Forum: Politik
Dritte Runde der Brexit-Verhandlungen: Über Geld spricht man nicht (in London)
REUTERS

Briten und Europäer reden aneinander vorbei, die Brexit-Verhandlungen stocken. Die EU will bei der dritten Runde über Milliarden sprechen, London winkt ab. Ein Kompromissvorschlag ist da - der bietet aber politischen Sprengstoff.

Seite 1 von 4
micspiegelforum 28.08.2017, 16:59
1. Regeln

"Vielleicht ist das das beste Ergebnis, auf das man derzeit hoffen kann." Nein, es gelten Regeln und auch wenn es schwer fällt sollte es allen einleuchten, dass diese einzuhalten sind. Das ist einfach, übersichtlich, nachvollziehbar. Was nicht heißt das der einfach ist, sicher auch nicht immer übersichtlich aber eben regelkonform und immer nachvollziehbar. Gefallen einem die Regeln nicht, dann muss man sie gem. den dafür geltenden Regeln eben ändern. Wenn man denn kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
flaviussilva 28.08.2017, 17:11
2. Kein Plan B !

Als die Regierung Cameron die Briten über den Brexit abstimmen
ließ hatte Sie einfach keinen Plan B für den Fall dass die Bürger
für den Brexit stimmen würden und den Plan gibt es bis heute
nicht. Nach der missglückten Neuwahl ist Theresa May nur noch eine
wandelnde Leiche und ihre Innerparteilichen Gegner warten nur
darauf sie zu stürzen.

Es gibt also nur zwei Szenarien:

1. May wird gestürzt und die Tories bleiben an der Macht, unter
wem auch immer, dann kommt es sicher zum Big Bang.

2. May wird gestürzt, es gibt Neuwahlen, hoffentlich gewinnt Labour
und die lassen über den Exit vom Brexit abstimmen.
Stimmen die Briten wieder dafür = Big Bang.
Stimmen sie diesmal dagegen = Wiederaufnahme ohne Britenrabatt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Domainator 28.08.2017, 17:25
3.

Das ist genau das, was die Briten seit jeher verlangen: Ein Sonderstatus. Ein Rabatt, irgendwelche Ausnahmen.
Ich, der ich mit dem Brexit höchst unglücklich bin, bin gegen solcherart Sonderbehandlung. Das muss endlich ein Ende haben, damit die EU das werden kann, was sie werden muss: Eine einheitliche Wirtschaftszone. Ein Sonderstatus für einzelne Staaten, aus welchen Gründen auch immer, hat da keinen Platz.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
axel.larator 28.08.2017, 17:59
4. Warum nachgeben?

Vor nicht allzulanger Zeit haben alle über die Briten gelästert und allen UK Sonderlocken eine Absage erteilt.
In UK wurde eine Wahl durchgeführt mit ca. 90% Ignoranz zum Thema EU. Kein normaler Brite hatte auch nur im Ansatz einen Überblick über die EU, siehe Finanzierung Cornwall als bestes Beispiel.
In den Zeitungen wurde teilweise nur unsachlicher Schrott publiziert, im TV war es bei den Privaten auch nicht besser.
Dazu Politiker, die aus taktischen Gründen gelogen haben, sie BoJo und diverse andere.
Plus einen ganzen Haufen Briten, die gegen EU-Bürger aus Polen waren, die in Massen einreisten um zu arbeiten.
Plus eine altgewordene konservative Mittelschicht, die noch irgendwie oder irgendwo das Empire in den Knochen haben und zum Frühstück Britannia rules the waves singen.
Und das schlimmste Plus waren die uninformierten Nichtwähler, die sich damit selbst ins Knie geschossen haben. So bastelt man sich ein Disaster, welches ja jetzt in der Tür steht.
Für die aktuelle politische Klasse geht es nur noch um Machterhalt, siehe May, und sonst nichts.
Nur was ist jetzt mit den uninformierten Plusmenschen, die diese Kaste der politischen Vollzeitdeppen gewählt haben UND bei der Wahl ihren Gefühlen gefolgt sind?
Sollen wir jetzt etwa Mitleid zeigen, nach gut 50 Jahren britische Sonderlocken in der EU? Marke gutes britisches Sportsmanship, Hände schütteln und weiter geht es, als wäre nichts gewesen?
No Sir, No Merci und ab sofort Lernen durch Schmerz. Dies ist der einzige Weg um die Ignoranz und die damit verbundenen Gefahren für ein ganzes Volk erfühlbar zu machen.
It is the hard way, that does it.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
decathlone 28.08.2017, 18:04
5. Es zeichnet sich ab, dass...

