Forum: Politik
Ein Jahr #MeToo: Die Dunkelfrauen
DPA

Viele #MeToo-Verfahren gleichen dem Pranger des Mittelalters, an dem der Delinquent öffentlich ausgestellt wurde. Der wesentliche Unterschied: Der Gepeinigte im Mittelalter konnte denAnklägern ins Gesicht sehen.

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Fuxx81 11.10.2018, 16:13
10. Nüchtern betrachtet

Ich verstehe auch nicht, warum die Presse einem lauten aber zahlenmäßig zum Glück verschwindend kleinen Online-Hassmob ein derart großes Forum gibt. Man könnte fast dem Irrtum erliegen, sexueller Missbrauch, bzw. Belästigung sei ein gesellschaftlich relevantes Problem. Ist es zum Glück genauso wenig wie Gewaltverbrechen durch Flüchtlinge, aber jeder scheint heutzutage in seiner Filterblase irgendetwas aufbauschen zu müssen.

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spon_4_me 11.10.2018, 16:20
11. Normalerweise

bin ich bekennender Fleischhauer-Fan. Nicht in dem Sinne, dass ich alles gut und richtig finde, was er schreibt, aber in dem Sinne, dass ich seine Stimmlage und Tonart für eine wertvolle Ergänzung des allgemeinen Bildes halte. Aber hier? Da fällt mir Cicero ein: Usque ad tandem... Wie lange noch muss ich die persiflierende Verkürzung von me2 auf "man darf dann nicht mehr flirten", "man darf dann einer Frau nicht mehr die Tür aufhalten" usw. und die daraus abgeleitete altväterliche Empörung noch lesen? Es ist ja vielleicht verzeihlich, wenn Redakteurinnen Eures Hauses Forderungen für eine sicheres feminines Leben im 20. Jahrhundert aufstellen oder Ihr kritisch, wenngleich überlang des Übervaters Augsteins lüsternes Treiben beleuchtet und dergestalt Buße tut. Aber ich würde mir schon wünschen, dass Ihr nicht nur nach Dingen dort sucht, wo - um den alten Witz zu zitieren - zufällig gerade eine Laterne oder ein greller Bühenscheinwerfer Licht spendet, sondern Euch mit den Stories von Frauen beschäftigt, die wirklich und systematisch unter dem Machtgefälle zwischen Mann und Frau leiden und entsprechend ausgebeutet werden. Ich gestehe auch einem Jan Fleischhauer seine prägenden Erfahrungen mit weibliche Vorgesetzten zu und hoffe, dass die Damen die gemeinsame Zeit ähnlich untraumatisiert überstanden haben. Aber wollt Ihr Euch nicht einmal den "kleinen Frauen" zuwenden, den Hotelangestellten, den Kellnerinnen, den Landarbeiterinnen beim Spargelstechen, den Zeitarbeiterinnen? Me2 ist schon deshalb kein Pranger, weil man - um am Pranger zu stehen - auch im Mittelalter verurteilt werden musste. Es ist eine Bewegung mit ihren Mitläufern und absurden Ausschlägen, Peinlichkeiten und gefallenen Heroinnen. Aber das ist jede emanzipatorische Bewegung. Wenn es keine im wörtlichen Sinne Verrückten gäbe, gäbe es auch keine Bewegung.

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miklerk 11.10.2018, 16:21
12. "Me too oder moderne Hexenjagd

Bei der modernen Hexenjagd sind die Rollen vertauscht und die Hexen stehen auf der anderen Seite.

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urbanism 11.10.2018, 16:21
13. einen Hauch

M.E. hat Mee Too einen Hauch von Lynch Justiz. Zweifelsohne müssen Menschen bestraft werden die Frauen gegenüber straffällig geworden sind, jedoch ist das Aufgabe der Justiz und nicht von Mee Too. Mee Too entwickelt sich mehr und mehr zu einem Mob, wo irgendeiner schreit und alles setzt sich in Bewegung, wobei die tatsächlichen Hintergründe teilweise eher schwammig und banal wirken oder ihr Wahrheitsgehalt mehr als anzuzweifeln ist. Aber so ist das im Digital Zeitalter, wir brüllen und vorverurteilen schnell wobei die Tatsachen eher eine Nebenrolle einnehmen bzw. egal sind.

