Forum: Politik
Europas Schuldenkrise: Aufräumarbeiten im Finanz-Fukushima

Überfordert und erschöpft mühen sich die Politiker ein weiteres Mal, den maroden Reaktor des Kapitalismus zu retten. Dabei lautet die einzige Lehre aus dieser Kernschmelze: Abschalten! Schützt die Staaten endlich vor den Märkten!

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monoflo314 27.10.2011, 19:07
150. Schützt die Staaten endlich vor den Märkten?

Für eine sinnvolle Systemkritik sollte man vielleicht mal anfangen "Kapitalismus" und "Markt" in ihren Zusammenhängen weniger arg zu verqueren. Im weitesten Sinn gehört zum Kapitalismus das Eigentum bzw. Regelungen von Eigentumsverhältnissen und eben ein freier Markt. Ein freier Markt bildet sich durch ein freies Zustandekommen von Preisen durch Angebot und Nachfrage. Das, was in die Krise geführt hat, waren allerdings Märkte, die durch Antreiben von Staat und Banken ganz sicher keine "freien Märkte" im Sinne einer transparenten und halbwegs nachvollziehbaren Preisfindung mehr waren (z.B. der amerikanischer Immobilienmarkt. Dass hier mit dem Ausmaß der anschließenden Derivatgeschäfte eigentlich alle kaufmännischen Gepflogenheiten flöten gingen, kann man da fast schon außer acht lassen), das Aussetzen von Marktgesetzen aufgrund "systemrelevanter" Marktteilnehmer und das weltweite Versagen der Politik des letzten Jahrzehnts, in ihrem transatlantischem "Kampf gegen den Terror" und ihrer unsäglichen Schludrigkeit mit der sie in Europa seit Einführung des Euro ihre Hausaufgaben (eine Homogenisierung der Sozial-, Rechts- und Steuerpolitik) genau gar nicht gemacht hat (irische Standortvorteile vs. deutsche Löhne vs. griechische Steuermoral etc. pp...)

Schuld an den gegenwärtigen Zuständen sind weder der Kapitalismus noch freie Märkte, die an und für sich normativ neutrale Begriffe sein könnten und praktisch in Form der Regelung von Eigentum und freien Märkten eher eine Art Werkzeug als eine empirisch erklärbare Notwendigkeit infolge der "Natur des Menschen", sondern dass Menschen in ihrer einfältigen Gier und Dummheit begonnen haben, die eigenen Regeln über Bord zu werfen, die man bisher immer nur von anderen eingefordert hat. Deswegen stinkt für mich hier auch der Fisch vom Kopf und "Im Zweifel links" ließt sich meist erbaulicher als der "Schwarze Kanal". Wenn manchmal auch nur ein wenig...

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PZF85J 27.10.2011, 19:12
151.

Zitat von Izmir.Übül
Und von wem kommt das Einkommen der Beamten & Angestellten des Öffentlichen Dienstes?
Aus der Bundesdruckerei?

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ruediger32 27.10.2011, 19:15
152. Banken

Zitat von peterhausdoerfer
solange es noch Universalbanken gibt, sie sind die AKW´s der Finanzwelt.
Können Sie Beispiele für "Universalbanken" nennen, die ins Straucheln geraten sind? Bei den Privatbanken fällt mir nur die Commerzbank ein, die sowohl ein Privatkundengeschäft betreibt als auch Investmentbank ist. Die Commerzbank hatte sich aber auch vor der Krise an der Dresdner Bank übernommen, was ja noch erschwerend hinzukommt.

Drecksviecher wie die Landesbanken WestLB, BayernLB und HSH Nordbank waren es, die jeden Bullshit gekauft haben. Die wurden "gerettet", weil sie ja ohnehin in Staatshand waren. Ich frage mich bis heute, welche Sinn diese Landesbanken haben. Die sind unnötig wie ein Kropf.

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PZF85J 27.10.2011, 19:20
153.

Augstein ist der Familienvertreter (so um die 24,5%) beim Spiegel-Verlag. In dieser Eigenschaft dulded er wohl das hier:

"Einen Hauch von Prospektglück (...) vermittelt das neue, (...) des "Spiegel"-Verlags in der Hamburger Hafencity. Die neue Epoche für das Nachrichtenmagazin beginnt mit Sachlichkeit und klaren Linien. Nur vierzig Mitarbeiter von Spiegel-TV landen nicht im Glasbüro, sondern auf der Straße."

Was so nach aussen kommuniziert wird:

""Das ist das normale Leben", kommentiert Geschäftsführer Ove Saffe den Vorgang in aller Kühle."

Nachzulesen in der Süddeutschen.

Ich finde das nett: Augstein = Kapitalist im Spiegel-Verlag, Sozialist beim Freitag.

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ruediger32 27.10.2011, 19:21
154. Prof. Dr.

Zitat von braintainment
"Schützt die Staaten endlich vor den Märkten!" Das ist m.E. ein wenig zu pauschal. Es muss doch berücksichtigt werden, daß es Politiker waren, die Schulden gemacht haben um Wahlen zu gewinnen, daß es Politiker waren, welche die Finanzmarktregeln aufgeweicht haben. Insofern muss immer das Bild mit dem Ei und der Henne bemüht werden!
Ich sehe den von Ihnen zitierten Satz als Kampfansage an die Menschheit. Was ist denn der Markt? Freie Menschen bilden den Markt. Wer glaubt, etwas vor dem Markt schützen zu müssen, hat etwas gegen freie Menschen und ihren Entscheidungen. In der DDR hat man auch Angst gehabt und einen Gebrauchtwagenmarkt bekämpft. Trotz alledem hat dieser besser funktioniert als offizielle Verfahren, als Menschen 10 Jahre auf einen Trabi warten mussten.

