Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

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Sumerer 17.07.2018, 13:27
330.

Zitat von bandelier
selbst wenn sie sich freiwillig und der Gefahr bewusst in diese Situation begaben, muss nicht diskutiert werden. Die Tatsache jedoch, dass sie dieses tun, weil sie wissen, dass da Rettungsschiffe kreuzen, unterstützt das Geschäftsmodell der Schleuser. Das macht ein ganz schlechtes Gefühl. Es ist nötig, dass die Migranten nach Afrika zurückgebracht werden, denn sie haben hier keine Zukunft. Das viele Geld, das in ihre Alimentierung und unmögliche Integration investiert werden muss, brächte in ihrem Heimatländern ein Vielfaches an Wirkung. Wir müssen uns da ehrlich machen und können nicht in Humanitätsduselei versinken. Und diese Heuchlerbande in Brüssel soll endlich die Fangflotten aus den afrikanischen Fanggebieten zurückziehen, subventionierte Exporte nach Afrika einstellen und den Menschen dort menschenwürdig und nicht den Despoten dienend handeln. Und eine afrikaumspannende Aufklärung zur Empfängnisverhütung und eineZur-Verfügungstellung von Kontrazeptiva gehören unbedingt dazu.
In Afrika gibt es nur eine völlig unzureichende Altersvorsorge. So haben die extrem hohen Geburtenraten ihre Ursache. Mit Empängnisverhütung läßt sich dieses Problem (und es ist eins) nicht lösen.

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freekmason 17.07.2018, 13:27
331.

Zitat von ThomasGB
Aber der ADAC schenkt Ihnen nach einem Unfall auch keine Luxuskarosse. Sonst wäre der Pull-Effekt sofort vorhanden.
mag sein, aber der adac fährt Sie nach einem unfall nicht in kriegsgebiete oder eine diktatur.
flüchtlinge bekommen übrigens auch keine luxuskarossen geschenkt

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pygmy-twylyte 17.07.2018, 13:31
332. Selbstüberhöhung

Zitat von Spiegelkritikus
Radikale Gesinnungsethiker machen sich kaum Gedanken über die absehbaren Konsequenzen iherer Ideologie bzw. ihres davon geleiteten Handelns. Im Vordergrund steht die moralische Selbstüberhöhung und -bestätigung, man will gut sein, sich selbst auf die Schulter klopfen und von anderen bewundert werden. Augstein zum Beispiel dürfte lange gezögert haben, bis er kürzlich einräumte, daß offene Grenzen und Sozialstaat auf längere Sicht .unvereinbar sind. Er ist freilich so radikal, daß er der Massenzuwanderung den Vorzugf gibt und den Sozialstaat zu opfern bereit ist. Allerdings ist er von selbigem nicht abhängig und dieser Umstand weist auf ein grundsätzliches Problem der moralischen Rigoristen hin: sobald sie selbst negativ betroffen sind, nehmen die meisten plötzlich eine ganz andere Position ein. Der Realitätsschock reißt sie quasi auf ihren weltfremden Träumen. Das gilt natürlich besonders auch für Opfer von Migrantenkriminalität. Vernünftige, verantwortungsvolle Politik hingegen muß langfristige Konsequnenzen abschätzen und sich entsprechend ausrichten. Ist der Bürgerkrieg erst einmal da, nützt es niemandem mehr, wen Linksgrüne lamentieren, daß man so etwas doch nicht beabsichtigt hatte. Verantwortungsethisch motivierte Politik berücksichtigt neben legitimen Interessen der Migranten auch jene der Aufnahmegesellschaft.
Moralische Selbstüberhöhung könnte einen tiefen Fall zur Folge haben - hinsichtlich der politischen (Rechtsruck), gesellschaftlichen (Integrationserschwernisse durch Unmut in der Bevölkerung) und sozialen Verwerfungen (Überforderung des Sozialstaats, Verteilungskämpfe). - Sie haben völlig Recht: "Verantwortungsethisch motivierte Politik berücksichtigt neben legitimen Interessen der Migranten auch jene der Aufnahmegesellschaft."

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Bondurant 17.07.2018, 13:32
333. Wegen der Wahrheit:

Zitat von freekmason
flüchtlinge bekommen übrigens auch keine luxuskarossen geschenkt
aber eine "Gesundheitskarte". Die ist mehr wert.

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Patrik74 17.07.2018, 13:32
334. @323 Was ist die Alternative?