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dasfred 11.10.2018, 16:24
14. Warum, Herr Fleischhauer?

Das ist ja nun die langweiligste Fleischhauer Kolumne seit langem. Erstmal betonen, dass man selbst ja nicht so Einer ist, der sich nicht zu benehmen weiß, dann, wie zu erwarten das Mitleid mit anonym beschuldigten Männern, die sich kaum wehren können und zum Schluss noch Verständnis für die Politikerin aus Österreich und ein wenig drauf auf den Kläger, wegen Feigheit und so. Das ist doch keine richtige Fleischhauer Kolumne. Wo bleibt das Erregungspotenzial? Müssen sich ihre treuen Fans jetzt selber die öffentliche Geißelung der anonymen Karriere Vernichterinnen aus den Fingern saugen? Wo Fleischhauer drauf steht, muss auch richtig hingelangt werden, sonst vergeht uns der Lesespaß und die oft köstlich mittelalterlichen Kommentatoren kommen gar nicht richtig in Fahrt.

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meresi 11.10.2018, 16:29
15. Frauenversteher

Dazu muss man geboren sein. In meiner Jugend war ich höflich und zuvorkommend jedem gegenüber. Inkl. Türe aufhalten oder älteren Personen, inkl. Frauen beim Einsteigen in Busse oder Tramways behilflich. Das mach ich auch heute noch. Frauen die jünger sind, sind sich selbst überlassen seit 1968 als sie vehement nach Gleichberechtigung riefen. Die bekamen sie von mir, bis zum heutigen Tag. Wo ich vorbehaltlos zustimme ist das Thema Sex am Arbeitsplatz. Man hat keine Affären am Arbeitsplatz und äußert keine schlüpfrigen Witze dortselbst. #Metoo ist etwas das ich nicht ganz nachvollziehen kann. Jahre später nach ungustiösen Ereignissen an die Öffentlichkeit zu gehen finde ich nicht richtig. Denn, nach so langer Zeit wird die Beweisführung schwammig. step forward right away or stay in your closet. Das ist auch die Meinung vieler amerikanischer Frauen die ich zu diesem Thema befragt habe. Nun gut, es könnte sich um Trumpwählerinnen handeln, ich hab nicht nachgehakt. Was Gleichberechtigung betrifft, ich kenne viele Frauen die sich als Rosinenpickerinnnen entpuppten, das brauch ich nicht. Was Sigi Mauer betrifft, nun, diese Dame muss man persönlich kennen um die derzeitige Angelegenheit exakt beurteilen zu können. Lt. Hörensagen kann sie schon kräftig austeilen, manchmal auch unter der Gürtellinie. Man sollte vielleicht ein paar ihrer Ex-Kollegen dazu befragen. Das hat ja offensichtlich noch niemand gemacht. Sonst wird ja auch immer in der nächsten Umgebung einer Person nach Informationen gegraben. Übrigens, sie hätte auch die Straßenseite wechseln können, was sie aber nicht wollte. Naja, vielleicht suchte sie die Konfrontation, ist ja ein Teil von ihr wie mir scheint. Aber wie gesagt, bin kein Frauenversteher. Männer reden in klaren Sätzen, wohingegen die Damen unserer Herzen immer um den Brei herumreden. Die Frauenversteher die ich persönlich kenne, wollen auch nur das Eine, die Dame ihres Herzen zwischen die Laken zu bekommen. Sie gehen die Dinge halt nur anders an. Sind gute Zuhörer, zeigen immense Sympathie und Verständnis für all die geäußerten Wehwehchen und Sorgen um an Ende die erschöpfte Erzählerin erfolgreich zu trösten. So schauts aus, zumindest in Österreich

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Harmvon Lintig 11.10.2018, 16:29
16. Guter Kommentar