Man muss die Märkte vor dem Staat schützen. Wir brauchen keine staatlichen Pleitebanken (WestLB, BayernLB, Berliner Landesbank, HSH Nordbank), die bei Lehman einkaufen gehen. Die haben wirklich jeden Mist gekauft, denn es fehlte ihnen an positiver und negativer Rückkopplung. Wer sich nicht tagtäglich seiner Verantwortung bewusst ist, handelt verantwortungslos. Sowas erlebt man sehr häufig beim Staatsdienst.

Wenn demnächst die Solarblase platzt und sie wird hoffentlich platzen, dann werden die Linken wieder aufschreien, wie schlimm doch der Markt sei.

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abominog 27.10.2011, 19:21
155. Jetzt soll auch noch mit Geld gezockt werden

welches erst noch "gehebelt" werden muss...

Mein Gott, wohin wird das noch führen? Ich werde es euch verraten, denn die Formel ist doch ganz simpel:

Hochfrequenzhandel plus Zinseszins multipliziert mit Gier gleich Crash auf Raten.

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ronomi47 27.10.2011, 19:26
156. Ratingagenturen - viele verstehen das gar nicht!

Zitat von king_pakal
Warum lässt sich die EZB Staatsanleihen der EU-Länder surch Rating-Agenturen bewerten. Hat die EZB keine eigenen Experten? Warum wird der Zins (und Zinsenszins) nicht abgeschaft?
Man kann gar nicht von heute auf morgen eine neue Ratingagentur schaffen, die einem in den Kram passt. Übrigens gibt es neben den bekannten grossen Agenturen auch kleinere, die aber nicht in der Lage sind Länderanalysen vorzunehmen.

Tatsächlich haben diese in der Vergangenheit Fehler gemacht. Aber:

Ratingagenturen sind nicht für die Politiker da, sondern für Investoren. Und nicht für den Giovanni in Italien noch für den Michel in der Lüneburger Heide.

Anleihen von Italien haben heute einen hohen Risikofaktor. Glaubt jemand etwa im Ernst, dass das Rettungsschirmlein hier vor einem kräftigen Regen helfen würde.

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Jolly65 27.10.2011, 19:27
157.

Zitat von weltoffener_realist
Schützt die Staaten vor den Märkten? Lächerlich. Da gibt es nur ein Mittel: Einen ausgeglichenen Staatshaushalt samt Abbau der überbordenden Staatsverschuldung.
Das nützt aber auch nichts, wenn andere Blasen platzen wie 2008 und der Staat tief in die Tasche greifen muß, um die Banken zu retten, die zu große Risiken eingegangen sind, weil sonst ein Domino-Banken-Tsunami drohen würde. Die Staaten werden in Zukunft Gewinne erwirtschaften müssen, um weiter Banken retten zu können. Da das die Realwirtschaft bremsen wird, wird es auch einen geringeren Lebensstandard für die Masse der Bevölkerung bedeuten. Eine neue Sozialpolitik für Banken.

Jolly65

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ruediger32 27.10.2011, 19:27
158.

Zitat von crazyphil
Wie kann jemand, dessen Geist offenbar schon vor den einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhängen bedingungslos kapituliert, Kolumnenschreiber bei *irgendeiner* Zeitung werden? Selten so etwas niveauloses gelesen wie in seinen letzten zwei Kolumnen...
Der Name macht's. Wäre Herr Augstein nicht Herr Augstein, sondern ein Sohn von Einwanderern mit niedrigerem Einkommen, dann würde er nicht schreiben. Und hier haben die Linken auch ausnahmsweise recht: Unser System ist nicht durchlässig genug für die Fähigen, während die unfähige Erben an der Spitze verharren können und sie sich sicher sein können, dass sie die mediale Aufmerksamkeit geschenkt bekommen.

Ich bin als Liberaler auch überzeugter Gegner des dreigliedrigen Schulsystems. Nur so nebenbei.

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Traumschau 27.10.2011, 19:27
159.

Zitat von ruediger32
Können Sie Beispiele für "Universalbanken" nennen, die ins Straucheln geraten sind? Bei den Privatbanken fällt mir nur die Commerzbank ein, die sowohl ein Privatkundengeschäft betreibt als auch Investmentbank ist. Die Commerzbank hatte sich aber auch vor der Krise an der Dresdner Bank übernommen, was ja noch erschwerend hinzukommt. Drecksviecher wie die Landesbanken WestLB, BayernLB und HSH Nordbank waren es, die jeden Bullshit gekauft haben. Die wurden "gerettet", weil sie ja ohnehin in Staatshand waren. Ich frage mich bis heute, welche Sinn diese Landesbanken haben. Die sind unnötig wie ein Kropf.
Die HRE war ebenfalls eine Privatbank!!!!
Und klar ist auch das Versagen der Politik:
man hatte sich erhofft, durch spekulative Geschäfte den Landeshaushalt aufbessern zu können ... kicher ...
Dass Leute wie Stoiber und CO aus der Sache ungeschoren herausgekommen sind, grenzt eigentlich gar nicht an ein Wunder. Genauso wenig wie der U-Ausschuss zur HRE.
Da haben Steinbrück und Asmussen ganze Arbeit geleistet.
Zur Belohnung ist Asmussen jetzt Chef-Volkswirt der EZB und Steinbrück wird Kanzlerkandidat der SPD.
Die haben ihre Solidarität bewiesen ... äh ...hää?

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