Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

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Joachim Petrick 17.07.2018, 11:16
270. Art des Umgangs mit Migratio, Krise globalen Konservatismus?

Man kann die Flüchtlingskrise als Beschwernis für Europa kommunizieren, man kann diese aber auch, wie Herr Augstein, als Herausforderung beschreiben, die auf Lösungen wartet. Was man aber auf jeden Fall kann, ist die Art des Umgangs mit der Flüchtlingskrise in Europa, USA, Russland, China, Japan als Krise globalen Konservatismus definieren, der sich nicht mehr mit den Krisen, Problemen in der Welt und vor allem mit jenen, die von diesen unmittelbar betroffen sind, identifiziert und sei es, weil dieser an deren Entstehen durch asymmetrische Weltwirtschaftsverhältnisse, die die Jahrhunderte hervorgebracht haben, federführend beteiligt war und ist.
Herr Augstein zitiert Miriam Lau "Verständnis privater Seenotretter von Menschenrechten ist absolut kompromisslos".
Und nicht nur dass, Die Zeit als Zentralorgan deutschen Konservatismus lässt ihre Autorin Miriam Lau von der Leine, sich hochnotpeinlich in einen Jargon der Verkehrung von Ursache und Wirkung zu verlaufen, den wir aus dunklen Zeiten erinnern. Miriam Lau hält privater Seenotrettung vor, dass diese sich keine Gedanken mache, was es für Italien heißt, Gerettete mit Unterkunft, Nahrung, Medizin, Bekleidung zu versorgen. Denen sei gar nicht klar, dass sie sich wie Bürgerwehren in Städten, Eigentum zu sichern, weil die Polizei überfordert scheint, staatliches Gewaltmonopol anmaßen.
Frau Lau hätte hier das Argument anführen können, die private Seenotrettung sei 2014 auf Initiative global aufgestellter Reedern angeschoben worden, die Handelsflotten im Mittelmeer bei der Seenotrettung zu entlasten. Aber das tut sie nicht, Warum?, will Miriam Lau den Konservatismus schonen, aus der Verantwortung nehmen? Ganz nebenbei ihre Vorhalte gegen private Seenotrettung im Mittelmeer instrumentalisieren, endlich einen Schlussstrich zu ziehen unter etwaige Entschädigungsforderungen afrikanischer Länder, an ehemalige Kolonialmächte Europas zu richten? Auch das hat konservative Tradition, sind die Verhältnisse erst einmal in allgemeine Verunsicherung zur Überforderung aller geraten, fühlt man sich legitmiert, en passant alte Rechnungen durch Schlussstrichdebatten zurückzuweisen.
Z. B., dass Benito Mussolini mit seinem Afrika Massenmord Feldzug 1937, bis heute ungesühnt, verschwiegener Genozid beging,erwähnt sie nicht, nicht, dass Millionen Menschen mit Kind und Kegel unterversorgt mit Trinkwasser, Nahrung auf Gewaltmärsche durch Wüsten in Elend frühen Tod jagte, Überlebende in unwirtliche Gegenden umzuquartieren.

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Pascal Meister 17.07.2018, 11:18
271. Menschenleben retten, ja aber...

Es ist völlig legitim und geboten, Menschen zu retten, die zu ertrinken drohen. Das Leben ist zu retten. Punkt. Aber was dann geschieht, ist eine andere Sache. Wenn die Menschen an den Ursprungsort der Seefahrt oder meinetwegen auch an den Ursprungsort ihrer Reise gebracht würden, gäbe es die Diskussion nicht. Denn die moralische Pflicht zum Retten von Menschenleben beinhaltet eben nicht die Verpflichtung, diese Menschen auch nach Europa zu bringen. Wo sie nicht hingehören und in der Mehrzahl auch kein Recht aufgrund persönlicher Verfolgung nachweisen können.

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man 17.07.2018, 11:18
272. Nach dieser Logik

sollte man gleich entsprechende Fährverbindungen einrichten um die Massenhafte Zuwanderung von Menschen aus für uns kulturfernen Kreisen (H. Schmidt) zu beschleunigen. Wenn das der richtige Weg sein soll? Kaum ein Migrant wird sich in ein Schleuserboot wagen, wenn bekannt ist das die Migranten wieder an den Ausgangsort gebracht werden. Das Geld welches für Schleuser ausgegeben wird, wäre dann besser investiert und führt nicht zu unsagbarem Leid. Außerdem, wo bleibt die Trennung zwischen Asyl und sogenannter Armutsmigration. Kein angenehmes Thema unter Betrachtung des sogenannten Rechtpopulismus. Die nächsten Wahlen zeigen wie der (angebliche) Souverän denkt.

