Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

Seite 11 von 42
csm101 16.07.2018, 15:17
100. Ein Glück...

das der Beitrag von Herrn Augstein nur eine Kolumne und somit eine Einzelmeinung ist. Sonst müsste man ja recherchieren und sich mit Völkerrecht, Seerecht, Flüchtlingsrecht und europäischem Recht auseinandersetzen. Auch die Seenotrettung mit der Leitstelle in Rom müsste man dann kennen und wie dort vorgegangen wird. Das alles braucht man in einer Kolumne nicht zu präsentieren sondern kann beruhigt seine eigenen Moralvorstellungen wie eine Monstranz vor sich hertragen. Deshlab nochmal: Niemand möchte, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken. Nur der Begriff der Seenotrettung bedeutet, dass man aus Seenot gerettet ist, wenn man nicht mehr ertrinken kann. Und das ist (auch) ein lybischer Hafen.

Beitrag melden
Juro vom Koselbruch 16.07.2018, 15:17
101. Frage an Jakob Augstein

Herr Augstein, sie wissen, dass jeden Tag viele Menschen auf der ganzen Welt Hungers sterben, darunter auch viele Kinder. Allerdings sehen wir die Bilder dazu nicht fast wöchentlich oder täglich in den Medien.

Ohne Ironie und böse Unterstellung: Was tun Sie, um diesem Elend abzuhelfen? Spenden Sie? Unterstützen Sie Hilfsprogramme? Ich vermute, Sie tun das.
(Würden Sie es nicht tun, wäre Ihr Artikel ein Paradebeispiel für Doppelmoral.)

Aber mit Ihrer Spende dieser oder jener Größenordnung ist das Problem nicht aus der Welt.

Denn die eigentliche Frage lautet, ob Sie wirklich alles geben, was Sie geben können?
Leisten Sie sich noch ein eigenes Auto? Essen Sie gerne in gehobenen Restaurants? Kaufen Sie Bücher oder leihen Sie diese aus? Haben Sie eine größere teurere Wohnung oder leben Sie bescheiden in einer kleinen, eher "knappen" Wohnung? Gehen Sie regelmäßig in Urlaub, oder bleiben Sie zu Hause, um finanzielle Unterstützung leisten zu können? Kaufen Sie neue Kleidung oder verzichten Sie zu Gunsten von Hilfeprogrammen?
Ich könnte noch viele weitere Fragen dieser Art stellen. Und natürlich ja, auch an mich selbst!

Wo wollen Sie mit welcher Begründung welche legitime Grenzen ziehen, wenn Sie eine absolute Verpflichtung zur Hilfe unterstellen oder einfordern?

Wir leben fast alle nicht als Mönch oder Nonne. Wir haben alle unsere Grenzen gezogen, der eine diese, der andere jene. Wo ziehen Sie ihre Grenzen?

Beitrag melden
Bondurant 16.07.2018, 15:18
102. times, they are a-changing oder Vom Ende der sozialdemokratischen Zeit

Aber wir sind inzwischen soweit, dass Amoralität als Realismus durchgeht. Es fällt auf, dass vor allem jene den falschen Gebrauch der Moral beklagen, die einer unmoralischen Politik das Wort reden.

Wenn ich behalten will, was ich für "meins" ansehe, muss ich gegen die, die es auch haben wollen, bereit sein, Gewalt anzuwenden. Anderenfalls muss ich es abgeben. Das Letztere ist das moralisch Bessere, aber das will keiner. Die es zu wollen scheinen, wollen eigentlich immer nur, dass Andere abgeben.

Die Migration wird diese unsere Kultur zerstören, so oder so. Das ist Realismus.

Aber vielleicht gibt es auch keine guten Gründe, sie zu erhalten.

Beitrag melden
qoderrat 16.07.2018, 15:19
103.

Zitat von global.payer
Übrigens rettet der ADAC Hubschrauber nicht nur seine Beitragszahler.
Vollkommen absurder Vergleich, und Sie haben zwar recht, der ADAC-Hubschrauber rettet auch Nicht-Mitglieder, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Sie dann eine nicht unerhebliche Rechnung erhalten und nicht zum Dank dass Sie gerettet wurden bis an Ihr Lebensende Sozialleistungen beziehen können.

