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Flächenfraß in Bayern: Das Heimat-Problem der CSU
DPA

Zu viel Beton, zu wenig Natur? In Bayern muss das Verfassungsgericht über ein Volksbegehren gegen den Flächenfraß entscheiden. Für viele Konservative geht es um den Erhalt der Identität - die CSU gerät im Wahljahr unter Druck.

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thetwentyfirstcentury 18.06.2018, 17:23
110.

Der Artikel spricht in meinen Augen ein wichtiges Thema an. Als im Ausland lebender Deutscher sage ich, dass die gesamte Raumplanung in D auf den Prüfstand gehört. Der Mensch hat über Jahrtausende versucht sich die Welt klein und die Wege kurz zu machen. Das ist überhaupt erst der Grund warum es Dörfer gibt, eben um den Weg Richtung Acker nicht zu weit werden zu lassen. In D machen wir aber seit 50 Jahren genau das Gegenteil. Alles wird mit Gewalt zerstückelt und dezentralisiert. Statt neue Häuser im direkten Anschluss an bestehende Bebauung zu bauen, werden Siedlungen ohne direkten Anschluss an die bestehende Baustruktur errichtet. Statt die Gewerbeflächen bzw. die inzwischen oft nicht mehr genutzen Bauernhöfe zu nutzen, werden neue Gewerbegebiete ausgewiesen. Überhaupt wird in jedem 100-Einwohner-Dorf neue Bebauung zugelassen. Wenn ich dann lese, dass sogar in München darüber diskutiert wird, ob dreistöckige Bebauung zum Ortsbild passt, verstehe ich die Welt sowieso nicht mehr. Ein Blick nach Österreich hilft da. Wohn- und Gewerbebebauung wird bewusst gemischt, Bau in die Höhe kann durch Vorgaben hinsichtlich der Mindestbebauung quasi verordnet werden, ein Wachsen der Orte durch Wohnbebauung über die bestehenden Ortsgrenzen hinaus ist ausdrücklich unerwünscht und für Gewerbebebauung nur in Ausnahmefällen möglich. Auch wenn auch in Österreich nicht alles perfekt läuft, halte ich das österreichische Konzept in Summe für besser.

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cave68 18.06.2018, 18:38
111.

Zitat von pom_muc
Wir haben in Bayern mehrere Trends: 1. Mehr zugewanderte Bevölkerung. Von 1980 bis 2016 2 Millionen. Da sind noch keine Neubürger eingerechnet. 2. Größere Wohnungen. Aus den 15 qm die es 1970 pro Nase gab wurden 40 qm heute. Ein 8 qm Kinderzimmer in einer 3-Zimmerwohnung wie man sie noch bei Bauten aus den 70ern sieht finden Sie heute kaum noch einer Neubauplanung. 3. Mehr Single-Haushalte. München war vor der Mietenexplosion Single-Hauptstadt. Wohngemeinschaften wurden zugunsten von Single-Appartements mit höherem Flächenverbrauch durch eigene Küche und Sanitäranlagen aufgegeben. 4. Verstädterung. Der Rückbau verlassener Siedlungen wird nicht in die Versiegelungsdiskussion aufgenommen weil die Siedlungen eigentlich erst dann komplett aufgegeben und rückgebaut werden wenn der Letzte das Licht ausmacht und der Staat die geerbten Ruinen abbauen kann. Übrigens war der Flächenverbrauch früherer Häuser in den Dörfern regelmäßig größer da man fast immer Obstbäume und Anbau-Nutzflächen im Hinterhof hatte. Da wo ich als Kind noch Zwetschgen pflückte und Karotten aus der Erde zog stehen heute schöne neue Häuser in 2. Reihe.
Mag für Bayern zu treffen...aber auch Bundesländer oder Landkreise und Gemeinden mit gleichbleibender oder gar zurückgehender Bevölkerungsentwicklung haben dies Problem mit dieser Flächenversiegelung.Deren Argument ist ja immer:Wir müssen hier etwas Gewerbe ansiedeln um den ländlichen Raum attraktiver zu machen...nur sehr oft sind es eben höchst zweifelhafte Projekte (ich erinnere beispielsweise an die zahlreichen Provinzflughäfen und der dazugehörigen Infrastruktur).
Die von ihnen genannten Obstbäume oder gar Streuobstwiesen waren früher wohl die ökologischst wertvollsten Flächen (vom Landschaftsbild ganz abgesehen) die es überhaupt gab....ich glaube das dürfte jetzt nicht das sein,was in diesem Artikel mit Flächenverbrauch oder -Frass gemeint ist.

