Forum: Politik
Flüchtlinge: Was "besorgte Bürger" sagen wollen
DPA

Was treibt "besorgte Bürger" um, die an Stammtischen und in sozialen Medien über die Flüchtlingskrise reden? Ihre Argumentation ist widersprüchlich - weil sie sich nicht trauen zu sagen, was ihnen wirklich Angst macht.

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kein_freiburger 12.11.2015, 08:11
140. was noch fehlt ..

.. die besorgten Bürger in die rechte Ecke stellen.

Es sind ja anscheinend mehr die vom unteren Rand der Gesellschaft besorgt, die jetzt schon in prekären Verhältnissen leben und arbeiten, und anscheinend auch mehr Frauen als Männer (komisch, ob das vielleicht an dem Stellenwert der Frauen in manchen moslemischen Gesellschaften liegt).

Neein, alles nur Neid und Rechte.

Sollen sich doch unsere 3% Wohlhabendsten die mehr als 90% des Volksvermögens haben, mal richtig als Vorbilder zeigen.

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hingucker 12.11.2015, 08:11
141. Willkommenskultur und Nächstenliebe.Eine Vorweihnachtsgeschichte.

Wenn ich immer mal wieder über den Hauptbahnhof kommend durch die Heidelberger Altstadt laufe, begegne ich etlichen Obdachlosenzeitungsverkäufern, denen ich hier und da aus Mitleid eines ihrer Druckwerke abkaufe, bedauernswerten menschlichen Gesalten, die mich beim Gehen um einen Obolus bitten und auf dem Boden kauernde Menschen mit einem Pappbecher vor ihren Füßen. Dergleichen sind unter den Strassenmusiker diejenigen gut auszumachen, die das nicht aus Überzeugung zu einer bestimmten Lebenshaltung tun, sondern eher aus purer Not (und oft mit viel Talent!).
Gebe ich unterwegs anfangs dem/der einen eine Münze und danach auch den nächsten, so suche ich zunehmend vergeblich nach einer geeigneten, denn zu wertig darf diese ja auch nicht sein. Kann ich mir auf Dauer einfach nicht erlauben es sei denn, ich zähle mich, trotz meines bescheidenen Einskommens, immer noch zu den Wohlhabenden dieses Landes. Also klagen will ich darüber wirklich nicht! Ich weiß und sehe nur, dass ein menschenwürdiges Leben in diesem „globalisierten“, (rotgrün)neoliberalisierten Deutschland zunehmend auch für die schon Dagewesenen das Bestreiten ihres Lebenalltages ein Drahtseil ist. (Siehe waschsendes Einkommensgefälle)
Das nur zur sozialen und sozialpolitischen Dimension Ihres Kommentares, lieber Herr Kazim.
Die hat nämlich auch etwas mit Akzeptanz gegenüber Flüchtlingen zu tun, egal jetzt, aus welchen Gründen diese zu uns unterwegs sind und ebendieses menschenwürdige und auskömmliche Leben suchen. Zumindest aber mit Ihrer Vielahl.

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bekkawei 12.11.2015, 08:12
142. Ich würde es mal umformulieren:

Originalzitat
"Wir wollen keine Flüchtlinge, wir wollen nichts von unserem Wohlstand abgeben, wir haben kein Interesse an dem Rest der Welt, Hauptsache, uns geht es gut, und wenn jemand zu uns kommt, soll er genauso sein wie wir! Aber am besten kommt niemand zu uns!"

Wir geben gerne von unserem Wohlstand ab für arme Menschen, denen es schlecht geht. So wie wir das über gigantisch hohe Spenden seit Jahrzehnten schon machen.

Mit den 21 Milliarden, die uns die bisher zu uns gekommenen Flüchtlinge kosten werden, könnte man in Flüchtlingslagern in Nachbarstaaten der Flüchtlinge wir Türkei, Jordanien, Libanon wahre Wunder für das Wohlergehen der Menschen dort vollbringen. Die Flüchtlinge wären in ihrem eigenen Kulturkreis und ihrer eigenen religiösen Umgebung, verstünden die Sprache und alles wäre so viel leichter. Vor allem die Rückkehr in ihre Heimat.

