Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

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diezweitemeinung 17.07.2018, 00:08
190. Retten ja - und dann ab nach Hause!

Selbstverständlich müssen die über das Mittelmeer fliehenden Menschen aus Seenot gerettet werden. Dass sie sich selbst in diese Situation gebracht haben, darf erst einmal keine Rolle spielen. Wir alle machen Fehler.
Sie sind aus dem Wasser zuretten und müssen so schnell es geht sicher dorthin zurück gebracht werden, wo sie gestartet sind. Es versteht sich auch von selbst, dass sie dort am Strand mit Wasser, Lebensmitteln und Decken versorgt werden, um ihnen eine kleine Starthilfe zu geben, damit sie wieder in ihre Heimatländer zurückkehren können, um dort von ihrem Schicksal erzählen zu können. Ob die Anlandungsländer das nun mögen oder nicht, sollte keine Rolle spielen. Ich denke mir, dass die libysche Küstenwache schnell davon überzeugt werden kann, dass sie kooperieren sollte.
Schließlich könnten sie ja verhindern, dass die Menschen die gefährliche Seereise überhaupt angetreten können. Das jeweilige Flucht-Boot muß dann aufs offene Meer hinaus geschleppt werden, um dort versenkt zu werden. Mit Hilfe dieser Maßnahmen würde die mörderische Mittelmeerroute innerhalb kürzester Zeit geschlossen. Das hat Ex-Senator, Bundesbanker und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin schon 2013 in etwa so gesagt.

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felix1961 17.07.2018, 00:09
191. Ja, ihre Worte WAREN damals vielleicht treffend.

Zitat von n.wemhoener
Ich finde, dass die Worte, die die Holocaust-Überlebende 84 jährige Ruth Klüger 2015 im Bundestag gesprochen hat, dazu sehr treffend waren: "Dieses Land, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen dieses Jahrhunderts verantwortlich war, hat heute den Beifall der Welt gewonnen, dank seiner geöffneten Grenzen und der Großzügigkeit, mit der sie die Flut von syrischen und anderen Flüchtlingen aufgenommen haben und noch aufnehmen."
2015 konnte Frau Klüger sich wohl nicht vorstellen, dass islamische Migranten bald zur größten Gefahr für die hier lebenden Juden werden sollten. Der "Beifall der Welt" für Deutschlands Alleingang ist inzwischen auch verhallt. Außerdem interessant: Frau Klüger sprach von "Flut". "Asylantenflut" wurde 2015 als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen. Aber Frau Klüger hat dieses Wort ja in "positivem Kontext" verwendet. Na denn!

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felix1961 17.07.2018, 00:15
192.

Zitat von wolly21
müssen wir Ertrinkende retten. Aber wir müssen sie nicht in unseren Sozialstaat integrieren.
Findet Herr Augstein auch. Deswegen schlägt dieser finanziell bestens abgesicherte Linke ja aktuell vor, den deutschen Sozialstaat abzuschaffen! Und zwar für uns alle!

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vonpreungesheim 17.07.2018, 00:20
193. Ein Popanz um eine Debatte,

die es so gar nicht gibt. Natürlich sollen die Menschen gerettet werden. Es wurden bereits einige Millionen zur Anschaffung neuer Schiffe für die libysche Küstenwache zur Verfügung gestellt. Die wird die Menschen aus dem Meer fischen und an die Küste zurück bringen. Klassische Seenotrettung eben. Fährt man die Mugranten an die europäische Küste, stellt sich allerdings doch eine moralische Frage, nämlich die, ob man Europa zerstören darf, weil zig Millionen von Afrikanern da gerne leben würden. In einer zukünftigen Welt wird einem auf Dauer nur das gehören, was er gegen den Zugriff von anderen verteidigt.

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wolfabc 17.07.2018, 00:27
194.

