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Flüchtlinge: Was "besorgte Bürger" sagen wollen
DPA

Was treibt "besorgte Bürger" um, die an Stammtischen und in sozialen Medien über die Flüchtlingskrise reden? Ihre Argumentation ist widersprüchlich - weil sie sich nicht trauen zu sagen, was ihnen wirklich Angst macht.

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slashmaxx 12.11.2015, 08:17
150. Diskussionskultur?

Wir haben derzeit generell in erster Linie ein Problem wie wir Diskussionen führen und zu einem gemeinsamen Konsens kommen. Deshalb scheint diese Lage zu eskalieren und uns handlungsunfähig macht. Das Thema ist sogar fast irrelevant, aber je polarisierender, desto problematischer.

1) Wir haben in diesem Thema grob 2 Lager (3 wenn man die Schweigenden dazunimmt), die jeweils die Enden des Meinungsspektrums besetzen. Beide Lager beanspruchen für sich die Faktenhochheit und versuchen mit Zahlen und Statisken ihre Position zu belegen. Meist immer mit den Verweis, dass es ja Fakten und somit unumstößliche Wahrheiten seien. Hier gilt wohl, dass die sogenannten Fakten entweder Aussagen von vermeintlich neutralen Stellen oder einer Statistik stammen, die dann für bahre Münze gehalten wird. Es immer nur die Zahlen rausgepickt werden, die gerade für einen passen. Das Problem daran ist, dass die Fakten schnell für die eigene Meinung pauschalisiert werden und hier bei diesem konkreten Thema es aber um teilweise individuelle Schicksale geht, die dann über einem Kamm geschoren werden und das in beide Richtungen. Z.B. ist nicht jeder Immigrierender gleich ein Flüchting, der Asyl benötigt und gewährt bekommen muss, genausowenig wie nicht jeder gleich ein Schmarotzer ist.

2) Beide Seiten belegen sich bereits in ihrer Anrede an die jeweilige anderen Seite mit Beleidigungen (Gutmensch vs. Nazi ?), um damit ihre Meinung zu untermauern oder zu verstärken. Sorgen und Ängste (egal welcher Seite) werden deformiert, ins lächerliche gezogen und zur Denunziation verwendet. Jedes Kleinkind weiß, dass dies jeglichen Ansatz einer fruchtenden Diskussion schon untergräbt. Fronten verhärten sich und kaum jemand ist mehr bereit dem anderen zuzuhören, sogar bis dahin, dass aus besagten 3ten Lager kaum jemand Position beziehen möchte, da man in die eine oder andere Ecke gestellt und verunglimpft werden könnte, was ich niemanden verübeln kann.

3) Es scheint wohl allgemein ein Konsens zu sein, dass ein Konsens dadurch erreicht wird, dass die Seite, welche am lautesten schreit (medial, akkustisch, etc.) "gewinnt". Das scheint einer der größten Widersprüche im heutigen Verständnis für eine Diskussionskultur zu sein, so dass es letztlich keine Diskussion mehr ist. Kommentare werde veröffentlicht und sehen immer mehr nur nach Beschuss auf die jeweils andere Seite aus, anstatt die Thematik zu sachlicher beleuchten und ggf. auch Argumente beider Seiten zuzulassen. Es wäre schön, wenn man mehr dazukommt, gelegentlich mal innerlich die Position und die Perspektive zu tauschen, um auch die andere Seite besser beurteilen und verstehen zu können.

Was nun die Lösung all dieser Punkte betrifft, bin ich leider nicht fähig diese alleine zu finden. Ich denke es Bedarf hier eines kollektiven Sinnes- und Verständniswandels in unserer Gesellschaft, aber leider bezweifle ich, dass dies von heute auf morgen geschieht. Ich hoffe aber, dass das Hindeuten auf diese Diskrepanzen ein Anfang ist.

Gruß slash

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nic 12.11.2015, 08:18
151. ... wir wollen nichts von unserem Wohlstand abgeben...

8,50,- Mindestlohn sind kein Wohlsstand in Deutschland. Wenn es nach manchen Politikern und Ökonomen geht, müssten diese Geringverdiener aber bereit sein, diesen "Wohlstand" aufzugeben und nicht die Abgeordneten oder Großverdiener, Reichen und Superreichen. Deswegen gehen diese Leute auf die Straße, weil es sie sein werden, die die Rechnung zuerst oder gar alleine bezahlen.

