Forum: Politik
Flüchtlingsdebatte: Leben und sterben lassen
AFP

Wenn es ums Sterben im Mittelmeer geht, finden inzwischen auch zivilisierte Bildungsbürger gute Gründe fürs Nichtstun. Die Migrationskrise ist zur Krise unserer Moral geworden.

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samothrake.von.nike 16.07.2018, 14:29
40. "Zivilisierte Bürger finden Gründe fürs Nichtstun"

Sehr polemsich, die Überschrift. Mal davon abgesehen, dass somit die Mehrheit kritischer Bürger bereits in der Überschrift somit als unzivilisiert kategorisiert wird, ist die Aussage per se falsch. Die Frage ist doch nicht die, ob man Menschen sterben lässt. Ich habe noch von auch nur einer Person, egal wie liberal oder konservativ, gehört, dass man am besten Menschen sterben lassen soll. Dass Schiffe Menschen in Seenot retten, möchte keiner verhindern. Wogegen sich viele sträuben ist die Tatsache, dass 20 km vor der afrikanischen Küste Leute aufgegriffen werden und anstatt 20 km zurück in den nächsten Haften gebracht zu werden, 500 km bis nach Europa transportiert werden. Das ist eben doch nicht bloße Menschenrettung, sondern geplante Agenda. des öfteren wurde ja auch bereits darüber berichtet, dass die Geretteten in teilweise gewalttätigem Protest die Schiffe geentert haben, sobald sie erfuhren, dass das Rettungsschiff sie nicht in das Land der 1. Wahl bringt. Das, und nur das, wird kritisiert.
Die Überfahrten kosten die Migranten so viel, dass die arme Bevölkerung, der primär geholfen werden müsste, überhaupt nicht beteiligt ist, weil sich diese die Schlepperbezahlung gar nicht leisten könnte.Das ist das traurigste daran. Die Aussage, man könne die Geretteten per se nicht nach AFrika zurück bringen, da diese dort gefoltert würden, ist ebenfalls sehr kritisch zu beachten. Natürlich gibt es nicht die gleichen Standards wie in Deutschland (wo gibt es die schon?), aber dass pauschal "jeder, der zurück gebracht wird, stets gefoltert wird" - we man es oft als Argument zu hören bekommt - ist einfach auch schlichtweg falsch.
Diese Diskussion ohne sachliche Auseinandersetzung nervt mich. Neulich wurde in den Nachrichten eine auf der Straße zu dem Thema befragte Dame mittleren Alters befragt und meinte allen Ernstes in einer kindlichen Naivität "Das finde ich nicht gut. Wir müssen uns doch alle gut verstehen." Meine Güte, ich will ja auch, dass alle sich verstehen und sich lieb haben. Aber das können doch nicht die Kategorien sein, in denen wir uns bewegen, wenn wir über dieses wichtige Thema diskutieren und versuchen, eine Lösung zu finden.

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richard-x 16.07.2018, 14:29
41. Eigentlich...

...sehe ich in jedem Menschen ein Individuum -als Grieche ist man quasi allein aus althistorischer Tradition dazu verpflichtet- und dazu noch Einwandererkind. Jetzt kommt das Aber: Wir sind gekommen als Eingeladene. Auch die Vorfahren der 50 mio. 'Deutschamerikaner' sind ehemals erwünscht gewesen (na gut, zugegebener Maßen nicht von den Indianern). Was die aktuelle und zukünftige Entwicklung betrifft, die aus Afrika kommt, so muss man realistisch sein und anerkennen, daß wir den Ländern nicht helfen wenn wir jedes Jahr 500000 Menschen aufnehmen, sogar 5 mio. wären quasi nur ein Tropfen auf dem heißen Stein der über 500. mio Bevölkerungszuwachs, der unweigerlich in den nächsten Jahrzehnten in Afrika kommen wird.
Die Afrikaner haben einen enormen Vorteil gegenüber unseren früheren bevölkerungsreichen Generationen: Das Wissen um die Ursachen und um die Geburtenkontrolle. Nur ihre Regierungen handeln nicht. Sie müssen sich aber selbst aus dem Sumpf ziehen. Gern auch mit unserer Hilfe, wenn erwünscht.
Was also tun angesichts der Flüchtlinge im Mittelmeer? Wir müssen sie retten und zurück an die Küste bringen, wo sie gestartet sind. Nicht in ein Land, wo sie nie hingehen würden, sondern in dasselbe Land, wo sie freiwillig hingegangen sind, sei es auch nur, ums ins Schiff zu steigen. Problem nicht gelöst, aber die Menschen wenigstens gerettet!

