Forum: Politik
Fleischhauers Abschied: Jetzt ist Schluss!
Dieter Mayr/ DER SPIEGEL

Nach achteinhalb Jahren, 438 Kolumnen und unzähligen Aufforderungen an die Chefredaktion, den Autoren zu kündigen, endet heute "Der schwarze Kanal" auf SPIEGEL ONLINE.

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Olaf Köhler 14.06.2019, 12:44
630. Schade!

Alles Gute, Herr Fleischhauer! Sie werden mir fehlen - auch wenn ich beileibe nicht immer Ihrer Meinung war. Und das war gut so!:-)
Sie haben das getan, was viele völlig falsch verstehen: Die Freiheit der Meinung zu verteidigen.
Zu Focus also? Ein Abstieg. Aber meinetwegen sollen Sie da glücklich werden.

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Olaf Köhler 14.06.2019, 12:49
631.

Zitat von virginia
und das Ertragen einer anderen Meinung war noch nie des Deutschen Ding. Wer eine andere Auffassung hat wird gerne 'niederdebattiert'. Warum das in angelsaechsischen Laendern anders ist? Weil man dort schon in der Schule lernt, die Meinung anderer zu tolerieren, auch wenn man sie nicht akzeptiert. Diskutieren will gelernt sein und deshalb gibt es vor allem in den High Schools bereits ab dem 14. Lebensjahr Debattierclubs. Aber viele Deutsche wollen einem die eigene Meinung regelrecht eintaetowieren.............deshalb ist es fuer mich muessig geworden, mich bei Besuchen in Deutschland mit anderen auseinander zu setzen. Es bringt einfach nichts..........
Von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung. Und die ist natürlich die einzig wahre. Auch so ein typisch deutsches Ding.

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HS aus HH 14.06.2019, 12:54
632.

Alles Gute, Herr Fleischhauer, es war mir immer eine große Freude, Ihre Kolumnen zu lesen, mit der Sie häufig eine Perspektive eingenommen haben, die nicht der "üblichen" SPON-Sicht entsprach, die häufig polarisierte, die einen häufig zum Nachdenken animierte und damit nie langweilig war. Ich werde es vermissen.

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Olaf Köhler 14.06.2019, 13:06
633. Linksgrünfeministischliberalökologisch!

lese ich hier sehr oft. Alles ist links, grün, feministisch, liberal, ökologisch - manchmal sogar alles zusammen: Die Politik, die Medien, das Klima...alles!
Und dann dieser Mainstream, von dem immer alle reden! Viel Geld für wenig Arbeit, viel Urlaub und alles soll billig sein - bei ausgezeichneter Qualität, versteht sich, - ist zum Beisiel so ein Mainstream-Ding, dem viele zustimmen werden.

Wenn die Linksgrünfeministischliberalökologischen die Macht haben, warum haben wir dann immer noch Privateigentum an Produktionsmitteln? Immer noch kein Matriarchat? Geht die Zerstörung der Umwelt ungebremst weiter? Ist immer noch der Profit das Maß aller Dinge und nicht der Mensch?

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Das Grauen 14.06.2019, 13:13
634. @kael Über Sinn und Unsinn kann man streiten.

Zitat von kael
Fleischhauer war nach eigenen Angaben 8,5 Jahre und mit 438 Kommentaren im Spiegel vertreten. Somit ist Ihre Unterstellung, dass die "Hauspostille einer links-grünen Gemeinschaft" einen Konservativen des Formats Fleischhauer neben sich nicht duldet mehr als absurd - oder, wie man heute sagt, fake news. Ich möchte anders herum gern mal erleben, dass auch nationalkonservative Blätter wie Focus, Welt, WamS oder Bild einen prominenten Vertreter der links-grünen Szene derart viel Öffentlichkeit gewähren wie der Spiegel dem Herrn Fleichhauer.
Ich finde, der Forist nickleby hat durchaus recht, wenn er eine Entwicklung beklagt, die auch beim Spiegel zur Vorherrschaft fragwürdiger linker Moralvorstellungen geführt hat. Und die Sorge, der Trend könnte sich durch den Abgang Fleischhauers noch verstärken, ist berechtigt. Wenn ein andersdenkender Journalist in der eigenen Publikation unangenehme Gegenargumente aufbringt, kann man dies schlecht ignorieren, und die große Zahl von Kolumnen, die explizit Stellung gegen Fleischhauer nahmen, ist Beweis dafür.

