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Flüchtlinge in Bangladesch: 100.000 Rohingya sollen auf unsichere Insel umgesiedelt w
REUTERS

Die Insel Bhasan Char steht immer wieder zu großen Teilen unter Wasser. Nun will die Regierung von Bangladesch Rohingya-Flüchtlinge dorthin umsiedeln. Menschenrechtsgruppen sind alarmiert.

navitrolla 26.10.2019, 20:33
1. Zwiegespalten

Ob die Insel sicher ist, lässt sich definitiv nicht aus der Ferne beurteilen. Aber für ein armes Land wie Bangladesh ist hier (auch gut per Google maps sichtbar) ein echter Kraftakt vollbracht worden. Ich finde, dass das schon mal honoriert gehört.
Für die Realisierung des Projekt auf einer abgelegenen Insel könnte es gute Gründe geben:
- Wenn sichtbar für alle Infrastruktur aufgebaut wird, die sich 60% der Bewohner nie leisten könnten, sind Agitatoren nicht weit, die zum sturz der Regierung aufrufen werden. Wird ja sogar hier instrumentalisiert, dass den Geflüchteten ein paar € am Tag zustehen.
- Angst vor Extremisten / Gewalttäter. Die Existenz solcher unter den Geflüchtetenmmag ich nicht unterstellen - aber alleine Lagerkoller & Perspektivlosigkeit / gezielter Einfluß von außen machen es nicht unwahrscheinlich, daß irgendjemand durchdreht, einheimische gefährdet.
- Keine Mittel / Möglichkeit für echte Integration.

Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass das BIP pro Kopf in Bangladesh unter 2000usd / Einwohner liegt, 30% des BIP für schuldendienst aufgewandt wird und die Verschuldung 650% des jährlichen BIP beträgt. Dass eine Regierung angesichts geringen Handlungsspielraums erstmal die innere Ruhe und dann ggf. Menschenrechte von eingewanderten betrachtet, ist in meinen Augen nachvollziehbar.
Nicht schön, aber solange Kapital auf der Welt ungleich verteilt ist, müssen wir auch verschiedene Standards / Möglichkeiten in Kauf nehmen.

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go-west 27.10.2019, 02:26
2. Grundsätzlich

halte ich diese Trennung für eine gute Idee. Was einfach nicht zusammenwachsen will oder kann, sollte man nicht mit Gewalt kohabitieren lassen. Wenn die kulturellen und religiösen Unterschiede einfach zu groß und damit unüberbrückbar sind, ist m.E. eine örtliche Trennung besser als den Menschen die täglichen Spannungen zuzumuten. Es gibt nun mal Kulturen bzw. Gesellschaftsgruppen, die leicht integrierbar sind, und solche, bei denen die religiösen und kulturellen Vorgaben dies fast unmöglich machen. Irgendwie wie Ök und Wasser. Was passiert, wenn man trotzdem ein Zusammenleben erzwingen will, läßt sich leider oft genug beobachten.

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eunegin 27.10.2019, 05:39
3. In Richtung Untergang - und alle schauen zu.

Zitat von navitrolla
Ob die Insel sicher ist, lässt sich definitiv nicht aus der Ferne beurteilen.
Doch, lässt sich. Das ist etwa so (als Erklärung für Deutsche...), als wenn man ein Flüchtlingscamp mit ein paar tausend Menschen auf den Halligen einrichten würde. Geht auch nicht lange gut. Ich war in der Region und die Insel wäre besiedelt, wenn es denn ginge. Richtig ist aber, dass man Bangladesh unter die Arme greifen muss. Nur haben die Rohingya keine Lobby, keinen Fürsprechen und sitzen zwischen den Stühlen wie andere Minderheiten auf der Welt auch. Die Mehrheitsgesellschaft scheint sich nicht sehr zu interessieren. Eine Schande.

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abrigal 27.10.2019, 07:50
4.

Bangaldesch ist hoffnungslos ueberbevoelkert, das Land ist eine riesiege Flussmuendung in der 140 Millionen Bewohner auf der Flaesche von Sueddeutschland regelmaessig nasse Fuesse bekommen . Das Land lebt mit Ueberschwemmungen

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doc1234 27.10.2019, 08:10
5. Ein Problem

das die Rohingas haben. Ursprünglich kommen diese Menschen aus Bangladesch und sind nach Myamar eingewandert. Wenn Die ursprüngliche Bevölkerung eine zugewanderte Volksgruppe nicht mehr im eigenen Land duldet wegen welcher Gründe auch immer und diese Menschen wieder dahin schickt wo sie herkamen ist das nur Legitim. Die Wahl der Mittel mit Gewalt nicht. Wenigstens in Europa war es das nach dem 2. WK und auf dem Balkan so das ethnisch reine Siedlungsgebiete geschaffen wurden. Aber jetzt ist in Europa ruhe bis auf ein paar gestrige und alle Menschen leben friedlich zusammen (mehr oder weniger, aber es funktioniert). Wenn ein Staat sein Bevölkerungswachstum trotz begrenzter Resoursen und Raum nicht in den Griff bekommt, aus welchen Gründen auch immer, ist das keine Sache der Moral sondern eine Sache der Eltern und reproduktionsfäigen Bevölkerung b.z.w. der religiösen Anführer und Eliten. Wenn nun mal nur eine Insel als Siedlungsraum zur Verfügung steht dann müssen diese Menschen dahin oder in den Slums bleiben. Zurück nach Myamar geht es anscheinend nicht mehr. Es hat alles irgendwo eine Ursache, wo die liegt kann sich jeder dessen Wissen nicht durch ein Sieb der Unwissenheit und ultra Toleranz gepresst wurde Denken.

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Prokrastes 27.10.2019, 08:23
6. Das ist so böse, es könnte aus einem Film stammen

Sicher, da sind Unterkünfte gebaut worden, die für Dritte-Welt-Verhältnisse möglicherweise gar nicht so extrem mies sind - 14 Quadratmeter für vierköpfige Familien, eine kleine Gemeinschaftsküche für je acht dieser Familien und Gemeinschaftstoiletten (je vier für acht Familien).

Das ganze auf einem gerade mal so mit etwas Gestrüpp bewachsenen Matschhaufen, dicht bebaut, so daß die Menschen auch außerhalb der Gebäude eine vergleichbare Aufenthaltsqualität haben wie innerhalb. Auf der Insel ist Landwirtschaft vermutlich komplett unmöglich, und ganz sicher nicht, um eine derartige Menge an Menschen zu versorgen. Frischwasser wird es auf der Insel ebenfalls nicht geben, falls doch, dann nicht in den benötigten Mengen. Wie das Abwasser/Fäkalienproblem gelöst werden soll, ist unklar; mit "water filter below deck" (siehe Abbildung in Dhaka Tribune, Link am Ende) stelle ich mir das problematisch vor.

Also ist die Insel mit ihren angedacht 100000 Bewohnern komplett von einer stetigen Versorgung von Außen angewiesen.

Das ist keine Unterkunft, das ist ein besseres(?) Gefangenenlager.

https://goo.gl/maps/d6Zg3Tayg2b6v7rB7

https://www.dhakatribune.com/bangladesh/rohingya-crisis/2019/03/03/rohingya-relocation-to-bhasan-char-to-start-by-mid-april

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