Forum: Politik
Ex-Brexit-Minister: David Davis erhebt Vorwürfe gegen Deutschland und die EU
REUTERS

"Feindselige Aktionen europäischer Staaten": Kurz vor dem Showdown meldet sich der ehemalige Brexit-Minister David Davis im SPIEGEL zu Wort. Er sagt: Theresa May wird scheitern - und Schuld daran trägt auch Angela Merkel.

Seite 21 von 28
Claes Elfszoon 11.01.2019, 22:26
200. Sie lägen ja ...

Zitat von Luscinia007
Das ist es ja gerade: Die EU will nicht aufhören, ein Verbund zu sein, bei dem die, die ihm angehören, Vorteile haben. Aber was die EU definitiv nicht will, ist, dass diejenigen, die nicht dazugehören wollen, die gleichen Vorteile haben, wie die, die dazugehören und auch bereit sind die Verpflichtungen des Dazugehörens zu tragen^^ Und das hat nichts mit "imperialen Gehabe" zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand. Wer meint, es gehe ihm besser, wenn er die EU verlässt, darf gerne gehen. Niemand wird gezwungen, die Vorteile der EU-Mitgliedschaft zu genießen. Aber wenn jemand freiwillig auf diese Vorteile verzichtet, in dem er austritt, der hat dann gehabt. Und wenn eine Mitgliedschaft Vorteile hat, ist es ja nur logisch, dass ein Austritt Nachteile mit sich ziehen wird. Außer natürlich, bei einer EU-Mitgliedschaft würden die Nachteile überwiegen, dann bringt der Austritt per se Vorteile. Aber austreten und jammern, ich habe die Vorteile der Mitgliedschaft nicht mehr, das geht nicht. Nirgendwo.
... richtig, wäre es das Bestreben der Briten gewesen die EU zu verlassen, das wollten sie aber nicht. Sie wollten nur einige Veränderungen (die übrigens auch ohne die Briten unausweichlich kommen werden). Das Verbleiben in der EU scheiterte an einem einzigen Punkt, nämlich an der Frage der Freizügigkeit (die nicht ganz grundlos aufkam). Die aktuell in der EU doch ohnehin bereits aufgeweicht wird und mit Ökonomie auch nichts zu tun hat. Warum werden denn die Länder, die dagegen verstoßen nicht ausgeschlossen von der so "mächtigen" EU?
Nun sind aber einige Jahre vergangen und mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Wackelkanditaten, die überzeugt werden müssen.
Ich weiß auch nicht, ob es eine gute Idee ist, diejenigen, die bereit sind nun doch Nachteile auf sich zu nehmen, auch noch daran zu hindern eine vernünftige Handelsbeziehung zum Binnenmarkt zu entwickeln. Der vorliegende Vertragsentwurf ist jedenfalls seine Farce, denn wenn sich die Briten darauf einlassen, verwirken sie ihr Recht auf Austritt aus dem Vertrag. Wer einen solchen zynischen Unsinn vorlegt, dem darf man getrost unterstellen Übles, nämlich eine kleinkarierte, provinzielle Rache, im Schilde zu führen.

Beitrag melden
birdie 11.01.2019, 22:27
201. "It´s foolish but it´s british" ...

das ist der Leitspruch eines jeden aufrechten Engländers, der ihn sein Leben lang begleitet und mit Stolz erfüllt. Denn diese Grundeinstellung hat sich über Jahrhunderte bewährt und zum Aufbau und Erfolg des Commonwealth geführt. Also - so die Schlussfolgerung - muss es richtig sein, "Great Britain" immer und unbeirrt an erster Stelle zu sehen und entgegenstehende Meinungen anderer schlicht zu ignorieren. Und wenn auf diesem Weg für die Nation etwass schief läuft, sind immer die anderen daran schuld. Dies vorausgesetzt werden die verworrenen "Erklärungen" des Mr. Davis zwar erklärbar doch leider nicht verständlich.

Beitrag melden
drhibbert 11.01.2019, 22:28
202. Na dann viel Spaß....

Also wenn man mit der fiesen pösen Merkel und den aggressiven, herrschsüchtigen Europäern schon nicht fertig wird..... dann kann man sich ja für die Verhandlungen mit USA, China und Indien das Popcorn für einen schönen Beitrag aus der Kategorie "splatter movie" bereitlegen. 65 Mio Briten gegen 330 Mio US-Amerikaner, 1,4 Milliarden Chinesen und 1,3 Milliarden Inder, läuft. Besonders mit einer Finanzindustrie ohne Zugang zur EU. Aber sie haben ja noch soooo viele andere tolle Produke und Dienstleistungen, nach denen sich die ganze Welt die Finger leckt.

