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Ex-Geheimdienstchef: "Großbritannien erlebt einen politischen Nervenzusammenbruch"
REUTERS

Die Tory-Spitzenkandidaten ohne Format, der Ruf des Landes international beschädigt: John Sawers, Ex-Chef des britischen Geheimdienstes MI6, hat in einem Interview mit den Brexit-Akteuren abgerechnet.

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sargeantangua 06.07.2019, 16:47
20.

Zitat von iasi
Ich wundere mich sowieso immer wieder über die Leute, die besser wissen, was das Volk will, als die, die von diesem Volk gewählt wurden.
Sie sollten sich mal drüber informieren, was andere britische Volksvertreter so vom Brexit halten. Die sind nämlich auch nicht alle dafür (ebenso wie die Wähler). . Und beim "Wie" erst recht. Die Luftnummern Johnson und Hunt tönen herum, mit wie viel Geld sie den Fallout des Brexit mindern wollen im Falle eines "No-deals" , was den aktuellen Schatzkanzler Phillip Hammond (gewählt, Tory) zu bösen Bemerkungen veranlasst. Der Ex-Geheimdienstchef ist da nur einer unter vielen, die warnen.

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Nubari 06.07.2019, 16:49
21. Boris Johnsons Replik offenbart die Ausmaße des Problems

Sawers einen Nervenzusammenbruch zu attestieren ist angesichts der Probleme, denen sich Johnson als PM widmen müsste, eine wirklich billige Replik. Auch der Verweis auf "demokratische Prozesse" ist lächerlich, weil sich das House of Commons handlungsunfähig zeigt, das Referendum knapp und auf der Basis unwahrer Behauptungen knapp entschieden wurde und dieses im übrigen nicht bindend ist. Dagegen könnte man als Bürger, Arbeitnehmer oder Unternehmer nun wirklich einen Nervenzusammenbruch bekommen, denn auch nach mehreren Stichtagen ist noch immer Alles unsicher und das Problem der irischen Grenze hat sich als unlösbar erwiesen. Von den Versprechungen der Vorteile eines Brexit ist nichts übrig, mal abgesehen von nationalistischer Euphorie. Das Gegenteil ist der Fall, die Aussichten sind düster, wie selbst Brexiteers inzwischen zugeben. Schon jetzt schließen die ersten großen Fabriken, viele weitere werden folgen. Es droht weiter ein ungeregelter Austritt, die Möglichkeit, bessere Freihandelsabkommen abzuschließen, existiert nicht. Bis heute konnten erst wenige der 40 erforderlichen Freihandelsabkommen verwirklicht werden, u.a. mit Norwegen oder der Schweiz. Weniger als 20% des Handelsvolumens sind davon berührt. Weitere werden in absehbarer Zeit nicht dazu kommen. Wie z.B. Kanada erst diese Woche verlautbarte, sind die Gespräche auf Eis, denn man möchte abwarten, wie die zukünftigen Handelsbeziehungen mit der EU geregelt sein werden. Verbessert hat sich UKs Verhandlungsposition jedenfalls nicht. Bestenfalls kann UK gleichwertige Konditionen, jedoch eher schlechtere, erreichen. Das (unannehmbare) Angebot der USA ist hierfür ein gutes Beispiel: Freihandel gibt es nur gegen Öffnung des NHS für US-Krankenversicherungen und medizinischen Dienstleistern und Abbau von Verbraucherschutz. Sawers macht sich zurecht Sorgen, denn zum völlig inkompetenten Boris Johnson gibt es keine guten Alternativen. Corbin weiß nicht, was er wollen soll; Labour ist so gespalten wie das ganze Land, er hat nur ein sozialistisches LaLa-Land anzubieten, jedoch keinerlei Antworten auf die Fragen. Die Tories sieht es zappenduster aus, denn aus einer Schar von Stümpern haben sie mit Johnson und Hunt nun die inkompetentesten Beiden in der Endauswahl, dazu werden sie von der Brexit-Party vor sich hergetrieben. Bleiben nur die klugen Liberaldemokraten, die jedoch keine Chance haben, jemals Verantwortung übernehmen zu dürfen. Nur eine politische Revolution könnte einmal Großbritannien retten. Doch damit es zu dieser kommt, müsste zunächst eine katastrophale Situation eintreten, die man diesem eigentlich wunderbaren Land nicht wünschen kann. Dennoch, das ist die Dynamik: wir beobachten die letzten Kapitel des Abstiegs einer einstigen Supermacht und selbst der Zerfall des Vereinigten Königreiches ist möglich.