Und dann sollten wir noch alle Anstrengungen unternehmen zusammen mit anderen Staaten dafür zu sorgen, dass in Syrien und im Irak endlich das Morden aufhört.

Wer aber unbedingt zu uns kommen will, ja, der soll so leben und sich so verhalten wie wir. Das dürfen wir verlangen. Es sind ja schließlich nur materielle Gründe, die ihn/sie hierher führen. Schutz vor Bomben und Gewalt wäre ja schon vorher auf der Fluchtroute zu haben gewesen.

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Leser161 12.11.2015, 08:13
143. ?

Was ist falsch daran, sich das man das was man sich als Familie erarbeitet hat nicht einfach so hergeben will?

Jeder hält die Hand auf. Politiker, Unternehmen, Berater, die FIFA, der ADAC etc. Und wer darf es im Endeffekt zahlen? Die normalen Menschen. Uns besticht keiner. Aber wir sollen für jedes Übel in der Welt zahlen. Sei es Griechenland, sei es Syrien.

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wandfarbe 12.11.2015, 08:13
144.

Ein gutet Artikel mit einer zutreffenden Schlussfolgerung. Auf der anderen Seite ist es nicht verboten, so zu denken. Dieses Denken findet man in vielen Gruppierungen und es ist sehr nachvollziehbar. Der Mensch ist halt von Natur aus Egoist und das sichert sein Überleben.

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uket 12.11.2015, 08:14
145.

Sehr geehrter Herr Kazim, Mein Name ist Ulrich Kettler und ich lebe in NRW. Das nur , damit niemand meint, ich würde mich verstecken. Ich bin auch ein besorgter Bürger. Wenn unsere Führung endlich alle Fakten offen darlegen würde, hätte ich weniger Sorgen. Zur Zeit habe ich den Eindruck, die Situation ist so schlimm, dass sich keiner traut die Wahrheit zu sagen. Ich bin dafür Flüchtlingen zu helfen. Ich bin dafür bessere Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu schaffen. Ich bin dafür geregelte Einreise- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Aber ich bin gegen eine unkontrollierte Einwanderung. Wenn jetzt in die rechte Ecke gestellt werde, dann gehöre ich dahin.

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eve70 12.11.2015, 08:14
146.

Ich distanziere mich entschieden von Ihrer Interpretation meiner "wahren Gründe" für eine Ablehnung der Flüchtlingspolitik. Lesen Sie sich ihren eigenen Kommentar nochmal durch. Knapp, unterstellend und völlig undifferenziert ist der und sowas auf der Titelseite. Da ist kein Unterschied zu Pauschalaussagen, die Sie anprangern möchten.

Wir stehen an einem Wendepunkt, ganz klar. Vielleicht gut, dass wir jetzt zum Handeln gezwungen werden. Die Lösung ist jedoch nicht, dass Millionen arabische und afrikanische Bürger ins kleine Deutschland transferiert werden. Diese Millionen sind übrigens nicht die, denen es am schlechtesten auf der Welt geht!
Die reichen Länder der Welt müssten in sehr großem Stil ihre Wirtschaftspolitik ändern, naiv(?) gesprochen darf jeder Mensch nur einen passenden ökologischen Fußabdruck machen, dann hat die Welt Platz für 12 Milliarden Menschen und das Bevölkerungswachstum würde sich von selbst auf ein gesundes Maß reduzieren.
Für diese Entwicklung sehe ich jedoch schwarz, da die Menschen nicht so ticken und leider auch, weil sich ein Großteil der Welt diktatorischen Religionen (jawoll!) unterwirft und somit eine Ausbeutung dieser Länder für die kapitalistischen Staaten sehr erleichtert ist. Ein rohstoffarmes Land wie Deutschland ist nur so reich aufgrund dieser Mechanismen.

Jetzt kommen Millionen Menschen und wollen genau an diesem Kapitalismus teilhaben, konzentriert auf kleinste Territorien der Welt. Das ist niemals eine Lösung.
Da aber globale Veränderungen zur Lösung nicht zu erwarten stehen, ist der deutsche Reflex erstmal Abwehr. Verständlicherweise.
Dumm allerdings, wahlweise die USA oder Frau Merkel verantwortlich zu machen. Jeder einzelne von uns trägt zu der jetzigen Situation bei.