Konträre Meinungen irgendwo anders muß man/frau aber nicht gelesen haben, und selbst wenn, ist der Druck durch die Leserschaft, darauf zu antworten, deutlich geringer. Wenn die Position des rechten Querdenkers beim Spiegel nicht neu besetzt wird, besteht daher tatsächlich die Gefahr, daß das Magazin sich völlig in eine linksgrüne Meinungsblase verwandelt, wie das schon bei der Zeit, der Süddeutschen und der FR der Fall ist. Bei Focus, Welt, Bild und FAZ (hatten Sie vergessen zu erwähnen) kommen jedenfalls weit öfter abweichende Meinungen zu Wort als bei den sogenannten liberalen Zeitungen.

Das ist auch kein Wunder, stehen doch selbst bei der Springer-Presse die Mehrheit der Journalisten links von der konservativen Meinung ihres Arbeitgebers. Dementsprechen zeigen Studien, daß trotz der größeren Zahl vorgeblich konservativer Publikationen eine Mehrheit der Deutschen kein Vertrauen in die Medien hat bzw. erhebliche Skepsis hegt. Falls Sie das für Unsinn galten, bringen Sie bitte überzeugende Gegenargumente auf. Daß Sie die Realität nicht wahrhaben wollen, ist keins.

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cava63 14.06.2019, 13:15
635. Alles Gute!!!!

Lieber Herr Fleischhauer,

das war sicher nicht leicht in den letzten Jahren für Sie, sowohl im SPON-Kollegen- als auch im SPON-Leserkreis. Respekt!
In Zeiten, wo Meinungstotalitarismus um sich greift. Wo selbsternannte "Gutmenschen" von vornherein "das Richtige" tun. Wo anderslautende Meinungen sofort diffamiert, unterdrückt oder in eine bestimmte Ecke gestellt werden. Wo vorauseilender Gehorsam inzwischen so sehr dazu gehört, dass sich Umfragen zufolge nur noch die Wenigsten trauen, in einem Land wie Deutschland (!) offen Ihre Meinung zu sagen.
Wo Symbole der Unterdrückung und Diskriminierung als Zeichen von "Freiheit" missdeutet werden, wenn sie nur irgendwie ins linke Weltbild passen.
Wo Nachrichten unterdrückt, ausgeblendet, wegselektiert oder beschönigt werden, wenn einen die Tatsachen in Erklärungsnot bringen.
Dann, Herr Fleischhauer, braucht es Leute wie Sie, mit der entsprechenden Zivilcourage!
Ich werde Sie sehr vermissen, wünsche Ihnen alles Gute, und vor allem unendlich viel Geduld mit Ihren KollegInnen, die mangels besserer Erfahrung glauben, per se auf der richtigen Seite zu stehen. Und die sich für ihren "Haltungs-/Erziehungsjournalismus" auch noch feiern lassen, und dabei gar nicht erkennen, wie sehr sie mit dieser Attitüde an den aktuellen bedauerlichen Entwicklungen auch in der Politik beteiligt sind.
Mögen Sie niemals von den "Add-Ins" genau derjenigen wegzensiert werden, die sich selbst für ach so liberal halten, darüber hinaus jedoch keine Argumente zu bieten haben, und in Wahrheit ungefähr so tolerant sind wie die chinesische KP.