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theresarain 12.11.2015, 08:18
152. Ich habe auch Angst

das gebe ich zu. Und zwar deshalb, weil ich sehe, wie in Lybien und im Irak und den größten Teilen der islamischen Welt mittlerweile Christen und andere religiöse Minderheiten behandelt werden. Und weil "Scheiß-Christ" in unserer Schule ein häufig zu hörendes Schimpfwort ist. Ich will nicht, dass meine Kinder schikaniert werden, weil wir praktizierende Christen sind.
Zudem habe ich den Eindruck, dass unserer Bundesregierung völlig die Kontrolle entglitten ist und staatlicherseits niemand mehr einschätzen oder gar kontrollieren kann, wer kommt und wie man die Versorgung der Menschen noch sicherstellen kann. Uns wurde angekündigt, wegen mangelnder Kapazitäten würden Flüchtlingskinder fortan ohne Deutschkenntnisse einfach so in die Klassen gesetzt. Wie soll denn da ein Unterricht noch möglich sein, wenn einige Kinder gar nicht verstehen, um was es geht?

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m.breitkopf 12.11.2015, 08:18
153. Druck

Woher kommt nur dieser missionarische Eifer? Wer möchte, dass mehr Flüchtlinge zu uns kommen sollen, kann dafür eintreten und werben. Was im Moment aber geschieht ist etwas völlig anderes: Es wird massiv Druck ausgeübt, etwas gut zu heißen, womit viele eben nicht einverstanden sind. Menschen anderer Meinung werden verächtlich gemacht. Es ist ein Klima des Misstrauens und der Verdächtigungen entstanden. Und ständig werden wir mit Bildern von schreienden Proleten konfrontiert, als würde Deutschland zur Hälfte aus Nazis bestehen. Und wenn nichts mehr hilft, heisst es man habe Mitschuld am Tod so vieler Flüchtlinge.

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m.brunner 12.11.2015, 08:19
154. Propaganda

Es sind nicht nur diffuse Ängste und Vorurteile die man mit Aufklärung und Propaganda wegreden kann.
Es wird immer so getan, als sei alles irrational oder Fremdenfeindlich, dem ist nicht so.
Kein Redakteur würde ansatzlos 20 Migranten bei sich aufnehmen und deren Kosten für mehrere Jahre tragen. Wenn doch, wäre ich für entspr. Hinweise dankbar.

Warum soll die Gesellschaft Kosten tragen, die mancher nicht tragen möchte.

Es kann nicht sein, dass nur die BRD sich an geltende Gesetze hält und alle anderen nicht. So funktioniert Europa nicht.

Es ist gut die Gefühle der Bürger zu steuern, aber man sollte auch die realen Prbleme dabei nicht vergessen.

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opinio... 12.11.2015, 08:19
155. Hilflosigkeit,

demonstriert durch "Wir schaffen das", ohne Plan und klare Definition von Asyl und Einwanderung erzeugt Sorge und auch Furcht vor "Lawinen". Hier liegt das Versagen der Regierenden. Auch hier hat Merkel reagiert, nicht regiert. Was ist das "das", was "wir schaffen"?

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hingucker 12.11.2015, 08:19
156. Eine Betrachtung zur Vorweihnachtszeit.

Wenn ich immer mal wieder über den Hauptbahnhof kommend durch die Heidelberger Altstadt laufe, begegne ich etlichen Obdachlosenzeitungsverkäufern, denen ich hier und da aus Mitleid eines ihrer Druckwerke abkaufe, bedauernswerten menschlichen Gesalten, die mich beim Gehen um einen Obolus bitten und auf dem Boden kauernde Menschen mit einem Pappbecher vor ihren Füßen. Dergleichen sind unter den Strassenmusiker diejenigen gut auszumachen, die das nicht aus Überzeugung zu einer bestimmten Lebenshaltung tun, sondern eher aus purer Not (und oft mit viel Talent!).
Gebe ich unterwegs anfangs dem/der einen eine Münze und danach auch den nächsten, so suche ich zunehmend vergeblicher nach einer geeigneten, denn zu wertig darf dies ja auch nicht sein. Kann ich mir auf Dauer einfach nicht erlauben es sei denn, ich zähle mich, trotz meines bescheidenen Einskommens, immer noch zu den Wohlhabenden dieses Landes. Also klagen will ich darüber wirklich nicht! Ich weiß und sehe nur, dass ein menschenwürdiges Leben in diesem „globalisierten“, neoliberalen Deutschland zunehmend auch für die schon Dagewesenen beim Bestreiten ihres Lebenalltages ein Drahtseil ist. (Siehe waschsendes Einkommensgefälle)
Das nur zur sozialen und sozialpolitischen Dimension Ihres Kommentares, lieber Herr Kazim.
Die hat nämlich auch etwas mit Akzeptanz gegenüber Flüchtlingen zu tun, egal jetzt, aus welchen Gründen diese zu uns kommen. Zumindest mit Ihrer Vielzahl.

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moby-dick 12.11.2015, 08:20
157. Jaja

Ihren Artikel finde ich einfach unglaublich!

Die Masse an Argumentationen, von denen jeder irgendwie ein Stückchen Wahrheit trägt auf den Satz "Wir wollen keine Flüchtlinge" zu reduzieren ist einfach nur unterirdisch.
Ich lese mal die ersten drei Überschriften der Zeitung vor, für die sie (gegen Entgelt?) ihre ganz persönliche Meinung schreiben.

