Forum: Politik
EU-Politiker Bernd Posselt: "Mancher Nationalstaat glaubt, er sei ein Wolf - dabei is
Karl-Josef Hildenbrand/ DPA

Bernd Posselt nimmt seit Jahren an Sitzungen des EU-Parlaments teil, obwohl er kein Mandat mehr hat. Hier erklärt der CSU-Politiker, warum er "bis zum letzten Schnaufer" gegen Nationalisten und für ein vereintes Europa kämpfen will.

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Sonnestrandundmeer 21.05.2019, 15:52
1. Realistische Antworten

Bisher hatte ich bewusst nichts von Bernd Posselt gehört. Insofern war dies ein interessantes Interview mit realistischen Antworten von jemandem, der offensichtlich von der EU überzeugt ist.

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quark2@mailinator.com 21.05.2019, 15:55
2.

Die Theorie eines europäischen Volkes ist ja ganz sympathisch. Nur, wie kommt man dahin ? Im Moment läuft eine Art administrative Verschmelzung von oben. Aber was verbindet einen Luxemburger mit einem Bulgaren wirklich ? Sehe ich da eine Annäherung ? Denke ich wirklich, daß Völker wie die Griechen, Bulgaren, Polen, Italiener, Spanier, Franzosen bereit sind, ihre nationale Identität aufzugegeben. Wenn dort teilweise in den Schulen mit Hand aufs Herz täglich die Nationalhymne zelebriert wird und die paramilitärische Ausbildung gegen jeden äußeren Feind normal zum Leben gehört. Meiner Meinung nach wäre ein Zusammenwachsen ein Projekt für hundert Jahre, mindestens. Und damit es klappen könnte, müßte man die bisher erfolgreicheren Völker tatsächlich davon überzeugen, auf ihre Vorteile freiwillig zu verzichten. Man müßte z.B. in Deutschland eine Politik machen, die dazu führt, daß eine Firma sich eben nicht hier, sondern in Sofia ansiedelt und diese Firma müßte dann auch Bulgaren gehören, nur so als Beispiel. Aber so wie man es eben nichtmal schafft, in Deutschland überall gleichen Erfolg herzustellen, schafft man es im Moment auch nicht in der EU. Und das Problem ist aus meiner Sicht, daß die Administration die Menschen nicht mitnimmt, nicht überzeugt, sondern sie einfach irgendwie einwickelt. Ich fürchte, das endet in einem großen Jugoslawien und leider war das dort gerade da am schlimmsten, wo die Völker sich gemischt hatten. Das möchte ich auf keinen Fall erleben. Wir brauchen mMn. einen Einigungsprozeß, der ehrlich ist und der auf die Menschen wartet. Mit der Brechstange bekommt man meist nichts besonders Konstruktives hin.

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strohsee 21.05.2019, 16:02
3. Alle Achtung!

Alle Achtung, das nenne ich politisches Engagement!

Ich hoffe, dass er gewählt wird und wieder "mit Sitz und Stimme" im Parlament sein und weiterarbeiten kann (auch wenn mir sein Spitzenkandidat nicht gefällt und ich seine Partei ablehne).

Zuerst geht's um die Demokratie als solche, und erst danach um politische Themen! Und die Demokratie scheint mir durch die Rechtspopulisten und Rechtsextreme sowie durch die Interessenlosigkeit allzu vieler demokratisch gesinnter Menschen sehr gefährdet zu sein.

Nun hat die FPÖ deutlich und für jede und jeden klar erkennbar gezeigt, was sie vom demokratisch-parlamentarischen Staat hält, andere - wie z.B. in Polen und Ungarn, jedoch auch in Frankreich (Le Pen) und in England (Farage) - zeigen es auch; glaube niemand, dass die deutsche AfD anders ist.

Gerade jetzt, wenn Europa geeint sein muss - wegen Trump's Amerika, wegen China und auch wegen vieler Sachfragen (Klimapolitik, Digitalisierung, Sicherung der Demokratie) - dürfen die Rechten keine wirkliche Macht - und sei es auch "nur" eine Verhinderungsmacht - bekommen.

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taglöhner 21.05.2019, 16:03
4. Vereinigte Staaten von Europa

"Ein Dackel glaubt auch, er sei groß und gefährlich, und geht auf jede Dogge los. So wie die Nationalisten."

Danke für die schöne Allegorie.

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Frietjoff 21.05.2019, 16:03
5. Als Grüner rufe ich mal laut Bravo!

Auch wenn ich seine (Schwester-)Partei nie wählen werde, hat Bernd Posselt völlig recht.

Die alte Rechts-Links-Schiene verbiegt sich zunehmend zu einem Hufeisen, dessen Enden einander immer näher kommen (und, was das linke Ende angeht, immer nationalistischer wird).

Es geht also längst nicht mehr um rechts gegen links sondern extreme Enden gegen den Rest des Hufeisens.

https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Spektrum#Hufeisenschema

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Yuuen 21.05.2019, 16:06
6. Gegen rechts! Nein zur CDU/CSU & EVP. Nein zu Weber!

Sorry, der Einsatz des Herrn für Europa in allen Ehren, aber ist es eine so gute Idee, gegen rechte Populisten zu kämpfen und dann jemanden von der CSU an die Spitze der EU-Kommision zu wählen?
Würde die öffentliche Meinung gerade nicht zu ungunsten der Rechten ausschlagen, würde sich Weber weiterhin dankbar mit Kurz und Strache zu Wahlkampfzwecken ablichten lassen.
So muss Weber sich nun aber als CSU-Politiker von Rechten wie Linken distanzieren... weil Europa gerade auch so große Gefahr von links droht.

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mueller23 21.05.2019, 16:16
7. Brilliante Rhetorik

Nur leider in der falschen Partei.
Oder einer der letzten, die die Bedeutung von christlich und sozial noch nicht völlig vergessen haben.
Werde ich mal nachlesen, wofür und wogegen er in den 20 Jahren gestimmt hat.

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Neophyte 21.05.2019, 16:16
8. Nationalisten leben in der Vergangenheit

und haben gleichzeitig die Geschichte nicht verstanden und verstehen die Zukunft nicht. Jeder europäischer Nationalstaat ist alleine zu schwach um kommt in einer zukünftigen globalen Welt mit vielen Blöcken und Großmächten leicht unter die Räder. Auch Deutschland war einst ein loser Bund kleiner Fürstentümer, zu der Zeit will sicherlich auch niemand zurück!

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steppenwolf81 21.05.2019, 16:16
9.

Zugegeben, das Berufspolitikertum ist mir suspekt, die CSU unwählbar, wäre sie das im hiesigen Bundesland. Beeindruckend ist aber, dass Herr Posselt trotz langer Amtszeit in EU-Stuben seinen gesunden Patriotismus und Zukunftsblick nicht verloren sondern gar erweitert zu haben scheint. Das wirklich geeinte Europa, heutige Länder als Staaten des Bundes. Und diese Vision nicht nur träumerisch sondern pragmatisch, ausgesprochen von einem teilhabenden politischen Akteur. Herr Posselt, Menschen wie Sie werden dieser Tage gebraucht, in Zukunft noch mehr, fernab jeder Parteiendifferenz, fernab des steten Klein in Klein-Zerredens.

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