Forum: Politik
Europa-Debatte in Großbritannien: Mister No lässt sich feiern

David Camerons Anti-EU-Kurs spaltet die Briten. Die Euro-Skeptiker seiner Partei jubeln, auch die Wähler stehen mehrheitlich hinter dem Premier. Doch im Parlament wird der Konservative für sein Nein in Brüssel scharf attackiert - tatsächlich dürfte es mit der Feierlaune bald vorbei sein.

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rafkuß 12.12.2011, 21:53
40. Einfach nur ...

Zitat von larsmach
Man wundert sich über all die Kommentare von Menschen, die eifrig am Ast sägen, auf dem sie sitzen. Sicherlich sind zudem alle (privat) schulden- und leasingfrei, um selbstgerecht "den Politikern" Vorwürfe machen zu können. Großbritannien ersäuft indes in Schulden: Der Premier hat unlängst bekannt gegeben, die Senkung der grotesk hohen Neuverschuldung nicht bewerkstelligen zu können. Trotz irrwitziger Abwertung des Pfund schoss mitnichten britischer Export in die Höhe; man stelle sich eine Abwertung des EUR um 30% vor 1-2 Jahren vor - deutsche Exporteure hätten selbst mit Sonderschichten den Bedarf nicht decken können. 20% Jugendarbeitslosigkeit. Was Spanien und die EU in Aufregung versetzt, fällt mir in britischen Medien erstaunlich selten ins Auge. Anscheinend sieht man auf der Insel darin kein Problem. Die "Finanzindustrie" hofiert man. Angeblich "schöpft sie Wert" (so behaupten ihre Protagonisten, die mitunter "Gottes Werk" in ihrem Tun erfüllt sehen wie der Chef von Goldman Sachs dies genannt hat). So, so... der Handel mit Wettscheinen, abgelöst von realen Handelsgeschäften, schöpft also "Wert"... Wieso muss ICH dann Mehrwertsteuer auf die Produkte meiner beiden Maschinenbaufirmen abführen, der "wertschöpfende" Fondsmanager mit seinen 10 Angestellten aber keinen einzigen Cent!? Spielsüchtige, die in deutschen und französischen Casinos keinen Einlass finden, um sie davor zu bewahren, sich selbst zu ruinieren, vernichten die finanzielle Grundlage von Großbritannien. Wieder einmal. Die Insel steht am Abgrund dank dieser Wett-Orgien. Wetten zu platzieren war seit jeher Volkssport der Briten, doch dies mit Milliarden und Abermilliarden geliehenen (!) Geldes zu tun, ist wahnsinnig. Großbritanniens Wirtschaft liegt selbst unter Hinzurechnung der Papiergewinne der "Wettindustrie" in London knapp vor Italien, dessen starke Industrie im Norden sogar die Defizite des Südens mehr als ausgleicht. Ohne Großbritanniens Beitrag ist das Bruttosozialprodukt der EU das größte dieses Planten - vor den USA, vor China, vor Indien. Es scheint, manche Diskutanten vergessen, wo sie leben: In einem großartigen Kontinent, dessen Kultur und Lebensweise man anderswo zu kopieren versucht.
Ein Danke für diesen absolut richtigen und richtigstellenden Artikel!

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rafkuß 12.12.2011, 21:58
41. Und wer...

Zitat von promoexxl
Die ganzen Cameron Begeisterten können doch locker nach England auswandern und da dann dick Party machen. Ich versteh das ganze Gejaule schon wieder nicht... Wem es hier nicht gefällt, der kann dank der EU doch eigentlich überall hingehen. Man sollte beim Auswanderungsziel England nur vielleicht bedenken, dass da eine "Wirtschaftsleistung" erbracht wird, die hauptsächlich auf Spekulationen am Finanzmarkt aufbaut. Wer Lust hat in ein Land auszuwandern, das den Großteil seines "Wohlstands" damit verdient, soll es doch herzlich gerne machen. Das Problem, das sich nur irgendwo stellt ist, dass wenn die EU abgrotten geht, Englands Wirtschaft nicht mehr viel hat, da spekulieren schwierig werden dürfte. Auf der anderen Seite wäre es nun möglich, dass es in Europa keine Sau interessiert, falls England finanziell abnippeln geht. Das dürfte für die Weltwirtschaft deutlich einfacher zu verkraften sein, als wenn ganz Europa den Bach runtergeht, denn wenn es uns erwischt, erwischt es quasi alle mit. Da gehen dann auch am Finanzmarktplatz England die Lichter aus. Warum wollten die Griechen wohl unbedingt im Euro bleiben? Lust auf chinesische Arbeitsplatzverhältnisse? Wohl kaum... Wer in den heutigen Zeiten nicht zusammensteht, wird auch keinen haben, der ihm letztendlich hilft, England hats anscheinend noch nicht so ganz verstanden. Also viel Spass beim "auf die Insel auswandern", da können dann alle so lange richtig fröhlich sein, bis irgendetwas schiefgeht. Nur steht ihr dann dummerweise alleine da...
...diesen absolut dummsinnigen Vergleich der Torries mit der Titanic gut findet, sollte bedenken, dass GB die nebelumflutete Insel ist, die in der eisigen See von Blingängern navigiert wird!

