Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

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meybauer 16.07.2018, 15:28
110. Kurze Frage

Es scheint hier ja (korrekterweise) die Meinung vorzuherrschen, dass man Flüchtlinge aus Seenot retten soll (und muss!), aber diese dann wieder an den Ausgangsort der Seereise verbringen sollte. Und eben nicht aufnehmen und diese dann hunderte von Kilometern weiter in Italien abzusetzen. Das ist ja Schleppertum.
Was ist nun aber der Unterschied zu dem was an der USA Grenze zu Mexico passiert? Dort, so entnimmt man der Presse in den USA und auch hier, sollten alle Ankommenden, speziell solche mit Kindern, keinesfalls abgewiesen werden sondern herzlichst aufgenommen werden. Schliesslich ist die USA ja ein Immigrantenland! Dass auch in dem Fall viele Schlepper die Wellen verursachen, wird geflissentlich unterschlagen.Kann es sein, dass hier eine etwas gefärbte Betrachtungsweise vorliegt? Andere sollen human, ethisch, und moralisch einwandfrei handeln sonst rügt man von hoher Warte. Wenn aber Gleiches einem selbst droht, dann kommt "erst das Fressen, dann die Moral"!

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santoku03 16.07.2018, 15:29
111.

Der Kommentar geht wie die meisten zu diesem Thema am Thema vorbei. Niemand verlangt, dass Schiffbrüchige nicht gerettet werden sollen. Es geht lediglich darum, dass sie (wie bei der Seenotrettung seit jeher üblich) zum nächsten Hafen gebracht werden (in der Regel an der afrikanischen Küste), statt über das ganze Mittelmeer nach Europa. Augstein weiß das selbst, polemisiert aber eifrig mit.

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Bruno Bug 16.07.2018, 15:29
112. Die Einsammelkapitäne haben Blut an ihren Händen

Wer hat hier Schuld? Die Schlepper, die den wohlhabenden (woher kommt das viele Geld denn?) Flüchtlingen falsche Versprechungen machen. Unsere Sozialgesetze, die den reichen Migranten vorgaukeln, dass man bei uns ohne harte Arbeit reich werden kann. Die Bessermenschen, die durch ihre Einsammelschiffe ganz Afrika versprechen, dass man ohne Gefahr übers Mittelmeer kommen kann. Oder gar die Migranten, die nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch das Leben ihrer Kinder leichtfertig aufs Spiel setzen. Ich weiß nicht wer mehr Schuld an dieser Misere hat. Jedenfalls haben die Kapitäne und ihre Unterstützer einen gehörigen Anteil daran. Es ist eine ganz klare Tatsache, dass es ohne diese magnetischen Einsammelschiffe wesentlich weniger wagen würden diese gefährliche Reise zu unternehmen. Damit haben diese Kapitäne Blut an ihren Händen. Noch schlimmer ist, dass diese Kapitäne mit dem Leben dieser Menschen spielen um ihre linke Utopie der offenen Grenzen zu erzwingen.

Australien hat es vorgemacht: Durch eine harte und konsequente Politik ertrinkt dort schon seit langem kein Flüchtling mehr.

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icr 16.07.2018, 15:30
113. warum nicht sterben lassen ...

Warum lassen wir die paar Pseudo-Flüchtlinge nicht sterben.
Wieso sollen wir hier auf einmal helfen, wo wir anderswo nicht nur wegschauen sondern sogar aktive Sterbehilfe (ihre Waffenindustrie) leisten?
Afrika ist der ausgebeutetste Kontinent nach Bodenschätzen - zudem Abnehmer all unserer Zivilisationsreste.
Haben sie mal die Bilder gesehen, die Kabel aus alten Röhrenmonitoren abfackeln um an das bisschen Kupfer zu kommen? Kennen Sie die Bedingungen in den Minen im Kongo? Haben sie die wirklich verhungernden Menschen in Somalia gesehen? Da schauen wir überall schön weg.
Oder Asien ... da sind die Arbeitsumstände bei Foxconn in China schon fast Gold - aber die billigen KIK und Co. Textilien aus Indien und Bangladesh werden von Zwangsnäherinnen zu Hungerlöhnen hergestellt - das sind "Die Sklaven der westlichen Zivilisation". ... und wenn da mal eine vergitterte Fabrik abbrennt mit 400+ Toten, wird schön Besserung gelobt, nur ändern tut sich nichts ...

