Forum: Politik
Ein Jahr #MeToo: Die Dunkelfrauen
DPA

Viele #MeToo-Verfahren gleichen dem Pranger des Mittelalters, an dem der Delinquent öffentlich ausgestellt wurde. Der wesentliche Unterschied: Der Gepeinigte im Mittelalter konnte denAnklägern ins Gesicht sehen.

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arminpillhofer 11.10.2018, 16:58
30. Hexenjagd

Welch wohltuender Artikel von Herrn Fleischhauer, der sich von der üblichen #meetoo-ist-super-Jubelberichterstattung des Spiegel abhebt. Feminismuskritik ist ja sonst in dieser Zeitung nicht vorgesehen. Dabei gäbe es gerade bei der mittlerweile hysterischen metoo-Debatte einiges zu kritisieren. Vor allem, dass nicht einmal mehr Beweise vorgebracht werden müssen, um einen Mann beruflich zu ruinieren. Grundlegende juristische Prinzipien werden missachtet und damit jede Fairness mit Füssen getreten.

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keine-#-ahnung 11.10.2018, 17:05
31. "Ich verstehe auch nicht, warum die Presse ...

Zitat von Fuxx81
Ich verstehe auch nicht, warum die Presse einem lauten aber zahlenmäßig zum Glück verschwindend kleinen Online-Hassmob ein derart großes Forum gibt. Man könnte fast dem Irrtum erliegen, sexueller Missbrauch, bzw. Belästigung sei ein gesellschaftlich relevantes Problem. Ist es zum Glück genauso wenig wie Gewaltverbrechen durch Flüchtlinge, aber jeder scheint heutzutage in seiner Filterblase irgendetwas aufbauschen zu müssen.
... einem lauten aber zahlenmäßig zum Glück verschwindend kleinen Online-Hassmob ein derart großes Forum gibt."
Was ist daran so unverständlich? Nicht unerhebliche Teile der Presse sind aktive Mitglieder dieses "Online-Hassmobs" - da muss ständig der Druck auf dem Kessel gehalten werden. Einfach gelassen sehen - das wächst sich wieder aus :-)

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r_saeckler 11.10.2018, 17:08
32. "Dunkelfrauen" - wie treffend!

Wenn ich so lese, dass wieder einmal irgendwo auf der Welt irgend einer Person weiblichen Geschlechts genau dann, wenn irgendeine Person männlichen Geschlechts zu besonderem Reichtum, besonderer Prominenz oder besonderer Stellung gekommen ist oder kurz davor steht - ohne jede Namensnennung, bitte! - wenn ich dann also lese, dass es der Person weiblichen Geschlechts ganz genau DANN wieder einfällt, dass sie ja vor zwanzig, dreissig oder noch mehr Jahren von letzterer vergewaltigt, sexuell genötigt oder sexuell ausgebeutet wurde...
... dann lobe ich mir doch die praktische Vernunft unserer Altvorderen. Ich vermeine nämlich einmal gelesen zu haben dass der Vorwurf der Vergewaltigung - wenn keine Augenzeugen dabei waren - ausschließlich dann verhandelt wurde, wenn die vorgeblich Vergewaltigte so wie sie war, "mit aufgehobenem Hemd" zu Leuten um Hilfe gelaufen kam und Klage erhob. Nicht nach Jahren oder Jahrzehnten.

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Freedom of Seech 11.10.2018, 17:08
33. Vielleicht bin ich als Mann etwas begriffstutzig aber....

