Forum: Politik
Fall Otto Warmbier: Trump stellt sich hinter Kim - und erntet Kritik
AFP

Der Hanoi-Gipfel ist geplatzt, trotzdem bewertet Nordkorea ihn positiv. Derweil wird der US-Präsident daheim parteiübergreifend kritisiert, weil er im Fall des mutmaßlich gefolterten US-Studenten Warmbier offenbar Kim Jong Un glaubt.

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kajoter 01.03.2019, 08:35
10. Argumentativer Notstand

Natürlich ist es fast schockierend, wenn sich ein Regierungschef permanent auf die Seite von ausländischen Diktatoren stellt und den eigenen Behörden keinen Glauben schenkt. Aber was soll Trump denn tun?
"Seine Behörden" wie das FBI haben gegen ihn ermittelt oder tun es immer noch. Ein ehemaliger FBI-Chef ermittelt gegen seine Russland.-Kontakte. Er und seine Unternehmen stehen in insgesamt 17 Fällen vor Gericht. Seine Behörden veröffentlichen permanent Statistiken, die seinen Falschaussagen - aka Lügen - widersprechen, so z.B. in Fragen der Migration und des Umweltschutzes. Er pöbelte - aka twitterte - unzählige Male gegen all das an, riet den Geheimdiensten, wieder zur Schule zu gehen, und ernannte sich zum militärischen Oberfachmann, der mehr von der Materie verstünde als seine Generäle. Würde er nun seinen Behörden in Fragen der Russland-Einmischung oder des gefolterten Studenten Recht geben, fiele seine sonstige Argumentation in sich zusammen.
Außerdem wollte er den "swamp drainen" und zu diesem Sumpf gehören eben auch die Geheimdienste. Seine Anhänger werden daher nichts Schlimmes an seinem Verhalten finden und Russland und vor allem dessen Geheimdienst wird sich über dieses Geschenk freuen. Es bleibt nur eine Frage: Ist es das einzige Geschenk?

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vandenplas 01.03.2019, 08:37
11. Mal die Luft anhalten...

Immer wieder erfrischend zu lesen wie unsere Presse im Nachhinein alles besser weiss. Wenn sie so klug ist dann gehe sie doch selber hin um zu verhandeln! Komfortablerweise für sie geht das ja nicht, weil die Presse kein Mandat dazu hat (gottseidank). Aber dann bitte, halte sie sich bitte etwas im Ton zurück. Wie wäre es also, wenn man sich bei der Berichterstattung einfach an die Fakten hielte und dann halt eben auch mal zu Details schwiege deren Inhalte man als aussenstehender Beobachter ohnehin nicht kennen kann?
Mann muss ja nicht aus der Politik kommen um zu wissen, dass Verhandlungen zwischen zwei Parteien mit teilweise entgegengesetzten Interessen langatmig und schwierig sein können. Das wichtige aber ist, dass Gespräche stattfinden, denn nur so besteht Hoffnung (aber keine Garantie), dass überhaupt eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden kann. Es ist jedenfalls unendlich besser als Interessen mit Hilfe kinetischer Gewalt durchsetzen zu wollen. Letzteres hat, wie wir alleine schon aus der jüngsten Geschichte lernen konnten, zu nichts ausser Tod, Chaos und Verderben geführt aber nie zu einer Lösung.
Kim ist ja kein einfältiger Zeitgenosse. Er weiss genau was in Libyen und dem Irak geschehen ist. Er weiss auch, dass auf Abkommen mit den USA nicht immer Verlass ist (siehe Iran). Daher ist anzunehmen, dass Kim für sich und sein Land Garantien einfordern wird - welcher Art auch immer diese sein mögen. Da ja ein US-Präsident im Gegensatz zu Kim keine uneingeschränkten Vollmachten hat, kann es sein, dass er erstmal zu Hause nachfragen oder nachverhandeln muss. Ähnlich könnte es auch auf nordkoreanischer Seite aussehen. Dann war man halt eben nicht nicht bereit den Friedensvertrag (oder was es am Ende sein wird) zu unterzeichnen. Dem Ton zufolge rechnet Trump offenbar mit einer Fortsetzung der Gespräche. Wir alle wissen ja, dass Trump kein Blatt vor den Mund nimmt wenn er mit Leuten abrechnet denen er nicht mehr vertrauen kann. Aussichten auf weitere Gespräche sind eine gute Nachricht.

