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Ex-Geheimdienstchef: "Großbritannien erlebt einen politischen Nervenzusammenbruch"
REUTERS

Die Tory-Spitzenkandidaten ohne Format, der Ruf des Landes international beschädigt: John Sawers, Ex-Chef des britischen Geheimdienstes MI6, hat in einem Interview mit den Brexit-Akteuren abgerechnet.

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lanzelot72 07.07.2019, 20:10
140. @TomTheViking (116)

Mit Verlaub: Ihre Zahlen sind nicht nur abenteuerlich, sondern eine glatte Lüge. Jederzeit für jeden nachvollziehbar. Alleine, daß Sie uns veräppeln wollen, indem Sie das Wahlergebnis der SNP (die nur im ggü. England bevölkerungsarmen Schottland wählbar war) auf das Ergebnis im gesamten UK umrechnen, ist ein Paradebeispiel für Fake-News. Tatsache ist: Schottland hat mit 38% für die SNP gestimmt. Also nicht ein Prozentpunkt weniger, wie bei der letzten Wahl, sondern neun Prozentpunkte mehr! Dagegen erreichte die Brexit-Party in SCO gerade einmal 15%. Glauben Sie denn im Ernst, Sie kämen mit diesen unverschämten Lügen hier durch?

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descartes 08.07.2019, 10:50
141.

Zitat von iasi
Und was war es nochmal, das einen Geheimdienstchef derart qualifiziert, dass er solche Analysen erstellen kann? Ich wundere mich sowieso immer wieder über die Leute, die besser wissen, was das Volk will, als die, die von diesem Volk gewählt wurden. John Sawers würde ja wohl sicherlich gewählt, wenn er sein Volk so gut kennt - also warum lässt er sich denn nicht wählen? Ständig werden irgendwelche Experten aufgefahren, die immer ganz genau wissen, was das Beste ist.
Sie scheinen keine Zeile des Artikels gelesen zu haben.
Es wurde lediglich festgestellt, dass im Regierungsbezirk die Angst vor dem Brexit und dessen Folgen umgeht. Dass das Personal in Regiuerung und Opposition für die anstehenden Aufgaben nicht geeignet ist. Dass sich GB seinne Ruf weltweit selbst unnötig beschädigt hat.
Was davon, um alles in der Welt, glauben Sie, könne ein ex- Geheimdienstchef nicht beurteilen? Welche zusätzlichen Qualifikationen benötigt er denn hierfür, Ihrer Meinung nach?

Steht in dem Artikel mit einer Silbe, dass er glaubt besser zu wissen, was das Volk will, so wie Sie das hier behaupten? Warum sollte er sich denn wählen lassen? Um den Scherbenhaufen zusammen zu kehren, den ihm dann andere hinterlassen haben? Sollen das mal Nigel und Boris selber machen und die Konsequenzen dafür tragen, dass sie aus great little Britannien gemacht haben.

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mostly_harmless 08.07.2019, 10:59
142.

Zitat von k70-ingo
Was für ein Unfug, nur um das Modewort "neoliberal" daherplappern zu können. [...] Weiterhin haben die Großindustriellen -die es in GB ohnehin nicht mehr gibt- keinerlei Interesse daran, Produkte herzustellen, die EU- und andere Normen unterlaufen - weil solcher Schrott auf dem Weltmarkt unverkäuflich ist.
In der realen Welt gibt es in GB hunderte Ansatzpunkte für die Taliberalen. Beispielsweise geht die irre Regelung mit den Zero-Hour-Contracts den Hardcore-Neoliberalen in GB nicht weit genug. Die sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Standards der EU sollen ebenso weg wie die umweltpolitischen Standards.

Und das ganze auf Industrieproduktion zu begrenzen zeugt - im besten Fall - von wirklich umfassender Inkompetenz zum Thema. Der wahre Grund für die Brexit-Lügenkampagne ist der Traum der Taliberalen von der Rückkehr des Manchester-Kapitalismus. Niedrige Löhne, keine Arbeitnehmerrechte, kein Sozialstaat.