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neanderspezi 06.07.2019, 16:52
22. Johnson übt sich auf den Nerven der Briten weiterhin herumzuklimpern

Die Briten haben sich vermutlich demokratische Prozesse im Stil eines Nigel Farage und eines Boris Johnson redlich verdient. Jetzt wo es darum geht diesen Boris Johnson womöglich ins höchste Amt zu hieven, war abzusehen, dass dieser Demokrat reinsten Geblüts sich darauf besinnt, seine außerordentliche Fähigkeit im Dienste seiner selbstgestrickten demokratisch anmutenden Neigungen gegenüber anderslautenden Befunden in helles Licht zu rücken und sich an den leicht zu übertölpelnden Bürgern zu ergötzen. In Sachen Verführung will er weiterhin sein meisterhaftes Talent bis er dem Premierposten aufsitzt uneingeschränkt auskosten. Wer Lügen so perfekt beherrscht wie dieser Johnson und damit beim zurückliegenden Referendum schon beachtliche Erfolge erzielt hat, dem muss man Vertrauen entgegenbringen und darf hoffen, dass sich dieses Talent auch weiterhin nützlich erweisen wird.

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sikasuu 06.07.2019, 16:58
23. MI6 ist der Auslandsgeheimdienst, der darf im Inland nicht!

Zitat von Stäffelesrutscher
Tja, da hätten sich die Geheimdienste rechtzeitig mit den Hochverrätern um Farage und Johnson befassen müssen ...
MI5 wäre dafür klassisch zuständig, doch heutzutage sind ja die Unterschiede zw. den verschiedenen Abtl. "Horch&Greif" auch in GB nicht mehr so klar auszumachen.
.
Aber, so ganz unrecht kann ich dem Mann nun nicht geben.
Nur ändern kann er an "den demokratischen Prozess" der von einem Bruchteil der Wähler majorisiert wird, nicht geben.
.
Btw. Ein Churchill 2.0 scheint nicht in Reichweite. Wenigstens wenn man sich die Kandidaten so anschaut, denen zuhört!

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Atheist_Crusader 06.07.2019, 16:58
24.

Zitat von obachmann
1. "Man hat die Bürger eine Entscheidung treffen lassen, die in ihren Umfang und Folgen so komplex ist, dass sie ganz einfach nicht in Laienhände gehört." Es haben genau diejenigen entschieden, die es betrifft und welche die Folgen der Entscheidung tragen, nämlich die Bürger selbst. Das nennt man übrigens Demokratie. 2. "Man hat die Entscheidung um einen gravierenden Kurswechsel für die Zukunft des Landes mit einer hauchdünnen Mehrheit gewinnbar gemacht. Derart einschneidende Änderungen benötigen üblicherweise mehr als eine simple Mehrheit." Mehrheit können knapp sein. Aber Mehrheit bleibt auch dann Mehrheit. 3. "Anschließend hat man das Ganze dann noch als politisches Manöver ohne Not für bindend erklärt." Stimmt nicht, man hat es bereits vorher für bindend erklärt. 4. "Die komplette Kampagne war von Lügen und Fehlinformationen gezeichnet (und von der jahrzehntelangen Tradition der Anti-EU-Hetze gewisser Personen, Parteien und Medienorgane fange ich mal gar nicht an), primär (aber nicht ausschließlich) auf der Leave-Seite." Beide Seiten haben übertrieben. Das gehört zu jeder Abstimmung. Übrigens auch in Parlamenten.
1. Ja. SCHLECHTE Demokratie. Wenn ich mit einer Verletzung ins Krankenhaus gehe, dann erwarte ich dass der behandelnde Arzt eine professionelle Entscheidung trifft - und nicht, dass er erst noch alle Anwesenden - vom Sanitäter bis zum Hausmeister - abstimmen lässt. Dafür wird er bezahlt.
Die Bürger mögen vom Brexit betroffen sein, aber ganz offensichtlich haben die Wenigsten eine Ahnung was das bedeutet. Kann man immer wieder sehen, wann immer Leute zu dem Thema befragt werden. "Ich wollte ja den Brexit, aber wer hätte ahnen können dass das meinem Exportgeschäft schaden könnte?".
2. Nein, eben nicht. Um zum Beispiel ein Staatsoberhaupt wie einen Premierminister absetzen zu können braucht es eine 2/3-Mehrheit. Das wird so gemacht, weil eine simple Mehrheit die Basis der meisten politischen Prozesse ist und das dann eben noch eine Stufe höher ist als alltägliche Prozesse.
3. Stimmt. Das "anschließend" war weniger in einem zeitlichen Rahmen gemeint, aber das war unnötig verwirrend.
4. Ja, aber nicht im selben Maße. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Politiker der manchmal die Wahrheit verbiegt oder nicht weiß wovon er redet und einem der pausenlos wissentlich Unwahrheiten in die Welt setzt.

