Forum: Politik
Fleischhauers Abschied: Jetzt ist Schluss!
Dieter Mayr/ DER SPIEGEL

Nach achteinhalb Jahren, 438 Kolumnen und unzähligen Aufforderungen an die Chefredaktion, den Autoren zu kündigen, endet heute "Der schwarze Kanal" auf SPIEGEL ONLINE.

Seite 72 von 72
vera gehlkiel 14.06.2019, 19:42
710. @luny

Mir fällt immer wieder auf, dass das Ende der Volksparteien von einer bestimmten Seite aus per se mit dem "natürlichen Ende" bestimmter, als "linksgrün dominant" nachempfundener, gesellschaftspolitischer Entwicklungen gemeinsam stattfindend wahrgenommen wird. Hierfür können Sie sicher Fleischhauer zum Zeugen aufrufen. Nicht jedoch, denke ich, wenn es um das Ende der bürgerlichen Zivilgesellschaft geht, oder gar einer "Aufgabe" der parlamentarischen Demokratie zugunsten anderer Formen. Dieses wäre auch irrational, da das in der Tat nahe Ende der Volksparteien die Bestärkung, respektive sogar die regelrechte Rückkehr zu "klassischen" Formen des Parlamentarismus bedeutet. Insofern wir uns das Ende der Volksparteien herbeisehnen sitzen Sie, vermutlich ein Rechter, mit mir, klar einer Linken, sogar in einem Boot. Fleischhauer nehme ich den Anspruch, Alleinsegler zu sein, bei aller natürlichen Gegnerschaft hingegen jedenfalls ab. Dass er sich in jeglicher Form vom rein destruktiven Rechtspopulismus immer überaus deutlich abgegrenzt hat und stets eindeutig für die bürgerliche Zivilgesellschaft Partei nahm, sollte gegen Ende einer solchen Aera zu solchen Zeiten keinesfalls unerwähnt bleiben. Durch das Einziehen von klärenden Trennlinien sollte Jan Fleischhauer als schreibender Journalist mit einer sehr eigenständigen Sprache auch für dezidiert Linke/Linksliberale von hohem erkenntnistheoretischem Wert gewesen sein. Ich kann jedenfalls unumwunden zugeben, viel von ihm gelernt zu haben. Und auch, dass ich seine Schreibe als solche, anders als seine Haltung, schon immer mochte...

Beitrag melden
pygmy-twylyte 14.06.2019, 20:41
711. Freidenker

Als ideologisch verbohrt und missionarisch eifrig habe ich den stets provozierenden und polarisierenden Schelm Jan Fleischhauer nie wahrgenommen. Er ist wohl zu sehr Freigeist, um sich von einer Seite vereinnahmen zu lassen. Wenn er aber sagt, die Chefredaktion sei mit seinem Schwarzen Kanal auf SPON nicht zuletzt aufgrund der Clicks stets zufrieden gewesen, frage ich mich nach den wahren Gründen für seine Demission. War es die "Kuhstallwärme der Gesinnungsgemeinschaft", die er nicht mehr ertrug, weil sie ihn zu sehr drückte? Dass er es in dem Haifischbecken überhaupt solange ausgehalten hat, wundert mich sowieso und nötigt mir Respekt ab. Jan Fleischhauer ist wie Jakob Augstein ein Provokateur par excellence, nur nicht ganz so zynisch und radikal in der Denke wie dieser. Nun aber zu behaupten, es "in Wahrheit selten auf Provokation angelegt" zu haben, ist eine Veralberung des Lesers und insofern unglaubwürdig, als er nur zu gut weiß, dass eine Kolumne von der Zuspitzung und Übertreibung lebt. Und seine Kolumnen sollten ja ausdrücklich lebendig sein.

Beitrag melden
b-hh1980 14.06.2019, 20:58
712. Nach Matussek nun auch Fleischhauer...

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass in der postmodernen Internet-Gesellschaft die Menschen unter Informations- und Meinungsfreiheit zunehmend die Freiheit von Informationen und Meinungen verstehen, die dem eigenen Denken und Fühlen widersprechen. Der SPIEGEL (ob gedruckt oder online) entwickelt sich demnach immer mehr zur "Wohlfühlblase" des linksliberalen, urban geprägten, sich als "auf- und abgeklärt" wähnenden Bildungs- und Besitzbürgertums. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob es früher anders war als heute. Ebenso kann man sich darüber streiten, ob Jan Fleischhauer überhaupt ein "(Rechts-)Konservativer" war bzw. ist oder in erster Linie jemand, der sich gern in der Pose des "Meinungsrebellen" gefällt, der schon aus Prinzip dem (tatsächlichen oder angenommenen) Mainstream widerspricht. Nichtsdestotrotz ist es schade, dass er nun geht (oder gegangen wurde) und den - nicht ganz so linken - Leser mit Leuten wie Berg, Lobo, Kuzmany, Stokowski & Co. alleine lässt. Es wird, wenn auch nur in geringem Maße, der weiteren Aufspaltung der deutschen Gesellschaft mit Sicherheit Vorschub leisten. Mal schauen wie lange ich selbst als bekennender Rechter den SPIEGEL (ob gedruckt oder online) noch halbwegs guten Gewissens lesen kann oder ob ich tatsächlich dauerhaft auf "Focus" und "Cicero" umsteigen muss (was ich nicht hoffen will)...

