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Ehe für alle: Das Grundgesetz ist nicht homophob
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Selbst wenn im Grundgesetz nur die Ehe zwischen Mann und Frau geschützt sein sollte, hindert das den Staat nicht daran, auch gleichgeschlechtliche Ehen zuzulassen.

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Proggy 04.07.2017, 19:05
1.

Als die Väter des Grundgesetzes von "Ehe" sprachen, meinten sie selbstverständlich die Ehe zwischen Mann und Frau. Andere Formen (Homosexualität war zu diesem Zeitpunkt noch strafbar) konnten nicht "gemeint" sein.
Wenn es für eine Gruppe einen "besonderen Schutz" gibt, kann dieser nicht einfach auf andere Gruppen ausgedeht werden, dann wäre es ja nichts "besonderes" mehr?!

Trotzdem sollte es in der heutigen Zeit die gleichberechtigte Ehe für 'alle' geben und kein Lebensentwurf benachteiligt werden. Gleichzeitig sollte aber auch das Grundgesetz entsprechend abgeändert werden.
Sämtliche Vergünstigungen für 'Verheiratete' sollten generell gestrichen werden, dafür die Ehen (egal welche!) mit Kindern wesentlich mehr gefördert werden.

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Noob 04.07.2017, 19:12
2. Wen interessiert denn das Grundgesetz?

Der Bezug auf das Grundgesetz als Argument für den Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau ist nichts als Heuchlerei. Sonst sind sich die Parteien auch nicht zu Schade, das Grundgesetz ihren Vorstellungen nach anzupassen und zu verbiegen. Zuletzt durch Änderung von Artikel 13. Ganz zu schweigen davon, dass sowieso nichts so ist, wie es im Grundgesetz steht.

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marthaimschnee 04.07.2017, 19:15
3. was das Grundgesetz wahrscheinlich meint, interessiert nicht

"Zwar gebietet das Grundgesetz in seinem Artikel 6 den besonderen Schutz der Ehe - und meint damit wahrscheinlich noch immer die Ehe zwischen Mann und Frau. "

Das Grundgesetz meint rein gar nichts. Wenn hier die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau gemeint ist, dann ist dies lediglich hineininterpretiert. Die Ehe ist kein feststehendes Naturgesetz, sie ist eine Definition, die eben der Staat festlegt (eine sich durchziehende Schwäche in unserer Verfassung, das einfach grundlegende Begriffe wie auch "Würde" nicht klar definiert werden). Wenn der Staat also will, kann er auch das Zusammenleben von Hund und Katze als "Ehe" definieren, was dann entsprechend geschützt wäre.

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wjr69 04.07.2017, 19:15
4. Thema verfehlt

Es geht doch nur darum, ob der Wortlaut der Grundgesetzes ergänzt oder dort eine Definition aufgenommen werden muss. Mit einer Argumentation vom Ergebnis her (und einer Diffamierung von Kritikern als rückständig) will man nun den Ehebegriff als Generalklausel für alle möglichen Lebensformen machen, die nach dem Zeitgeist gerade schützenswert erscheinen, und die 2/3 -Mehrheit vermeiden, obwohl er selbst sagt, das mit der Ehe nach Art. 6 GG wohl nur die Verbindung von Mann und Frau gemeint war. Man kann aus einem eindeutig belegten Begriff nicht nachträglich OHNE WORTLAUTÄNDERUNG eine unbestimmte Generalklausel machen, nur weil man keine 2/3 Mehrheit erstreiten will, obwohl keine 30 Stimmen am Freitag für diese Mehrheit gefehlt haben.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin für eine Ehedefinition im Grundgesetz, die möglichst weit ist und auch nicht auf nur zwei Personen beschränkt ist. Dann ist auch auf Dauer an der Front Ruhe. Ich rieche schon die Diskussion in zehn Jahren über all die zurückgebliebenen polyamorphoben Reaktionäre, die sich gegen den Fortschritt und die Ehe zu dritt oder zu zwölft sträuben.

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helmutkuhn 04.07.2017, 19:25
5. Die Ehe ist unantastbar

Geht man davon aus, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ein menschlich und naturgegebenes Bündnis der Zweisamkeit ist, das schon vor der Gründung irgend eines Staates und vor jeglicher Gesetzgebung existiert hat, und natürlich sich komplementierende und sich fortpflanzende Motive und Zwecke beinhaltete, dann stellt sich die berechtigte, und meines Erachtens nach retorische Frage, ob diese Ehe an sich nicht unantastbar ist. Hat ein Staat, oder sonst irgend jemand überhaupt das Recht, diese Ehe anders zu definieren oder sogar zu modifizieren? Ist die Ehe nicht wie die Ehre, nämlich unantastbar? Sägt die Menschheit hier nicht am eigenen Ast, wodrauf sie sitzt? Eine Homo-Ehe ist eindeutig anti-natura. Damit ein Kind enstehen kann, bedarf es eines Mannes und einer Frau. Somit ist es nur natürlich, dass das Kind auch in dem Kontext von einem Mann und einer Frau aufwachsen sollte. Die Homo-Ehe besitzt in sich auch keine Möglichkeit der für das Überleben der Menschheit notwendigen Reproduktion. Sollte in der Homo-Ehe ein Wunsch nach Adoption von Kindern bestehen, dann können diese Kinder ja nicht von anderen Homo-Ehen gestellt werden, sondern nur aus Beziehungen zwischen einem Mann und einer Frau. Die Partner einer Homo-Ehe sind ja auch aus einer solchen Hetero-Beziehung entstanden. Ich schlussfolgere: die jahrtausende alte und sich bewährt habende Ehe muss Ehe bleiben. Sie ist unantastbar. Mit dieser Argumentation ist man weder homophob noch diskriminierend, sondern einfach NORMAL.