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Moormann 17.07.2018, 11:21
273.

Zitat von elsa64
Kann mich dem Kommentar von Frau Vorbroecker nur anschließen. Es könnte einem bei der Mehrzahl dieser Kommentare fast übel werden. Besonders erschreckend: es sollte doch inzwischen längst bekannt sein, dass man Menschen nicht in die Hände der libyschen ,Behörden‘, Küstenwache etc. fallen lassen kann. Genau das hat Kapitän Reisch auch abgelehnt und muss sich dafür auch noch vor Gericht verantworten. Das ist eine Schande, und alle, die ein solches Vorgehen befürworten, sollten sich schämen.
Sie haben nicht verstanden um was es hier geht, um Ihnen die Dimensionen vor Augen zu führen:

In Afrika leben 1,2 MRD Menschen, wollen Sie 600 000 Millionen davon aufnehmen.
Der Historiker Heinrich August Winkler wahrlich kein wertkonservativer oder rechter Historiker, Mitglied der SPD, bringt es auf den Punkt:
Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als gebe es ein allgemeines Menschenrecht, das da lautet: Wir wndern jetzt in einen Staat unserer Wahl ein.
Quelle Deutschlandfunk.
Ich empfehle Ihnen den Podcast.
Ansonsten polemisiert Herr Augstein genauso unerträglich wie der Kapitän des Schiffes "Lifeline", Reisch, der Seehofer angriff.
Niemand läßt Menschen in Seenot streben, nur dies sind keine
klassischen Seenotfälle. Und trotzdem sollen diese Menschen gerettet und in Sicherheit nach Afrika zurückgebracht werden.
Inzwischen liegt die AfD bei 17,5% vor der SPD.
Wollen Sie ein viertes Reich?

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Freier.Buerger 17.07.2018, 11:23
274. Falsch

Zitat von florafauna
Toll gesprochen, aber Sie wissen doch, einmal reich immer reich. Unser Wohlstand beruht doch auch darauf, dass wir arme Länder ausbeuten. Das geht am besten mit Autokraten/Diktatoren. Würde es fairen Handel geben, dann ja, würde ich Ihnen Recht geben, aber den gibt es nicht. Das Geld wandert in den armen Ländern in die Hände weniger und wir liefern auch gerne die Waffen dorthin, dass das auch ja so bleibt.
Unser Wohlstand beruht darauf, dass sich unsere Vorfahren sich mit Wissenschaft, Technik und Philosophie beschäftigten. Bücher schrieben und lesen, Dampfmaschinen entwickelten aber auch die Gesellschaft revolutionierten und im 20.Jh lernten das es sich in Frieden besser leben lässt.
Die Afrikaner können das nachmachen oder einen eigenen Weg entwickeln.

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frank2013 17.07.2018, 11:23
275. Moralischer Fundmentalismus

Es gibt einen moralischen Fundamentalismus, der bis zum Maß der Eigengefährdung geht und sich alternativlos gibt. Andersdenkenden zu unterstellen, sie würden das Ertrinken von Menschen befürworten, ist selber moralisch unanständig. Es wird keine moralisch saubere Lösung geben, die hat es in der Weltgeschichte nicht gegeben. Man kann nur das mildeste Mittel wählen. Am Besten wäre noch, die Menschen am Ablegen zu hindern, wo es geht.

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Kommentator123456 17.07.2018, 11:24
276. Es ist mir absolut unverständlich, ...

... dass den vielen Migrationsbefürwortern in diesem Forum so viel daran liegt, afrikanische Verhältnisse in Deutschland zu schaffen. Oder was meinen diese Menschen, was passiert, wenn erstmal ausreichend viele hier sind? Da wird davon fantasiert, dass doch jeder dort leben dürfen soll auf diesem Planeten, wo er gerade möchte.
Was für ein Blödsinn! Haben die Beitragsschreiber schon daran gedacht, dass dies auch gerade die die eigene Wohnung sein könnte, in der plötzlich 50 Leute wohnen wollen? Sicher nicht - das ist dann schon zu kompliziert. Mir würde es auch schon zu viel, wenn nur 100 Leute vor meiner Haustüre kampieren wollten.

Man sieht ganz deutlich, dass viele Kommentatoren einfach ideologisch völlig verblendet sind und anscheinend überfordert sind, auch nur die offensichtlichsten Konsequenzen von ihren Träumen zu erkennen.
Das ist eine sehr grosse Gefahr für unser Land und mir gruselt es wirklich davor.

