Forum: Politik
Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright: "Es sind doch die Russen, die provozieren"
AFP

Eskaliert der Krieg in der Ukraine? Das ist die zentrale Frage bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Die USA sollten panzerbrechende Waffen an Kiew liefern, fordert die ehemalige US-Außenministerin Albright. Zugleich warnt sie vor der Spaltung des Westens.

Seite 14 von 20
serene 08.02.2015, 11:43
130.

Miss Albright ist ebenso wie ein Grossteil der amerikanischen Politikerkaste simpel gestrickt- wenn ich mir vorstelle, dass Leute wie sie in 'Think-Tanks' sind, wird mir schlecht. Es geht denen ausschliesslich um ihre eigenen Interessen, politische Macht und ökonomischen Einfluss zu gewinnen, und die Rüstungsindustrie zum Brummen zu bringen. Noch bessser, wenn man den Erzfeind Russland parallel dazu beschädigen kann. Für Amerikaner ist der Kalte Krieg nie wirklich vorbei, aber ein guter Teil Europas könnte so leicht zum 'Kollateralschaden' werden, getreu dem Motto "Fuck Europe!". Dass Putin kein Heimchen ist, ist auch europäischen Politikern klar. Aber es wird höchste Zeit, den Amerikanern zu zeigen, dass auch WIR durchaus eigene Interessen haben. Und die Priorität sollte IMMER Frieden sein, denn schliesslich geht's hier um Menschenleben, vor Ort, genau jetzt!

Beitrag melden
arkimethans 08.02.2015, 11:48
131.

Ich bin kein Putinist und alles Andere als anti-amerikanisch. Amerika (mit seiner Toleranz, seiner chaotischen Kultur und seinen Bestrebungen) würde ich noch immer jederzeit Russland vorziehen. Amerika trägt eine große Verantwortung in der Welt, was es einfach macht, das Land zu kritisieren.

Dennoch kann man kaum die Fehler der jüngeren amerikanischen Außenpolitik leugnen. Die vergangenen 15 Jahre haben einen riesigen Trümmerhaufen hinterlassen. Frau Albright hat dazu beigetragen. Ihre Irak-Sanktionen haben letztlich nur den Ton vorgegeben, unter welchem Bush später das Land angreifen und destabilisieren sollte.

Deutschland ist ein glaubwürdiger Vermittler, benötigt aber einen weiteren Partner an seiner Seite. Wir können froh sein, dass die Franzosen sich ebenso für eine friedliche Lösung einsetzen. Wäre es nämlich nur Deutschland, so würden die Polen uns vorwerfen, wir würden wieder einen Geheimpakt mit den Russen aushandeln. Man darf das nicht herunterspielen. Die Polen haben diese leidvolle Erfahrung gemacht. Sie haben mehr als einmal ihre Unabhängigkeit verloren. Und die Menschen im Baltikum, aber auch in Skandinavien kennen Russland als Aggressor nur zu gut.

Es ist eine verfahrene Situation, die nicht einfach zu lösen sein wird. Die Ukraine wird Teilgebiete abgeben müssen. Aber Russland wird man auch klarmachen müssen, dass es nicht weiter so verfahren kann. Man muss die Militärbasen und die Bereitschaft der russischen EU-Außengrenzen verstärken.

Beitrag melden
irobot 08.02.2015, 11:48
132.