Ja, das ist so, die privaten Retter sind, wenn auch ungewollt, Teil des kriminellen Schlepperbandensystems. Ihre Hilfe ist einkalkuliert. Da kann Augstein sich vormachen, was immer er auch will. Und ja, es würden sich weniger Menschen auf den gefährlichen Weg über's Mittelmeer machen, wenn es diese „Retter“ und falschen Helden nicht gäbe. Auch wahr, es würden demzufolge weniger Menschen elendig absaufen und ertrinken. Man kann das durchaus auf die kurze Formel bringen, je mehr „Retter“, desto mehr Tote - je weniger „Retter“, desto weniger Tote im Mittelmeer.

Nun ist jeder Tote ein Tote zu viel – und hier beginnt das Dilemma, das mich sehr an das der Entwicklungshilfe erinnert. Den in diesem Zusammenhang bekannte Teufelskreis, bei dem man bei der Entwicklungshilfe auch nicht wusste, sollte man zuerst den Hunger bekämpfen, für eine Geburtenregelung sorgen, Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten schaffen oder korrupte Strukturen bekämpfen usw., gibt es vergleichbar auch bei der Flüchtlingsfrage. Es gibt also jede Menge gleich wichtiger Ansatzpunkte, um Not und Elend der Menschen in ihrer Heimat zu lindern, damit sie im Heimatland bleiben können. Das wären z. B. faire Handelsbedingungen zu schaffen, Märkte zu öffnen, der Auf- und Ausbau der Infrastruktur, Beendigung der (Bürger-) Kriege, Kampf gegen die Korruption u.v.a.m. Schier unmöglich, dies in absehbarere Zeit alles zu schaffen, leider.

Keine Lösung aber ist, dass wir bis dahin alle diese armen Schweine nach Europa kommen lassen. Das hält Europa nicht, das hält kein Land der Erde – und sei es noch so reich – aus. Eine bittere, aber wahre Erkenntnis, die sich auch Herr Augstein zu eigen machen sollte. Denn das ist keine Frage der Moral, sondern eine einfache Tatsache, bei der Jammern niemandem hilft.

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Alfie Solomons 17.07.2018, 00:27
195. ...

Zitat von Haarfoen
Im Moment ertrinken die Flüchtlinge im Mittelmeer und kaum jemanden interessiert es. So wie immer: Alle benutzen Mobiltelefone, obwohl beim Abbau von Coltan 1000-ende von Menschen ihr Leben verlieren ... Fischmehl aus afrikanischen Fanggebieten, um hier Tiere zu füttern, die den unersättlichen Fleischkonsum stillen - die Afrikaner haben halt nichts mehr zu futtern, aber wen schert es? .
Abgesehen davon, dass sich die Mehrzahl der afrikanischen Emigranten auch nicht ohne nagelneue Handys auf den Weg nach Europa (und nicht nach China, wo das gesamte Coltan eigentlich hingeht) machen, möchte ich doch eines nicht unerwähnt lassen:

Es stimmt, es gibt unter den 19 zentralen Fanggebieten, die die Welternährungsorganisation in unseren Meeren ausweist und die sie überwacht, sowie unter den rd. 40 relevanten Speisefischarten, die sie listet und deren Bestände sie kontrolliert, aktuell Regionen und Spezies, die überfischt sind.

Die 4 Gebiete, die rund um den afrikanischen Kontinent ausgewiesen sind (wovon eines das Mittelmeer ist) bzw. die Arten, die dort vor allem heimisch sind, zumeist Sardellen und Seehecht, gehören Stand 2017 nicht dazu. Im Gegenteil, deren Biomasse vor Ort nimmt zu.

Abgesehen davon, dass Küsten(!)-Fischfang (anders als die Binnenfischerei) in Afrika selbst bis in die 1960er Jahre hinein kaum stattfand und auch heute noch nur eine völlig untergeordnete Rolle bei der Ernährung einer sich explosionsartig vermehrenden Bevölkerung spielt, stammen (lt. FAO, MSC etc.) über 97% des Fisches, der auf deutschen Tellern landet, nicht aus den Fanggebieten, die dem schwarzen Kontinent zugerechnet werden.