"Schäuble vergleicht Flüchtlingsbewegung mit Lawine"
"CSU will Asylrecht weiter verschärfen"
-> "Es wird wieder mehr Tote geben"

Der Leser soll also angelockt werden und wenn er dann zu der Meinung kommt das da was falschläuft kommen sie und sagen das man ja keine Flüchtlinge will.
Wenn man natürlich die (bewusst negativ ausgewählten) Aussagen aller Personen in Foren etc. in einen Topf wirft kommen da natürlich Widersprüche raus.

Das Problem ist das es keine langfristigen Pläne und Hilfen gibt um all diese Menschen aufzunehmen. Das dieses sich selbst mit Regeln, Vorschriften und Paragraphen gefesselte Land unfähig ist eine Notsituation zu meistern.

Wie immer im Leben gilt der mittlere Weg als der beste und richtige. Genau diese mittlere Menge an Menschen muss für jede Gemeinde gefunden werden und dann muss es "NEIN" heißen um genau dieses Gemeindegebilde dauerhaft in Bezug auf Geld, Wirtschaft, Verhalten der Menschen untereinander(Akzeptanz, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft) stabil zu halten. In einigen Regionen wird das aber gerade massiv verkehrt gemacht und dann muss man die Reaktionen der Leute auch verstehen.

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reimprecht@gmx.de 12.11.2015, 08:21
158. Stammtisch und

Dass der Autor den Begriff "besorgte Bürger" in Ausrufezeichen setzt, läßt eine etwas herabwürdigende Sichtweise durchblicken. Im selben Satz dazu das Wort "Stammtisch" suggeriert, wer "besorgt"ist treibt sich als Stammgast in Kneipen rum, und alkoholgetränkte Parolen
würden dabei raus kommen.
Ich erlebe dass die meisten meiner - sich nicht an Stammtischen herumtreibenden - Kollegen und Freunde die größtenteils studiert haben und in der Regel sehr aufgeschlossen sind, Angst haben, dass hier das Asylrecht von Albanern, Afghanen, Marokkanern und sonstigen Armutsflüchtlingen missbraucht wird. Und dass unter den vielen Syrern auch Leute zu uns kommen, die keine Toleranz in Glaubensfragen pflegen und Frauen nicht die hier üblichen Rechte zugestehen wollen. Auch sind das nicht alles Gutmenschliche Ingenieure und Doktoren, sondern doch höchstwahrscheinlich überwiegend schlecht ausgebildete Männer mit Ansichten die mit den freiheitlich Europäische Kulturen wenig am Hut haben.
Ich habe den Eindruck dass viele der Deutschen Bürger Angst haben, dass die Politik nicht genug die Interessen der Bürger vertritt, sondern über deren Köpfe hinweg entscheidet, einfach nichts zu tun. Und dass man in die Nazi-Ecke gestellt wird, wenn man sagt der Zuzug muß begrenzt und gesteuert werden. Die Schweiz und USA steuern dies, und dass sind doch beileibe keine Rechtsradikalen Länder. Also hört doch endlich auf mit dieser polemischen Trennung in zuzugsbefürwortenden Gutmenschen und "furchtbaren fremdenfeindlichen Nazimenschen". Das ist doch dummes Zeugs. Diese Gutmenschenpolemik führt doch nur zur Radikalisierung.
Sachlich das Thema angehen und den Dialog suchen, das könnte zu Lösungen führen.

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anderton 12.11.2015, 08:21
159. ...

Da haben Sie ja uns eine Schöne Auswahl von Zitaten der "besorgten Bürger" aufgetischt. Kurze Frage: Stammen all die von ihnen zitierten Aussagen von dem selben Menschen? Denn nur in diesem Fall wären die Aussagen wohl widersprüchlich. Auch unter den "besorgten Bürgern" düfte es wohl unterschiedliche Meinungen geben, oder?

Zitat von
Sie müssten nur sagen, was sie wirklich denken, nämlich: Wir wollen keine Flüchtlinge, wir wollen nichts von unserem Wohlstand abgeben, wir haben kein Interesse an dem Rest der Welt, Hauptsache, uns geht es gut, und wenn jemand zu uns kommt, soll er genauso sein wie wir! Aber am besten kommt niemand zu uns! Und vergesst Nächstenliebe.
Das würden bestimmt einige gern öffentlich sagen, und das stünde ihnen auch rechtlich zu, aber leider wird man mit dieser Meinung ja in die rechte Ecke gesteckt und muss im Jahre 2015 dann eventuell sogar mit dem verluste des Arbeitsplatztes rechen.

PS: Wo ist eigentlich die viel bemühte "Nächstenliebe" bei unseren Kindern und unseren Alten?

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