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syracusa 04.07.2017, 19:34
6.

Die Kultur ändert sich ständig, und ab und zu wird es deshalb notwendig, dass die Gesetzeslage an die geänderten Grundwerte der Gesellschaft angepasst werden müssen. Das gilt selbstverständlich auch für das Grundgesetz, denn das ist nicht wie Koran und Bibel das unveränderbare Wort Gottes.

Nun ist es beim Begriff der Ehe zufälligerweise so, dass das Grundgesetz keiner Änderung bedarf, um dern zivilisatorischen Fortschritt, den die deutsche Gesellschaft seit der Formulierung des GGs gerecht zu werden. Die "Verfassungsväter" (AFAIK war auch eine Frau dabei) haben sicher die heterogene Ehe gemeint, aber wir verstehen heute unter eine Ehe jede Art von Beziehung zwischen zwei Menschen, die rechtsverbindlich erklärt haben, füreinander Verantwortung zu tragen. Und weil das GG den Begriff der Ehe nicht definiert, können wir das GG einfach neu interpretieren.

Übrigens bleibt das Besondere der Ehe unangetastet, wenn es auf die "Ehe für alle" ausgedehnt wird. Es ging und geht immer das rechtsverbindliche Verantwortung tragen. Das tun homosexuelle Paare ganz genau so für heterosexuelle, und deshalb verdienen sie auch denselben Schutz, falls sie diesen wünschen.

Übrigens ist das nicht das Ende aller Tage. Der zivilisatorische Fortschritt wird weiter gehen. Vielleicht werden schon in 50 Jahren auch Ehen mit 5 oder 6 beteiligten Partnern unter denselben Schutz gestellt. Es gibt vermutlich Kommunen, die das wünschen ...

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GeBrau 04.07.2017, 19:40
7. @Proggy

"Als die Väter des Grundgesetzes von "Ehe" sprachen, meinten sie selbstverständlich die Ehe zwischen Mann und Frau. Andere Formen (Homosexualität war zu diesem Zeitpunkt noch strafbar) konnten nicht "gemeint" sein."

Als die Väter des Grundgesetzes von "Ehe" sprachen, meinten sie selbstverständlich die Ehe zwischen mann und Frau, in der die Frau von der Genehmigung des Mannes abhängig war, wenn sie arbeiten oder ein Konto einrichten wollte und in der ein Mann die Frau straflos vergewaltigen durfte.
Andere Formen konnten nicht "gemeint" sein, da die Gleichberechtigung der Frauen zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesetzlich erlaubt war und die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe erst vor ein paar Jahren (gegen den ausdrücklichen Willen z. B. von Herrn Seehofer) eingeführt wurde.

Was wir heute unter Ehe verstehen, hat mit dem Eheverständnis der Verfassungsgeber in vielen Teilen nur noch wenig zu tun. Der Gesetzgeber hat die Befugnis, das Institut Ehe der jeweiligen Gesellschaft entsprechend zu regeln. Und das hat er jetzt mal wieder getan.

Die Grundrechte sind Rechte des Bürgers gegen den Staat, wie leider oft vergessen wird. Der Schutz der Ehe bezieht sich darauf, dass der Staat nicht, wie im III. Reich, Ehen seiner Ideologie gemäß zerstören und auseinanderreißen darf. Dieser grundgesetzliche Schutz der Ehe bleibt erhalten. Der Gesetzgeber kann regeln, wer alles Zugang zu diesem Institut hat.

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7eggert 04.07.2017, 19:45
8.

Zitat von Proggy
Trotzdem sollte es in der heutigen Zeit die gleichberechtigte Ehe für 'alle' geben und kein Lebensentwurf benachteiligt werden. Gleichzeitig sollte aber auch das Grundgesetz entsprechend abgeändert werden. Sämtliche Vergünstigungen für 'Verheiratete' sollten generell gestrichen werden, dafür die Ehen (egal welche!) mit Kindern wesentlich mehr gefördert werden.
Selber Text, nur diesmal was Anderes meinen?

Das Verfassungsgericht hat schon 2002 dieses Gesetz genehmigt, wenn man mal das Urteil liest. Denn es hat sich den Text und die Entstehungsgeschichte angesehen.

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jogo_ep-fan 04.07.2017, 19:46
9.

Ich wiederhole mich wenn ich sage, dass das Grundgesetz nicht geändert werden muss, da die Legaldefinition von "Ehe" unklar ist. Dass die Väter und Mütter des GG sich eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht vorstellen konnten ist wahrscheinlich (andererseits gab es schon immer Menschen, die sich von traditionellen Werten und religiösen Moralvorstellungen distanzierten, so dass vielleicht damals doch jemand daran gedacht hat), aber nicht objektiv nachweisbar. Ich sehe das also genauso, wie im Artikel oben ausgeführt.

Originalismus wie er in den USA üblich ist - also dass der vermutete Willen der Verfassungaschöpfer quasi zwangsweise in die Rechtsprechung mit einfließen muss - gibt es in der deutschen Rechtsprechung so nicht.

Grundsätzlich ist niemand dazu verpflichtet ein Gesetz dem BVerfG zur Überprüfung vorzulegen. Im hiesigen Fall, einer Gewissensentscheidung, halte ich es aus politischen Gründen sogar völlig unangebracht dies zu tun.

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