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Entführungen - Ist Hilfe stets eine Staatspflicht? II

In einigen Entführungsfällen, bei denen Deutsche betroffen waren, wurde der Staat aktiv und war in vieler Hinsicht gefordert. Wie sehr muss sich ein Land von offizieller Seite um Entführungsopfer kümmern? Immer und umfassend? Oder ist der Staat nicht für den Leichtsinn seiner Bürger verantwortlich zu machen?

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Thomasschonvergeben 03.05.2006, 22:16
50. Kosten zurueckholen !

ich mag das! hoffe irgendwer nimmt meine!
Was ist des Staates Pflicht, ist ungebrochen! (ist ebenso, ausser es kommt zur Revolution)
Sind die nun "Leipziger" oder irgend andere, sie sind in des Staates Pflicht. Denn der ist nun mal gegen Terror. (Deutschlandschs Staat seit ein paar Zehnten)

Es kommt aber eine viel wichtigere Frage auf (ich mag das Wort "auf" nicht, da es zum Himmel schreit)
Deutschland hat sehr grosse wirtschaftliche Interessen in arabischen Nationen, diesen Vorsatz kann man interpretieren wie man will!
Die zwei "Leipziger" geben nichts.
Frage ist nicht: "Wer zahlt?"
Frage ist nicht: "Wer gibt?"
Frage ist "Wollen wir Menschen in Frieden auf der Erde leben, koennen wir zusamenfinden" ich denke es ist keine Frage sondern nur ein "ja" von Menschen, von Menschen ueberall.
Andere Meinungen fuehren zu Verbrechen!

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Lazarus 03.05.2006, 22:50
51.

Zitat von JanSouth
Wie menschlich ist es denn, den Verbrechern x Millionen Euro in das Säckle zu schaufeln, mittels derer dann Waffen, Sprengstoff und ähnliches en masse beschafft werden können um dementsprechend massiert weiterhin hier und da ein paar Iraker abzuschlachten?
Na klar, dann ist es natürlich besser, man läßt die zwei Männer lieber verrecken, statt den Geiselnehmern das Geld zu zahlen. Tolle Logik.

Es geht hier vor allem um Menschen, die wieder nach Hause wollen, um Frauen, die ihre Männer wieder haben wollen, um Kinder die ihren Papa wieder haben wollen.
Wissen Sie, was mich da paar Millionen interessieren, in einem Land wo Milliarden für ganzen andere Sachen verschleudert werden.
Was die Geiselnehmer mit dem Geld machen wissen wir doch gar nicht. Es ist nur eine Möglichkeit, daß sie davon mehr Waffen kaufen.

Wenn Sie zu entscheiden hätten, zwischen Bezahlen und dem Tod der Geiseln, was würden sie tun?

Als Außenstehender, kann man immer leicht mit dem Zeigefinger rumfuchteln.

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Urs Kinzelbach 03.05.2006, 23:03
52.

Zitat von sysop
Oder ist der Staat nicht für den Leichtsinn seiner Bürger verantwortlich zu machen?
"Leichtsinn" wäre es demnach, z.B. Spitzenpolitiker zu werden. Diesem "Leichtsinn" begegnet der Staat mit umfangreichen Aktivitäten von Personenschützern und Kriminalexperten.

"Leichtsinn" wäre es, wenn ein dunkelhäutiger Mensch von Rassisten erschlagen wird: Er hätte ja in Afrika bleiben können.

"Leichtsinnig" waren die Geschwister Scholl: Sie hätten ja ihre Meinung für sich behalten können.

"Leichtsinnig" war J.F.Kennedy: Er hätte ja nicht winken müssen.

"Leichtsinnig" waren und sind eine Menge Leute gewesen, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Kriminalität und Mordlust wurden.

Sie haben sich nicht rechtzeitig versteckt, sie haben ihr Gesicht gezeigt, sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.

+++

Betr. Irak-Entführte:

Die USA eroberten in eigenem Ratschluß die Republik Iraq und sind in diesem Staat seitdem für Regierung, Sicherheit und Ordnung verantwortlich.

Die Regierung der USA ist somit auch verantwortlich für die Sicherheit der friedliebenden Bürger und Gäste auf irakischem Boden.

Irgendwelche Kritik sollte deswegen an die Regierung der USA, die sich für die Verbesserung der Verhältnisse im Iraq ganz außergewöhnlich interessierte und einsetzte, richten.

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Urs Kinzelbach 03.05.2006, 23:08
53.

Zitat von KölscherJung
Deshalb bin ich der Ansicht, dass Bürger, die bereits in Händen von Entführern waren, das Recht auf Hilfe des Staates im weiteren Entführungsfall, falls es im gleichen Land vorkommt, entzogen werden sollte.
Dieser Logik folgend könnte man fordern:

Ein Dunkelhäutiger, der bereits einmal in einem Vorort verprügelt wurde, muß sich beim zweiten ÜBerfall nicht wundern, er hätte schließlich nach Afrika zurückfahren können.

