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Erneute Abstimmung : Die Schicksalswahl der verkrachten Katalanen
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Seit Monaten herrscht in Katalonien das politische Chaos. Spaniens Premier Rajoy hofft, die nun anstehende Neuwahl könne die Lage beruhigen und das Thema Abspaltung begraben. Er dürfte enttäuscht werden.

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jan07 21.12.2017, 10:37
1. Zwei Drittel

Aus gutem Grunde sind in Deutschland Verfassungsänderungen nur mit einer zwei Drittel Mehrheit möglich.
Darum: ganz gleich, wer bei dieser Wahl mit knapper Mehrheit gewinnt - eine Legitimierung für eine so gravierende Entscheidung (Abspaltung von Spanien) lässt sich aus dieser Wahl höchstwahrscheinlich nicht ableiten.

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andy_bcn 21.12.2017, 10:41
2. vertrakte Situation

Wir wohnen seit 17 Jahren in Barcelona. Bis 2009, solange die Wirtschaft boomte, war das alles kein Thema. Die katalanischen Politiker hatten damals genauso die Hand in der Staatskasse wie im Rest Spaniens. Als dann zu der Wirtschaftskrise und von Europa verlangten Sparmaßnahmen auch noch ein Verfahren wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder gegen ziemlich alle katalanischen Parteien hinzukam (caso Palau de la Musica), entdeckten diese plötzlich ein dringendes Verlangen nach Unabhängigkeit. Ein Schelm wer böses dabei denkt... Bisher hat die ganze Geschichte der katalanischen Wirtschaft geschadet, den Ruf Kataloniens verschlechtert und die Zahl an Touristen gesenkt. Und trotzdem sind immer noch 40 oder 45% der Wähler bereit diesen Traumtänzern ihre Stimme zu geben. Man kann nur hoffen, dass Inés Arrimadas einen Überraschungssieg einfährt.

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xxyxx 21.12.2017, 10:49
3. Fairerweise.....

....sollte man ergänzen, dass diese Stadt- / Landverzerrung bei der Gewichtung der Wählerstimmen kein speziell katalanisches Problem ist, sondern in ganz Spanien auftritt. Auch die Zusammensetzung des spanischen Parlaments in Madrid sähe deutlich anders aus, wenn alle Stimmen gleich gewichtet würden.

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GeorgHoffmann 21.12.2017, 10:55
4. Was denn für "mehr Selbstbestimmung"?

Möchte wirklich mal wissen, was denn genau "mehr Selbstbestimmung" für Katalonien bedeuten soll. Soe haben bereits ein Schulsystem, was Spanisch zur Fremdsprache gemacht hat, eine eigene Polizei, eigene "Botschaften" in aller Herren Länder. Bleibt also noch die Knete. Nach den Angaben der Generalitat ist die Differenz zwischen den Steuereinnahmen und dem FInanzierungsrückfluss, der etwa der Bevölkerungszahl entsprechen sollte, 1%. Wegen 1% (bezogen auf das BIP Kataloniens) Finanzierungsdefizit wollle die ernsthaft einen eigenen Staat gründen (andere spanische Regionen wie Madrid oder die Balearen haben ein grösseres Defizit). Na, willkommen in Europa! Das ist genau der Gemeinschaftsspirit den wir jetzt brauchen.

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beegee 21.12.2017, 10:56
5. Steuerdatenaustausch mit Andorra

Zitat von andy_bcn
Wir wohnen seit 17 Jahren in Barcelona. Bis 2009, solange die Wirtschaft boomte, war das alles kein Thema. Die katalanischen Politiker hatten damals genauso die Hand in der Staatskasse wie im Rest Spaniens. Als dann zu der Wirtschaftskrise und von Europa verlangten Sparmaßnahmen auch noch ein Verfahren wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder gegen ziemlich alle katalanischen Parteien hinzukam (caso Palau de la Musica), entdeckten diese plötzlich ein dringendes Verlangen nach Unabhängigkeit. Ein Schelm wer böses dabei denkt... Bisher hat die ganze Geschichte der katalanischen Wirtschaft geschadet, den Ruf Kataloniens verschlechtert und die Zahl an Touristen gesenkt. Und trotzdem sind immer noch 40 oder 45% der Wähler bereit diesen Traumtänzern ihre Stimme zu geben. Man kann nur hoffen, dass Inés Arrimadas einen Überraschungssieg einfährt.
Hinzu kommt noch der Austausch der Steuerdaten zwischen Spanien und Andorra ab Anfang 2018, den wohl viele reiche katalanische Familien scheuen wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Und den Unabhängigkeitsbefürwortern konnte es plötzlich ab Mitte 2017 nicht schnell genug gehen. Ein Schelm und so weiter...

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Dr. Kilad 21.12.2017, 11:22
6. Was hat das noch mit Demokratie zu tun?

Gestern hat die PP-Vertreterin ja offen zugegeben , dass demokratische Abgeordnete der Unabhängigsnewegung deshalb verhaftet wurden, um die Wahl zu gewinnen.

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coyote13 21.12.2017, 11:29
7. Hier geht’s doch wohl nur darum . . .