Beitrag melden
Doc Holmes 14.06.2019, 23:43
713. Jaja, die andere Seite...

Zitat von Bergbauernbua
Ach diese Meldung ging vollkommen unter: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Studie-Kreuzfahrtschiff-Schadstoffe-nicht-messbar,schadstoffe122.html Welcher alte Römer prägte noch einmal diesen Satz? Audiatur et altera pars! - Es möge auch die andere Seite gehört werden. (Man höre auch die andere Seite)
Ich kann Ihnen da nur zustimmen. In den Kommentaren des NDR-Artikels sind übrigens interessante Informationen zu lesen, z.B.

"Bei einem Schiffskamin fällt der Dreck aber zum Teil erst einige Kilometer weit nieder und ist immer noch giftig. "

Da kann man direkt am Fluss natürlich nicht viel messen :-)

oder auch hier:

"Dass die Emissionen, die gemessen wurden, nicht den Kreuzfahrern angerechnet werden ist doch einfach zu erklären. KEIN Schiff in Kiel läuft unter Schwerölbedingungen ein. Alle Schiffe haben seit Eintritt in die SECA Area auf MGO (Marine Gas Oil vergleichbar dem üblichen Diesel oder Heizöl) umgestellt. Wenn nicht, drohen hohe Strafen. "

Der wirklich Skandal ist, dass die Schiffe auf dem offenen Meer mit Schweröl fahren und dass die größte Flotte die Frachtschiffe und nicht die Kreuzfahrer sind, wobei dann auch klar ist, wo man ansetzen müsste, um die Probleme zu lösen.

Aber die von Ihnen scheinbar behauptete Ansicht, dass die Schiffe ja nachweislich gar keine Schadstoffe ausstossen und diese Meldung aber untergeht, ist meines Erachtens nicht zu halten, sondern entpuppt sich eben durch weiteres Recherchieren eher als "Fake News"...

Beitrag melden
torcedores 15.06.2019, 00:19
714. Auch von mir ... schade ..

Herr Fleischhauer stand in meiner Wahrnehmung für typische Tugenden des Spiegel ... bspw. für eine kritische Kommentierung des politischen Mainstreams. Nach seinem Ausscheiden werden wir wohl keine Printausgabe des Spiegel mehr kaufen.

Beitrag melden
Philopappos 15.06.2019, 06:28
715. brillant, dass...

Zitat von Shismar
So muss ich nicht bei jedem Artikel schauen, ob nicht vielleicht Fleischhauer drin ist. Die Beiträge waren mir zu dämlich und beschränkt. Vielleicht findet er ja Arbeit bei der BILD.
... Sie den Wert eines Beitrags nach dem Namen des Autors messen und nicht nach dem Inhalt. Unfasslich!

Beitrag melden
Aberlour A ' Bunadh 15.06.2019, 09:14
716. ob ich tatsächlich dauerhaft auf "Focus" und "Cicero" umsteigen muss?

Wollen Sie tatsächlich wegen Fleischhauer und seiner nicht mehr vorhandenen Kolumne auf "Focus" und "Cicero" umsteigen? Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Fleischhauer hat auf SPON wider den Stachel gelöckt, in Polit-Talk-Shows habe ich ihn dagegen immer als braven und biederen ja was eigentlich erlebt? Als FDP-Wähler wahrscheinlich, so kam er mit jedenfalls dort immer vor. Heißt im Umkehrschluss: Fleischhauer hat hier eine Rolle gespielt. Schön und schlecht. Warum aber geben sich Konservative eigentlich mit so wenig Inhalt und Analyse zufrieden? Nur um die eigene Meinung zu bestätigen? Dass Fleischhauer im "schwarzen Kanal" immer nur draufgehauen hat war klar. Häufig mit der billigsten Form von Journalismus, die möglich ist: ins Persönliche gehen. Habe ich bei "Berg, Lobo, Kuzmany, Stokowski & Co" in der Form noch nicht erlebt. Bei vielen Fleischhauer Fanboys hatte ich immer den Eindruck, dass sie bei SPON ihr "Ja Meister, endlich gibt du uns hier eine Stimme" rufen, dabei war diese, zumindest auf dem Land, seit Menschengedenken Mehrheitsmeinung in den meisten Regionen Deutschlands. Das ist doch irgendwie lächerlich. Es wäre schön, wenn
SPON einen konservativen Kolumnisten finden würde. Aber bitte nicht die "Fleischhauer-Tradition" fortsetzenden. Ein Konservativer, der einfach mal nur in der Lage ist, was Gehaltvolles zu Papier zu bringen.
Ohne sich im Text mehrmals selbst zu widersprechen oder sich in Recherchefehlern zu üben. Es gibt nämlich Internet. Was Fleischhauer überhaupt nicht auf dem Schirm zu haben schien. Anders sind die vielen sachlichen Fehler in seinen Kolumnen nicht zu erklären. Robin Alexander wäre z.B. jemand, der ein konservatives Weltbild gehaltvoll und stilsicher auf SPON verbreiten könnte. Aber viele von dieser Qualität fallen mir wirklich nicht ein.

Beitrag melden
Seite 72 von 72
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!