. und polizeil. Maßnahmen jetzt nicht auch nach Israel überschwappt, muss befürchtet werden.

Dass die Islamisten bzw. die MB sich bei einem Rückzug von Militär und Polizei "mäßigen" würden, so lange nicht auch Mursi wieder im Amt ist, darf bezweifelt werden, aber ebenso eine Wiedereinsetzung Mursis.

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neu_ab 19.08.2013, 18:30
5. wie ist diese Aussage jetzt zu deuten?

"Mit Mursis Islamisten wäre das nicht passiert!!1!einself!!"?

Vielleicht hätte SPON sich nicht so anbiedern sollen an die Islamisten? Vielleicht haben die Ägypter auch deutschkundige Leute?

Ich empfehle den Redaktionen nur, sich am besten ganz fernzuhalten aus solchen Krisengebieten. Ein Festhalten über mehrere Stunden ist da noch äusserst glimpflich.

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ewspapst 19.08.2013, 18:31
6.

Zitat von RalfHenrichs
Der Gründer der Sozialdemokratischen Partei Ägyptens, ein entschiedener Gegner der Muslimbrüder, nannte heute im Morgenmagazin das Militärregime faschistisch. Recht hat der Mann. Gegen Faschismus muss der Westen aber entschieden vorgehen. Das Mindeste ist Abbruch jeglicher wirtschaftlicher und diplomatischer Beziehungen zu Ägypten.
Wieso muss der Westen gegen Faschismus vorgehen, wenn in einigen seiner zum Westen zählenden Staaten so etwas Ähnliches abläuft.
Wir sollten uns nicht anmassen, jedem Staat in dieser Welt unsere Interessen aufzuzwingen. Die Staaten sollten das ihrer eigenen Bevölkerung überlassen, wie sie ihr eigenes staatliches Leben gestalten wollen und keinen westlichen Moralaposteln, deren Lügen und deren Betrug an fremden Völkern durch die NSA jetzt ständig dokumentiert wurde- auch durch den Spiegel- und die sicher kein Vorbild sein können.

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LuckyD 19.08.2013, 18:32
7. Problem ist nur...

dass es den Menschen dort (der Mehrheit wohlbemerkt) nicht besser gehen wird, wenn der Westen sich komplett aus allem raushält. Mittlerweile schießt das Militär ja auch schon auf Mursi-Gegner, die gegen Mursianhänger protestieren!!
Die finanziellen Unterstützungen an das Militär sollten auf jedenfall gestoppt werden, aber Berichte und Interviews weiterhin stattfinden. Auch die Politiker sollten sich mehr engagieren und nicht nur aus dem Urlaub einpaar nette Worte sagen.
Mittlerweile kann ich gar nicht mehr einschätzen, wer im Recht ist und wer nicht. Das Militär schien mir zu beginn die richtigen Entscheidungen zu treffen, die die Stimme der Mehrheit repräsentieren, aber jetzt scheint auch das Militär willkürlich und machtbesessen zu handeln.
Mursi zu stürzen fand ich absolut richtig! Der Mann hat das Gegenteil von dem getan, was er allen versprochen hatte. Aber mit Gewalt, Folter und Hinrichtungen eine Partei vernichten zu wollen ist das genaue Gegenteil!
So viel unnötiges Blutvergießen und kein Ende in Sicht!

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JuppSchmitzKoeln 19.08.2013, 18:36
8.

Zitat von fatfrank
Genau verkehrt. Die besten Geschäfte lassen sich mit Diktatoren machen, die ihre Bevölkerung gnadenlos unterdrücken. Das weiß man inzwischen sehr gut im sog. "Westen".
Falsch!
Bei über 80 Millionen Ägyptern hätte .schland einen eindrucksvollen Absatzmarkt für die hier erzeugten Produkte, wenn die Leute eben genug Geld zum konsuimieren haben. Eine Machtelite alleine kann niemals soviel konsumieren, wie das gesamte Volk, wenn es denn nur genügend Geld hätte.

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Schraube 19.08.2013, 18:37
9. Überreizt, kann man da nur sagen

Wäre schön gewesen, wenn Ägypten den Übergang in die Demokratie tatsächlich geschafft hätte. Leider haben sie zuerst keine gute Verfassung geschaffen, auch könnten die wirtschaftliche Macht der Militärs nicht konntern, sie schafften es auch nicht mit anderen gesellschaftlichen Kräften zu kooperieren. So kann Demokratie nicht funktionieren. Vielleicht läuft es wie in Mianmar, dass ein sanfter Übergang von der Militärdiktatur gelingt. In Syrien wurde der Versuch erfolgreich hintertrieben. Ich bin gespannt, ob Ägypten noch einen Anlauf wagt.

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