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Ex-Europaabgeordneter der Grünen: Cohn-Bendit sieht Brexit als Vorbild für andere EU-
AFP

Der Brexit hat nur negative Folgen? Nicht unbedingt, sagt Daniel Cohn-Bendit, Ex-Europaabgeordneter der Grünen. Die EU könne sich "gesundschrumpfen", wenn mehr Länder Großbritannien folgen.

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touri 31.12.2017, 11:10
50.

Zitat von jkbremen
was CB sagt und zwar sowohl in Bezug auf Austritt nicht gemeinschaftswilliger Staaten (Polen, Ungarn, Tschechien, Dänemark) und nicht gemeinschaftsfähiger Staaten (Zypern, Malta, Bulgarien, Rumänien) angeht, als auch was weiteres Zusammengehen von Deutschland, Frankreich, Benelux und Österreich angeht. Wichtigstes Ziel muss sein, in der EU Handlungsfähigkeit zu gewinnen.
Als ob Österreich da mitgehen würde und bevor Frankreich (bzw. die Franzosen) seinen Nationalstaat aufgibt wird noch viel Wasser die Seine herunterfließen, egal was Macron heute sagt...

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kajoter 31.12.2017, 11:11
51.

Ja, auch ich hielt die damalige Extrem-Vergrößerung der EU im Jahr 2004 für einen großen Fehler. Ursächlich war - wie beim Euro - der politische Wille und es steckte dahinter die Angst, dass unter Umständen nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung stünde, einen derartigen Zusammenschluss bewerkstelligen zu können. Nach der deutschen Vereinigung ein zumindest nachvollziehbarer Gedanke.
Auf dem Weg zu dem momentan eher schlechten Zustand der EU sehe ich aber noch zwei weitere Eckpfeiler.
Da ist zum einen der stringent eingehaltene Weg, in jeder Frage unter jedem Preis einen Kompromiss zu finden. Die Folge war, dass die EU bezüglich der unterschiedlichen Vorhaben und Abkommen zu einem Flickenteppich an jeweils teilnehmenden Ländern mutierte. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten existieren de facto bereits seit langem und wurden von den Politikern auch so akzeptiert.
Flankiert wurde dieses mit wenig durchsetzungskräftigen Kommissionspräsidenten, die nicht nur diesen Kompromiss-Kurs vertraten, sondern ihn sogar noch förderten. Und so erfüllte man Grobritannien und Polen ihre Extrawünsche, akzeptierte dänische Alleingänge, ließ regelmäßige französische und deutsche Haushaltsdefizite unter den Tisch fallen, befand die griechischen Unterlagen betr. eines Euro-Betritts als akzeptabel usw.
Und mit Juncker sitzt nun ein Kommissionspräsident im Amt, der quasi den Inbegriff dieser Kompromiss-Kultur darstellt. -
Aber auch in Deutschland sollte die Debatte über Europa andere Züge annehmen. Die EU ist eben nicht automatisch gut und vorteihaft und auch die Größe derselben sollte nicht nach dem Motto "je größer, desto besser" festgeschrieben sein. Die feuchten Augen, die linke und grüne Politiker bei der Nennung des Wortes "EU" bekommen, sind genauso kontraproduktiv wie die Hetze der AfD. Nüchternes Denken sollte angesagt sein und das kennt bereits seit Urzeiten den Begriff des "Gesundschrumpfens".

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niemandsland56 31.12.2017, 11:11
52. Da hat er mal recht ...

Die Ansichten von CB teile ich nicht oft - in diesem Fall allerdings schon. Länder wie Tschechien, Ungarn und insbesondere Polen haben in der EU nichts verloren. Sie bekommen die Subventionen, wir bekommen Schwarzarbeiter und Kriminalität, die EU den Feind im eigenen Bett. Leider ist zu befürchten, dass die Autokraten der EU noch immer nicht klüger geworden sind. Wir wollen ja nicht annehmen, dass dem Machstreben der EU-Politiker vielleicht doch das Wohl der Bevölkerung geopfert werden soll.

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citizen_k 31.12.2017, 11:12
53. Europa der zwei Geschwindigkeiten

Diese Schon seit Jahren geforderte Option wurde gerade von den grünen Heilsbringern als Arroganz der Nettozahler abgetan. Jetzt spricht Cohn-Bendit von Gesundschrumpfen. Es war immer schon halluzinatorisch, Europa wirtschaftlich bis zur Ukraine zu denken und nie des Friedensnobelpreises würdig.

