Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

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fx33 17.07.2018, 09:10
230. Es ist eine freche Anmaßung...

Zitat von frank.huebner
Was regt mich diese Argumentation des Herrn Augstein wieder auf! Wie rosa kann eie Brille sein (klar, wenn man sozial völlig in Sicherheit schwebt). Aber sehr viele Deutsche sehen die Migration als reale Bedrohung ihres Lebensstandards, in Angesicht von Altersarmut und immer weniger Krankenkassenleistungen. Keine Frage ist, dass Menschen in Seenot geholfen werden muss. Nur, gemöß Seerecht müssen diese in den nächsten Hafen gebracht werden. Aufsammeln 20 m vor der lybischen Küste und 300km Verbringen nach Europa ist einfach falsch. Die "Retter" sind schon lange ein festes Glied in der Kette der Schlepper. Wer sagt, das stimme nicht, der muss aufwachen und der Realität ins Auge sehen. Wenn Flüchtlinge ab heute wieder in die Ausgangshäfen gebracht würden, die Bootsroute würde innrhalb von Tagen zusammenbrechen, weil kein Flüchtling das Geld für eine Rundreise zahlen würde. Das ist der Kern des Mittelmeerproblems. Der Vergleich mit Auschwitz ist dabei so unglaublich mies und feige, dass ich über den Vergleich gar keine Erklärung geben möchte, warum er grundfalsch ist.
Es ist ein freche Anmaßung, zu glauben, dass irgendjemand diesen Zusammenhang zwischen Alterarmut und Flüchtlingen ernstnehmen könnte.
Die Bedrohung des Lebensstandards, die drohende Alterarmut, die angeblich sinkenden Krankenkassenleistungen sind Ausgeburten unseres kapitalistischen Systems, bei dem sich die Starken nehmen, was sie wollen und die Schwachen immer schwächer werden.
Nicht der Flüchtling nimmt uns Lebensstandard, sondern der Bonze, der Kapitalist, der Geldsack. Dagegen müsste sich der Zorn der Schwachen richten, aber von dem Medien (die wem gehören? Den Schwachen? Den Kapitalisten?) auf wundersame Weise gesteuert, hauen die Schwachen auf die noch Schächeren ein. Und reklamieren dann das Recht für sich, erst ans Fressen und dann die Moral zu denken.
Wer die Flüchtlinge für alles Unbill verantwortlich machen will, soll wenigstens so ehrlich sein, zuzugeben, dass er/sie sich einen Sch*dreck um andere kümmert und ihm/ihr Empathie vollständig abgeht.

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Juro vom Koselbruch 17.07.2018, 09:15
231. Entschuldigung, ...

Zitat von louis-winthorpe
... wenn ich die Foristen-Kommentar lese. Schlecht wird mir, wenn versucht wird, aus Kriegsflüchtlingen 'Migrationstouristen' zu machen. Protestiert gegen NATO, Waffenhersteller und Banken - die sind es, die diese Menschen, zwecks Rohstoffraubes und Überfluss-Exportes, aus ihrer Heimat vertreiben! Schlecht wird mir - weil wegen Eurer Dekandenz und Eurer Ignoranz ihr Blut auch an meinen Händen klebt. Schlecht wird mir, wenn ich an die Erzählung meiner Mutter denke, die aus Schlesien fliehen musste und hier als 'Polaken-Balg' empfangen wurde - trotz deutscher Abstammung. Schlecht wird mir, weil 'Mensch' offenbar nicht lernen will.
... aber wenn Ihnen so übel wird, dann sollten Sie vielleicht Reisetabletten nehmen oder den Arzt aufsuchen.

Ihr pauschaler Rundumschlag gegen Andersdenkende, Ihre m.E. nicht geringe Selbstgerechtigkeit lösen kein Problem.

Ja, ich bin gerne politisch aktiv. Das elfte Gebot mag heißen: Sei politisch, denn Politik bestimmt dein Leben weitgehend mit. Aber nein, ich weiß auch um die Beschränktheit meiner Möglichkeiten. Und ja, ich versuche auch, mir die Dinge von verschieden Seiten anzusehen und lasse mich nicht mit Schuldvorwürfen oder Beleidigungen überhäufen.