Zitat von Spiegelkritikus
Ein derartiges Verdrehen von Fakten verschlägt einem nicht nur die Sprache, es grenzt schon an Schwachsinn. Ursächlich für den Ukrainekonflikt sind ganz klar die USA, selbst Obama hat inzwischen eingeräumt, daß Washington den Putsch organisiert hat. Er hätte gleich dazusagen können, daß seither eine willfährige Marionettenregierung an der Macht ist. Auch der Council on Foreign Relations, ein wichtiger US-Thinktank, hat längst erklärt, daß die USA für den Konflikt verantwortlich sind und sowohl die Sanktionen wie auch das Putinbashing ungerechtfertigt sind. Washington ist es, das provoziert und die Konfrontation sucht, niemand sonst. Jeder einigermaßen objektiv informierte und vorurteilsfreie Zeitgenosse weiß das. Hinter der US-Politik steht bekanntlich das dortige Großkapital, vor allem auch der gigantische militärisch-industrielle Komplex. Diesen Leuten sind alle Mittel recht, um Profite zu generieren, sie gehen über Leichen, wenn man sie nicht hindert. Darum geht es bei den geplanten Waffenlieferungen, tote Ukrainer oder Russen sind da lediglich unvermeidbare Kolateralschäden. Es ist absolut zynisch zu behaupten, die Ukraine werden von außen angegriffen. Fakt ist, daß die meisten Ostukrainer nicht mit dem skrupellosen, sie masakrierenden Kiew zu tun haben wollen und umgekehrt Kiew nichts mit der dortigen Bevölkerung von ethnischen Russen. Es geht um geostrategische und ökonomische Interessen Kiews bzw. der USA. Es kämpfen überwiegend ukrainische Separatisten gegen die Aggression aus Kiew. Dabei sind freiwillige Kämpfer aus Russland, aber keine regulären russischen Soldaten. Wer Letzteres behauptet lügt, wie bei so vielem. Die Europäer müssen die Kriegstreibereri Kiews bzw. Washingtons unbedingt stoppen, ansonsten wird die Situation bald außer Kontrolle geraten.
Das mag vielleicht in Ihrem Kopf so sein, aber hier sind wir draußen.

Beitrag melden
freestyler007_xxx 08.02.2015, 11:49
133. nur zu höhe Verluste werden Putin stoppen

es ist leider so. Annektion der Krim ohne Verluste hat bei Russen eine Euphorie ausgelöst. Man kann kampflos ganze Ukraine besetzen. Je mehr russische Soldaten in der Ukraine sterben werden, desto lauter wird die Diskussion über Sinnlosigkeit dieses Krieges in der russischen Gesellschaft. Und nur das kann Putin und seine Imperialisten stoppen. Durchschnittliche Russen wollen nicht in diesem Krieg sterben und werden dagegen protestieren, das wird sicherlich Putin beeindrucken.

Beitrag melden
Evolution3.0 08.02.2015, 11:49
134. Künftig noch Sein oder Nichtsein, dass ist hier die Frage ...

Wenn Madeleine Allbright auf das Recht zur Selbsverteidigung für die Ukraine hinweist, ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden. Dann müsste sie aber konsequenterweise auch Waffenlieferungen an die Separatisten in Betracht ziehen, denn auch die sind Ukrainer und haben ein Recht auf Selbstverteidigung. Dieser gesamte Gedankengang klingt zynisch und ist natürlich nicht ernst gemeint, soll aber zeigen: Madeleine Allbright hat Partei in diesem schrecklichen Bürgerkrieg ergriffen, und zwar für die Seite, die den geostrategischen Interessen der USA und der Nato entgegenkommt.

Und wenn gestern Präsident Poroschenko auf der Münchner Sicherheitskonferenz zum Beweis für russische Soldaten an der Seite der Separatisten entsprechende Personalausweise hochhielt, dann sollte man als neutraler Beobachter in diesem Konflikt auch die andere Seite im Blick haben: Mindestens seit Mai vorigen Jahres sind auch Söldner privater amerikanischen Sicherheitsfirmen in der Ostukraine unterwegs, die gegen die prorussischen Separatisten kämpfen. „Der Bundesnachrichtendienst ist davon überzeugt, dass im Osten der Ukraine etliche Hundert Söldner einer privaten amerikanischen Sicherheitsfirma gegen die prorussischen Separatisten kämpfen … Wer diese Männer genau sind, wer sie beauftragt hat, wer sie bezahlt - und wofür -, scheint unklar zu sein. An ihrer Existenz aber besteht in den Augen des deutschen Auslandsgeheimdienstes offenbar kein Zweifel.“ (Quelle: sueddeutsche.de vom 14. Mai 2014).