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antonius 31.12.2017, 11:14
54. Gesundschrumpfen umgekehrt

Die Idee von CB ist auf den ersten Blick überzeugend, bei genauerem Hinsehen ist der Kardinalfehler nicht zu übersehen: die Subventionen! Solange die ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes (WP) diese haben wollen, werden sie nicht austreten. Und so bleibt eine schwache EU im Interesse von Putin, Trump und zukünftig wohl auch von China. Ich als alter überzeugter Europäer habe mit der Aufnahme von Polen ua große Hoffnungen verknüpft. Ich bin von den ehemaligen WP-Staaten (ich kann sie einfach nicht mehr Europäer nennen) bitter enttäuscht worden. Und zwar von den unsolidarischen Menschen, die sich diese Regierungen selbst gewählt haben. Mein Vorschlag: diejenigen europäischen Staaten, die in der EU mehr sehen als eine Subventionsmaschine, sollten aus der EU austreten. Dies ist viel leichter zu realisieren als auf den Austritt der Subventionsabkassierer zu warten,deren Ausschluss ist rechtlich nicht möglich. Harte Sanktionen verhindert das Einstimmigkeitprinzip. Aber der Austritt der Europa- willigen a-la Macron, der geht relativ schnell, und die anschließende Vereinigung dieser Staaten in einem Akt zusammen mit dem Austritt, würde ein solches Europa sofort wieder politisch stark machen. Sehr zum Ärger von Trump und Co.. Man wird ja wohl noch träumen dürfen -ein schöner Traum!

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Sonia 31.12.2017, 11:14
55. Da muss ich zustimmen

Großbritannien hätte sich nicht für diesen Weg entschieden, wenn die EU in ihrer geostrategischen Gier, jeden zu integrieren, der nur ein Zipfel Europa ist, egal, welche wirtschaftlichen oder politischen Bedingungen herrschen. Das ständige Aufweichen der EU-Kriterien hat auch zu diesem Desaster geführt. Wie ohnmächtig die EU ist, erleben wir mit Polen und Ungarn. Die eilige Osterweiterung ist der Genickbruch für die EU.

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joG 31.12.2017, 11:15
56. In dem interview....

...fand ich bei weitem Abstand am bezeichnendsten, als er sagt, dass die EU ein emotionales Projekt wäre. Dass er abgrenzt zu Rationalität ist wiewohl wahr aber doch ein erstaunliches Eingeständnis. Es erklärt auch das massive Programm, das von vor allem den Politikern und ÖR offenbar gestartet wurde. Bei jeder Gelegenheit wird verlangt, dass politische Lösungen von der EU ergriffen werden und jede mögliche Gelegenheit die EU zu loben wird manchmal peinlich genutzt; doch oft werden der EU Leistungen zugeschrieben, wohl in der Hoffnung Wiederholung würde die Herzen schon bekommen, die einfach nicht stimmen. Frieden wurde halt nicht von der EU geleistet sondern von den Mächten des Kalten Kriegs. Die Sicherheit eines jeden Deutschen lag zum Teil zwar in Brüssel, aber nicht bei der EU. Es war die Nato. Die Nato konnte das, weil die Amis 60 Jahre Konstanz durchhielten obwohl wir und die meisten anderen der EU fast durchgehend Trittbrett fuhren. Und auf dieser Basis sollen wir Recht haben und nicht die doch rationaleren Britten, die vor Euro und Schengen warnten? Also, für mich steht die Frage, ob ich nicht lieber den Britten folgte.

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dieter 4711 31.12.2017, 11:18
57. Nur gemeinsam sind wir stark

Lieber Cohn-Bendit,
Weuropa kann in der Welt nut gemeinsam stark, dazu brauchen wir jedes Land in Europa.

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Kanalysiert 31.12.2017, 11:18
58. Absolut korrekt

Dem kann man nur zustimmen, es bringt nichts, Länder, die nur kooperativ sind, wenn es darum geht, Fördergelder zu erhalten, in diesem sowieso schon sehr teuren Konstrukt zu halten. Wer die Werte der EU nicht mittragen will, den brauchen wir nicht und schon gar nicht als Hilfsmittelempfänger. Demokratie ist kein Wunschkonzert der Machtinhaber, Flüchtlinge sind keine Pakete, die man einfach so ablehnen kann und Solidarität und Anerkennung des "Regeln-sind-für-alle-da" Prinzips muss vorne dran stehen.

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weltenglas 31.12.2017, 11:36
59. EU 2.0 = Sackgasse

So etwas wie ein Gesundschrumpfen, um eine bessere EU 2.0 zu gründen wird nicht gelingen. Einmal angestoßen könnte sich vielmehr der Erosionsprozess in Europa fortsetzen. Nicht nur die EU könnte vollständig zerfallen, sondern auch die Nationalstaaten. In Spanien und Großbritannien ist das schon zu erkennen. Dies wird nicht ohne Konflikte und Blutvergießen ablaufen. Die EU in ihrer jetzigen Ausdehung muss daher bewahrt bleiben, um einer verstärkten Entfremdung entgegenzuwirken - die nichts anderes wäre als ein Rückschritt ins längst vergangene Jahrhunderte.

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