Nur damit ich es verstehe: was ist es also genau, das "die Afrikaner nicht zum futtern haben", weil "wir" (wer immer das ist) es ihm wegfischen?

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karlsiegfried 17.07.2018, 00:51
196. Ich tue nichts, weil ich Angst habe

I.) Das Argument, der Rest der Welt muss ein schlechtes Gewissen haben, weil Afrika ausgebeutet worden ist, zieht nur zur Hälfte. Sich auf die Geschichte zu berufen ist nicht immer richtig. Da müssten wir im alten Rom anfangen, dann bei der katholischen Kirche, von dort zu den Germanen, den Wikingern, den Niederländern, den Egländern, den Franzosen, den Spaniern, den Belgieren, den islamischen Völkern, den USA und so weiter und so weiter. Was soll das bringen? Eine Problemlösung ist das nicht. II.) Ich tue nichts, weil Angst habe. Angst davor, dass die geforderte Moral, alle aufnehmen die da kommen wollen, nicht bezahlbar ist. Nicht in Euro und auch nicht als Sozialisierungsfaktor. Wie soll denn das gehen? Neue Ghettos, die es schon jetzt mannigfach gibt? Wo sollen die Arbeitsplätze herkommen? Neu soziale Konflikte in Kauf nehmen, die schon jetzt massiv vorhanden sind? In Einzefällen funktioniert das, aber nicht in der Masse. Angenommen Bill Gates würde allen Flüchtlingen dieser Welt die nach Europa kommen wollen helfen. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis Bill Gates oder Zuckerberg oder andere, selbst ins Armenhaus ziehen müssten. Es gibt nicht genung Geld auf dieser Weltum alle Flüchtlingsprobleme zu lösen. Essei denn, die ganze Welt wird ein Flüchtlingslager.

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palla-manfred 17.07.2018, 00:52
197. Übelster Menschenhandel den man sich nur denken kann !?!

Schlage Augstein für den höchsten "ALTRU-NAIV"-Orden vor - an seiner Stelle würde ich das "Abitur" zurückgeben - tausende von Kommentaren hat er "provoziert" und gelesen? - bleibt einfach LOGIK-Resistent ;-)

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r.macho 17.07.2018, 00:56
198. Realismus ist notwendig

Herr Augstein ignoriert die grundlegende Frage völlig: durch die heute mögliche Kommunikation ist den Migranten aus Afrika sehr wohl bekannt, daß sie sich in den Nuss-Schalen der Schlepper in Lebensgefahr begeben. Wenn sie dies bewußt tun und dann erwarten, daß sie in jedem Fall beobachtet und gerettet werden, so ist das mehr als naiv, da sie entweder gar nicht oder zu spät entdeckt werden. Natürlich wird ihr Leben gerettet, wenn möglich, aber dann ist ihr weiteres Schicksal ungewiss. Eine Asyl-Automatismus gibt es nicht mehr.

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elsa64 17.07.2018, 01:09
199. Leben und Sterben im Mittelmeer

Danke an Herrn Augstein für diese treffende Analyse.
Leben retten ist eine moralische Verpflichtung. Die Frage, wie es danach weitergeht, muss danach beantwortet werden.
Dass Leute, die andere retten, auch noch als mitschuldig angesehen werden, weil sie angeblich ,Anreize' zur Flucht bieten, ist verqueres Denken und totaler Unsinn. Dann wäre ja jeder Rettungswagen auf der Straße auch ,schuld', dass Menschen sich in Gefahr begeben. Was für ein Quatsch aus den Gehirnen besorgter Bürger kommt, nur weil sie ihren Wohlstand gefährdet sehen, ist erschreckend.

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