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thobie2 08.07.2019, 17:20
143.

Zitat von melnibone
Die Europawahl zeigt neben teils erfreulichen Wahlergebnissen ... wie unfähig die anderen europäischen Staatenlenker sich präsentieren. Und sich einmischen ... wo sie sich partout nicht einzumischen hätten. Die gesamtsiechen Staaten von Europa.
Wenn Sie damit die Besetzung der Kommission meinen: Dann gebe ich Ihnen den Rat (ein wenig abgewandelt), den mir mein Repititor mehrfach gegeben hat: Ein Blick in den Vertrag fördert die Rechtsfindung. Der EU-Vertrag sieht nun einmal vor, dass der Rat ein Vorschlagsrecht in Bezug auf den Kommisionspräsidenten hat. Und dieses Recht haben die Regierungschefs wahrgenommen. Auch wenn es viele nicht verstehen wollen oder können: Das Prinzip des Spitzenkandidaten ist in den europäischen Verträgen nicht verankert. Man hatte da eine Idee. Die aus meiner Sicht gut ist. Nur haben sich die Regierungschefs nicht dran halten müssen.

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thobie2 08.07.2019, 17:33
144.

Zitat von derhey
Sind die Unterschiede des Personals in Washington, Brüssel, Berlin, Rom etc wirklich so groß?
Ja, die Unterschiede sind riesig. Bevor ein Donald Trump, ein Salvini, ein Orban oder eine Le Pen, eine Regierung führt, der ich mich auch nur einen Monat unterwerfen würde, würde ich mich lieber die nächsten 50 Jahre von unserer großen Koalition regieren lassen.

Bei uns mag nicht alles Gold sein, was glänzt. Aber jenseits des Populismus werden wir so schlecht nicht regiert. Die Regierung geht die aktuellen Probleme an. Wenn auch manchmal nicht so schnell, wie man das vielleicht wünscht. Und vielleicht ist auch die Lösung der Probleme nicht immer so, wie sich das so mancher wünscht. Aber insgesamt bekommt diese Regierung immer wieder den Kompromiss hin, der den widerstreitenden Interessen Rechnung trägt. Vor allem hält sich diese Regierung an die demokratischen Grundwerte.

Das sieht in Amerika ganz anders aus. Trump versucht, die demokratischen Institutionen auszuhebeln, wo er nur kann. Auch sein Kampf gegen die Presse ist bezeichnend für solche rechtspopulistischen Autokraten.

In GB hat die Regierung gezeigt, dass sie es nicht kann. Und selbst wenn Boris Johnson Regierungschef wird, wird sich nichts ändern. Etwas vielleicht doch: GB wird mit Beendigung des 30.11.19 aus der EU ausscheiden. Johnson wird keinen Verlängerungsantrag stellen. Typisches Beispiel für sein Vorgehen ist die Aussage, dass er das Austrittsabkommen neu verhandeln werde. Er werde nur die Bestimmungen behalten, die gut für GB sind. Dumm nur, dass sich die EU auf diese Rosinenpickerei nicht einlässt. Entweder ist Johnson so dumm, den Unsinn, den er dort erzählt selber zu glauben oder er belügt die Tory-Mitglieder ganz bewußt (ich glaube an die zweite Alternative).
Und seine Drohung mit der Zurückhaltung der Austrittskosten ist ebenso aus der EU-Sicht eine leere. Der Betrag wird ja auf viele Jahre gestreckt fällig. Das wird man finanzieren können. Allerdings würde eine solche Haltung sofort Nachteile für einige Bereiche in GB haben. Britische Forschungsinstitute fallen von heute auf morgen aus den gemeinsamen Projekten. Das kann man mit Geld nicht heilen. Und ich könnte mir vorstellen, dass die EU in diesem Fall nicht bereit sein wird, GB auch nur ein Jota in Bezug auf Übergangsregeln entgegen zu kommen. Meine Prognose im Falle eines harten Brexit ist: GB wird die letzten Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verlieren. Und die EU wird mit verschärften Finanzmarktregeln zurückschlagen. Das wäre ein direkter Schlag gegen die City of London und würde ganz richtig weh tun.

