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Ex-Europaabgeordneter der Grünen: Cohn-Bendit sieht Brexit als Vorbild für andere EU-
AFP

Der Brexit hat nur negative Folgen? Nicht unbedingt, sagt Daniel Cohn-Bendit, Ex-Europaabgeordneter der Grünen. Die EU könne sich "gesundschrumpfen", wenn mehr Länder Großbritannien folgen.

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hartmannulrich 31.12.2017, 12:01
80. "Europa"?

Egal wie man zu einer "gesundgeschrumpften" und mit wesentlich mehr Befugnissen ausgestatteten EU steht - "Europa" dürfte sich der so entstehende Großstaat nicht mehr nennen, denn ein Europa ohne wesentliche Teile Mittel(!)-Europas (und ohne Großbritannien) ist keines. Wobei ich mich schon frage, worin die Vorteile eines solchen supranationalen Reichs gegenüber den existierenden Staaten liegen sollen. Große Staaten sind nicht per se besser als kleinere. Daß Cohn-Bendit Andersdenkende mit Hunden vergleicht ("pawlowsche Reaktion") läßt nichts Gutes ahnen, was den Geist angeht, der da herrschen könnte, .

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fatal.justice 31.12.2017, 12:01
81. Wozu...

... benötigte man eine Europäische Union, wenn der Grundgedanke darauf beruht, dass ausschließlich wirtschaftsstarke Staaten Mitglied sein dürften? Dann kann man auch gleich alles so lassen, wie es zuvor war. Grundsätzlich war doch einer der Ursprungsgedanken, die ökonomische und gesellschaftspolititische Ungleichheit innerhalb des zerfledderten Kontinents zu beseitigen. Wer glaubt, dass der harte Kern seine Privilegien verteidigen kann, ohne dass die Peripherie wirtschaftlich leidet, ist zumindest blond oder möchte die bisherige Ungleichheit beibehalten. Inselneoliberale schwören darauf: Hauptsache ich - das Gegenüber wird erst ernstgenommen, wenn deren Armee an der Tür rüttelt.

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doc_x 31.12.2017, 12:02
82. Zusammengefasst ...

... spricht Herr Cohn-Bendit überraschend offen aus, was die EU zwischenzeitlich ist:
Ein Sanierungsfall, auf dem besten Weg zum hoffnungslosen Fall, wenn wir nicht sehr aufpassen.

Ungeachtet dessen haben sich die Zeitfenster, in denen die EU tatsächlich eine große Rolle im Weltgeschehen hätte spielen können, längst geschlossen. Zu sehr stagniert dieses Staatengebilde, zu sehr dreht es sich nur um seine eigene Verwaltung und sensiblen Befindlichkeiten, enteilen hingegen andere Länder, während die EU in allen relevanten Zukunftstechnologien immer weiter zurückfällt.

Die Kern-EU ist wie eine alte, fette, aber reiche Erbtante, die sich rechts und links allerlei ungezogene Enkel herbeigezogen hat. Bestenfalls gelingt der Erhalt des Status quo, wahrscheinlicher ist der Niedergang, indes angesichts des Wohlstandsniveaus ein jahrzehntelanger Prozess.

Auf längere Sicht dürfte die EU zu den Regionen mit den schlechtesten Perspektiven und Wachstumsraten gehören, kaschiert nur durch den erreichten Reichtum. Zunehmende Wohlstandsverwahrlosung wird ihn schmelzen lassen, angefacht durch immer höhere Reibungsverluste und Zentrifugalkräfte. Wer möchte schon Mitglied in einem Klub der Verlierer sein?
An diesen Langfrist-Aussichten ändern auch zwischenzeitliche wirtschaftliche Erholungen, wie zur Zeit, nichts.

Wer Zukunft sucht, findet diese außerhalb der EU; vergangenheitsorientierte Wohlstandsverwalter bleiben hier ...

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r.mehring 31.12.2017, 12:03
83. Wenn man diese Idee einmal gegen den Strich bürstet

wird der alte Wunsch der USA deutlich einen Cordon Sanitaire zwischen Deutschland und Russland zu installieren. Deutschland und Frankreich müssen sich viel enger zusammenschließen und die Keimzelle für ein neues Europa bilden aber Russland darf dabei nicht außen vor bleiben.

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nordlicht123321 31.12.2017, 12:05
84. Ernsthaft?

Wladimir Putin wird diese Vorschläge begeistert unterstützen. Und dann wieder russische Truppen an der deutsch-polnischen Grenze? Tolles Europa! Solange in Europa keine Meinungspluralität möglich ist und alle nach der Pfeife von D und F tanzen sollen, wird die Spaltung vorangetrieben. Unterschiedliche Ethnien und Kulturen können zusammen arbeiten, aber nie verschmelzen.

