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Flagge zeigen auf dem Campus: Warum es deutschen Unis schwerfällt, sich gegen rechts
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Wie sollen sich deutsche Hochschulen bei Vorfällen mit rechten Aktivisten positionieren? Diese Beispiele zeigen, wie vertrackt das sein kann - und warum sich eine klare Haltung trotzdem lohnt.

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kosaptes 06.09.2018, 09:18
20. Schwer?

Also wenn es derzeit an etwas keinen Mangel gibt, dann sind es öffentliche Bekundungen gegen rechts.

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pejoachim 06.09.2018, 11:07
21. Sich gegen "rechts" engagieren?

Ich bin die MITTE. Was konservativer denkt als ich, ist rechts, was progressiver denkt als ich, ist links ;-)
Rechts und links sind nicht falsch oder richtig, sie bezeichnen als politische Begriffe Perspektiven, mit denen man die Phänomene unserer Gesellschaften betrachtet. Und man mag mir glauben oder nicht: Wir alle haben rechtes und linkes Gedankengut gleichzeitig in uns.
Was also soll eine Überschrift wie die hier zitierte? Die Universitäten werden sich sehr wohl gegen nationalsozialistisches Gedankengut und dessen Symbole wehren. Die Meinungsfreiheit - gegen rechts und links - zu verteidigen, DAS ist ihre Pflicht.

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Juri01 06.09.2018, 11:08
22. AFD-Funktionäre in Leitungsfunktionen

... gibt es allerdings an deutschen Hochschulen auch. So treibt zB an der Hochschule Rhein-Waal (die zugegebener Maßen auch noch ganz andere Qualitätsprobleme hat) der örtliche AFD-Grande seine Spielchen in hohen Funktionen, ganz demokratisch gewählt. Aber man darf ja niemanden ausschließen. In MePoVo sieht es vielfach nicht besser aus. Dort lässt man bekannte AFD-Professoren ebenso angst- wie schamvoll gewähren und die künftige Elite des Landes ausbilden. Präsidien ohne Haltung allerorten, die WissenschaftsministerInnen ducken sich weg und tragen rein garnichts zu einer toleranten Gesellschaft bei. Erneut ein politisches Totalversagen.

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carl.greuber 06.09.2018, 12:01
23. Auf dem rechten Auge blind

ist genauso schlimm wie auf dem linken Auge blind zu sein.
Ich bin entsetzt über das, was der Studentin in Bremen widerfahren ist. Der Pranger sollte im Mittelalter bleiben. Nicht einmal die Kommilitoninnen, die sich im Interview nicht sicher wahren, wie sie sich ihr gegenüber jetzt verhalten sollen (was ich jetzt mal als Indikator für einen Leumundszeugen deute), konnten sich an rechte Äußerungen der jungen Frau erinnern. Was also wirft man Ihr vor? Dass Sie von Ihrer Mutter in komische Vereine geschleppt wurde, oder dass Sie sich nicht öffentlich von Ihrer Mutter distanziert?
Wenn Sie sich derartig geäußert oder agitiert hätte, dass man sie als klar außerhalb der Gesetze denkend hätte identifizieren können, hätte ich Kritik verstanden. Aber ein anonymer Pranger? Das disqualifiziert den Asta selbst.
Was wohl deren Meinung wäre, jemand würde wegen eines Vaters bei der Stasi und Mitgliedschaft in den damaligen Jugendvereinen so denunziert?
Was ist nur aus unseren Universitäten geworden.

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charlybird 06.09.2018, 12:07
24. Die

Studierenden von heute haben sicherlich einen ganz anderen Lehr-und Vorlesungsplan, als die ''Studenten'' vor 20 oder 30 Jahren. Da ist in der Regel ein straffer Karriereplan dahinter, folglich hat man, außer vielleicht für LGBT und PC Probleme, keine Zeit mehr, eine politische Meinung zu haben. Leider.
Aber nicht einmal mehr eine antifaschistische ?
Was ist nur aus der guten alten Uni Bremen geworden ? Ist das schon Duckmäusertum oder Erbsenzählerei, oder vielleicht beides ?
Aber wenn ich notgedrungen ein paar Studierenden mal beim Smalltalk zuhören muss, dann kommt da oft auch noch Mamasöhnchen und eine gewisse Schlichtheit dazu und man weiß, die gehen für gar nichts auf die Straße, die haben schon alles und der Rest ist ihnen egal. :-)
Ausnahmen sind sicherlich vorhanden.

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touri 06.09.2018, 12:24
25.

"Zunächst ein Beispiel: In Bremen haben sich Rektorat und die Studentenvertreter des Asta über einen anonymen Flugzettel zerstritten, auf dem im Juni eine Studentin aus dem rechten Milieu mit Name und Foto geoutet wurde. Der Asta will, dass sich das Rektorat nun öffentlich gegen rechten Extremismus positioniert. Doch dort will man nicht nur nach rechts schauen und verurteilt lieber den Extremismus allgemein."