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thobie2 08.07.2019, 17:46
145.

Zitat von Schartin Mulz
Wie die EU-Wahlen geziegt haben, ist trotz der bisher gescheiterten Verhandlungen immer noch ein großer Teild er Briten FÜR den Brexit.
Nein, gerade das haben die Wahlen zum EU-Parlament nicht gezeigt. Farages Partei hat etwas über 30 % der Stimmen bekommen. Die Torys sind abgestürzt, weil die Brexit-Befürworter die Partei von Farage und nicht die Torys gewählt haben.

Fakt ist, dass etwa 40% der Wähler den Brexit ohne wenn und aber wollen und eine etwa gleich große Gruppe an Wählern den Brexit ohne wenn und aber nicht will. Und 20% schwanken. Würde man ein weiteres Referendum durchführen, würde vermutlich wieder so etwas wie 45 zu 55 dabei herauskommen. Vermutlich würden die Brexitgegner sogar eine knapper Mehrheit erzielen.

Obwohl ich es schade finde, dass GB die EU verlässt, bin ich inzwischen für einen schnellstmöglichen Brexit. Der wird Schäden in Europa anrichten, die Schäden in GB werden deutlich größer sein. Dort werden in der Industrie tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Und auch das Dienstleistungsgewerbe und der Bereich Finanzdienstleistungen werden nicht ausgenommen sein. Vermutlich werden Wenige ganz viel am Brexit verdienen. Denn mit Sicherheit werden die Arbeitnehmerrechte aufgeweicht. Und natürlich wird die Lebensmittelversorgung besser. Denn eine Voraussetzung für ein Freihandelsabkommen mit den USA wird die Verkehrsfähigkeit von amerikanischen Lebensmitteln in GB sein. Guten Appetit bei Chlorhühnchen (aus meiner Sicht eigentlich kein Problem) und Hormonfleisch. Letztlich sind das die Probleme die GB selbst lösen muss und sie gehen die EU nichts mehr an. Die EU muss endlich die Bürde Brexit abschütteln. Sie muss an einer weitgehenden Reform arbeiten. Vielleicht werden wir dann eine EU der zwei oder drei Geschwindigkeiten bekommen. Insbesondere muss gelten: Wer Lasten nicht mitträgt, bekommt auch keine Behilfen mehr.
Dieser Prozess wird schwierig und steinig. Ein Mitglied GB, dass nach innen völlig gespalten und damit geneigt ist, jeder Reform zu blockieren, ist in Etwa dabei so hilfreich, wie ein drittes Knie. Von daher ist der Prozess nicht mehr Umkehrbar. GB soll ausscheiden. Irgendwie werden die Briten die Probleme lösen. Der vermutlich auftretende Wohlstandsverlust bei den unteren Schichten in GB soll die Sorge der EU nicht mehr sein.

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thobie2 08.07.2019, 17:56
146.

Zitat von Atheist_Crusader
Die Bürger mögen vom Brexit betroffen sein, aber ganz offensichtlich haben die Wenigsten eine Ahnung was das bedeutet. Kann man immer wieder sehen, wann immer Leute zu dem Thema befragt werden. "Ich wollte ja den Brexit, aber wer hätte ahnen können dass das meinem Exportgeschäft schaden könnte?".
Wobei einige Bürger so borniert sind, dass sie die Folgen eines Brexit ausblenden. Ich habe vor ein paar Wochen eine Dokumentation gesehen. Da ging es um einen Landwirt in GB. Glühender Brexitbefürworter. Der lebt von der Schafzucht und 92% seine Schafe gehen in die EU. Ihm ist klar, dass im Falle eines harten Brexits 50% Zoll auf die Tiere beim Import in die EU anfallen. Er ist klar, dass er damit nicht mehr konkurrenzfähig ist. Seiner Meinung wird sich schon irgendwo ein Markt für ihn finden und natürlich bleibt er glühender Brexitbefürworter.

Ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt. Aber gut, das was den Briten nach einem harten Brexit droht, soll uns nicht interessieren. Wir, die EU, haben eigene Probleme.

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thobie2 08.07.2019, 17:59
147.

Zitat von 123rumpel123
Die werden den Strukturwandel im produzierenden Bereich wesentlich besser geregelt bekommen, sieht Jaguar - klein aber fein.
Jaguar gehört dem indischen Unternehmen Tata Motors. Und die Fahrzeuge werden in Europa nach einem harten Brexit deutlich teurer werden. Mal sehen, wie sich das auf die Marktanteile auswirken wird.

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Nur ein Blog 09.07.2019, 07:41
148.

Zitat von pavel1100
Für ein normales Land mag ihre Einschätzung zutreffen. Für das vereinte Königreich, in dem das Parlament nicht in der Lage ist, sich zu irgendetwas zu entscheiden, in dem Politiker nicht mehr das Wohl des Staates sondern nur ihren eigenen Machtzuwachs anstreben und in dem wichtige Probleme wie die Frage der nordirischen Grenze einfach ausgeblendet werden kann ich mir schnelle, lösungsorientierte Entscheidungsprozesse einfach nicht mehr vorstellen. Dagegen habe ich die EU, abgesehen vom üblichen und wichtigen demokratischen Diskurs, noch nie so einig und entscheidungsstark gesehen wie in der Brexit Frage. In dieser Diskussion gab es viele sehr gute Beiträge auf beiden Seiten. Ich habe aber selten einen Beitrag gelesen, der mir, wie offenbar vielen hier, so aus der Seele spricht wie der umfassende und klar in Worte gefasste Beitrag Nr. 2 von Atheist_Crusader. Vielen Dank dafür.
Es ist immer leicht, Einigkeit zu erzielen, wenn sich 27 darauf einigen, den 28. unter sich aufzuteilen.
Nach dem mit PM May ausgehandelten so genannten Austrittsabkommen behält Grossbritannien mit dem "weichen" Brexit alle Pflichten und Restriktionen eines EU-Mitgliedes und verliert nur alle bisherigen Mitgliedsrechte. Deutschland behält Grossbritannien als Absatzmarkt für seine Güter und das konkurrenzlos auf dem Weltmarkt. Grossbritannien soll es nach dem Austrittsabkommen weiter verboten sein, eigene Handelsabkommen zu schliessen. Die Ostländer, insbesondere für Polen und Ungarn bleibt über die EU-Bürgerrichtlinie das UK als beliebtestes Auswanderungsland Europas weiter erhalten - ebenso exklusive und bevorzugt vor allen anderen Menschen mit EU-Drittlandstaatsbürgerschaft - inkl. nur-Briten. Das UK bleibt weiter der EU-Jurisdiktion und der EU-Gesetzgebung unterworfen - einfach ohne Mitbestimmungsrechte. Auch zahlen soll das UK netto nicht nur weiter wie bisher - die EU verlangt gar noch 44 Milliarden "Schadenersatz" für die Kündigung.

Klar sind sich 27 einig wie nie, wenn es darum geht, eine Beute, die noch gar nicht erlegt ist unter sich so aufzuteilen, dass keiner leer ausgeht.

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g_bec 09.07.2019, 09:13
149. Typisch.

Zitat von iasi
Und was war es nochmal, das einen Geheimdienstchef derart qualifiziert, dass er solche Analysen erstellen kann? Ich wundere mich sowieso immer wieder über die Leute, die besser wissen, was das Volk will, als die, die von diesem Volk gewählt wurden. John Sawers würde ja wohl sicherlich gewählt, wenn er sein Volk so gut kennt - also warum lässt er sich denn nicht wählen? Ständig werden irgendwelche Experten aufgefahren, die immer ganz genau wissen, was das Beste ist.
Typische Einlassung eines Vertreter*in "des Volkes": Experten alle doof, die haben schließlich studiert. Und immer selber voller Überzeugung, was das wahre Volk will, schließlich weiß das Vertreterin "des Volkes" alles besser. Bar jeder Ahnung aber voller Überzeugung.

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