Beitrag melden
Luscinia007 11.01.2019, 22:29
203.

Zitat von HansGnodtke
Wenn die Briten den Tenor hier im Forum (vermutlich siehts anderswo in "old Europe" nicht anders aus) hätten selbst die bisherigen Brexit Skeptiker noch mal handfesten Anlaß darüber nachzudenken, ob nicht doch der Austritt aus dieser Union die einzig vernünftige Alternative war. Im Zweifel werden die Wirtschaftsstarken Mitglieder der Anglosphere und des Commonwealth, darunter Nordamerika, Australien Indien usw. mittelfristig die destruktiven Rachereaktionen Macrons, Merkels und des Euro-Herkules Juncker kompensieren können. In Resteuropa können wir uns dann auf die Vertragsverletzungsverfahren gegen die Osteuropäer und die nächsten Rettungsaktionen für den Club Med konzentrieren. Dazu werden wir dann, nach Wegbrechen des britischen Marktes und dem Abdriften dieses schon rein geographisch unverzichtbaren Partners in der Sicherheitspolitik die Feststellung machen, dass die EU, D allen voran, eine erhebliche Zeche zu zahlen hat und das als Gegenleistung dafür, dass sich die Meisten hier jetzt mal so richtig toll drauf freuen, dass es den Briten bald dreckig geht...wäre ich Brite würde ich spätestens jetzt sagen: Nix wie raus da, egal wie....
So so, in der Sicherheitspolitik sind die Briten also geographische unverzichtbar^^ Aber in der Wirtschafts- und Handelspolitik spielt die Geographie bei den Briten keine Rolle^^ Die kaufen lieber anglophone Tomaten aus Neuseeland, als billige kontinentale aus Holland^^ Wieso auf lokalen Märkten günstig kaufen, wenn man aus fernen Märkten sich auf hohe Transportkosten und lange Lieferzeiten freuen kann^^
Und mal sehen, wie die Briten sich im ehemaligen Commonwealth gegen den dortigen Big Player, China, behaupten werden, jetzt, da die isolationistischen Trumpisten sich aus der Weltgeschichte zurückziehen. Sicherheitspolitisch und geostrategisch gesehen ist da der Brexit wohl gar von Vorteil^^ Wir wissen ja dank Peter Struck inzwischen, wo Deutschland, und somit die EU überall verteidigt wird.

Beitrag melden
simie 11.01.2019, 22:35
204.

Beschwert sich da gerade ernsthaft einer darüber, dass die EU in den Verhandlungen die Interessen ihrer Mitglieder vertreten hat? Haben die Briten wirklich erwartet, dass man ihnen alle Wünsche erfüllt? So konnte man vielleicht zu Zeiten des Empires verhandeln. Aber doch nicht mehr heute. Die Selbsttäuschung ist wohl gravierender als man es sich bisher vorstellen konnte.

Beitrag melden
linksrechtsmitte 11.01.2019, 22:36
205. Nun gut - Zahlen

Zitat von medienskeptiker
Man wird sehen. Sie sagen 1-2 Zehntel..Ich sage : ein halbes Prozent--Unterschätzen Sie das nicht in einer Phase wo das deutsche Wirtschaftswachstum ohnehin Richtung 1 Prozent geht..das nächste halbe Prozent aus der nahenden Zollpolitik der USA gegen Deutschland (und Japa) also PKWs und aus der Wachstumseuphorie die noch letztes Jahr herrschte wird plötzlich eine Rezession.
Ich gebe zu, die genauen Zahlen kenne ich nicht, die Werte schwanken je nach Quelle. Das ist aber nicht der Punkt. Was ich meine ist, dass die Einbußen sich mit den Umstellungen der Wirtschaft für uns relativ - nicht absolut - egalisieren werden. Es gibt nichts flexibleres als internationale Unternehmen. Wenn die ihre Bewertung vorgenommen haben, werden die sehr schnell(1 - 2 Jahre) neue Standorte innerhalb der Rest-EU finden, denn die produzieren mehrheitlich für den EU - Markt. International konkurrenzfähige Fertigprodukte, made in UK, sind rar geworden und können oft nur in Kooperation mit internationalen Zulieferern gefertigt werden. Das wird sogar britische Unternehmen unter Druck setzen, denn Handelsverträge, die sie protegieren haben sie plötzlich nicht mehr oder noch nicht. Jeder Staat der Welt wird plötzlich einen neuen Marktteilnehmer haben, UK. Es wird uns pieksen, aber die Briten wird es schmerzen. Das irre ist, dass jetzt erst immer mehr Unternehmen mit ihren Reaktionen auf einen harten Brexit herausrücken. Anders herum ist ein harter Brexit für die Unternehmen dann aber ein harter Fakt, auf den sie reagieren können. Der sogenannte Deal von May würde hingegen eine weitere Investitionsunsicherheit von Jahren mit sich bringen. Für die kontinentalen Unternehmen wäre ein harter Brexit somit u.U. sogar von Vorteil, nicht aber für die Bevölkerung beiderseits des Kanals.