Wenn eine Frau sich sexuell belästigt fühlt steht ihr schon seit Jahrzehnten die Möglichkeit offen Strafanzeige zu stellen. Allerdings muss sie dann auch ihre Vorwürfe beweisen können was zugegebenermaßen häufig nicht leicht sein dürfte. Aber so ist das in einem Rechststaat. Der moderne Rechtstaat war übrigens auch zur Überwindung des mittelalterlichen Prangers eingeführt worden. Aus dieser Perspektive ist Meetoo ein gesellschaftspolitischer Rückschritt. Einfach mal anschwärzen und das ohne Beweise, gerne zu Vorfällen die Jahrzehnte zurückliegen und der Angeschwärzte ist als Person erledigt. Mag sicher auch mal die Richtigen treffen oder aber auch nicht. Das ist so ähnlich wie mit der Blutrache und Selbstjustiz - trifft auch manchmal den Richtigen. PS: im Übrigen sollte Gerichte mehr davon Gebrauch machen Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen - vor allem wenn unabhängig vom Ausgang des Prozesses ein Verurteiliung durch die Öffentlichkeit praktisch zwangsläufig ist.

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kestrel2 11.10.2018, 17:12
34. Völlig nebensächlich Machtfragen und anderes Chichi

Ja, ja, dieses fragile Bisschen offizielle, sichtbare Macht, das Frauen jetzt haben, sich gegen die nachweislich immer noch weit verbreitete Gewalttätigkeit von Männern zur Wehr zu setzen... Manchmal aber leider auch gar keine. Vor allem nicht, wenn "sie ihr Gesicht zeigen", wie Prof. Christine Blaisey Ford im Fall Brett Kavanaugh. Ich meine, man muss nur mal ganz nüchtern auf das Ergebnis schauen: Die eine kann ihr Haus nicht mehr betreten. Der andere ist jetzt einer der mächtigsten Juristen (m/w) der USA. Wirklich, man muss dem Autor einfach zustimmen: wahrhaft mittelalterlich, wie wir da heutzutage vorgehen.

Vielleicht macht unsere Rechtsordnung ja tatsächlich Fortschitte, wenn sie nicht mehr ganz überwiegend von natural born privliged Menschen (m/w) bestimmt wird, die ein paar Leichen im Keller haben und die von ihren auch nicht ganz so ohnmächtigen Best-Friends-Forever (m/w) dabei gedeckt werden. Also wenn man kein komplettes Ekelpaket (m/w) sein muss, um politische und juristische Macht zu erwerben und auszuüben. Wenn man sich als Mann (m/w) keine Übergriffe mehr leisten kann, ohne dass man auch nur das Geringste von seinen Opfern (m/w) zu befürchten hat. Wenn die Opfer (m/w) bei öffentlicher Anklage nicht mehr befürchten müssen, dass eine aufgebrachte Internet-Männermeute (m/w) ihnen das Leben zur Hölle macht, weil sie am männlichen Privileg rühren, gewalttätig zu sein, ohne dafür belangt zu werden. Ja, sogar ohne von der eigenen Gewalttätigkeit überhaupt etwas mitzukriegen. ("Huch, war da was? Da war doch nichts! War doch nur Spaß! Du wolltest das doch so. Komm, gib es schon zu!")

Wenn also politische Macht zwischen den Geschlechtern doch tatsächlich gleich verteilt ist: Vielleicht schmilzt der Impuls zum Anprangern aus der Anonymität heraus dann ja dahin.

Ist aber nur so eine Vermutung.

Alternativ könnten wir natürlich auch aufhören, unsere Jungs zu "guten Kriegern" zu erziehen, bei denen Gewalttätigkeit im Alltag eben zum guten Ton gehört. Untereinander. Und dann halt auch gegen Frauen und Kinder. Mann kann da so schlecht differenzieren, wenn man das einmal intus hat. Aber so eine Erziehung, ganz ohne Härte, das wär dann doch schon wieder viel zu fortschrittlich. Um nicht zu sagen: futuristisch.