Ich, 1955 geboren weiß so viel von der damaligen Flucht auch der Schlesier, dass trotz vieler Widrigkeiten die Aufnahme der Flüchtlinge geklappt hat. Es gab übelste Beschimpfungen, aber im Großen und Ganzen war es o.k. Sagt übrigens auch mein Schwiegervater aus Schlesien. Und keiner der Flüchtlinge beging hier Attentate oder andere "Nettigkeiten". Die damit verbundene aktuelle Fragestellung darf nicht unzulässig verallgemeinert aber auch nicht ausgeblendet werden.

Was in Geheimrunden zu Waffenverkäufen beschlossen wird, können weder Sie noch ich beeinflussen. Also machen Sie mit sich, was Sie wollen, aber beschimpfen Sie nicht auch mich. Wenn Sie ein moralisches Sollen fordern, dann sorgen Sie bitte auch für das moralische Können. Das Erste geht nicht ohne das Zweite. Eine uralte Moralregel übrigens.

Die NATO, viel beschimpft und oft zurecht kritisiert, hat auch den Frieden gesichert über viele Jahrzehnte, ob Ihnen das gefällt oder nicht.

An den ungerechten Wirtschaftswegen kann auch ich allein nichts ändern, sollte natürlich mein Verhalten im Rahmen meiner Möglichkeiten ändern.

Damit das klar ist, ich habe niemanden aus seinem Land vertrieben, bin nicht für den Krieg in Syrien verantwortlich, auch nicht für die Gräueltaten der Taliban, auch nicht für die Überbevölkerung in Afrika. Man könnte noch viel mehr schreiben.

Moral und Ethik, ja bitte gerne. Beides kann sehr viel Spaß bereiten. Aber Moralisierung, nein danke.

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Aktenleichen 17.07.2018, 09:25
232. Öffentliche Abstimmung

Hilfsbereitschaft für Menschen in Not und Anreitze für Wirtschaftsmigration zu setzen, sind bitter bös verschiedene Dinge. Die Frage, ob es sich um Asylberechtigte handelt, welchen die Hilfe nicht zu verweigern wäre, wird ja heutzutage nicht mehr gestellt. Fast die ganze Welt fasst sich vor den Kopf. Also bitte:

Die Deutschen sollten öffentlich darüber abstimmen, wer für eine Massenmigration ist, und wer nicht. Jene, die dafür sind (und damit das Ertrinken von Wirtschaftsflüchtingen im Meer befördern) sollen die Migration bezahlen, die anderen nicht. Es verhält sich derzeit anders. Unter jenen, die dafür sind, sind viele, die davon profitieren wollen. Massenmigration bedeutet unter Abkehr jeglichen Leistungsgedankens: Unten bleibt unten und Oben bleibt oben.

Was soll daran menschlich oder links sein? Menschlich wäre, die Not endlich zu beseitigen. Dass dies kaum geschieht, offenbart, dass all das Gemenschel um die von Migrationsbeführwortern mitverursachten Toten im Mittelmeer in keine Weise belastbar ist. Entsprechend fiel vorraussichtlich aus die Abstimmung aus, wenn klar würde, wer das dann bezahlen soll.

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anngret.vorbroecker 17.07.2018, 09:29
233. Lebensrettung nicht mehr legitim?!?

Ich kann nur sagen : Danke für diesen Artikel! Wenn ich dann die Meinungen dazu lese, wird mir schlecht. Man streitet über falsche Moral und Moralisierung. Das ist der blanke Hohn. Leute, wer von euch hat seit der Flüchtlingskrise Einbußen erlitten, wem geht es seitdem schlechter? Ich verstehe die Angst, die Wut und die Hysterie nicht. Wenn Menschen, die nicht schwimmen können trotzdem versuchen, über das Meer zu kommen, in überfüllten Schlauchbooten, dann sind sie nicht "selber Schuld", dann sind sie furchtbar verzweifelt. Das kann doch keinem egal sein. Statt über Moral zu streiten, sollte man das Wort Mitleid/Empathie wieder ausgraben, das inzwischen fast zum "Unwort" geworden ist. Sag mal heute Jemandem, dass du Mitleid mit den Flüchtlingen hast, dass du ihre Not verstehst. Ich möchte manchmal schreien und traue mich nicht, den Mund aufzumachen. Wie kann es sein, dass unsere "zivilisierte" Bevölkerung so verroht, so egoistisch und kleindenkerisch ist. Wie gesagt: ich möchte schreien und kann es nicht.