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Besquare 04.05.2006, 00:11
54.

Ich vertrete folgende Meinung:

Der Staat droht den Entführen mit vergeltung, wenn die Geiseln nicht binnen 24 h in einer deutschen Botschaft vorstellig werden.
Fall A: Entführer scheißen sich ein und alles wird gut.
Fall B: Entführer scheißen sich nicht ein und lassen die Frist verstreichen, Kommando Sonderkräfte wird instruiert denen den Arsch über die Ohren zu ziehen, nachdem alle möglichen Infos eingeholt wurden. Kurzer und schmerzloser Zugriff, bei Gegenwehr dürfen die Entführer umkommen. Geiseln mehr oder weniger frei alles mehr oder weniger gut, aber für die Zukunft wird Fall A immer wahrscheinlicher, je Konsequenter die offiziellen Stellen bleiben.

Ergo Sum: Wenn die deutsche Regierung bezahlt, ist das alleine schon eine latente Gefährdung Deutscher im Ausland, weil mit uns kann mans ja machen. Als, wie schmidt schon vorgemacht hat: Reinrocken und jeden Entführer maximale Schäden bei der Verhaftung zufügen.

An alle Ethik-Fuzzis: Die Entführer halten sich ihren Geiseln gegenüber kaum an eine HUMANE Ethik, warum soll man das dann bei ihrer Festnahme!? Gott hat schon in seiner Bibel verkünden lassen: Mit dem Maß mit dem du misst soll dir dein Teil zurückbemessen werden!

In diesem Sinne
ich verabscheue mich selbst



BeSquare

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Kritischer Leser 04.05.2006, 02:24
55.

Zitat von sysop
In einigen Entführungsfällen, bei denen Deutsche betroffen waren, wurde der Staat aktiv und war in vieler Hinsicht gefordert. Wie sehr muss sich ein Land von offizieller Seite um Entführungsopfer kümmern? Immer und umfassend? Oder ist der Staat nicht für den Leichtsinn seiner Bürger verantwortlich zu machen?
Das mit dem "Leichtsinn" ist so eine Sache, nämlich Definitionsfrage.

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Vergnügungs- und Dienstreisen bzw. humanitären Einsätzen.

Aber selbst bei ersteren kann man von "Leichtsinn" ja nur bei ausdrücklichen Reisewarnungen sprechen, und wenn bei den Angehörigen des Opfers nichts zu holen ist, wäre es ja ziemlich zynisch, die Gemeinschaft täte nichts. Denn wozu ist "der Staat" denn da, wenn nicht für das Wohl der Bürger? Erst einmal zahlen die meisten von uns ja auch jahrelang Steuern...

Und man sollte sich vielleicht eher einmal darüber Gedanken machen, wie leichtfertig Firmen wie die "Cryotec" aus Profitgier mit dem Leben ihrer Mitarbeiter umgehen und u.U. sich bei denen etwas zurückholen. Denn einem Angestellten bleibt selten etwas anderes übrig als das zu tun, was man ihm aufträgt. Und der wäre mindestens genauso leichtsinnig, riskierte er seinen Job bzw. gäbe ihn sicher auf.

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Mad Mace 04.05.2006, 05:42
56.

Zitat von Limulus
Weil Frau Osthoff nicht ihre Abenteuerlust, sondern ihre Verbundeheit zum Irak und ihre Berufung (Den Schutz historischen Kulturguts und die Unterstützung unschuldigen Kriegsopfern) auslebt ?
Ja, toll! Der Irak hat diese Verbundenheit dann ja gebührend gewürdigt.
Deshalb gibt es für Hilfeleistungen Profis, die sich mit sowas auskennen. Seit Jahrzehnten haben Hilfsorganisationen hunderte von Helfern im Einsatz in praktisch allen Krisengebieten der Welt, ohne dass die Staatskasse mit Lösegeldzahlungen an profane Kriminelle belastet wird.
Wenn dagegen fanatische Hilfeleistungs-Guerillas ohne Kenntnis der Lage und des richtigen Vorgehens der Meinung sind, sie müssten jede Menge Heil übers Volk bringen, darf man sich nicht wundern wenn die schön blind in die falschen Gebiete tappen.

Wobei ich ja eine Hilfe seitens des Staates nicht einmal ablehne, allerdings ist jede Lösegeldzahlung ein überdeutliches Signal an jeden bewaffneten Bekloppten zwischen Sibirien und Feuerland-Mitte, dass mit deutschen Helfern/Reisenden ein gutes Geschäft zu machen ist. Schnell abgegriffen, ein paar krude politische Forderungen lassen sich schnell aus dem Hut zaubern. Dann verhandelt man, aus dem Verlangen nach 'Zerschlagung des westlich-imperialistischen Machtblocks innerhalb der nächsten 48 Stunden' wird dann eine siebenstellige Summe.