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mostly_harmless 17.07.2018, 11:30
277.

Zitat von Pela1961
Haben Sie auch das Video aus Dresden von der Pegida-Veranstaltung gesehen, wo die Teilnehmer lauthals "Ab-sau-fen" riefen, als es um das Thema ging? Der Hauptredner grinste dazu. Der Satz "Niemand will die Leute absaufen lassen" hat in AfD und Nazikreisen ungefähr den gleichen Wahrheitsgehalt wie der berühmte Satz mit der Mauer, die niemals gebaut werden sollte.
Es geht sowar noch weiter. Der rechte Bodensatz hat sogar ein Schiff gechartet und ins Mittelmeer entsand, dessen Ziel es war, die Rettung von Flüchtlingen zu verhindern.

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/anti-fluechtlings-aktion-im-mittelmeer-identitaere-steuern-richtung-libyen/20135310.html

Ziel dieser Mission war es also, für mehr Tote im Mittelmeer zu sorgen.

Achja, wie man sich schon denken konnte, gibt es zwischen den Faschos, die diese Aktion initiiert haben und der AfD sehr enge Beziehungen

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mapcollect 17.07.2018, 11:30
278. Shuttle Service der "Seenotretter"

Vor ein paar Tagen gab es die Meldung über eine Studie eines Instituts, welches die Schiffsbewegungen der Seenotretter im Mittelmeer analysiert hat. Man kann die Schiffsbewegungen auf der frei zugänglichen Plattform Vesseltracker.com verfolgen. Die Analysten kamen zu dem Ergebnis, dass die Seenotretter ziemlich geradlinig zwischen italienischer und libyscher Küste verkehren, schon fast wie eine Fährverbindung. Die Schlepper müssen gar nicht in direktem Kontakt mit den Seenotrettern stehen, sie müssen einfach auf Vesseltracker beobachten, wann der nächste Seenotretter vor der libyschen Küste ist und können dann ganz entspannt mit ihren seeuntüchtigen Schlauchbooten ein paar Kilometer entgegen paddeln. Würden die Seenotretter gestoppt werden, gäbe es sicherlich auch sofort weniger Überfahrten. Wahrscheinlich würde sogar der komplette Migrantenstrom erlahmen und damit würden dann auch weniger Menschen bei der Saharadurchquerung sterben. Auch wenn es anfänglich vielleicht mehr Opfer geben könnte - unterm Strich würden auf Dauer viel weniger Menschen sterben.

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AlfredZimmer 17.07.2018, 11:33
279. Ich denke

wir kommen gar nicht umhin, uns um diese Flüchtlinge zu kümmern, nicht zuletzt, weil es auch ein Teil unserer christlichen Kultur ist, dass wir die Hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Fremden beherbergen, die Nackten bekleiden, die Kranken pflegen, die Gefangenen besuchen und die Toten bestatten.
Selbstverständlich ist das auch nur möglich, wenn über die entsprechenden Ressourcen verfügt wird.

Ein Aspekt aber, der in einer Diskussion über diese Flüchtlinge gerne unter den Tisch fällt ist, dass die Kriege und Krisen vor denen der größte Teil dieser Menschen flüchten, teilweise von den Staaten der EU mit zu verantworten sind.
Ganz konkret: Flüchtlinge ertranken im Mittelmeer zu tausenden erst nachdem Staaten der NATO Libyen bombardierten und ruinierten. Laut Spiegel waren etwas mehr als 100 BW - Soldaten mit der Zielauswahl und der Koordinierung der Bombereinsätze befasst.
Die Flüchtlingsursache zu bekämpfen hieße in der Praxis daher auch, dass die Regierungen Europas ihren militärischen Ambitionen abschwören müssten!
Ein anderer Aspekt, der politisch nicht angegangen wird sind die Dürren, welche durch den Klimawandel verursacht werden. Im Nahen Osten, Iran, Syrien, Sahelzone usw. gab es in den letzten Jahrzehnten starke Dürreperioden, die vielen Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubten und mit zu der derzeitigen Völkerwanderung beitrugen.
Das Kernproblem aus meiner subjektiven Sicht ist aber, dass unsere politischen Politiker der modernen westlichen Hemisphäre größtenteils mit PR und Polit-Show-Business beschäftigt sind, so dass sie sich den Problemen, die zur Flüchtlingskrise beitrugen, nicht widmen konnten.

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