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wika 12.12.2011, 22:00
42. Da muss ich Ihnen widersprechen …

Zitat von kaykr
während mein Glas noch halbvoll ist, scheint das Ihrige bereits halb leer zu sein
… denn hier geht es nicht um halb volle oder halb leere Gläser, es geht schlicht um Mathematik und sie können sie das Elend anhand der folgenden Formel selbst ausrechnen ([b]Kapital * (1 + Zinssatz / 100) ^ Laufzeit[b]), dann kommen auch sie recht schnelle dahinter, dass man bei einem kaputten System nicht mehr hoffen muss. Wäre so als wenn sie mit 200 kmh platt vor die Betonwand fahren … da ist nix mehr mit halb voll oder halb leer … schlicht empty.

Hätte Ihnen gerne noch einen passenden Link zum Thema mit reingeworfen, wir haben aber im Moment wieder linkfreie Zeit hier im Forum …

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HabeFertig 12.12.2011, 22:12
43. In Geschichte nicht aufgepasst?

Zitat von c.werner
Großbritanien spart? Das müsste man doch aber merken. Tut man aber nicht! GB´s Schulden steigen und steigen und steigen....
Und?
Per capita und absolut noch weit unterhalb derer Deutschlands.
Staatsverschuldung
Desweiteren lassen die Schulden sich auch weginflationieren, wie es auf der Insel schon seit Elizabeth I gang und gabe ist...allerdings geht das natuerlich nur mit der eigene Waehrung.

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fuzuli 12.12.2011, 22:19
44. .

Zitat von larsmach
Man wundert sich über all die Kommentare von Menschen, die eifrig am Ast sägen, auf dem sie sitzen. ... Es scheint, manche Diskutanten vergessen, wo sie leben: In einem großartigen Kontinent, dessen Kultur und Lebensweise man anderswo zu kopieren versucht.
Sie übersehen wesentliche, nämlich, dass 2/3 der Euro-Staaten der EU schon pleite sind,werden aber von Deutschland künstlich noch im Leben gehalten. Fragt sich wie lange Deutschland sich mit 2.061.073.690.158 Euro eigenen Staatsverschuldung diese Zustand noch leisten und eigene Pleite abwenden kann.

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marcobb 12.12.2011, 22:20
45. Großbritannien bleibt? Warum

Zitat: "Großbritannien bleibt in der EU"
weil dies von britischem Interesse ist; oder so ähnlich.

Aber wer sagt, dass wir sie jetzt noch wollen? Da sie doch den Euro "niemals" einführen werden, und auch sonst nur nach "britischen Interessen" entscheiden. Da kann ich drauf verzichten.

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cucco 12.12.2011, 22:25
46.

Zitat von knupauger
Das sagt ich doch. Eine Fiskalunion ist eine gute, wichtige aber langfristige Lösung. ..... Immerhin hat die EU jetzt ein erstes Konjunkturprogramm vorgestellt, dass die Infrastruktur in Griechenland stärken, bis 2015 125.000 Arbeitsplätze schaffen und Griechenland erst einmal mit rund 10 Milliarden Euro zum Strukturaufbau ausstatten wird. Hoffentlich versickert das nicht irgendwo, aber das Programm soll es auch nur unter strenger EU-Aufsicht geben.
Kann mir vorstellen, dass mancher einflussreiche Politiker so ähnlich denkt und damit sein Brett vor dem Kopf demonstriert. Griechen, Italiener und sicher einige andere, sind anders als unser Denkschema es erlaubt. Die neuen griechischen Arbeitsplätze helfen da wenig, der Strukturaufbau wird sich 2 Jahrzehnte hinziehen, länger als die Nerven jedes Deutschen und vieler Norländer das ertragen.