. . . Pfründe zu beschützen! Siehe die Links BCN – Andorra. Was ist das für eine Demokratie wo Stimmen unterschiedlich gewichtet werden? Das ist keine Demokratie! Wie man trotzdem eine Abspaltung im realen Europäischen Staatengefüge ernsthaft vertreten kann ist mir allerdings ein Rätsel. Keine Ahnung was sich diese separatistas davon versprechen. Sie werden splendid isolation bekommen und das Business zieht weiter – so wie immer. Es sind ja schon tausende von Firmen weiter gezogen und die südlichen Regionen freuen sich schon darauf und werden den Firmen die Betten bereiten. Ich kann über solch einen politischen Unsinn nur den Kopf schütteln und allen, die für eine Loslösung von Spanien und damit der EU wählen, nur völlige Verblendung attestieren. Sie sollten sich besser darum kümmern eine politisch verhandelte grössere finanzielle Unabhängigkeit von Zentralspanien zu erzielen und dann das Modell Südtirol fahren. Alles andere ist Blödsinn! Erstaunlich wie wenige Verführer viele Menschen ins Verderben führen können – wider alle Vernunft!

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Stäffelesrutscher 21.12.2017, 11:38
8.

»Verantwortlich hierfür ist das sehr spezielle katalanische Wahlrecht. Es gibt den Wählern in ländlichen Regionen mehr Gewicht als den Bürgern der Metropole Barcelona.
4,1 Millionen der 5,5 Millionen Stimmberechtigten sind im zentralen Wahlbezirk rund um die katalanische Hauptstadt registriert. Sie entscheiden über 85 der 135 Sitze im Parlament. Der Bezirk Lleida hingegen umfasst nur 314.000 Stimmberechtigte - vergibt aber immerhin 15 Mandate. Damit ist eine Stimme hier im Nordwesten Kataloniens etwa 2,4 mal so viel wert wie in Barcelona.
In den beiden übrigen Wahlbezirken Girona und Tarragona zählt ein Kreuz immerhin 60 Prozent mehr als in der Metropole. Und weil die Sezessionisten auf dem Land ihre Hochburgen haben, dürfen sie sich überproportional viele Mandate erhoffen.
Wie entscheidend dieser Effekt sein kann, haben schon die vergangenen Wahlen gezeigt. 2015 holten die sezessionistischen Parteien zusammen keine 48 Prozent der Stimmen. Doch im Parlament errangen sie so die absolute Mehrheit: 72 von 135 Sitzen.«

Was für eine einseitige Darstellung des Autors. Es handelt sich nämlich nicht um eine katalanische Spezialität, sondern um etwas, das in ganz Spanien üblich ist: Die Bevorzugung kleiner, ländlicher Wahlbezirke ist im spanischen Wahlrecht festgeschriebenen.

Wie kam denn Rajoy überhaupt an die Regierung?

»Verantwortlich hierfür ist das sehr spezielle spanische Wahlrecht. Es gibt den Wählern in ländlichen Regionen mehr Gewicht als den Bürgern der Metropolen Madrid, Barcelona, Sevilla und Valencia.
4,928 Millionen der 36,521 Millionen Stimmberechtigten sind im zentralen Wahlbezirk rund um die spanische Hauptstadt registriert, 4,131 Millionen im Wahlbezirk Barcelona. Sie entscheiden über 36 bzw. 31 der 350 Sitze im Parlament. Die Bezirke Ávila, Cuenca, Guadalajara, Huesca, Palencia, Segovia, Soria, Teruel und Zamora hingegen umfassen zusammen nur 1,277 Millionen Stimmberechtigte - vergibt aber immerhin 26 Mandate. Damit ist eine Stimme hier in der Provinz etwa 2,8 mal so viel wert wie in Madrid oder Barcelona.
In Wahlbezirken wie La Rioja und Burgos zählt ein Kreuz immerhin 121 bzw. 82 Prozent mehr als in den Metropolen. Und weil die Postfranquisten auf dem Land ihre Hochburgen haben, dürfen sie sich überproportional viele Mandate erhoffen.
Wie entscheidend dieser Effekt sein kann, haben schon die vergangenen Wahlen gezeigt. 2011 holte der postfranquistische Partido Popular keine 45 Prozent der Stimmen. Doch im Parlament errang er so die absolute Mehrheit: 186 von 350 Sitzen.«

Rajoys PP bekam 2011 für jeweils 58.422 Stimmen ein Mandat. Die linke Izquierda Unida brauchte 153.276 Stimmen pro Mandat.

Ach ja - inzwischen führt Herr Rajoy ein Minderheitskabinett. Er hat also im Gegensatz zu Herrn Puigdemont nicht mal eine parlamentarische Mehrheit.

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coyote13 21.12.2017, 11:39
9. Hier geht’s doch wohl nur darum . . .

. . . Pfründe zu beschützen! Siehe die Links BCN – Andorra. Was ist das für eine Demokratie wo Stimmen unterschiedlich gewichtet werden? Das ist keine Demokratie! Wie man trotzdem eine Abspaltung im realen Europäischen Staatengefüge ernsthaft vertreten kann ist mir allerdings ein Rätsel. Keine Ahnung was sich diese separatistas davon versprechen. Sie werden splendid isolation bekommen und das Business zieht weiter – so wie immer. Es sind ja schon tausende von Firmen weiter gezogen und die südlichen Regionen freuen sich schon darauf und werden den Firmen die Betten bereiten. Ich kann über solch einen politischen Unsinn nur den Kopf schütteln und allen, die für eine Loslösung von Spanien und damit der EU wählen, nur völlige Verblendung attestieren. Sie sollten sich besser darum kümmern eine politisch verhandelte grössere finanzielle Unabhängigkeit von Zentralspanien zu erzielen und dann das Modell Südtirol fahren. Alles andere ist Blödsinn! Erstaunlich wie wenige Verführer viele Menschen ins Verderben führen können – wider alle Vernunft!

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