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Exhumierung: Ermittler entnehmen Proben aus Arafats Grab
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Wurde er möglicherweise vergiftet? Acht Jahre nach seinem Tod haben Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland mehrere Proben aus dem Grab Jassir Arafats entnommen. Sie sollen jetzt auf verräterische Plutonium-Spuren untersucht werden.

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Lagenorhynchus 02.12.2012, 15:10
1. Plutonium? Polonium?

Erstens wäre es mir neu, dass der Leichnam auf alle Elemente untersucht würde, die mit P anfangen.
Spätestens bei Phosphor wäre ein Nachweis möglich - und das Zeug muß gefährlich sein, das wurde schon in Bomben verbaut...

Im Ernst, wer einen prominenten Politiker mit Polonium umbringt, will, dass es bekannt wird. Jeder Medizinstudent im dritten Semester wüßte unauffälligere "Gifte" bzw Methoden zu nennen.

Welches Interesse hätte aber der Mossad daran gehabt, einerseits den schwer kranken Arafat offenkundig einem Attentat zum Opfer fallen zu lassen?

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atech 02.12.2012, 15:20
2.

re: "kündigte die zuständige palästinensische Untersuchungskommission an, mögliche Verantwortliche vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bringen zu wollen."

Dagegen ist nichts einzuwenden, sollte es tatsächlich Hinweise auf eine Vergiftung geben. Diese hätte Arafats Tod allerdings nur beschleunigt, da der Palestinenserpräsident damals schon schwer krank war.

Sinnvoller wäre allerdings eine Klage gegen heutige Aktionen des Staates Israel gegen noch lebende Palestinenser. Und wichtiger als Gerichtsverhandlungen über erlittenes Unrecht wäre es, wenn auch Staaten im Westen wie die USA, Großbritannien oder Deutschland, die entweder gegen einen Palestinenserstaat bei der UN-Abstimmung stimmten oder sich der Stimme enthielten, erkennen, dass es Israels Regierung ist, die das Zwei-Staaten-Modell hintertreibt. Nicht Palestina. Ganz aktuell:
Nahost-Konflikt - Israel friert Zahlungen an Palästina ein - Politik - Süddeutsche.de
Das israelische Kabinett verabschiedete außerdem einstimmig eine Resolution, derzufolge das Land nicht auf Basis der Anerkennung des Staates Palästina durch die UN-Vollversammlung mit den Palästinensern verhandeln wird. "Die Entscheidung (der UN) wird keine Basis für künftige Friedensverhandlungen darstellen und bringt die Bemühungen um eine friedliche Regelung nicht weiter", hieß es unter anderem im Entschluss der Regierung. Israel habe ein "Recht und Ansprüche auf die umstrittenen Gebiete" des historischen Palästinas.

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peakoilnow 02.12.2012, 16:11
3. Chemie-Nobelpreis für SPON?

Wow, SPON hat es geschafft, Polonium in Plutonium zu verwandeln. Das sollte den Chemie-Nobelpreis nach sich ziehen.

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ein-berliner 02.12.2012, 16:35
4. Warum keine Probe an Israel

Zitat von sysop
Wurde er möglicherweise vergiftet? Acht Jahre nach seinem Tod haben Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland mehrere Proben aus dem Grab Jassir Arafats entnommen. Sie sollen jetzt auf verräterische Plutonium-Spuren untersucht werden.
Bei Dopingproben ist die B-Probe üblich.

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priexo 02.12.2012, 16:40
5. Polonium?

Po-210 hat eine physikalische Halbwertszeit (HWZ) von 138,4 Tagen. Das heißt, es dürfte heute, ziemlich genau acht Jahre und damit etwa 21 HWZ nach Arafats Tod, kaum noch etwas übrig sein, sollte der Palästineserpräsident wirklich damit vergiftet worden sein. "Kaum noch etwas" entspricht der ursprünglichen Po-210-Konzentration multipliziert mit 2^(-21)! Also: wonach will man bei dieser Untersuchung eigentlich suchen?

Beim radioaktiven Zerfall von Po-210 entsteht Blei (Pb-206), welches stabil ist. Dieses wäre m.E. wohl nachweisbar, wäre aber m.E. höchstens ein indirekter Beweis, da erstens die ursprünglichen Po-210-Konzentrationen schon sehr gering gewesen sein müssen, und zweitens Pb-206 ja auch aus anderen Quellen stammen könnte!