Die Ukraine-Krise können konstruktiv und in erster Linie nur die Kiewer Regierung selbst und die Vertreter der Separatisten lösen; und friedlich nur unter Berücksichtigung der gemeinsamen Geschichte mit Russland. Die Europäer und die USA sollten in diesem Prozess ihre Eigeninteressen zurückstellen, und als „ehrliche Makler“ den schweren Weg zum Frieden unterstützen. Dies wäre allen Beteiligten zu wünschen, insbesondere der jeweiligen Bevölkerung, für deren Wohlergehen die Politiker aller Konfliktparteien einen Amtseid gleistet haben.

Bleibt zu hoffen, dass sich Frau Merkels Bekenntnis zur Vernunft bei der Münchner Sicherheitskonferenz auf breiter Ebene durchsetzen wird. Denn die erwogenen Waffenlieferungen seitens der USA würden den Konflikt innerhalb der Ukraine nur noch weiter befeuern: noch mehr Menschen töten, die Häuser und Straßen noch weiter zerstören und in letzter Konsequenz in einen europäischen Flächen- oder gar Dritten Weltenbrand münden. Danach wären vermutlich ganze Landstriche Europas chemisch und atomar verseucht, denn ob USA oder Russland: Im Endkampf auf dem Schlachtfeld Europa würden mit ziemlicher Gewissheit beide Atommächte ohne Skrupel bis zum Äußersten gehen. Die Militär-Pläne aus der Zeit des Kalten Krieges haben dieses Szenario ja vor einigen Jahren offengelegt.

Verlierer eines solch militärischen Wahnsinns im globalen Wettbewerb wäre der gesamte europäische Kontinent mit Russland, Gewinner (Pyrrhussieg) mit hohen zivilen Verlusten und atomar verstrahlter Ost- und Westküste die USA und die neue globale Führungsmacht unter einem verstrahlten Himmel wäre China.

Beitrag melden
tinosaurus 08.02.2015, 11:51
135. Die alte Dame

spricht hier sehr zutreffend von klaren Fakten. Ich weiß nicht, ob die USA unbedingt Europa braucht, aber Europa wäre gut beraten, sich weiter an Amerika zu orientieren. Unter russischen Verhältnissen wollen anscheinend nur ganz wenige Staaten leben. Putin kann sich weiterhin in dem Umfragehoch sonnen, aber sein Land gerät immer mehr in die Isolation. Scheinbar ist vielen Russen auch die katastrophale Wirtschaftslage egal - oder die Tatsache, wie sie von anderen Staaten wahr genommen werden. Dann können sie auch mit ihrem Stolz und mit Haltung unter gehen.

Beitrag melden
irobot 08.02.2015, 11:53
136.

Zitat von shooop
Die Geschichte lehrt, dass hinter Kriegen immer strategische Interessen standen.
Ich zitiere Golo Mann (frei):
"Man muss nicht hinter jedem Krieg nach einem tiefen Sinn suchen. Manchmal sind sie einfach nur Blödsinn".

Beitrag melden
Robert_Rostock 08.02.2015, 11:56
137.

Zitat von Erwin Lottemann
Zitat Robert_Rostock: Nebenbei ist dies, nämlich die Nicht-Stationierung von Atomwaffen in den neuen NATO-Mitgliedsländern, sogar vertraglich, schriftlich mit Russland vereinbart. Und im Gegensatz zu Russland (siehe Budapester Memorandum, Schlussakte von Helsinki) hält sich die NATO an diese Vereinbarung. ///// Tut sie nicht. Es gab schon viele Vereinbarungen mit Rußland, schriftliche wie mündliche, und alle, die den USA irgendwan nicht mehr nützlich erschienen, wurden gebrochen - übrigens INKLUSIVE des Budapester Memorandums!! Gegen dieses verstoßen die USA laut eigener Angaben seit Mitte der 90er Jahre!! Und was die Raketen angeht, so hat Rußland allen Grund mißtrauisch zu sein, wenn die USA in Rußland-nahen Staaten Abwehrraketen/Radarstationen gegen gar nicht existierende IRANISCHE Atomraketen plant. Wofür übrigens extra ein wichtiges Abrüstungsabkommen gekündigt wurde: http://de.wikipedia.org/wiki/ABM-Vertrag Frage: WISSEN Sie das einfach nicht, oder blenden Sie nur mißliebige Fakten aus?
Ich sehe einen Unterschied, ob jemand ein geladenes Gewehr auf mich richtet, oder ob jemand eine schusssichere Weste anhat.
Konkret: Ich fühle mich von den auch auf mich gerichteten Iskander-Raketen in Kaliningrad konkret bedroht. Denn diese können Atomsprengköpfe ohne Vorwarnzeit in meine Heimatstadt tragen, und soweit ich weiß, richtet so eine Atomwaffe verheerende Schäden an. Inklusive Hunderttausender Tote. Gestatten Sie mir gnädigerweise, davor Angst zu haben?