Zitat von
Worin also besteht Ihrer Meinung nach die Lösung des Problems? In der Aufnahme aller Menschen, die sich auf den Weg nach Europa machen? Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was es für ein hoch entwickeltes Industrieland wie Deutschland politisch, gesellschaftlich und sozial bedeuten könnte, Millionen von armen, kulturfremden und bildungsfernen Menschen aus aller Welt, hauptsächlich Afrika, aufzunehmen?
Kurzfristig gibt es keine Alternative außer Absaufen lassen - und das wissen auch die Foristen, die so tun als sei es anders.

Mittelfristig muss man über Rückführungsabkommen mit den Küstenländern verhandeln (und auch da wird 'Entwicklungshilfe' eine Rolle spielen) und dann müssen dort Einrichtungen installiert werden, die unserem Ansprüchen genügen und nicht Internierungslager, in denen Mord und Totschlag, Raub und Vergewaltigung Alltag sind - Hauptsache, wir können wegschauen...

Langfristig hilft tatsächlich nur Fluchtursachenbekämpfung, das heißt,
- ernsthafte Untetstützung der Staaten bei der Einführung von Rechtstaatlichkeit und Demokratie
- Bezahlung von angemessenen Preisen für die Produkte aus Afrika, das bedeutet auch
- Öffnung unserer Märkte (wir lieben ja alle 'Freihandel', oder?)
- Einstellung der klassischen 'Entwicklungshilfe', die im Wesentlichen nur eine Blankocheck für den lieben Landesvater ist

Aber: Das kostet natürlich auch Geld, und zwar viel mehr als die Almosen, die wir den aktuellen Flüchtlingen gewähren (Wohnen in Containern und Überschussessen und -kleidung, die anderweitig weggeworfen würde.

Die Wahrheit ist: Wir leben über unsere Verhältnisse auf Kosten von u.a. Afrika. Das konnten wir ein paar Jahrzehnte ignorieren, aber irgendwann kippt so ein System.

Die aktuellen 'Stiff-upper-lip-Lösungen' sind nichts weiter als populistische Beruhigungspillen; die Lösung der Probleme liegt ebenso bei uns wie in Afrika - und wir sitzen am längeren Hebel, also müssen wir auch was tun.

Churchill sagte, der Preis von Größe ist Verantwortung; der Kleingeist unserer Zeit besteht darin, dass wir gerne das eine ohne das andere wollen.

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Tribess 17.07.2018, 13:35
335. Bravo, wenn man das angesichts des Themas sagen darf

Ich fange mal mit einer Anrede an:
Lieber Herr Augstein,
vielen Dank für Ihren im Grunde genommen noch viel zu freundlich formulierten Beitrag. Denn aus meiner Sicht liegen die Verhältnisse doch so wie es mal Max Liebermann ausgedrückt hat: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte." Nur weil die Trumps und die AFDler und andere meinen das Flüchtlingsthema mit ihrer abscheulichen Diktion belegen zu können, müssen die scheinbar nur noch wenigen human geprägten Mitmenschen nicht kuschen. Wovor hat man denn so viel Angst, dass man selbst den Tod von tausenden von Menschen im Mittelmeer billigend in Kauf nimmt? Ich kann's sagen. Davor, dass uns diese armen, vor Krieg, Unterdrückung und Hunger fliehenden Menschen, Ihnen wie mir die tägliche Schüssel Reis wegnehmen, uns, wie man früher sagte, die Haare von Kopfe fressen. Und das Grausamste an der ganzen Diskussion ist diese Aufgeblasenheit, mit der nicht wenige der so genannten Experten meinen, uns, Sie, mich als "Gutmenschen" bezeichnen zu müssen , in dem Glauben, es jetzt aber auf den Punkt gebracht zu haben. Na dann, gute Nacht ihr Schlechtmenschen und siehe Max Liebermann oben.

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vera gehlkiel 17.07.2018, 13:39
336. @Spiegelkritikus