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schwerpunkt 01.03.2019, 08:38
12.

Zitat von kajoter
Endlich ein Anlass, seinen Anti-Amerikanismus zu veröffentlichen? Ja, die USA weisen in Relation zur Bevölkerung die meisten Inhaftierten auf und ja, in einigen Bundesstaaten existiert immer noch die Todesstrafe. Aber die dortigen Verhältnisse in den Haftanstalten mit denen in nordkoreanischen Lagern zu vergleichen, ist dagegen ein Zeichen blühender Fantasie oder ungebremster Trollerei.
Das haben Sie sehr vorsichtig ausgedrückt. Die Vorgänge in den USA mit denen in NK zu vergleichen ist imho extrem entwürdigend und ignorant gegenüber den Opfern der nordkoreanischen Diktatur.
Dies ist, bei aller Kritikwürdigkeit der Verhältnisse in den USA, eine Unverschämtheit und Atomkraftwerke mit Äpfeln verglichen. Hat beides irgendwie mit Kernen zu tun.

Das ist vergleichbar ignorant wie Menschen, welche sich wegen vielleicht tatsächlich nicht angenehmen Arbeitsbedingungen in ihrem betrieb oder nicht das an Gehalt bekommen, dass sie sich vorstellen, als "Sklaven" bezeichnen. Ich möchte nicht soweit gehen, das ich diesen Menschen wünschen würde, dass sie wirklich mal, nur einen Tag das leben eines Sklaven erleben würden. Auch wenn das einiges in der perspektive vielleicht wieder zurecht schieben würde.

Oder manche unsäglichen Vergleiche von Zuständen mit den unvergleichlichen Verbrechen der Nazis Mitte letzten Jahrhunderts.

Ich habe einen bekannten, welcher Mitte der 80er mal beruflich in Sibirien war. Die lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen dort in den Betrieben empfand er als unbeschreiblich.
Später war er wegen eines Auftrages in Nordkorea. Seine Aussage danach war, dass er sich bezüglich der Bedingungen in der UdSSR revidieren müsse, die Menschen leben dort im Vergleich zu Nordkorea in paradiesischen Zuständen.

Verhältnisse zwischen den USA und Nordkorea anhand von Zahlen zu vergleichen ist eine unzulässige Verharmlosung der Bedingungen der Menschen in Nordkorea. In Bezug auf die Menschen, welche dort ein Fitzelchen macht haben und wie sie damit umgehen, sind die Verhältnisse diesbezüglich dort noch am ehesten mit denen der sadistischen Emporkömmlinge im dritten Reich zu vergleichen.
Das leiden der Menschen im dritten Reich, die das überlebt haben, hatte zumindest nach 12 Jahren ein Ende. In Nordkorea geht das über Generationen ...

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horst-viersen 01.03.2019, 08:40
13. Kim konnte nicht anders

Auch Kim hat die Falken am Hals. Kim braucht gegenüber China die Atombombe! Er kann auf dieses Druckmittel nicht verzichten, weil er dann zum Regionalfürst mutieren würde - quasi ein Rumpelstilzchen. Da würden die Anliegerstaaren mit ihm Schlitten fahren!

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outsider-realist 01.03.2019, 08:40
14. Fazit

Ich fasse mal Trumps Präsidentschaft kurz zusammen: Despoten und Diktatoren sind tolle, ehrliche und kumpelhafte Typen, sofern sie nicht die iranische Staatsbürgerschaft haben, Hillary muss immer noch ins Gefängnis und Umweltschutz basiert auf Fake News und gehört somit abgeschafft.

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sven17 01.03.2019, 08:47
15.