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brennstein 17.07.2018, 09:33
234. Gruselig

O mein Gott! Ein Großteil der Kommentare hier macht ich fassungslos. Sie sind geradezu der Beleg dafür, wie recht Augstein mit seiner Feststellung hat, dass wir Menschen nur noch als Masse und nicht mehr als Individuen sehen. Hauptsache, sie stören unser Leben nicht. Es wird so getan, als sei die Entscheidung, in ein Schrottboot für die Fahrt übers Mittelmeer zu steigen, eine wirklich freie. Wer einsteigt, hat selbst schuld und soll jetzt nicht jammern, wenn es schief geht, und uns dafür verantwortlich machen. Offenbar stellt niemand mehr die Frage, was Menschen dazu treibt, solche Risiken einzugehen, obwohl die Antwort doch auf der Hand liegt: Es geht ihnen so schlecht, dass selbst ein solches Risiko akzeptabel erscheint. Weil das so ist, kann man sie einfach ersaugfen lassen? Wir tun immer noch so, als würden uns die Migranten wirklich existenzielle Probleme bereiten. Das habven sie niemals getan, das tun sie auch jetzt nicht. Es gruselt mich, wenn ich die Kommentare dazu hier lese. Das ist vielfach der Original-AfD-Tonfall. Es sieht so aus, als seien wir ein Volk, das nichts gelernt hat.

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Spiegelkritikus 17.07.2018, 09:35
235. Die Krise der politischen Vernunft

Die von Augstein beklagte Krise der Moral ist nichts anderes als eine Krise der politischen Vernunft. Eine Lösung der Migrationsproblematik und eine Beendigung des Sterbens im Mittelmeer kann nur durch verantwortungsethisch motivierte, vernünftige Politik erfolgen, die langfristige Ziele und Folgen in den Blick nimmt. Der linksgrüne gesinnungsethische Ansatz ist absolut untauglich und führt ins Chaos.

Die bisherige Praxis der "Seerettung" ist in Wahrheit nicht human. Migranten begeben sich in in überfüllten Schlauchbooten mit soviel Benzin und Trinkwasser auf See, daß sie die 12-Meilen-Zone durchqueren und das Operationmsgebiet der NGO-Aufnahmeschiffe erreichen können. Sie rechnen fest mit der (rechtzeitigen) Bergung auf See, was jedoch nicht immer der Fall ist, so daß immer wieder Menschen ertrinken.

Wer das wirklich verhindern will muß dafür sorgen, daß die Migranten erst gar nicht in See stechen. Ergo muß die koordinierte Tätigkeit von Schleppern und NGO-Schiffen beendet und auf See aufgegriffene Migranten müssen konsequent in den nächstgelegenen Hafen verbracht werden, wie es die libysche Küstenwache praktiziert. Damit ist jeder Anreiz genommen und nach kurzer Zeit werden sich keine Migranten mehr auf hohe See begeben, da sinnlos.

Zur politischen Vernunft gehört vor allem auch die Einsicht, daß die Migrationsproblematik nicht in Europa durch Masseneinwanderung gelöst werden kann, sondern nur in den Herkunftsländern (Hilfe vor Ort). Die Zahl der Zuwanderungswilligen ist einfach zu groß, die (wenigen) Aufnahmegesellschaften würden sich zerstören und in den Herkunftländern würde sich dennoch nichts ändern. Wenn diese Einsicht bei den politisch Verantwortlichen nicht vorhanden ist bzw. wenn sie andere Ziele verfolgen, wird der Problemdruck über kurz oder länger eine vernünftige, verantwortungsvolle politische Praxis erzwingen. Je länger man damit wartet, desto größer werden die Probleme.

Einer vernünftigen Migrationspolitik steht leider entgegen, daß die arabisch-afrikanische Massenzuwanderung von einer Globalisierungselite seit etwa 2000 geplant ist und seit 2014 via UN, EU, Soros-NGOs etc. politisch-medial organisiert wird (Anwerbevideos in arabischen und afrikanischen Ländern, massive Kürzung der UNHCR-Hilfsgelder für große Flüchtlingslager im arabischen Raum, um die Migration in Schwung zu bringen, finanzielle Unterstützung der NGO-Aktivisten auf dem Mittelmeer und vieles mehr).