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torrera 11.10.2018, 17:12
35. Die Me Too Debatte ist scheinheilig

Zunächst einmal möchte ich festellen, daß ich eine Frau bin und dieser Debatte überhaupt nichts abgewinnen kann. Viel zu oft habe ich erlebt, daß Frauen schon alles dafür getan haben „erobert“ zu werden. Und wenn dann hinterher eine ganz normale Ernüchterung kam, war das ehemalige Ziel der Begierde urplötzlich ein Unmensch. Gerade Schauspielerinnen, die ja auch gerne mal in der „halbseidenen“ Filmindustrie tätig sind unstelle ich, daß sie sich zielgerichtet auf die Schlafcouch begeben haben. Ich denke, daß die gesamte Debatte gerade dafür taugt, tränenreich in der Öffentlichkeit neue Aufmerksamkeit und auch ein bißchen Geld, zu heischen. Im Gegenteil dazu müssen natürlich ganz allgemein sexuelle Belästigung und die Ausnutzung von Abhängigkeiten im täglichen Leben offen und deutlich abgelehnt und auch bestraft werden. Aus meiner Erfahrung melden sich aber gerade hiervon betroffene Frauen viel zu wenig zu Wort. Die Angst hindert sie. Selbiges gilt auch für Gewalt in der Ehe. Mein Fazit ist, daß eher die schweigsamen Frauen ermutigt werden sollten, ihrer Pein ein Ende zu setzen. Die „Damen“ die sich öffentlich lautstark als Opfer positionieren erscheinen mir als Vorbild vollkommen ungeeignet. Der spezielle Fall, den Sie jetzt wohl zum zweiten Mal ansprechen, wirft für mich eigentlich nur ein schlechts Licht auf uns Frauen. Was da abgeht ist, wenn es stimmt, schrecklich.

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OhMyGosh 11.10.2018, 17:12
36.

Solange noch in diesem Zusammenhang das "Brutus-Prinzip" gilt ( "denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, das sind sie alle, alle ehrenwert") halte ich das von JF so genannte Dunkelfrauen-Prinzip für nicht verwerflich. Wer garantiert denn, dass einer sich mit Klarnamen etc. in die Öffentlichkeit tretenden Frau nicht von irgendwelchen Strolchen weiteres Leid angetan wird?

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muellerthomas 11.10.2018, 17:14
37.

Zitat von r_saeckler
... dann lobe ich mir doch die praktische Vernunft unserer Altvorderen. Ich vermeine nämlich einmal gelesen zu haben dass der Vorwurf der Vergewaltigung - wenn keine Augenzeugen dabei waren - ausschließlich dann verhandelt wurde, wenn die vorgeblich Vergewaltigte so wie sie war, "mit aufgehobenem Hemd" zu Leuten um Hilfe gelaufen kam und Klage erhob. Nicht nach Jahren oder Jahrzehnten.
Das ist ja praktisch - für alle vergewaltigenden und belästigenden Männer.

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DJ Bob 11.10.2018, 17:15
38. nein

Zitat von oskarspapa
ist ja scheinbar der einzige Schutz vor Hass und Haeme, mit der Frauen ueberschuettet werden, die lang zurueckliegende Missbrauchs-/Vergewaltigungsfaelle an die Oeffentlichkeit bringen. (Siehe Donald Trump ueber Dr.Ford letzte Woche)
Sehe ich ganz anders!! Dadurch hat sich der Mr Trump selbst disqualifiziert.

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aliof 11.10.2018, 17:17
39. Sympathisch weltzugewandt,

.. , differenziert, intelligent, nahezu widerspruchsfrei in sich selbst.
Prächtige Komposition mit brilliantem Schlußabsatz.

Ja, es werden freundlich und klar Defizite und Möglichkeiten der metoo-Protagonist(inn)en benannt, aufgezeigt und gewürdigt. - Sogar sehr brauchbare Hinweise für einfache Lösungen werden mitgeliefert.

.. was die eine Hälfte der Forumsteilnehmer freudig annehmen wird.
.. was für Reaktionen das aber ... bei Jenen triggern wird, die ... diese "Bewegung" mißbrauchen, werden wir auch hier an geschätzt der Hälfte der Beiträge nachlesen können. - Diesmal vermutlich mehrheitlich von Frauen.

Wie auch ich hinter einer Schutzmauer der Anonymität.

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