Wir sollten die Doppelmoral endlich aufgeben. Entweder wir retten niemanden - oder aber wir ändern unser wirtschaftliches Ausbeutungssystem - hier vor allem auch Klimawandel! - und gehen mit diesen Ländern und deren Menschen fair um.

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olli0816 16.07.2018, 15:32
114. Da ist jemand auf Provokation aus

Ich beantworte jetzt mal die Frage, ob man die freiwilligen Rettungsschiffe, die die Flüchtlinge nach Europa bringen wollen, verbieten soll, auch wenn ich jetzt als gefühlskalt dastehe.
Ja, man sollte es tun. Man sollte die Leute auf dem Meer retten, aber wieder zurück an die Startküste schicken. Die lybische Marine macht das ja, aber die sind laut Meinung einiger Leute eher Verbrecher.

Ich will es auch unterlegen, warum ich die Frage so beantworte. Ich habe mit Sicherheit nicht die ultimative Antwort auf Migrationsfragen, von daher wer etwas besseres vorschlägt, bin ich gerne offen dafür.

Afrika und der nahe Osten sind Gebiete, in denen die Bevölkerung stark wächst. Viele Familien haben 5 - 10 Kinder, die jetzige Bevölkerung ist in vielen Gegenden nicht in der Lage, sich selber zu ernähren. Manche hier meinen, der Westen wäre alleine daran schuld. Das stimmt so nicht. Stark wachsende Bevölkerungen bedingen eine wachsende Wirtschaft. Die wächst durch religiöse Kriege (besonders Naher Osten) und durch Korruption und Ausbeutung dadurch entstehende Kriege nicht. Die Landwirtschaft in Afrika ist im Jahre 1850 stehen geblieben, im Nahen Osten sind große Teile schlicht unfruchtbar. Die Gesellschaften sind nicht in der Lage, sich vernünftig weiter zu entwickeln. Europa gibt aber sehr viel Geld für Flüchtlinge in Europa aus, welches effektiver und günstiger in den Ländern investiert werden könnte. Daneben werden in Europa Probleme geschaffen, die von vielen Politikern und einem Teil der Bevölkerung weggelächelt werden. Wohnungsprobleme entstehen, Überbeansprung der sozialen Versicherungen und sehr hohe Kosten. Dazu wegen kaum vorhandener Bildung der Flüchtlinge hohes Frustpotential und kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Religiöse Unterschiede treten öfters zu Tage, obwohl dies pro Einwanderer sehr individuell ist.

Das ist noch nicht mal das Hauptproblem. Die unkontrollierte Einwanderung löst keinerlei Probleme in diesen Ländern, belastet umgekehrt aber Europa. Individuell gesehen ist es verständlich, dass die Leute wegen dem Wohlstand nach Europa möchten. Der ist allerdings weg, sobald der 500. Millionenste Migrant hier eingetroffen ist. Das Problem dabei ist, dass es ohne Verweigerung der Einreise selbst bei dieser hohen Zahl nicht bleiben wird.

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harwin 16.07.2018, 15:33
115. Retten ja, aber zurück nach Afrika bringen

Retten ja, aber zürück nach Afrika bringen wäre angesagt. Die Menschen die sich auf ein überfülltes Boot begeben und teilweise nicht schwimmen können, bringen sich absichtlich in Gefahr um nach Europa gebracht zu werden. Wird das nicht mehr gemacht, wird irgendwann die Schlepperei aufhören. Es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden in Afrika Asyl zu beantragen.

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rennflosse 16.07.2018, 15:33
116. Gut erkannt

Zitat von Bondurant
Aber wir sind inzwischen soweit, dass Amoralität als Realismus durchgeht. Es fällt auf, dass vor allem jene den falschen Gebrauch der Moral beklagen, die einer unmoralischen Politik das Wort reden. Wenn ich behalten will, was ich für "meins" ansehe, muss ich gegen die, die es auch haben wollen, bereit sein, Gewalt anzuwenden. Anderenfalls muss ich es abgeben. Das Letztere ist das moralisch Bessere, aber das will keiner. Die es zu wollen scheinen, wollen eigentlich immer nur, dass Andere abgeben. Die Migration wird diese unsere Kultur zerstören, so oder so. Das ist Realismus. Aber vielleicht gibt es auch keine guten Gründe, sie zu erhalten.
Ich denke auch schon länger, dass wir in Deutschland eigentlich keinen Wertekanon haben. Das einzige, was wir für wertvoll halten, ist die grenzenlose Toleranz gegen jede Provokation.
Solidarität? Gibt es nicht. Gerechtigkeit? Wird jeden Tag mit Füßen getreten. Das soziale Netz? Wird jeden Tag dünner.