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TomTheViking 06.07.2019, 17:00
25. 007 bitte die Pension genießen und den Aston Martin wieder mal bewegen

Oder wollen Sie mal eben 60 Prozent der Bevölkerung wegballern?

Ja es war ja die große Hoffnung der EU Granden auf eine zweite Brexit Abstimmung. Nur deswegen hatte man den Prozess ja verschleppt und unsinnige nicht annehmbare Vorbedingungen gestellt.

Waren es 2016 knappe 52 Prozent welche trotz des Weltuntergang-Dauerfeuers aus Brüssel und allen Mainstream-Medien zum trotz für den Brexit stimmten sieht die Sache heute anders aus.

Aber nicht besser für die Brüsseler Granden. Change UK, die Partei welche sich als radikale Brexit Gegnerin aufgestellt hatte kam gerade auf 3,2 Prozent, Nigel Farad als Gegenpol auf knapp über 30 Prozent. Die UKIP mit 3,2 Prozent gab es dann auch noch. Nun werden Sie sagen die Liberalen und Grünen haben deutlich zugelegt und sind überwiegend gegen den Brexit. Stimmt, das sind die Teile der Labour und Tories welche abgewandert sind. Aber mit 38 Prozent Wählerstimmen von Parteien (Grüne Liberale Change UK und die schottische SNP)
deren Anhängerschaft den Brexit überwiegend ablehnt, gegen 57 Prozent Wählerstimmen von Parteien welche den Brexit wollen. Die EU Befürworter haben auf ganzer Linie verloren nach einer zweiten Brexit Abstimmung (wie vor der EU Wahl) kräht Niemand mehr.

007 bitte nicht mehr melden.

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vermeervandelft 06.07.2019, 17:08
26. Demokratische Entscheidung

der Nordiren war es, nicht auszutreten (56% remain in diesem Landesteil). Das könnte man ja auch respektieren. Ich finds immer noch das beste, dass England austritt, weil sie es ja wollten, und Schottland und Nordirland in der EU bleiben. Das ergibt eine EU-Außengrenze zwischen England und Schottland, und das ist genau was die Engländer verdienen. Die Iren haben es nirgendwo verdient, dass ihre Insel durch eine solche Grenze zerschnitten wird.

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Marinus_Ladegast 06.07.2019, 17:08
27.

Zitat von iasi
Und was war es nochmal, das einen Geheimdienstchef derart qualifiziert, dass er solche Analysen erstellen kann? Ich wundere mich sowieso immer wieder über die Leute, die besser wissen, was das Volk will, als die, die von diesem Volk gewählt wurden. John Sawers würde ja wohl sicherlich gewählt, wenn er sein Volk so gut kennt - also warum lässt er sich denn nicht wählen? Ständig werden irgendwelche Experten aufgefahren, die immer ganz genau wissen, was das Beste ist.
Was den Geheimdienstchef für seine Analyse qualifiziert, ist nichts weiter, als dass er britischer Bürger ist. Wenn er durch sein Amt eine besondere Nähe zum politischen Betrieb hat, muss das nicht schaden.