Hurra, schreien dann alle, dass Außenministerium und die ganze Regierung lässt sich feiern und die Befreiten erzählen in einigen hundert Interviews triefäugig von ihrem Martyrium.
So weit, so gut. Wer allerdings am glücklichsten ist, das ist der bewaffnete Bekloppte, der das Lösegeld unter dem Kopfkissen hortet und, weil's so gut geklappt hat, nach dem nächsten Opfer Ausschau hält.
Am besten nach Deutschen, da steht der Staat als Zahlungsbürge dahinter.

So viel zur Verbesserung der Sicherheitslage für Deutsche im Ausland.

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Joerg grimm 04.05.2006, 07:16
57.

Zitat von sysop
In einigen Entführungsfällen, bei denen Deutsche betroffen waren, wurde der Staat aktiv und war in vieler Hinsicht gefordert. Wie sehr muss sich ein Land von offizieller Seite um Entführungsopfer kümmern? Immer und umfassend? Oder ist der Staat nicht für den Leichtsinn seiner Bürger verantwortlich zu machen?
Ich denke dass der Staat eine Fursorgepflicht fuer seine Staatsbuerger hat und im Falle einer Geiselnahme immer einstehen muss. Wenn der Entfuehrte auf eigene Kappe und grob fahrlaessig gehandelt hat, sollte er, im rahmen seiner Moeglichkeiten und ggf. auch darueber hinaus an den entstandenen Kosten beteiligt werden, beispielsweise wenn das Ausw. Amt vor Reisen in das Gebiet warnt oder Buerger auffordert die Region zu verlassen.
Das kann im Zweifelsfall ein Gericht klaeren.

Damit haetten wir eine Richtlinie, an die sich jeder humanitaer orientierte aufgeklaerte Rechtsstaat halten kann ohne dass irgendwer schlaflose Naechte haben muss, oder? Und w.m.n.a.t, wirds genauso gemacht.

Noch was:
Eine Pflicht den Entfuehrten zu glorifizieren besteht fuer die Presse und alle anderen NICHT.

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hundevater 04.05.2006, 07:31
58.

Zitat von JanSouth
Vielleicht müssen wir einmal Geiseln sterben lassen, damit sich herumspricht daß bei den Deutschen nix zu holen ist. Ich möchte diese Entscheidung nicht treffen müssen, aber ich denke man darf sie nicht rundweg ausschließen.
Wenn Sie so eine Entscheidung nicht treffen muessen, dann schwadronieren Sie doch nicht darueber.
Guter Gott, bin ich gluecklich, dass manche Leute, die hier schreiben, keine Verantwortung tragen.

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adsum 04.05.2006, 08:08
59.

Zitat von sysop
In einigen Entführungsfällen, bei denen Deutsche betroffen waren, wurde der Staat aktiv und war in vieler Hinsicht gefordert. Wie sehr muss sich ein Land von offizieller Seite um Entführungsopfer kümmern? Immer und umfassend? Oder ist der Staat nicht für den Leichtsinn seiner Bürger verantwortlich zu machen?
Nachdem unsere Menschenrechte nicht verhandelbar sind und die Erhaltung des Lebens ein unveräußerliches Menschenrecht ist, darf Geld keine Rolle spielen.

Wir schützen ja sogar das Leben von Mördern bei uns, die in ihrer Heimat Verbrechen begangen haben, weil sie dort die Todesstrafe erwartet. Kosten werden nicht berücksichtigt.

Gut! Der einzelne im Krisengebiet des Iraks hätte das Recht auf Selbstbestimmung über sein Leben und könnte sich für den Fall einer Entführung mit Waffen verteidigen oder sich mit einem Sprengstoffgürtel ausrüsten und sich mit samt den Entführern in die Luft sprengen.

Aber so altruistisch, um unserem Staat Steuergeld für seine Freipressung zu sparen, wird wohl kein Helfer im Irak sein, er will ja von seiner Motivation her gerade anderen Menschen helfen und ein langes Leben haben.

Sehr makaber wäre es, wenn der Staat nur solche Helfer in den Irak ausreisen ließe, die sich zu solch einer Handlungsweise vorher verpflichten. Das ist ein Kalauer; denn so etwas würde unsere Verfassung erst recht nicht zulassen.

Nein! Der Staat muss immer umfassend helfen auch bei leichtsinnigen Helfern und Urlaubern, bei letzteren könnte man die Kosten ihrer Rettung einfordern.

Jedenfalls freue ich mich riesig, dass das Leben unserer beiden Geiseln gerettet werden konnte und die Entführung doch so glimpflich ausgegangen ist.

Auch unseren nicht radikalen Muslimen in Deutschland wird ein Stein vom Herzen gefallen sein, ein anderer Ausgang hätte wieder zu heftigen Diskussionen über ihre Zuverlässigkeit geführt; denn schließlich sind sie froh in einem freiheitlich demokratischen Staat zu leben.
Gruß
adsum

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