Die Migration wird zur Auflösung unserer Nichtkultur führen und an ihre Stelle eine Kultur und einen Wertekanon setzen, die eine solche Bezeichnung auch verdienen. Das ist dann zwar nicht mehr Ihr Land und nicht mehr mein Land. Aber dieses Ziel verfolgen die Linken mit eiserner Hand. Ich hoffe, ich komme noch zum Lachen angesichts der unvermeidlichen Tatsache, dass die linken Moralisten und Feministinnen sich dabei selbst abgeschafft haben.

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Ultras 16.07.2018, 15:33
117. Mare Nostrum

Dieser Begriff wird von Augstein - ob bewußt oder unbewußt mag ich nicht zu beurteilen - falsch erklärt. Ja, das heißt "Unser Meer", aber nicht das der Europäer, sondern das der Römer, der Unterschied ist essentiell. Und das beinhaltet auch keinen Verantwortungs-, sondern v.a. einen Machtbegriff: Nach dem Fall Karthagos hatten die Römer vollste Kontrolle über das Mittelmeer und konnten daher vollkommen eigenständig entscheiden, wer es befahren und wo er anlegen darf. Und Hochseerettung gab es damals nicht, wissen Sie warum? Man befuhr zum allergrößten Teil die Küstenregionen, weil die antiken Völker des Mittelmeerraums sehr genau wußten, daß es gefährlich ist, in dafür ungeeigneten Booten über offene See zu fahren und es trotz besseren Wissens nicht getan haben. Ganz im Gegensatz zu den Migranten aus Afrika.

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leiendeu 16.07.2018, 15:38
118. @89 mr.pixel

Sie haben ja so recht. Gründen sie eine Bürgerinitiative mit dem Ziel, die 1,4 Mio Flüchtlinge, die seit 2015 eingewandert sind, bei sich zuhause aufzunehmen und zu versorgen. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und nehmen eine vierköpfige Familie auf. Sie benötigen dann nur noch 350.000 Gleichgesinnte und alle Probleme sind gelöst. Erst wenn sie das so angehen, sind sie berechtigt sich über die anderen so morallosen Menschen zu erheben. Viel Erfolg.

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T.Setzer 16.07.2018, 15:38
119.

Zitat von law-and-ice
Was ein Artikel!
Ja, und er verlangt einen gewissen Abstraktionsgrad. Klar, die meisten Menschen überfordert in jedem Zusammenhang das Wort Auschwitz. Es ist einfach unfassbar, dass soetwas gemacht wurde. Der kürzliche Tod von Lanzmann hat uns nochmal dessen Film "Shoa" in Erinnerung gebracht und dort vermittelt sich, wie Täter und Opfer beschreiben, was vor sich ging. Eine viehische Entmenschlichung, Nummerierung (es ging auf allen ebenen nur noch um Zahlen) und Mechanisierung der zu ermordenden Personen.
Augstein nutzt diese Parallele, weil es hier ähnlich längst zu einer "Mengen"diskussion gekommen ist.

Es ist kaum erträglich: Als in den Medien 2015 und 2016 Fotos von angeschwemmten Kinderleichen (Google Bildersuche ) in der Ägäis auftauchten und viele Mitmenschen wie Blitze trafen (und nicht nur den Reflex "wie denn jemand seine Kinder auf die Überfahrt mitnehmen kann"), hat offenbart, wie sehr wir dazu neigen, sehr schnell, großes Leid anderer abzuspalten, um mit unseren akuten Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten klarzukommen.

Achtung, verlinkte Googlebilder könnten verstören:
https://www.google.com/search?client=firefox-b&tbm=isch&q=drown+children+agais&chips=q:drown+ch ildren+agais,online_chips:aegean+sea&sa=X&ved=0ahU KEwi0o_bA3aPcAhWxM-wKHeAFBygQ4lYIKCgB&biw=1920&bih=978&dpr=1#imgrc=CI yiBQ3FmJw-0M:

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