Womit wir bei den Konsequenzen des guten Gedankens sind, und die hat Augstein ja auch schon in seiner letzten Kolumne behandelt. Eine dauerhafte und ungebremste Zuwanderung führt unweigerlich zu einem Kollaps unseres Sozialsystems, was Augstein persönlich nicht anficht wie er ausgeführt hat, das Sozialsystem ist der Einwanderung zu opfern damit wir unsere moralische Pflicht erfüllen.

Aktuell haben wir die extrem hässliche und auch unmoralische Situation, dass beide Seiten auf ihren Extrempositionen verharren. Die einen wollen niemand mehr reinlassen, die anderen jeden der aus dem Meer gerettet wird in die EU verbringen, im Ergebnis werden die potentiellen Retter blockiert, wodurch die Menschen die sich eine bessere Zukunft erhoffen kläglich ertrinken.

Anstelle dass man die logische Konsequenz zieht, die Retter retten zu lassen und sogar zu unterstützen, diese dafür aber die Geretteten an den Ausgangspunkt zurückbringen. Ist auch unmoralisch, denn die Geretteten würden bei uns natürlich viel besser leben. Die Frage ist nur wie lange, wenn dafür unsere Gesellschaft nach rechts abkippt, weil sie nicht bereit ist ihr Sozialsystem zu opfern. Und dass sie dazu in Augsteinscher Manier bereit wäre sehe ich nicht. Aber vielleicht täusche ich mich ja, vielleicht zeigt der Wähler seine humanistische Überzeugung und die Grünen überholen die Afd bei der nächsten BTW. Oder die regierenden Parteien nehmen endlich die Herausforderungen an und kümmern sich um sozialen Wohnungsbau und ausreichend Sozialarbeiter und Polizisten.

Beitrag melden
T.Setzer 16.07.2018, 15:20
104. Schuldallergie und Schuldreflex..

Zitat von macb
... und wir sind schuld, wenn ... Entschuldigung, ... Sind wir auch an dem Tod eines Menschen schuld, der ... wenn schon Schuldige, dann doch bitte .. [die anderen]!
Durchatmen. Lesen Sie den Artikel nochmal. Ich weiß, da waren viele Reizwörter drin, sogar Auschwitz, aber nun atemen Sie bitte durch. Es geht in dem Artikel nicht um Schuld.

Beitrag melden
abro90 16.07.2018, 15:21
105. Wiedereinmal: Gute Absicht ... nicht zu Ende gedacht

Lieber Herr Auguststein,
die europäische Union hat durchaus das Recht die Anzahl der Zuwanderer zu begrenzen. Sie sollte das auch tun, denn die Belastung der Sozialsysteme und die gesellschaftliche Veränderung durch das Wertebild, dass Einwanderer mitbringen wird in Europa zum Problem. Es gefährdet den Zusammenhalt.

Sie ignorieren komplett die Tatsache, dass diese Menschen sich aus freien Stücken in diese Gefahr begeben. Sie wurden nicht wie die Juden in Auschwitz unter Anwendung von Gewalt in diese Lage gebracht. Wenn sie anderen Menschen signalisieren, dass sie nur eine Notlage vorsätzlich herbeiführen und schon zählen Regeln nicht mehr machen sie sich vor allem eines: erpressbar.

Es stimmt, dass so Schleppern in die Hände gespielt wird, denn diese Leute geben einen Dreck auf Menschenleben und nutzen Ihre moralische Empörung für sich aus. Sie reden sich ein, dass Sie das Problem lösen indem sie die Leute retten. Das ist falsch. Natürlich haben sie den 30 Leuten die sie eingesammelt haben das Leben gerettet. Währenddessen verladen die Schlepper schon die nächsten 60, weil sie sich von dem Gewinn der letzten 30 ein größeres Boot gekauft haben. Ist es beschissen so denken zu müssen? Ja ist es, aber so ist die Welt.

Es gibt nur eine Möglichkeit das Problem dauerhaft zu lösen. Man muss so wie es Australien z.B. tut vor Ort in den Herkunftsländern aufklären, dass Flüchtlinge eben nicht herzlich empfangen werden und das in Europa nicht das Geld auf der Strasse liegt. Man muss Fluchtursachen eindämmen und man muss Menschen die im Mittelmeer gerettet werden sofort wieder nach Nordafrika zurück bringen. Es muss dafür gesorgt werden, dass illegale Einwanderung und Menschenschmuggel so schlechte Erfolgsaussichten hat, dass es keiner mehr versucht. So löst man das Problem dauerhaft. Auf dem Weg dahin werden aber noch viele arme Leute einen hohen Preis bezahlen. Und je länger wir über Moral debatieren anstatt lösungsorientiert zu handeln desto höher wird die Opferzahl.