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Frei-Denker 14.06.2019, 13:18
636. tolerare (lat.) = aushalten/ertragen

Mittlerweile kann ich als langjähriger Linker auch im privaten Freundeskreis (!!!) mit so genannten Rechten freier, fairer, kontroverser und geistig offener diskutieren als mit vielen Linken. Nicht die Rechten werden laut und aggressiv, wenn ich ihrer Meinung widerspreche, sondern die Linken. Sie sind es, die ihr Gegenüber stets und schnell in moralische Geiselhaft nehmen ("Wie kannst Du bei unserer Geschichte so sprechen?"). Die Rechten scheinen die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Toleranz" tatsächlich besser verstanden zu haben.

Dass Herr Fleischhauer jetzt beim SPIEGEL geht hinterlässt trotz aller Beteuerungen einen schalen Nachgeschmack. Ich hoffe sehr, dass die vielen Protestschreiben (bei Rechten würde man vermutlich von "Hassmails" sprechen) am Ende nicht doch Erfolg hatten.

Wie dem auch sei: Ich fühle und denke immer noch links. Gerade deshalb werde ich Ihnen, Herr Fleichauer, treu bleiben. Egal wo Sie in Zukunft schreiben werden.

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Ollst 14.06.2019, 13:33
637. Doppelter Abstieg

Lieber Herr Fleischhauer,

ich muss leider vom Abstieg reden wenn Sie gehen. Zum einen Ihren persönlichen, denn beim Focus zu schreiben, muss einem vorkommen als wenn man in der 2. Liga spielt und SPON steigt mit Ihrem Verlust nun auch endgültig zu einer gleichgeschalteten linken Filterblase ab. Es ist traurig, hoffentlich werden Sie adäquat ersetzt mit jemanden der ebenfalls gegen den Strom denkt und schreibt. Nicht das die Magarethe jetzt noch mehr Bits und Bytes vollschreiben darf! Sie werden mir fehlen!

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Das Grauen 14.06.2019, 13:36
638. @Virginia Toleranz wird auch in den USA knapp.

Zitat von virginia
[Toleranz] und das Ertragen einer anderen Meinung war noch nie des Deutschen Ding. Wer eine andere Auffassung hat wird gerne 'niederdebattiert'. Warum das in angelsaechsischen Laendern anders ist? Weil man dort schon in der Schule lernt, die Meinung anderer zu tolerieren, auch wenn man sie nicht akzeptiert. Diskutieren will gelernt sein und deshalb gibt es vor allem in den High Schools bereits ab dem 14. Lebensjahr Debattierclubs. Aber viele Deutsche wollen einem die eigene Meinung regelrecht eintaetowieren.............deshalb ist es fuer mich muessig geworden, mich bei Besuchen in Deutschland mit anderen auseinander zu setzen. Es bringt einfach nichts..........
Ja, Virginia, es mag durchaus sein, daß in Ihrem direkten Umfeld noch so eine Offenheit und eine Akzeptanz anderer Meinungen herrscht. Allgemein ist das allerdings nicht mehr der Fall, seit Jahren dividiert sich das Land auseinander, in verschiedene Meinungsgruppen. Die Polarisierung hat deutlich zugenommen und die Spaltgräben verlaufen nicht nur entlang der Parteien, sondern auch quer hindurch. Ein prominentes, viel diskutiertes Beispiel ist die Kontroverse innerhalb der Demokratischen Partei zwischen den Unterstützern von Clinton und denen von Sanders. Teilweise waren die internen Animositäten erbitterter als zu Republikanern!

Diese Entwicklung wurde in den letzten Jahren in einer Vielzahl von Medienberichten zum Thema gemacht. Selbst wenn Sie auf einer Insel der Seeligen leben, Martha's Vineyard oder so, müssten Sie davon gehört haben. Bitte gehen Sie auf diese veränderte Realität ein, anstelle hier ein harmonisches Panorama zu beschreiben, das so schon seit einiger Zeit nicht mehr existiert.

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7131972445694 14.06.2019, 13:39
639.

Alles Gute Herr Fleischhauer. Ihre Kolumne war eine der wenigen, die meinen Blutdruck nicht nach oben gebracht hat. Wenn common sense und völlig normale Werte aus der Mitte der Gesellschaft jetzt als Rechts gelten, weiß man, wie sehr der mediale Mainstream nach Links gerückt ist.

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