Die Verkomplizierung von Problemen, respektive deren Anhäufung, unter anderem auch in der "Flüchtlingsfrage", ist doch nur Teil einer regierungsamtlichen Passivität, welche die konservative Politik, nicht nur aber auch massgeblich in Deutschland, den Menschen über Jahre als Ausbund reinster Vernunft verkauft hat. Hier wurde darauf gesetzt, lediglich immer die richtigen Label auf sich aufwerfende Fragen zu kleben, und die Leute waren mehrheitlich wohl dankbar, dass man sie ansonsten mit der Welt da draussen in Frieden liess. Dafür wurden die Konservativen schon immer gewählt, und das wurde auch schon immer "verantwortungsvoll" etc.pp. genannt. "Entwicklungshilfe" ist zum Beispiel solch ein entlastender Begriff, wobei die reale Entwicklungshilfe im kalten Krieg immer mehr ein politisches Steuerungselement gewesen ist, als wirkliche Hilfe an die Frau und den Mann zu bringen. Aktuell sind es dann eben nicht die Nahrungsmittelmultis, welche Afrika zerstören, sondern ist es der angeblich hemmungslose Fortpflanzungsdrang auf einem Kontinent, der in Wahrheit nur in etwa ein Drittel der Bewohnerschaft pro Quadratkilometer hat, als wie Europa. Aus "Hoffnungslosigkeit" wird "Migrationstourismus", aus "Waffenexport" "Bürgerkrieg", aus "europäischer Entsolidarisierung" "Schlepperkriminalität". Das Problem ist: wer sich seine eigenen Worte von jemand anderem in den Mund legen lässt, verliert wirklich die Kontrolle über sein Leben. Diese Erkenntnis, sobald sie kommt, löst in der Tat einen ziemlichen Realitätsschock aus. Moral ist für mich dabei einfach nur, solche Schocks zuerst aushalten und später dann angemessen verarbeiten zu können. Die Angst, die wir vom Hinsehen kriegen, lässt sich aber nicht nur aushalten, es ist sogar "gute Angst" in dem Sinn, dass sie weiterführt zu Solidarität untereinander und Handlungskompetenz. Und sie ist ganz was anderes als die klamme Furchtsamkeit, welche die Worthülsen bestimmter Politiker in uns erzeugen, die aus real existierenden Menschen "Wellen", "Überschwemmungen" oder sogar einen "hemmungslos ungeregelten Zustrom" machen. Wir wählen die Menschen, die hier versagen, und wir essen das Zeug perfider Nahrungsmultis, etc.pp. Wir haben die Macht. Aber nur, wenn wir nicht passiv bleiben, und uns betäubende Schlagworte in den Mund legen lassen, wie der Depressive Beruhigungstabletten.

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Kommentator123456 17.07.2018, 13:45
337. Das Märchen von der Ausbeutung Afrikas

Es scheint sehr populär zu sein, zu behaupten, dass die Europäer Afrika ausbeuten.
Das Gegenteil ist der Fall: Laut Schätzungen (z.B. Quelle Wikipedia) lebten in Afrika 1950 ca 230 Millionen Menschen.
2010 waren es ca. 1010 Millionen, während für 2017 bereits knapp 1,3 Milliarden geschätzt werden. Die Lebenserwartung hat sich von ca 37,5 Kahren 1950 auf ca 60 Jahre heute erhöht.
Es wird wohl ausser Frage sein, dass der Bevölkerungszuwachs erst möglich war, nachdem der "böse" Westen
durch Technologie eine effizientere Landwirtschaft erlaubte und durch verschiedene meidzinische Hilfsprogramme auch die Lebenserwartung drastisch erhöhte.

Also im Wesentlichen sind die Helfer des Westens daran schuld, dass es in Afrika heute so viele Menschen gibt.
Ob die vielen Leser, die sich über die ARmut AFrikas beschweren, wohl lieber diese Hilfe nicht gegeben hätten?
Dann würden heute ganz sicher weniger Menschen in Afrika leiden und in Armut leben müssen.

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im_ernst_56 17.07.2018, 13:45
338. Moral

Zitat von freekmason
gerade als rational denkender gruselt einen die marginalisierung und umdeutung von moral als konstitutive grundlage des rechts, der zivilisation und des sozialen zusammenlebenss zu einer art linksgrünen, gefühligen träumerei, denn die folgen sind abzusehen und bereits zu beobachten.
Lieber Freakmason,
wenn ich den letzten Satz in meinem Beitrag Nr. 286, der Sie wohl provoziert hat, weglasse, würden Sie dann vielleicht die Frage in dem vorletzten Satz beantworten? Sie lautete "Glauben Sie ernsthaft, dass im Zeitalter der Digitalisierung und Rationalisierung die europäischen Arbeitsmärkte die Einwanderung von Millionen von Migranten von jenseits des Mittelmeeres verkraften?"
Vielen Dank.
Im_Ernst_1956

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freekmason 17.07.2018, 13:49
339.

Zitat von Bondurant
aber eine "Gesundheitskarte". Die ist mehr wert.
wie das und was hat das mit wahrheit zu tun? die flüchtlinge lassen sich also erstmal ein paar neue organe transplantieren oder werden absichtlich alle zwei wochen schwerstkrank, damit dieser wert erreicht wird? oder ist das wieder nur pauschalisierungs-
und vorurteilsunsinn aus der "die arbeiten alle nicht"-ecke? die volle wahnheit sozusagen?

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