Die Abwehrraketen, die nebenbei meines Wissens noch nicht einmal einsatzbereit sind (die ursprünglichen Pläne mit der Radarstation in Tschechien hat Obama bereits vor Jahren gestoppt) , sollen Atomraketen abschießen. Sie haben keine Atomsprengköpfe, sie töten keine Hunderttausdene Menschen.
Ich sehe da schon einen Unterschied.

Nebenbei haben hier im SPON-Forum bereits mehrfach russlandfreundliche Foristen erklärt, dass Russland schon längst so einen Raketenschild habe, alle US-Raketen sowieso vom Himmel fallen werden..

Beitrag melden
garfield45 08.02.2015, 11:57
138. Kriegstreiber...wer?

Es ist manchmal eher komisch, wenn man die einzelnen Kommentare näher betrachtet. Da ist natürlich der Bösewicht USA und der Bösewicht Russland!

Das rührt von der Betrachtungsweise des Lesers her und seiner politischen Einstellung. Mir ist es jedoch Schei..egal ob ein russischer Oligarch oder ein amerikanischer seine Finger in dieses dreckige Spiel steckt. Ein vernünftig denkender Mensch wird dem Frieden immer den Vorzug geben!

Meint man denn eine ukrainische/russische/amerikanische Mutter weint anders als jede andere, wenn sie den Sohn in einem Krieg verliert?
Liebe Leute, hier steht uns ein unkontrollierbarer Weltbrand bevor! Wollen wir das? oder besinnen wir uns und treiben diese Waffenlobby endgültig aus ihren Löchern! Egal ob russisch oder amerikanisch! Jedem muss doch klar sein, dass ein evtl. 3.Weltkrieg für keine Seite mehr gewinnbar ist!

Alle anderen Überlegungen sind kompletter Wahnsinn! Uns bleibt nur der Ausweg der Vernunft und damit der Diplomatie. Aber leider gibt es ja auch die Difinition dass Krieg die Weiterführung der politischen Mittel ist.
Wollen wir das? Dann weiter so!!!!!

Beitrag melden
UweZ+ 08.02.2015, 11:57
139.

Zitat von südwest3
.. wenn Sie betont, dass die Ukraine das Recht hat sich zu verteidigen. Sie hat auch Recht damit, dass die Russen für diesen Krieg verantwortlich sind, das ist für jedem neutralen Beoachter klar...
Der Versuch, die eine Hälfte der Bundesdeutschen in eine angeblich "neutrale" und die andere in eine ebenso fiktiv "nicht-neutrale" Schublade stecken zu wollen, ist doch schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil es in Fragen des otto-normal-gesunden Menschenverstandes logischerweise gar keine "Neutralität" geben kann.

ARD-Deutschlandtrend Februar 2015.
48 % der Bundesdeutschen können nachvollziehen, dass Russland sich vom Westen bedroht sieht.
50 % können dies nicht nachvollziehen.
http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2015/februar/

In Fragen zwischenmenschlicher Wechselwirkung, von individueller Sympathie und Antipathie, gibt es LOGISCHERWEISE keine Neutralität, die über das von unseren grossen Vordenkern bereits abschliessend diversifizierend Umschriebene hinausgehen könnte:
"Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."
Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784)

Beitrag melden
Seite 14 von 20
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!