Forum: Politik
Europa: Die deutsche Arroganz gegenüber Frankreich
AFP

Frankreich muss von Deutschland lernen? Nicht auf jedem Gebiet: Frankreich ist insbesondere dort gut, wo Deutschland erhebliche Defizite hat. Wenn wir weiter selbstzufrieden bleiben, wird uns der Nachbar überholen.

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Benjowi 05.06.2017, 20:48
80.

Zitat von Des Pudels Kern
Aha...Seit wann brechen Dinks den Generationenvertrag? Der beinhaltet nicht, dass man möglichst viele Kinder in die Welt setzen muss, sondern nur, dass man die junge und die alte Generation unterstützt. Und das machen Dinks sehr wohl, oder wer ist denn mehrheitlich dafür verantwortlich, dass Schulen und Unis in Deutschland kostenlos sind? Wer zahlt denn den größten Batzen an Rentenbeiträgen, die die aktuellen Renter finanzieren? Sicher nicht die Heimchen am Herd. Kinderlose haben eben auch nicht die ganze Freude, die Eltern an ihren Kindern haben. Es kann nicht sein, das diese dann verlangen, dass ihnen all diese schönen und erhebenden Erlebnisse von kinderlosen Singles oder auch dinks finanziert werden.
Sie haben offensichtlich das Rentensystem dieses Landes nicht so richtig begriffen. Mit den Rentenbeiträgen, die sie zur Zeit zahlen, zahlen Sie die Renten ihrer Eltern im übertragenen Sinne. Ihre eigene Rente müsste von den dann im Erwerbsleben stehenden Kindern gezahlt werden-da haben die sogenannten Dinks aber nichts aufzuweisen-egal aus welchem Grund. Und was der Forist davor sagen will, ist, dass Kinder im derzeitigen Rentensystem nicht richtig bewertet werden. Genauere Untersuchungen haben gezeigt, dass Familien mit jedem Kind die Gesellschaft mit ca. 60000 Euro subventionieren und zwar unter Berücksichtigung aller Transfer- und Ausbildungsleistungen. Die Steigerungen im Transfer der letzten Jahre haben diesen Wert lediglich von 85000 auf besagte 60000 Euro sinken lassen, aber ein Ausgleich ist das noch lange nicht! Das ist allerdings, wie Sie richtig bemerken, nur die schnöde materielle Seite ohne jede Berücksichtigung imaterieller Gesichtspunkte.

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Bernhard K.Teinzer 05.06.2017, 21:10
81. Ist Deutschland wirklich topp?

Wir sind Fußball- und Export-Weltmeister und sonst sind wir schlechter als Mittelmaß. Wir sind kein Land mit Bodenschätzen sind somit gezwungen die Bildung unserer Kinder zu forcieren. Trotz enormer Steuereinnahmen vernachlässigen wir schon jahrelang unsere Infrastruktur. Wir haben 2,5 Mio Arbeitslose diese Zahl ist derart schön gerechnet, dass man sich dafür schon schämen muss. Rund 1 Mio Arbeitslose sind in Umschulung, über 1 Mio können von dem was sie verdienen nicht leben. Die Kranken werden monatlich aus der Statistik gestrichen. Wir haben Leiharbeiter die ca. 1/3 weniger verdienen (in Frankreich muss ein Leiharbeiter mehr verdienen). Bis 2020 können 40 % von Einkommen oder Rente (Basis sind die Zahlen 2015) nicht mehr leben. Unsere Kanzlerin sieht das aber anders (schwebend über dem Volk): Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude. Und jetzt soll auch noch Frankreich Export-Weltmeister werden. Wie das gehen soll, Deutschland hat bereits einen Exportüberschuss von rund 270 Milliarden, wird zur Zeit in Berlin errechnet.

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at.engel 05.06.2017, 21:10
82.