Mir ist das alles keineswegs scheißegal, nur der Punkt ist eben: Alle zu retten und nach Europa zu bringen verschärft das Problem, denn dann versuchen es noch mehr. Zusätzlich schafft es hier in Europa neue Probleme.
Ihre Vorgehensweise bringt für jeden geretteten 2 oder 3 neue in die gleiche Gefahr. Das ist nicht moralisch sondern kurzsichtig.

Beitrag melden
engelchen5711 16.07.2018, 15:22
106. Retten ja, aber nicht nach Europa bringen

Wer kurz nach der libyschen Küste in Seenot gerät, muss natürlich gerettet werden, wenn ein Schiff in der Nähe ist. Man muss dann aber den nächsterreichbaren Hafen anfahren und die Geretteten von Bord bringen. Und das wäre natürlich Libyen. Würde sich ein solches Handeln durchsetzen, wäre der Teufelskreis durchbrochen und kein Flüchtling würde diese Route benutzen, weil kein Rettungsschiff diese Leute ins Traumland Europa brächte. Die Flüchtlinge nehmen doch nur die Gefahr in Kauf, weil sie wissen, dass nach kurzer Fahrt ein NGO-Schiff bereitsteht, um sie nach Europa zu schiffen. Und noch etwas, diese Situation mit Auschwitz in Verbindung zu bringen, ist schon ein starkes Stück von Herrn Augstein. Die Leute, die heutzutage übers Mittelmeer nach Europa wollen, tun das freiwillig, niemand zwingt sie, ihr Leben auf Spiel zu setzen. Auschwitz wurde von keinem Häftling freiwillig aufgesucht, um sich dort in den Gaskammern umbringen zu lassen. Solche unsachlichen Vergleiche sollte sich Herr Augstein lieber verkneifen. Gerade, wenn er sich wie der typische deutsche Oberlehrer aufführt und einer Zeit-Journalistin "erklären" möchte, welche Fragen man hinsichtlich der Flüchtlingsdebatte stellen darf und welche nicht.

Beitrag melden
wolly21 16.07.2018, 15:22
107. Herr Augstein

darf man fragen, wie viele Flüchtlinge Sie selbst in Ihrem sicher recht geräumigen Haus aufgenommen haben? 2? 5? 10?
Hätten nicht noch ein paar mehr Platz?
Und versorgen tun Sie die ja auch gerne. Leisten können Sie sich das doch sicherlich. Deutschland ist ja ein so reiches Land, und zu den Hartz 4 Empfängern gehören Sie ja nicht.

Merke:
Der Staat sind wir alle!

Beitrag melden
leserandreas 16.07.2018, 15:23
108. Emphathie frei Zone Europa

Wie gut, dass es Schlepper gibt, dann haben wir wenigsten einen Grund, Hilfe zu verweigern. Die vielzitierte Wertegemeinschaft der Europäer wird wohl mit einer Geldgemeinschaft verwechselt. Je näher uns die Nöte der Menschen aus Kriegsgebieten und Armutswüsten kommen, umso hartherziger und kälter werden wir. Was unterscheidet das Mittelmeer von der Mexikanisch-Amerikanischen Grenze?4 es ist noch brutaler.

Beitrag melden
Bondurant 16.07.2018, 15:28
109. Ein bißchen zynisch

Zitat von abc.
Nachdem u.a. Spon nicht müde wird, zu betonen, wie unwichtig die "Flüchtlingsthematik" insgesamt sei (Platz 13 auf der Springer-Mohn Wichtigkeitsskala), dass überhaupt keine Flüchtlinge mehr unterwegs seien ...Anscheinend bewegen wir uns in Richtung Quantenphysik, wo nicht existierende Flüchtlinge zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken.
aber treffend. Die Moralischen müssten sich da schon entscheiden. Im übrigen ist es einfach: kein Mensch sagt, "wir" könnten "alle" aufnehmen (jedenfalls heißt es so). Ein "Obergrenze" wird also von "allen" (einschl. Augstein) implizit angenommen, die Frage ist nur, ab wann die erreicht ist. Oder mal direkt: wenn die von Nobby Blüm erwähnten fünf Millionen Flüchtlinge in Europa aufgenommen worden sind, ist es dann in Ordnung, weitere Menschen ertrinken zu lassen? Die Frage ist ernst gemeint.

Beitrag melden
Seite 11 von 42
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!