das Vereinigte Königreich die Kurve nicht kriegen wird, bzw. die Nachteile des Brexit schon eintreten, während man ihn verhandelt, und damit das ganze Unternehmen scheitert, ehe es richtig begonnen hat. Und wo soll anyway das Geld herkommen, dass man noch nachzahlen muss? Am Ende wird es auf eine Runde Feilschen über die nächste Runde Rosinenpickerei hinauslaufen. Und für Großbrittanien bleibt es bei der Paradoxie, dass das stolze Albion der ungeliebten EU angehört, obwohl man eigentlich das Oberkommando in Europa haben sollte. Das wünschen sich/denken jedenfalls die britischen Konservativen. (In Kreisen franz. Konservativer und auch einiger Sozialisten sieht es ähnlich aus. Man muss nur mal die diversen Profilierungsbücher von Möchtegern-Präsidenten aus dem konservativen Lager in die Hand nehmen... Und den Deutschen wirft man das ja sowieso vor. Wobei wir niemanden mehr beherschen wollen, sondern alle Welt auf Pump mit 3er BMWs beliefern....) Das ist die von Clark in seinem voluminäsen Buch so schön beschriebenen Schlafwandler. Und die Westentaschen-Napoleaons in den kleinen Staaten an der Peripherie stehen auch alle bereit (Polen, Ungarn, Serbien, Türkei - hab ich wen vergessen?) Das gute an der Rosinenpickerei ist, dass man sich nicht mit 1. Handelsembargos und dann später mit 2. Bomben bewirft. Also eine Runde Rosinen für alle und 2 oder 3 Extra-Rosinen für die Insel??

Beitrag melden Antworten / Zitieren
theodtiger 28.08.2017, 18:15
6. Erschreckend

Es ist erschreckend, mit welchem Dilettantismus die Briten den Brexit und die Verhandlungen angehen. Offenbar haben sie keinen Plan. Dabei ist es logisch, dass zuerst die Trennungsmodalitäten geregelt werden. Danach wendet man sich den zukünftigen Beziehungen zu. Dies geht umso eher, je ernsthafter über die Einzelheiten der Trennung verhandelt wird. Dazu fehlt leider der politische Wille in London.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
decathlone 28.08.2017, 18:17
7. Es zeichnet sich ab, dass...

das Vereinigte Königreich die Kurve nicht kriegen wird, bzw. die Nachteile des Brexit schon eintreten, während man ihn verhandelt, und damit das ganze Unternehmen scheitert, ehe es richtig begonnen hat. Und wo soll anyway das Geld herkommen, dass man noch nachzahlen muss? Am Ende wird es auf eine Runde Feilschen über die nächste Runde Rosinenpickerei hinauslaufen. Und für Großbrittanien bleibt es bei der Paradoxie, dass das stolze Albion der ungeliebten EU angehört, obwohl man eigentlich das Oberkommando in Europa haben sollte. Das wünschen sich/denken jedenfalls die britischen Konservativen. (In Kreisen franz. Konservativer und auch einiger Sozialisten sieht es ähnlich aus. Man muss nur mal die diversen Profilierungsbücher von Möchtegern-Präsidenten aus dem konservativen Lager in die Hand nehmen... Und den Deutschen wirft man das ja sowieso vor. Wobei wir niemanden mehr beherschen wollen, sondern alle Welt auf Pump mit 3er BMWs beliefern....) Das ist die von Clark in seinem voluminäsen Buch so schön beschriebenen Schlafwandler. Und die Westentaschen-Napoleaons in den kleinen Staaten an der Peripherie stehen auch alle bereit (Polen, Ungarn, Serbien, Türkei - hab ich wen vergessen?) Das gute an der Rosinenpickerei ist, dass man sich nicht mit 1. Handelsembargos und dann später mit 2. Bomben bewirft. Also eine Runde Rosinen für alle und 2 oder 3 Extra-Rosinen für die Insel??

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rainer82 28.08.2017, 18:17
8. Die EU ist in der komfortablen Lage,

ohne jeden Zeitdruck die Briten im eigenen Saft so lange schmoren zu lassen, bis sie sich an die verabredeten Spielregeln halten. Dieses Prozedere kostet die Briten allerdings täglich Unmengen an Geld, das sie auf Dauer gar nicht haben. Schon jetzt leidet die britische Wirtschaft unter dem Brexit, während hierzulande täglich neue positive Wirtschaftsdaten vermeldet werden. Mein Mitleid mit den Briten hält sich in Grenzen, denn sie haben sich diesen in die Katastrophe führenden Weg selbst ausgesucht bzw sind auf die Schalmeienklänge gewissenloser Demagogen und wirtschaftspolitischer Laienprediger reingefallen. Nun müssen sie die sich selbst eingebrockte Suppe auslöffeln.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Karl10 28.08.2017, 18:19
9. Flüssiges Glück

Ich möchte auch von dem flüssigen Glück, das scheinbar in der EU die meisten nehmen. Ich sehe leider immer nur den Nettozahler UK, der bisher ein Viertel aller Nettozahlung der EU geleistet hat und nun geht. Es sind auch sehr viel mehr EU-Bürger in UK als umgekehrt. Hinzu kommt der Finanzstandort London (der im Großen und Ganzen bleiben wird), DIE Metropole in Europa ist und bleibt London und eine sehr gute globale Vernetzung der Angelsachsen (inklusive Kanada, Australien, Neuseeland) und der beste aller besten Bündnispartner USA. Ich weiß, viele hier werden die Chinesen, Türken, Araber und Nordkoreaner als Partner besser finden. Ich nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4