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Aberlour A ' Bunadh 18.06.2018, 22:17
112. Der Stadtneurotiker

Zitat von poetnix
Ist Singapur oder Shanghai etc. nicht auch Heimat ? Oder hängt Heimat von der Größe des Wiesenlandes ab ?
Wenn man Stadtneurotiker ist, können auch die Millionen Menschen, die einem jeden Morgen in der U-Bahn nach Manhattan erwarten, Heimatgefühle wecken.

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Elvenpath 25.06.2018, 14:07
113. Die CSU ist nur an Macht interssiert. An nichts anderem.

Wann kapieren die Menschen endlich, dass es der CSU nicht um "Heimat", oder um die Menschen geht, sondern nur um die Macht?

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deSelby 25.06.2018, 15:07
114. Entwicklungen

Zitat von derdings123
"Flächenfraß" - ein sehr schönes Exemplar aus der Gattung des deutschen Angstworts, ganz in der Tradition von Waldsterben, saurem Regen und Ozonloch.
Was Sie uns damit sagen wollen, bleibt wohl Ihr Geheimnis. Wenn Sie allerdings wie so viele die Behauptung aufstellen wollen, Waldsterben gebe es nicht kann ich nur sagen: die fortschreitende Zerstörung unseres Waldes mag kein Tagesthema mehr sein, aber im Vergleich zu ca. 1984 als das Thema zuerst aufkam, hat sich der Zustand unseres Waldes gravierend verschlechtert. Galten 1984 noch 76% der Laubbäume als nicht geschädigt, sind aktuell gerade noch 38% unserer Laubbäume nicht geschädigt. Der einzige Unterschied zu damals ist: den rapide sterbenden Wald halten diejenigen die es nicht besser wissen für den Normalzustand. Gleiches gilt für fehlende Insekten, Vögel und viele andere Wildtiere...

Mit Ausnahme der glücklicherweise tatsächlich wieder sehr viel besseren Wasserqualität in großen Flüssen und ein paar wieder angesiedelten Säugetieren ist der Zustand unserer Umwelt aktuell nur noch als absolut erbärmlich zu bezeichnen.
Vielleicht sind Sie zu jung, aber ich kann ihnen sagen im Vergleich zu den 1970ern finden Sie heute nur noch artenarme groteske Karikaturen von Natur und Wald. Die nichts aber auch gar nichts mehr mit dem Reichtum von Flora und Fauna von vor 50 jahren zu tun haben... den jüngeren die diese tote Tristesse für normal halten fällt leider gar nicht auf wie weitgehend zerstört unsere Natur inzwischen ist.

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nicolas_ 25.06.2018, 18:08
115. Ängste und Realitäten

Schon amüsante Kommentare... wie ein Gewerbegebiet auf oder nach den neuen Gesetzen von Söder auch fernab der Autobahn auf der grünen Wiese, die Mietpreise in München beeinflusst hätte ich als Urbanist und auch Immobilienökonom doch sehr gerne erklärt .... Bayern kauft sich seine wirtschafltiche Leistung auf Kosten seiner Natur und Umwelt. Das ist wirklich traurig, und zwar wegen der Natur, nicht wegen dem "Postkarten-Bauerndorf" - sollen die unzufriedenen Bauern halt in den Osten gehen, da gibts genug Landschaft und Dörfer in die keiner mehr will ... ;) Den guten Beitrag (ich glaube Xenius von letztem/ vorletztem Jahr) finde ich auf die schnelle gerade nicht, aber hier änhlich: https://www.br.de/mediathek/video/unter-unserem-himmel-bayern-boden-und-beton-av:5a3c78c7c96563001842ca93

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