Was nichts daran ändert, dass die Angst vor den Menschenströmen berechtigt ist. Es ist der falsche Weg. Und die Probleme kommen erst noch. Momentan ist die Situation nicht anders als müsste man kurzfristig Millionen Menschen unterbringen (z.B. aufgrund einer Naturkatastrophe). Da sie aber nicht mehr zurückkehren werden, werden wir erst in den nächsten Monaten und Jahren die Folgen zu spüren bekommen.

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aus_dem_off 12.11.2015, 08:15
147. Polemik aus allen Ecken

"Wir wollen keine Flüchtlinge" - wir wollen eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen in Deutschland, das gebietet die Vernunft und 1 Millionen sind schon da "wir wollen nichts von unserem Wohlstand abgeben" - die Reichen und Etablierten werden nichts von ihrem Wohlstand abgeben, Steuergelder fließen doch schon und werden in Zukunft in großer Menge fließen, über die Zahlen wird heftig und demagogisch gestritten, für den prekär Beschäftigten ist es eine einfache Rechnung, mehr Arbeitssuchende, niedigere Löhne - Krankenversorgung für 1 Mill. umsonst, steigende Kassenbeiträge, aber nicht von der Arbeitgeberseite, da diese gedeckelt sind "wir haben kein Interesse an dem Rest der Welt, Hauptsache, uns geht es gut" wie vielen in Deutschland geht es gut? Dieses Wir ist so verallgemeinernd und ebenso demagogisch wie die hier kritisierten Sprüche der Kritiker "wenn jemand zu uns kommt, soll er genauso sein wie wir" warum so kindisch auf die berechtigten Einwände gegen den Zuzug von so vielen Menschen mit einer nicht nur fremden sondern im Widerspruch zu den bei uns respektierten und geschichtlich errungenen Werten stehenden Kultur "Aber am besten kommt niemand zu uns" es sind schon so viele gekommen, die versorgt werden, es geht darum, dass es zu viele sind, vor dem die Befürworter aus unverständlichen Gründen die Augen verschließen "Und vergesst Nächstenliebe" wir sollten hoffen, dass auch die Zugewanderten zum Großteil die Nächstenliebe kennen für den nächsten Menschen an sich und nicht für die Mitglieder ihrer Familien und Clans, wenn ihre Erwartungen sich nicht erfüllen, können wir gespannt sein, wie es mit der Nächstenliebe auf beiden Seiten aussieht "Wir singen an Weihnachten zwar "Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all"" - aha, mein Leben lang habe ich dieses Lied zu Weihnachten gesungen - endlich wird Deutschland erhört - aber es kommen nicht nur Kinder

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ladozs 12.11.2015, 08:16
148. Ohne Worte!

Stimmt, die angeführten Aussagen habe ich alle irgendwann, irgendwo schon mal gehört.Ich sitze niemals an einem Stammtisch, aber im Alltagsgespräch im Tennisclub oder an der Supermarktkasse kann man diese Äußerungen durchaus vernehmen.

Im Schlussabsatz holt der Autor dann einfach wieder die ganz große Keule heraus, um alles damit zu erschlagen. Wer den irrsinnigen Ansturm kritisiert, wer seinen Lebensstandard halten möchte, kann nur ein steinharter, egoistischer Mensch sein, mit sehr, sehr konservativer Einstellung, der sich am Unglück anderer Menschen wohl möglich auch noch weidet.

Sind es nicht genau diese pauschalen medialen „Faustschläge“, die die oben angeführten „Thesen“ erst an die Oberfläche dringen lassen?

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rieberger 12.11.2015, 08:16
149. Archaische Ängste

Die Angst vor Fremden ist sicherlich archaischen Ursprungs und meist rational nicht erklärbar.
Nur - sie ist da, sie ist vorhanden. Diese Angst löst Mechanismen und Reaktionen aus, die schwer kontrollierbar sind. Erklärt man einem Patienten, der starke Angst vor einer Zahnbehandlung hat, er brauche keine Angst zu haben - es wird nicht funktionieren.
Unterm Strich sind diese Ängste ernst zu nehmen. Diese Reaktionen können destruktiv wirken und haben das Zeug, eine Gesellschaft zu spalten..

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