Wenn Sie glauben, dass man gewählt sein muss, um eine politische Meinung haben zu dürfen, haben Sie "Demokratie" vielleicht noch nicht ganz durchstiegen. Und ist es nur der Versuch, jemanden das Recht auf Meinungsäußerung abzusprechen, weil einem selbst die Gegenargumente fehlen?

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123rumpel123 06.07.2019, 17:10
28. xxx

Zitat von spon_7302413
Wessen Geistes Kind die Hardcore-Brexiters sind, sollte inzwischen jeder mit Verstand begriffen und erfasst haben. Wenn sich die Bevölkerung eines Landes oder einer Region mehrheitlich darauf einigt, den submedioker Begabten hinterher laufen zu wollen, müssen sie wohl kollektiv auf die Nauze fallen und damit ein anschauliches Beispiel für alle anderen liefern. Denn offenbar konnte sich niemand vorstellen, wie jämmerlich und kleinkariert eine vorgebliche "Elite" sein und sich aufführen kann, um ihrem individuellen Trotzbedürfnis einer in die Bedeutungslosigkeit verdrängten Kaste angemessene Geltung zu verschaffen. Die werden alle nicht darunter leiden, denn das sind ja zumeist die zwar wenig Kompetenten, aber dafür umso weicher Gebetteten aus der englischen Oberschicht. Bezahlen werden - wie immer, wenn sich die Oberschicht ihre Eskapaden leistete - die Mittelschicht und diejenigen, denen es ohnehin nicht sonderlich gut geht. Schon heute ist Britannien auf dem absteigenden Ast, die Wirtschaftskraft geht zurück, die Investoren verlassen das Land. Alles vorhersehbar, alles geleugnete Fakten, wie gehabt. Und auch konsequent. Ein imaginäres "Empire", pathologisch paranoid, eitel, seinem ehemaligen kolonialen Weltmachtstatus nachtrauernd, zerlegt sich selbst. Und nach dem vorhersehbaren Scheitern sucht Britannien vermutlich einen Sündenbock. Natürlich nicht bei den wahren verantwortlichen, denn das wären ja alle Initiatoren und Claqueure selbst, sondern irgendwo da draussen... wo die Feinde leben ... ach, wer konnte es vergessen, natürlich ist an allem Kontinentaleuropa schuld, wer auch sonst... ;-)
".........Schon heute ist Britannien auf dem absteigenden Ast, die Wirtschaftskraft geht zurück, die Investoren verlassen das Land. Alles vorhersehbar, alles geleugnete Fakten, wie gehabt. Und auch konsequent. ...............".

Solange die Arbeitslosenquote in GB niedriger ist als die in DE , denke ich mal , ist noch kein Grund zur Panik.

Mal sehen was Sie sagen, wenn die ersten in DE angekündigten Streichungen realisiert werden.
Bei einem Industrieanteil von 40% am BIP wird der Strukturwandeln und die Eintrübung des Weltmarktes in DE ungleich härter durchschlagen als im VK.
Die werden den Strukturwandel im produzierenden Bereich wesentlich besser geregelt bekommen, sieht Jaguar - klein aber fein.

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rloose 06.07.2019, 17:12
29.

Zitat von thequickeningishappening
und Den Nigel ebenso. Was Die Beiden verbindet ist Das Gespür, Probleme zu erkennen und zu nutzen bevor es im Politbetrieb ernst genommen wird !
Sie meinten wohl eher Probleme herbeizureden, wo keine sind, und wo sie da sind sie Leuten in die Schuhe schieben, die als Letztes Schuld daran sind. Und dann können sie auch noch ganz gut Lösungen präsentieren, die eigentlich nur noch mehr Probleme produzieren.

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