Forum: Politik
Ex-Finanzminister Waigel über 1990: "Tränen rannen über das Gesicht von Willy Brandt"
Wolfgang Kumm/ picture-alliance

Theo Waigel verhandelte als Finanzminister die Deutsche Einheit. Zum Jahrestag erinnert er sich an den Moment der Wiedervereinigung, die D-Mark-Einführung und ihre Folgen - und warnt die CDU vor der AfD.

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kenterziege 03.10.2019, 18:12
1. Alles, was Herr Waigel hier über die Zeiten des Umbruchs sagt .....,

....ist nachvollziehbar und richtig! Weshalb hat er nicht wiederholt, daß man die PDS am besten verboten hätte.
Es ist richtig, daß man die AFD mit demokratischen Mitteln bekämpfen muss. Das gilt im Wettstreit aller Parteien. Aber es passt nicht, wenn man bestimmte Posten für die AFD auslässt oder gemeinsam abwählt. Das ist nicht demokratisch, sondern ausgrenzend.

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IchbinDu 03.10.2019, 18:15
2. Windfall Profit für Kohl

"Tränen rannen über das Gesicht von Willy Brandt. Das vergesse ich nicht, das bewegt mich noch heute, wie dieser damals schon alte Mann sich über die Einheit gefreut hat." - Ohne Brandts und Bahrs hartnäckige und beständige Intention, immer wieder mit der UDSSR und der DDR zu verhandeln, wäre es nie zur Wiedervereinigung gekommen. Die Union hat Brandt oft widersprochen. Kohl hat die Gnade erlebt, zur richtigen Zeit die richtige Rolle zu haben. Typischer Effekt von Windfall Profit.

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dwg 03.10.2019, 18:25
3.

Zitat: "Tränen rannen über das Gesicht von Willy Brandt"

Das illustriert das zentrale Problem der Wiedervereinigung. 1989 war durchgängig die Kriegsgeneration an allen entscheidenden Stellen. Verkürzt - Das unmittelbare Erleben des Krieges, des Zusammenbruchs, und der Teilung sowie die damit verbundene Emotionalität hat bei den meisten Handelnden eine rationale Herangehensweise verhindert und ist somit für all die "blühenden Landschaften", den 1-zu-1 Umtausch und den daraus resultierenden Ruin nahezu der kompletten Ostwirtschaft und die meisten der irrationalen Entscheidungen verantwortlich. In dem Licht ist es dann trotzdem erstaunlich gut gelungen.

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haarer.15 03.10.2019, 18:27
4. Theo Waigel

Waigels Antworten lassen schon ein bisschen aufhorchen. Eine halbwegs vernünftige Sicht. Nur was die Arbeit der Treuhand angeht, kann man durchaus anderer Meinung sein. Da lief nicht alles gut - und die Folgen sehen wir heute. Waigel warnt zu Recht vor den Anti-Demokraten der AfD. Weder ist diese Truppe Anwalt des Volkes noch der kleinen Leute. Dazu tickt ihr sog. "Programm" zu neo-liberal und auch gefährlich rückwärts-gewandt. Wann begreift der letzte AfD-Fan, welchen Rattenfängern er aufsitzt ? Waigel würde eine Linksregierung in Thüringen viel eher dulden - und das auch seiner Partei empfehlen. Hut ab Hr. Waigel ! Das zeugt von Realismus und einer Prise Vernunft.

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Hajojunge 03.10.2019, 18:27
5. Am 3. Oktober war ich am Schöneberger Rathaus

Dieser beklemmende Abend blieb mir unvergeßlich. Helmut Kohl wurde gnadenlos ausgepfiffen. Schon an jenem Abend hatte ich das Gefühl, daß da etwas schief gehen könnte. Ich war tief beschämt über das Verhalten der dort anwesenden Klientel; offensichtlich waren auch viele Sozis und Linke aus dem Westen anwesend. Denen ging die Wiedervereinigung gründlich gegen den Strich. Dort die Bonzen aus dem Osten, denen die Privilegien verloren gingen, hier die Linken, deren furzgemütliches West-Berliner Biotop empfindlich gestört wurde.
Die Entwicklung verlief folgerichtig. Hier wie dort wurde kräftig Sand ins Getriebe geschüttet. Unter dem Strich war die Vereinigung jedoch das Beste, was Deutschland widerfahren konnte.

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brooklyner 03.10.2019, 18:42
6.

Aber an diesem Tag nicht den Herrn Seiters vergessen, gell?

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helmud 03.10.2019, 18:42
7. Wir waren alle Happy

Leider wird heute verkannt was geleistet wurde. Es ist frustrierend zu sehen, dass in den Ostländern die AFD sehr stark ist. Hier sage ich etwas was kaum jemand wagt auszusprechen, ich empfinde es als Undank. Die DDR war praktisch pleite und was ist heute? Die Wirtschaftsleistung ist nahezu angeglichen und wenn man die Kaufkraft berücksichtigt auch die Löhne und Renten. Was wäre denn geworden, wenn nicht diese große Solidarität des Westens stattgefunden hätte und eine Wiedervereinigung, nicht erfolgt wäre, die DDR wäre eines der ärmsten Länder Europas und die Menschen würden sich nach dem Westen sehnen. "Leider konnte nicht verwirklicht werden, dass gebratene Tauben ihnen direkt in den Mund fliegen", aber die AFD wird sicher dafür sorgen, nur werden die Menschen möglicherweise zu spät merken, wenn ihnen die inhaltslosen Federklumpen im Hals stecken bleiben.

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Augustusrex 03.10.2019, 18:42
8. Die Wiedervereinigung

stand zwar im Grundgesetz der BRD, aber realiter hatte das kein einziger Politiker auf seiner Agenda. Das war einfach unreal und ein Lippenbekenntnis. Und das war so, bis die DDR anfing, zusammenzubrechen. Und dort beginnt Kohls Verdienst. Er hat die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung nicht geschaffen, er hat sie aber erkannt, als sie zur Realität wurden. Natürlich haben das dann auch viele andere erkannt, aber er war nun einmal Kanzler. Kohl hat sich an Bismarck gehalten: "Denn wenn der Herr durch die Geschichte schreitet, und man das Wehen seines Mantels spürt, dann muss man zuspringen und festhalten und sich soweit tragen lassen, wie die Kräfte reichen." Der Kanzler ist gut gesprungen und hat sich weit tragen lassen. Ich jedenfalls möchte die DDR um nichts in der Welt auch nur für einen Tag zurück.

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fritzberg1 03.10.2019, 18:46
9.

Zitat von IchbinDu
.... Ohne Brandts und Bahrs hartnäckige und beständige Intention, immer wieder mit der UDSSR und der DDR zu verhandeln, wäre es nie zur Wiedervereinigung gekommen. ....
Kann man so sehen wenn man das unbedingt so will.
Allerdings war für die SPD in Wirklichkeit die Wiedervereinigung weder ein Ziel noch eine Option. Brandt und Bahr arbeiteten damals auf eine Zweistaatlichkeit hin. H. Bahr hat das ein paar Jahre nach der Wiedervereinigung auch so zugegeben.

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