"Arroganz" kann man natürlich jedem vorwerfen - kostet nichts, bringt aber auch nichts. Die eigentliche Frage ist letztendlich, was dahinter steckt. Nur denkt Frankreich einfach traditionell "europäischer" als Deutschland - natürlich oft aus ihrem universalistischem Anspruch heraus, und auch ganz klar aus Eigeninteresse - aber was ändert das...? Deutsche Impulse für eine Europäische Politik gibt es selten bis gar nicht - nicht mal aus Eigeninteresse.
Da, wo die Deutschen herumdebattieren, ob der ICE auch im nächsten kleineren Ort anhält, sich die DB letztendlich für ein ICE-Modell entscheidet, das außerhalb Deutschlands praktisch gar nicht benutzbar ist (230km/h langt ja auch, um von Hannover nach Wolfsburg zu kommen...), fragen sich die Franzosen wie man sämtliche Nachbarländer - einschließlich Großbrittaniens und der Schweiz möglichst effizent an das TGV-Netz anschließt; wie man den Mittelmeerbogen vollendet. Wo bleibt das deutsche ICE-Projekt, das ganz Mitteleuropa umfasst. Gib es nicht! Weil man auf so einen Gedanken ja gar nicht erst kommt! Ist natürlich nur ein Beispiel - spricht aber Bände.
Vielleicht sollten die Deutschen einfach mal die Chance nutzen, die sich da auftut. An Macron kann man einiges kritisieren, aber einen pro-europäischeren Präsidenten wird Merkel jedenfalls nicht mehr bekommen.

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matbhmx 05.06.2017, 21:15
83. Gut, wir erfahren in dem Beitrag, ....

.... dass Frankreich ein absoluter Leistungsträger ist - und Deutschland eigentlich, ganz eigentlich eine lame duck! Tja, dann lassen wir doch die Franzosen einfach Mal machen. Bisher war den Deutschen doch vorgeworfen worden, alles mit ihrer Wirtschaft und Politik platt zu machen. Und jetzt kommt dann eben Mal das französische Jahrzehnt in der EU!!! Wetten, dass nicht! Ein schönes Beispiel ist der beschworene TGV: Der fährt auf einem eigenen Gleisbett, keine Güterzüge, keine anderen Personenzüge dürfen darauf fahren. Die Strecken sind eingezäunt. In Wirklichkeit betriebs- wie volkswirtschaftlich die völlige Idiotie! Und der Vergleich ist schon falsch: Deutschland ist dichter besiedelt, insbesondere mit größeren Städten. D. h. die Züge müssen häufiger halten. Da macht eine Geschwindigkeit von 350 km/h wenig Sinn - denn nach Erreichen der Geschwindigkeit darf man schon Mal gleich den Bremsvorgang wieder einleiten! Und Glasfaserkabel: Das Kabel nützt gar nichts, wenn keine adäquaten Anwendungen für die Volkswirtschaft zur Verfügung stehen.

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Seraphan 05.06.2017, 21:18
84.

Ein Großteil der Kommentare spiegelt genau wider, was im Artikel dargestellt wird. Der Deutsche ist unflexibel, überheblich und kann nicht akzeptieren, nicht in allem führend zu sein. Dann wird die Geldkarte gezogen, statt sich mit den dargebotenen Alternativen zu beschäftigen.

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berndpaul 05.06.2017, 21:18
85. Überwiegend Quatsch

Wir können den Franzosen nicht helfen, indem wir ihre Schulden übernehmen.
Die Nachbarn müssen sich selber helfen, indem sie leistungsgerechte Entlohnung einführen. Man kann nicht weniger Arbeit und gleichzeitig
höhere Löhne einfordern, das schreckt die Kapitalisten ab.
Wir können nur durch Direktinvestitionen helfen, die aber leider
durch für Arbeitgeber günstige Lohnkosten erst angelockt werden müssten. Eine Übernahme der französischen Staatsschulden durch die Nachbarn schafft nur vorübergehende Erleichterung.

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practicus 05.06.2017, 21:28
86. Frankreich

hält allerdings ein Riesenproblem unter dem Teppich, das den Laden in die Luft jagen wird, eigentlich sogar zwei:
Den gut gefederten Ruhestand mit 60 - und ein auf Druck der mächtigen Gewerkschaften verriegelter Arbeitsmarkt...

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Actionscript 05.06.2017, 21:42
87. Danke für die konstruktive Kritik

Zitat von UlrichLamprecht
Ich würde vermuten dass solche Äußerungen als Arroganz oder Chauvinismus aufgefasst werden könnten. Die französischen Probleme sind im Moment größer als unsere. Warum sollten wir nicht ohne jedes Pathos, möglicherweise verdeckt, helfen wo wir können? Ich lebe nahe bei Frankreich und ich will dass es den Franzosen so gut geht wie uns. Ich lebe auch nahe der Schweiz, aber den Schweizern geht es gut :-)
Ich unterstütze voll, dass Frankreich geholfen wird und wie sie sagen ohne Pathos, schon alleine damit LePen nie eine Chance haben wird, an die Macht zu kommen. Ich wehre mich nur gegen die Behauptung, dass Deutschland Vorschriften macht oder dass Alles in Deutschland schlecht ist. Etwas müssen die Deutschen wohl richtig gemacht haben, um wirtschaftlich so stark geworden zu sein. Im Endeffekt werden, was die EU Politik angeht, die anderen EU Länder auch noch was zu sagen haben. Da werden sich beide Deutschland und Frankreich zurückhalten müssen. Was die interne Politik angeht, da kann ich nur sagen, dass Macron von den Fehlern, die in Deutschland gemacht wurden, lernen kann.