Die in keiner Weise demokratisch legitimierten Machenschaften dieser NWO-Elite und ihrer Wasserträger in Politik und Medien sind nicht im Interesse der EU-Bürger und müßen konterkariert werden, bevor die Probleme überhand nehmen. Die anderen europäischen Länder schützen sich inzwischen, nur die Merkelregierung hält an einer destruktiven, illegalen Migrationspolitik fest - mit eifriger Unterstützung linksgrüner, narzißtischer Utopisten und den Profiteuren der gigantischen Migrationsindustrie.

Das muß möglichst bald aufhören. Die Bevölkerungen haben das demokratische Recht, selbst über die Art und den Umfang der Zuwanderung zu entscheiden.

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m_m 17.07.2018, 09:38
236.

"Wir sind inzwischen soweit, dass Amoralität als Realismus durchgeht." Dieser Satz bring auf erschütternde Weise die Sache auf den Punkt. Danke für diese Kolumne, Herr Augstein!

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dirk.resuehr 17.07.2018, 09:41
237. Die Krise der Moral

Welche Moral? Lesen Sie die Forenbeiträge! Da ist kaum Moral zu finden. Mal ne Frage: Was ist bitte Selbstüberhöhung von Humanität?
Hilfe für Arme und Elende?Hat ein Oskar Schindler sich selbst überhöht?Seltsame Debatte. Vor den Asylanten hielt die klare Mehrheit genau das Verhalten für ethisch moralisch beispielhaft.
Haben leider nur sehr wenige getan. Da sind wir wieder beim Heute.
Tenor:Humanität ist ja ganz gut, aber zuviel Änderungen oder Geld, nein. Seltsame Christen mit seltsamen Ansichten. Feiern Märtyrer, die Opfer gebracht haben, wollen aber selber Eines bestimmt nicht, etwas opfern. Die Moral ist kaum in einer Krise, sie ist weitestgehend
perdu. . Denken Sie an Herrn Söders Wortschöpfungen, pfui Teifi
die Aufgabe ist schwer und verlangt Opfer, kein Thema für
einen moralischen Menschen!

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nina.beri 17.07.2018, 09:42
238. Stimmt so nicht

Herr Augstein, sie können sich von mir aus weiter dumm stellen, aber sie würden mit ihrer Sichtweise nur noch mehr Menschen in den Tod schicken. Die skrupellosen Schlepperbanden setzen Flüchtlinge nur deshalb in seeuntüchtige Boote, weil sie wissen, dass draußen auf dem Meer evtl. Schiffe warten welche die Flüchtlinge aufnehmen. Da werden aber niemals genug Schiffe sein und niemals werden diese Schiffe alle Flüchtlingsboote auffinden können, was den Schlepperbanden aber völlig egal ist, sie haben ihr Geld. Wenn dort aber keine Schiffe mehr auf Flüchtlingsboote warten, werden auch keine Flüchtlinge mehr in seeuntüchtige Boote gesteckt, denn das würde sich auch unter den Flüchtlingen rumsprechen. Ich bin mir absolut sicher, das man so viel mehr Menschenleben rettet als mit Rettungsschiffen auf dem Mittelmeer.

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rennflosse 17.07.2018, 09:46
239. Änderungen der Verhältnisse

Beschäftigt man sich mit der Frage, warum Afrikaner aus ihrem Land flüchten, so lautet die Antwort: weil sie dort keine Perspektive haben und hungern müssen.
Die Heimatländer auf dem afrikanischen Kontinent sind fast allesamt von Leuten regiert, denen das Wohl der eigenen Bevölkerung nichts wert ist. Herrschaftsverhältnisse, wie sie in Europa etwa noch zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anzutreffen waren. Tumbe und gewissenlose Clans.
Wenn die Verhältnisse derart gebessert werden sollen, dass die Menschen wieder in ihren Heimatländern leben WOLLEN, dann muss man die Herrschaftsverhältnisse radikal ändern.
Dazu bräuchte man derzeit - ich sag's nicht gern - eine neue Art von Kolonialismus. Lokale Herrscher müssen entmachtet und die Länder zwangsverwaltet werden, damit sie prosperieren können.

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