Mir ist der Sinn dieser Untersuchung aus den mir bekannten Fakten heraus überhaupt nicht schlüssig! Auch die von mir gelesenen Berichte tragen nichts zur Klärung bei - wenn ein Physiker hier im Forum helfen kann: bitte tun Sie es!

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Newspeak 02.12.2012, 16:57
6. ...

Sie sollen jetzt auf verräterische Plutonium-Spuren untersucht werden.

Naturwissenschaftliche Grundbildung gleich Null. Aber wieso sollten Journalisten besser sein, als der Rest der Bevölkerung. Kann man sich bei solchen Themen nicht einmal mehr Mühe mit der Recherche und der Textkontrolle geben?

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westenmax 02.12.2012, 17:44
7. Polonium / Plutonium

Wie bereits erwähnt, Polonium ist nur noch mit einem Wunder nachweisbar. Damals, in den 2000ern, noch bevor der erste Sensationsgiftmord damit aufflog, war es quasi völlig ausgeschlossen, dass das auffliegen kann. Ist das Element ersmal im Körper, zerfällt es dort, ohne weit dringende messbare Strahlung, da diese innerhalb der ersten Mikrometer um die Strahlungsquelle komplett von den menschlichen Gewebs-Zellen absorbiert wird (die dabei sterben). Mit Plutonium hätte man ganz andere Möglichkeiten, da es sich um das zweit-stabilste radioaktive Element handelt. Da könnte man noch in zehntausenden Jahren den Mord nachweisen. Oder, dass Arafat sich beim Bau der ersten palästinensischen Atombombe selbst vergiftet hat. Ist doch nicht so abwegig. Oder?

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JaguarCat 02.12.2012, 18:31
8. Fast alles zerfallen

Polonium 210 hat eine Halbwertszeit von 138 Tagen. 8 Jahre nach dem Tod sind also schon 21 Halbwertszeiten rum, so dass gerade mal noch ein 2-millionstel der für die Vergiftung benutzten Menge im Körper zu finden sein würde.

Zugleich entsteht Polonium 210 indirekt aus dem Zerfall von Radon 222, welches wir alle in mehr oder weniger großen Mengen einatmen, und welches eine der Hauptquellen der natürlichen Strahlenbelastung ist. Zwar bleibt Radon 222 als Edelgas nicht im Körper, wenn es jedoch zerfällt, bildet sich zunächst Polonium 218, welches recht schnell (wenige Tage) über mehrere weitere Stufen bis zum Blei 210 zerfällt. Blei 210 und alle Zwischenstufen sind radioaktive Schwermetalle, die als Aerosol recht lange in der Luft bleiben können (nachdem sie als Radon dort hingelangt waren) und von der Lunge oder den Bronchien ausgefiltert werden und sich so im Körper ansammeln. Blei 210 zerfällt dann mit 22 Jahren Halbwertszeit und zwei weiteren kurzlebigen Zwischenstufen zu Polonium 210.

Entsprechend schwer dürfte der Nachweis sein, ob gefundene Polonium-210-Spuren nun natürlichen oder künstlichen Ursprungs sind. Da sich, so lange der Körper noch lebt, Blei und Polonium aufgrund ihrer chemischen Unterschiede an anderen Stellen sammeln, kann die Unterscheidung vielleicht klappen. Auf jeden Fall ist eine präzise Auswertung erforderlich.


Jag

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KhunMick 02.12.2012, 19:30
9. Journalismus vs. Journaille

Werte SPON-Redaktion.... Ist Ihnen der Unterschied der beiden Begriffe im Betreff bekannt...? Wenn ja, dann wissen Sie sicherlich auch, wo ich Sie eingeordnet habe. Es gehört schon viel Schludrigkeit, Unwissenheit, Unvermögen, Wurschtigkeit etc. dazu Im Teaser von Plutonium zu schreiben und Polonium (wie in der Fortsetzung dann richtig benannt) zu meinen. Fehler sind dazu da, dass sie auch mal passieren können... Bei einem ordentlichen Redaktionsablauf mit abschliessender Textkontrolle (für die sich keiner zu "fein" sein sollte), wäre so etwas nicht allerdings nicht passiert und Rudolf bräuchte sich nicht im Grabe umzudrehen. Zu was ist der alte Spiegel nur verkommen... Heute muss man sich ja fast schämen zu sagen, in grauer Vorzeit in diesem Hause gelernt zu haben. Mir geht es jedenfalls so....

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