Hier herrscht immer wieder die Angst zugeben zu müssen, dass man sich mit den Krisenländern für immer verrechnet hat. Es gibt nur eine Möglichkeit: raus aus dem Euro für die Südländer.
Einige Romantiker in Deutschland wollen unbedingt den Euro behalten, weil sie Angst haben die konkrete nationale DM mit ihren historischen Wurzeln würde politische Nachteile bringen. Deshalb behaupten sie hysterisch, dass die DM praktische Nachteile bringt, weil man so die Leute besser beim Gedanken an die Geldbörse trifft.

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ballymichael2 12.12.2011, 22:34
47. hallo

Zitat von knupauger
Der Mann hat gerade auf unbestimmte Zeit die Verhandunglunsposition der Briten in Wirtschaftsfragen zerstört, und das wird so bleiben, ganz egal, was nun passiert, bspw. wenn der Euro tatsächlich kollabieren sollte.
Hallo Knupauger, man trifft sich wieder. Andere Sprache, anderes Forum.
Ja, das ist in der Tat so. Aber das verstehen die Briten mehrheitlich nicht. Und wenn es kommt, werden sie das wohl als Racheakt abtun.

Der beste Punkt in der Debatte war, als Camerons Umfug mit "Schutz des Citys" entlarvt wurde. Milliband verwendete, offensichtlich, die Argumentation von diesem Blogger.

"But I fear I do not see where Mr Cameron used his veto."

"In my version of the English language, when one member of a club uses his veto, he blocks something from happening. Mr Cameron did not stop France, Germany and the other 15 members of the euro zone from going ahead with what they are proposing. He asked for safeguards for financial services and—as had been well trailed in advance—France and Germany said no. That's not wielding a veto, that's called losing."

Britain and the EU: Britain, not leaving but falling out of the EU | The Economist

Und der "Economist" ist wirklich neoliberal und rechtsorientiert. Der gleiche Poste endete mit:

"The City of London is very important, and the EU has some bad ideas for regulating it. But I find it hard to cheer the idea that Mr Cameron took an extraordinarily big decision last night about our relations with Europe because he was so convinced he could not win arguments in Brussels about those regulations."

"A final thought. If we do end up leaving the EU for the sake of the City of London (a big if) it would be ironic if some of those same banks and hedge funds then turned around and announced they were leaving Britain anyway because euro-zone rules made it impossible to work in London, and so they were off to a combination of Paris, Frankfurt, Zug and Singapore. So sorry old boy, nothing personal."

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fuzuli 12.12.2011, 22:41
48. Stärken der Europa!

Zitat von larsmach
Man wundert sich über all die Kommentare von Menschen, die eifrig am Ast sägen, auf dem sie sitzen. Sicherlich sind zudem alle (privat) schulden- und leasingfrei, um selbstgerecht "den Politikern" Vorwürfe machen zu können. Großbritannien ersäuft indes in Schulden: Der Premier hat unlängst bekannt gegeben, die Senkung der grotesk hohen Neuverschuldung nicht ......
Staatsverschuldung in Europa % BIP

Belgien 96,8% - Bulgarien16,2% - Tschechien 38,5% - Dänemark 43,6% - Deutschland 83,2% - Estland 6,6% - Irland 96,2% - Griechenland 142,8% - Spanien 60,1% - Frankreich 81,7% - Italien 119,0% - Zypern 60,8% - Lettland 44,7% - Litauen 38,2% - Luxemburg18,4% - Ungarn80,2% - Malta 68,0% - Nieder¬lande 62,7% - Österreich 72,3%- - Polen 55,0% - Portugal 93,0% - Rumänien 30,8% - Slowenien 38,0% - Slowakei41,0% - Finnland48,4% - Schweden 39,8% - Großbritannien 80,0%.

Bei 100% ist der Staat faktisch Pleite. Bis zum Pleite Deutschlands benötigt man noch 16,7%. In Deutschland ist die Staats*verschuldung im Laufe eines einzigen Jahres um fast 10% gestiegen.

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dutchinnz 12.12.2011, 22:41
49. Nun haben

die Eurofilen endlich jemanden, auf den sie herumhacken können. Wenn die selbsteingenommene Politiker damals auch nur ein wenig nachgedacht hatten ehe sie sich mit dem Rum als Errichter des Vereinigten Europa verewigt sehen wollten, gäbe es das Problem heute nicht. Aber das kann den Euroreliebhabern nicht irritieren; sie sind zu sehr damit beschäftigt, ihre Irrealität dadurch zu verteidigen daß sie die Entscheidung angreifen, die nicht nur damals sondern noch mehr heute die einzig vernünftige ist.

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