Gerade bei dem Fall ist mir die Hutschnur hoch. Da wird die Karriere und das Sozialleben einer jungen Studentin zerstört, indem man sie praktisch als Nazi bezeichnet, ohne überhaupt irgendwelche Beweise dafür liefern zu können. Selbst Leute die sie kennen bezeichnen sie als unpolitisch. Vielleicht hat sie Freunde in der rechten Szene, das sagt aber noch nichts über die eigene Gesinnung aus.

Ehrlich gesagt ich hätte schon lange meinen Anwalt eingeschaltet und den ganzen Laden der Asta wegen Verleumdnung und übler Nachrede vor Gericht gezogen, am besten noch mit Nachweisen die Belegen, dass sie wegen dieser üblen Nachrede Stellen nicht bekommen hat. Dann wird es nämlich richtig teuer.

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ignazhauser 06.09.2018, 14:04
26. … weil nicht ist, was nicht sein darf und das Hochschulmarketing stört

Internationalisierung wird von den Hochschulen (teilweise inhaltsleer) wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Weltoffenheit und Toleranz gehören natürlich zum guten Ton. Weil nicht ist, was nicht sein darf, ducken sich Hochschulleitungen oft weg, wenn es um rechtsradikale Aktivitäten an Hochschulen geht.
Über „rechtsradikale“ Bewegungen, völkische und rassistische Auffassungen wird oft hinweggesehen. „Nestbeschmutzer“ sind dann nicht die Rechtsradikalen, sondern die, die den „Finger in die Wunde legen“, wie der AStA in Bremen.

"Es ist natürlich, sich zu wehren, wenn die eigene Kultur untergeht. Die 'Angst des weißen Mannes' sollte wehrhaft werden!"(1)
Diese Aussage eines Leipziger Jura-Professors ist geistige Brandstiftung und hat sich (nicht nur) in Chemnitz manifestiert. Doch an den Hochschulen haben solche Grenzüberschreitungen nur selten Konsequenzen. Wenn der Dekan der Juristischen Fakultät über diese Äußerungen eines Institutsdirektors sagt, sie sei verfassungswidrig (2) und dieser Professor immer noch lehren und forschen darf, dann ist dies ein „no go“. Beamte haben eine besondere Treue- und Mäßigungspflicht (§ 53 BBG). Auch die Meinungsfreiheit hat Grenzen. Dies ist eine Einschränkung - ja, aber dafür genießen Beamte Privilegien, die „normale“ Arbeitnehmer bei weitem nicht haben. Doch es schein, wie im Artikel auch beschreiben, als wäre das Hochschulleitungen unangenehm gegen solche doch eindeutig nicht mehr nur „rechten“ oder „konservativen“ Auffassungen vorzugehen. Und nur Wort des Entsetzens helfen da nicht.
Viele Hochschulen kehren Rechtsradikalismus und Rassismus unter den Teppich, weil dies nicht in die Ideologie der Internationalisierung passt. Alles unter den Tisch kehren, statt endlich mal eine aktive Auseinandersetzung mit dem Rassismus und braunem Gedankengut (auch an den Hochschulen) führen wäre notwendig und wichtig.
Das ist jedoch das Problem: Ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, verbreiten sich diese Auffassungen und nutzen Freiräume. Die Hochschulen müssen sich ehrlich machen und sich ganz klar gegen Rassismus, rechtsradikalen Tendenzen auch in ihren Reihen und an den Hochschulen stellen. Dies hat nichts mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun.
Man muss aufwachen aus dem Marketing-Dornröschenschlaf: Problem erkennen, benennen und aktiv gegen den Rassismus und das braune Gedankengut vorgehen! Was auch heißt gegen intellektuelle Brandstifter "in den eigenen Reihen" (s.o.) vorzugehen.
Traut man sich das? Oder doch lieber "Schwamm drüber" und "Weiter so"?, wie in Beispielen im Artikel beschrieben.

(1) Quelle: http://www.lvz.de/Thema/Specials/Campus-Online/Koepfe/Neurechter-Professor-der-Universitaet-Leipzig-in-der-Kritik
(2) Quelle: https://www.zeit.de/2017/49/leipziger-jura-professor-twitter-rassismus-protest/seite-2

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carl.greuber 06.09.2018, 15:11
27. @ignazhauser

Was das in Chemnitz mit dem unsäglichen Vorgehen gegen die Bremer studentin zu tun hat, bleibt aber ihr Geheimnis. Wenn Ziele die Mittel rechtfertigen, ist das Ende nahe. Wenn bereits die Zugehörigkeit zu einer Ideologie einen Freibrief darstellt, sind wir am Ende.

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Profdoc1 07.09.2018, 00:14
28. @#9

Unfug, eine Hochschule verhält sich neutral, solange es keine verfassungswidrigen politischen Äußerungen gibt. Gegen extreme positionen hat sie dagegen zu halten. Hochschule ist kein Neutrum.

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flaffi 07.09.2018, 10:35
29. Meine Erfahrung

Alle Asten die ich kennengelernt habe, bestanden aus linkslastigen Dauerstudenten, die in interne Dauerfehden verwickelt waren. Aus diesen Reihen ist keine neutrale Hochschulpolitik zu erwarten.

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