Beitrag melden
sbv-wml 11.01.2019, 22:37
206. Ich wünsche den Briten eine weiche Landung vom Brexit

Denn das ist die Angst der EU und besonders der Kommission. Ein erfolgreicher Brexit könnte nämlich Nachahmer bei den verbleibenden Nettozahlern finden.
Außerdem habe ich Verständnis für die älteste Demokratie Europas, dass sie auf Dauer nicht von einem zutiefst undemokratischen, nicht vom Volk gewählten Haufen namens Kommission regiert werden wollen.
In diesem Sinne: Alles Gute Großbritannien.

Beitrag melden
pietschko 11.01.2019, 22:37
207.

Zitat von maxbee
Wie die Meisten hier wissen auch Sie nicht, warum es seinerzeit zum Briten-Rabatt gekommen ist. Im Unterschied zu den anderen großen Nettozahlern, die massiv von den Agrarsubventionen der EU profitieren und so ihre Beiträge reduzieren, war dies bei Großbritannien aufgrund der wenig bedeutenden Landwirtschaft nicht der Fall. Deshalb verlangte Thatcher hierfür zurecht Kompensation in Form des sog. Briten-Rabatts.
soso, erzählen sie mal, wo die große landwirtschaft in luxemburg, irland oder schweden ist? haben die einen rabatt? nein, der britenrabatt war schon immer ungerecht und ein sehr großes entgegenkommen der eu.

Beitrag melden
floedy 11.01.2019, 22:38
208. Ja, sapperlot!

Jetzt war ich wirklich fest entschlossen, zu dem ganzen elendigen Thema kein Wort mehr zu äußern, aber diese fassungslos machende Unverschämtheit hat mich soeben aus dem Sessel katapultiert - und eigentlich schon wieder sprachlos gemacht. By the way: Hat jemand den Originaltext von Merkels Äußerung? Ich "glaube mich zu erinnern", dass sie die Auffassung vertrat, dass Großbritannien keine Vorteile von einem Austritt aus der EU haben WERDE, nicht "haben solle oder dürfe".

Beitrag melden
Luscinia007 11.01.2019, 22:39
209.

Zitat von Claes Elfszoon
... eine Einlage von geradezu britischem Humor. Die Stärke der EU ist der Binnenmarkt und sonst nichts. Mittlerweile besteht die EU mehrheitlich aus wirtschaftlichen und finanziellen Leichtgewichten (freundlich ausgedrückt), was längerfristig sogar das Erfolgsmodell Binnenmarkt bedrohen wird. Die Masse verringert sich zudem noch um das UK, das neben Deutschland das zweite Schwergewicht der EU war (Atommacht, globaler Diplomatieschwerpunkt, ein weltweit funktionierendes Zentrum geheimdienstlicher Gravitation und nicht zuletzt ein militärischer Machtfaktor, gemessen an deutschem Vermögen in dem Bereich, von geradezu unheimlicher Stärke). Die EU ist schwach im Umgang mit den weltweit stärksten Playern und stark bei den Ministaaten und darbenden Drittweltstaaten. Einzige Highlights die Freihandelsabkommen mit Kanada, Südkorea und Japan, alles andere ist globale Präsenz light.
Was wollen Sie hier denn eigentlich? Die EU sei schwach im Umgang mit den weltgrößten Playern? Drei der G7 sind Mitglied, mit zweiten gibt es FTAs, das UK tritt aus, und TTIP ist zum Glück gescheitert. Und jeder, der auch nur ein bisschen ökonomischen Verstand hat, weiß genau, dass es besser ist, kein FTA mit dem weltgrößten Player, mit China zu habe, denn der kommunistischen Wirtschaft Chinas ist unsere kapitalistische Wirtschaft nicht gewachsen^^

Beitrag melden
Seite 21 von 28
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!