Ich finde, der Kommentar trifft es ganz gut. Ohne diffamierend oder spöttisch zu wirken, zeigt Jan Fleischauer die Problematik öffentlicher aber anonymer Anschuldigungen auf. Nicht die Ziele der Frauen sind fragwürdig, allein der Umgang mit Recht und Wahrheit lässt Zweifel an der Aufrichtigkeit der betroffenen Frauen aufkommen. Einige der "Täter" wurden regelrecht ausradiert, obwohl meines Wissens bisher keiner verurteilt wurde. Im Fall Weinstein mag es dazu noch kommen, im Fall von Kevin Spacey wahrscheinlich nicht. Jede Form von Fehlverhalten scheint gleich schwer zu wiegen. So gehen die Maßstäbe verloren und man wendet sich manchmal kopfschüttelnd ab. - Leider gibt es inzwischen auch Fälle, in denen falschen Anschuldigungen enorme Konsequenzen hatten. - Rainer Brüderle musste seine politische Karriere beenden, weil ihm eine junge Journalistin unstatthaftes Verhalten vorgeworfen hat, in einer Situation, die darauf schließen ließ, dass dem Politiker die Annäherung lästig war und nicht umgekehrt.

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mundusvultdecipi 11.10.2018, 16:31
17. Jetzt kann ich verstehen...

..warum die Männer in den USA vermeiden alleine mit einer Frau im Aufzug zu fahren.Es könnte ihn den Job kosten.In Deutschland wird es auch bald soweit sein!

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Bondurant 11.10.2018, 16:31
18.

Zitat von susanneuser
Und ja, Opfer dürfen ihre Aussagen in geschützter Atmosphäre machen ohne das die ganze Weltöffentlichkeit ihre Namen erfährt. Sie dürfen sich entscheiden, ob sie die Kraft dafür haben ihr Gesicht der ganzen Welt zu zeigen. Viel verstanden hat er halt nicht, unser Jan.
erstens weiß man wegen der Anonymität nicht, ob sie überhaupt Opfer sind. Und zweitens geht es wohl darum, dass auch der Beschuldigte nicht erfährt, wer ihn eigentlich anklagt. Das kann nicht sein.

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meandmyself 11.10.2018, 16:32
19. Öffentlichkeit

Zitat von susanneuser
Völlig verständlich das die ersten Meldungen erstmal aus der geschützten Anonymität kommen. Wenn man bedenkt das die Opfer sofort an den Pranger gestellt werden in üblicher herabwürdigender und beleidigender Manier. Allerdings habe ich dann hier noch keinen Artikel gelesen in dem es um sexuelle Übergriffe geht, wo sich dann nicht besagte Opfer teilweise in die Öffentlichkeit gewagt haben. Diejenigen, die sich dem allen nicht in der Öffentlichkeit ausgesetzt sehen wollten (was ich gut verstehen kann), haben sich zumindest bei den entsprechenden Stellen oder sie schützenden Frauengruppen ausgesagt. Und unser lieber Jan macht dann was daraus? Den modernen Pranger, wo angeblich anonym angeprangert wird im Gegensatz zum Mittelalterdorfplatz. Und ja, Opfer dürfen ihre Aussagen in geschützter Atmosphäre machen ohne das die ganze Weltöffentlichkeit ihre Namen erfährt. Sie dürfen sich entscheiden, ob sie die Kraft dafür haben ihr Gesicht der ganzen Welt zu zeigen. Viel verstanden hat er halt nicht, unser Jan.
Es geht hier wohl eher darum, dass es Frauen geben soll, die aus der Anonymität heraus Männer mit vollem Namen im Netz "anprangern".

"Und ja, Opfer dürfen ihre Aussagen in geschützter Atmosphäre machen ohne das die ganze Weltöffentlichkeit ihre Namen erfährt".
Aha, und der mutmassliche Täter hat kein Recht auf Anonymität bis seine Schuld bewiesen ist?
Wenn schon öffentlich, dann für beide Seiten, oder gar nicht.

Im übrigen könnte die Frau doch ganz einfach Klage einreichen und vor Gericht gehen; warum also in der Öffentlichkeit den Namen des mutmasslichen Täters nennen, den eigenen aber nicht?

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