Wo Deutschland eine arrogante Politik an den Tag legt und nicht nur die Politiker das war und ist in der Griechenland Politik. Da kennt man kein Pardon und es wird draufgehauen. Sogar der Austritt aus der EU wurde den Griechen nahegelegt. Doch da habe ich Kommentare wie diese vermisst.

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Aquifex 05.06.2017, 21:44
88.

Zitat von titzck
Gott sei Dank reisen meine Frau und ich bald wieder nach Frankreich. Gerade sind wir aus Lyon zurückgekehrt und waren überglücklich. Die Stadt war einfach grossartig und die Menschen. Alle sind gelassen und glücklich. 4000 Restaurants in der Stadt und alle voll. Hier hören wir von der Krise in Frankreich. Doch wenn wir dorthin reisen, spüren wir Leben. Die Welterbestätten vereinen klassische Architektur mit Moderne. Die Städte sind gepflegt. Wo ist die Krise? Wenn es besser als bei uns aussieht, die Menschen glücklicher wirken und älter werden wundern wir uns. 35 Stunden-Woche, das hört sich gut an. Mit 60 zur Rente, das ist ja grossartig. Und bei uns? Für Überheblichkeit ist kein Grund. Im Gegenteil. Von den Russen lernen, heisst siegen lernen. Von der Franzosen lernen, heisst leben lernen. Versuchen wir es.
Ich habe gerade herzlich gelacht.
Kennen Sie die Story von der geigespielenden Grille und den Ameisen? Was Macron gerade merkt ist "Winter is coming".
Aber fiedeln Sie nur weiter....

Ich bin über die Naivität solcher Zuschriften immer wieder erstaunt.

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Aquifex 05.06.2017, 21:50
89.

Zitat von herbert
In Deutschland kann man dem deutschen Michel alles aufdrücken und er liebt Befehle zu empfangen. Egal was kommt, der Deutsche schluckt fast alles. Bestes Beispiel die SPD Agenda 2010 mit einer der grössten Sozialkürzungen in Deutschland und jährliche Rentenkürzung bis heute. Der deutsche Michel nimmt es hin und glaubt auch noch dem SPD Zauberer Schulz, der von einer Zukunft mit sozialer Gerechtigkeit spricht. In Frankreich wäre solch eine Agenda 2010 nicht möglich gewesen, denn dort gehen die Bürger massiv auf die Strasse und räumen mit den Händen auf. Da wird solange gestreikt bis das Elend wieder abgeschaft worden ist. In Frankreich gibt es nicht den deutschen Michel, sondern er bekommt die Wut wenn die Politik nicht richtig tickt.
Genau. Und weil das ökonmisch so super funktioniert kommt Herr Macron schonmal um Eurobonds betteln.

Fragt eigentlich mal nie jemand, wie dieser Sozialselbstbedienungsladen der Gewerkschaften und Sozialromantiker erwirtschaftet werden soll? Immer mehr Geld für immer weniger der immer selben Arbeit?

Was die Frankosen da machen ist kein nachhaltiges Wirtschaftern, sondern ein sozialwahnsinniges Schneeballsystem, das denen in ein paar Jahren fürchterlich vor die Füße fällt. Und dann wird das Jammer groß sein. Das ist nichts, was man in Deutschland auch machen sollte, sondern etwas, daß man in Deutschland Gott sei Dank so nicht hat.

Ich prognostiziere, innerhalb der nächsten 10 - 20 Jahre muß jedes(!) europäische Land seine Agenda 2010 durchgezogen haben, wenn es schritthalten will - nicht mit Deutschland, sondern mit der technischen Entwicklung der Menschheit als solcher. Ansonsten schlittert es unweigerlich in die Pleite - nicht weil Deutschland die Nachbarn kaputt macht (was sowieso Quatsch ist), sondern weil sich niemand diesen Sozialstaat leisten kann, wenn dessen Kosten nicht auf der anderen Seite auch erwirtschaftet werden.
Aber wem erzähle ich das....

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