Zitat von blauerapfel
In keinem Land der Welt sitzen pro Einwohner mehr Menschen in Haftanstalten als den USA. Die Zahl der Todesfälle in amerikanischen Gefängnissen dürfte (zumindest absolut) deutlich größer sein als in Nordkorea. Insofern tut Trump gut daran, sich in dem Punkt zu mäßigen.
Na ja, nur wieviel sitzen in den USA aus politischen Gründen ein? Und was die Todesfälle angeht, was man da so hört bezweifle ich das die Zahl in Nordkorea niedriger ist, auch wenn man das auf die Einwohner umrechnet.

Ironischerweise gab es zumindest unter seinen Vorgängern in Nordkorea mehr politsche Gefangene umgerechnet auf die Bevölkerungszahl als in der SU unter Stalin. Und irgendwie bezweifle ich das das unter dem aktuellen Kim weniger geworden ist.

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ralfix 01.03.2019, 08:53
16.

Die USA standen schon einmal kurz vor der Normalisierung ihrer Beziehungen zu Nordkorea. Damals hatte Nordkorea noch nicht einmal ansatzweise Atomwaffen. Aber dann kam Bush, brach alle Verhandlungen ab und machte Nordkorea zu einer Achse des Bösen und überfiel anschließend den Irak.

Warum soll eigentlich ein Land einem Präsidenten vertrauen, der in 4 oder 8 Jahren nicht mehr da ist und dessen Nachfolger alles ändern wird? Diese Frage haben die Nordkoreaner wahrscheinlich schon beantwortet.

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karlsruher_kind 01.03.2019, 08:54
17. Show-Patriot

Schon interessant, wie leichtgläubig, ja sogar devot Trump einem bestimmten Typus von Staatsführern gegenüber ist.

- Putin in Helsinki
- Bin Salman bezüglich des Mordes an Kashoggi
- und nun Kim

Normalerweise müsste man gar nicht aufführen, wie unwahrscheinlich es ist, dass im mit Abstand autokratischsten Regime der Welt, Kim bei dieser politisch heikle Geschichten außen vor gelassen wurde.

Gleichzeitig kündigt Trump das Atom-Abkommen mit dem Iran obwohl aus den USA, Europa und von unabhängiger Seite klar bestätigt wird, dass der Iran sich an das Abkommen gehalten hat. Man kriegt glatt das Gefühl, dass der Iran mit einem Ahmadineschad ggü. Trump besser gefahren wäre.

Witzig finde ich in diesem Zusammenhang dann vor allem, dass Trump sich dann gleichzeitig als glühender Patriot darstellt (und dies ihm auch noch geglaubt wird), während er jedem ausländischen Despoten mehr Glauben schenkt, als amerikanischen Mitarbeitern in unzähligen Behörden. Journalisten und Medien in den USA tituliert er auch gerne mal als "Feinde des Volkes" während er autoritären ausländischen Mächten an den Lippen hängt wie ein Teenager der Lieblingsboyband.

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claus7447 01.03.2019, 08:54
18.

Zitat von horst-viersen
Auch Kim hat die Falken am Hals. Kim braucht gegenüber China die Atombombe! Er kann auf dieses Druckmittel nicht verzichten, weil er dann zum Regionalfürst mutieren würde - quasi ein Rumpelstilzchen. Da würden die Anliegerstaaren mit ihm Schlitten fahren!
Falsch! Wenn Kim China mit der Bombe bedrohen würde, wäre dies seine letzt Drohung. Innerhalb 24 Stunden gäbe es ihn nicht mehr. China regelt den lebenshahn.

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droptableall 01.03.2019, 08:59
19.

Eigentlich ging es doch um den Friedensnobelpreis für Trump (Vorschlag der Japaner) unden Einzug Abes in die japanischen Geschichtsbücher. Nur dass Kim die einstmals gekidnappten Japaner nicht freilassen möchte. Das hat Trump einfach nicht hinbekommen, deswegen reiste er wieder ab.

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