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syracusa 31.12.2017, 12:06
85. Selbstbestimmung

Zitat von HaioForler
Der vorgebliche Schaden für die Briten aufgrund eines Brexit wird maßlos in die Höhe gerechnet. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß wir die Briten noch beneiden werden. Wenn es um die Ausrichtung der Selbstbestimmung Englands ging, haben die in den letzten 200 Jahren so viele Fehler nicht gemacht.
Selbstbestimmung wird von EU-Gegnern immer wieder gerne als Argument gebracht. Aber damit wird immer ignoriert, dass jeder einzelne Bürger der EU gerade durch die EU freier und selbstbestimmter leben kann, als er das ohne EU tun könnte. Die EU stärkt Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung für alle EU-Bürger.

Die EU ist in keiner Weise eine Institution, die fremdbestimmend in nationale Institutionen eingreift, sondern ist Ausdruck der Selbstbestimmung ihrer Bürger. Wer behauptet, dass die EU fremdbestimmend in Nationen eingreift, der muss auch behaupten, dass die deutsche Regierung fremdbestimmend in die bayerische Regierung eingreift, und die bayerische Regierung fremdbestimmend in die Regierung der Oberpfalz, und die Oberpfalz fremdbestimmend in die kommunale Verwaltung Regensburgs, und die Stadtverwaltung Regensburgs fremdbestimmend in die den Stadtteil Stadtamhof.

Die Nationalisten zeigen damit nur, dass sie Fremdbestimmung und die Hierarchie subsidiärer Selbstbestimmung nicht auseinander halten können. Ich bin Weltbürger, EU-Bürger, Deutscher, Bayer, Oberpfälzer, Regensburger und Bewohner von Stadtamhof zugleich, und ich weiß, welche Probleme meiner Existenz ich auf welcher Ebene verhandeln kann.

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w.diverso 31.12.2017, 12:08
86. Sehr klug, der Herr Cohn-Bendit.

Man muss sich bei dem Verhalten der Visegrad-Staaten für Zukunft ja was überlegen. Nur Fördermittel in Milliardenhöhe rasieren und sonst alles Vernünftige (oder auch nicht) blockieren, das kann es ja auch nicht sein. Jetzt hoffe ich als Österreicher, dass die momentane Regierung bei uns nicht ganz durchdreht und sich vielleicht noch den Visegrad-Staaten mehr annähern will. Dumm genug könnten sie ja sein. :-(

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kado18 31.12.2017, 12:09
87. Richtig

Zitat von joG
..... Frieden wurde halt nicht von der EU geleistet sondern von den Mächten des Kalten Kriegs. Die Sicherheit eines jeden Deutschen lag zum Teil zwar in Brüssel, aber nicht bei der EU. Es war die Nato. Die Nato konnte das, weil die Amis 60 Jahre Konstanz durchhielten obwohl wir und die meisten anderen der EU fast durchgehend Trittbrett fuhren. Und auf dieser Basis sollen wir Recht haben und nicht die doch rationaleren Britten, die vor Euro und Schengen warnten? Also, für mich steht die Frage, ob ich nicht lieber den Britten folgte.
Den Frieden brachte das etwa Gleichgewicht ( das Patt ) zwischen Russen und Ami.
Obwohl der Ami -zig Mrd mehr für die Rüstung ausgibt, als der Russe, dann noch die Mrd der Natopartner hinzu, will man uns ein erforderliches neues Wettrüsten einreden.
(die Waffenlobbyisten leisteten eine tolle Absatzarbeit auf unsere Kosten)
Wird so der Frieden sicherer oder eher das Gegenteil ?
Was brachte der Sturz von Machthabern im Irak, Libyien,...?
Man glaubt den Russen wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, wenn man sich da nicht verrechnet, auch der Ami hat ca. 20 Bill Schulden, die EU-Länder ca. 10 Bill, eher kommt es zu einer noch grösseren Weltwirtschaftskrise, wie vor ca. 100 Jahren, dann sind die Verschwender ihre vielen Bill Schulden los und die Masse ihr mühsam Erpartes.

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theroofisonfire 31.12.2017, 12:10
88. @ mr stagger lee

Sehr guter Kommentar, leider wird das immer vergessen. Aber Hauptsache es gibt einen Schuldigen auf den man einprügeln kann! Im Grunde hat die EU hauptsächlich ein PR-Problem. Einen guten Rutsch an alle Nasen.

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jbochow 31.12.2017, 12:10
89. na prima

Wenn es Macron nicht um das deutsche Geld geht, warum müssen wir Deutsche dann so viel bezahlen für Macrons Pläne? Die Realität sieht anders aus als Cohn-Benedeit uns weismachen will. Aber das ist ja nichts neues bei den Grünen, siehe Energiewende.

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