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stupp 16.07.2018, 14:30
42.

Es ist zynisch, dass sich die Menschen erst in ein Boot setzen und in Gefahr begeben müssen, um Eintritt nach Europa zu bekommen. Unter humanitären Gesichtspunkten wäre es das einzig Richtige, die Menschen direkt in Afrika abzuholen, bevor sie sich in ein Boot setzen. Will das jemand im Ernst??

Ich denke, dass der Asylbegriff und das Asylrecht, die in den 50er Jahren vor dem Hintergrund des Weltkriegs und der Nazi-Gewaltherrschaft entstanden sind, angesichts der aktuellen neuen Weltlage mit massenhafter Wirtschaftsmigration, angepasst bzw. neu definiert werden müssten.

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feistus_raclettus 16.07.2018, 14:32
43. Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral

Die meisten hier scheinen aber auf die Moral gerne verzichten zu wollen. Das unser Wohlstand auf Leichenbergen aufgebaut ist, will keiner sehen. Wir haben Armut und Krieg exportiert und dafür den Friedensnobelpreis bekommen.
Hat sich schon mal einer für EPA interessiert? Dass ist das Pendant von TTIP zwischen Europa und Afrika - eine Fortsetzung der bereits bestehenden Fluchtursachen. Kenia wollte dem nicht beitreten und wurde von der EU mit Boykott bedroht, also gab es klein bei.
Jeder von uns braucht regelmäßig ein neues Smartphone und nimmt billigend in Kauf, dass in den Coltanminen Kinder umkommen.
Daran die Fluchtursachen zu bekämpfen ist keiner interessiert. Nicht wirklich, da müssten wir ha sonst bei uns anfangen.

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jim_beam 16.07.2018, 14:32
44.

Zitat von wolly21
Die Migranten müssen in ihrem eigenen Umfeld für Sicherheit sorgen, für ihre eigene Freiheit und Sicherheit SELBST kämpfen. "Wir" haben es vor 229 Jahren auch getan. Die Revolutionäre vom 14.Juli 1789 wurden auch nicht von irgend jemand gerettet.
Im Kampf der Unterdrückten gegen die Unterdrücker sind wir (Europa, westliche Welt...) im Zweifel die Unterdrücker. Eine glorreiche Revolution ist daher nicht in unserem Interesse,

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arty22 16.07.2018, 14:33
45. Offensichtlich

Lieber Herr Augstein, wie ausschließlich alle Forenkommentare hier kann ich mich nur der 100 prozentigen Mehrheit anschließen. Rettet die Gekenterten und Ertrinkenden aber bringt sie sicher in die Herkunftsländer zurück. Alles andere wirkt nur wie eine Einladung für noch mehr Flüchtlinge. Hilfe vor Ort beim Aufbau von Verwaltungsstrukturen, Bildung, Wirtschaft ist zwar mühsamer aber besser als die Reichsten aus Afrika zu uns zu locken.
Die Schwarzen (nein das ist kein Schimpfwort) die bei mir um die Ecke im Asylbewerberheim leben tun mir leid. Keine Arbeit, nur Langeweile. Warum dürfen die nichts tun? Das ist erbärmliche und verantwortungslos vom deutschen Staat. In der DDR durften Menschen aus befreundeten sozialistischen Ländern studieren um dann beim Aufbau Ihrer Länder zu helfen. Wäre doch mal ein besseres Modell der Entwicklungshilfe.

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ohjeee 16.07.2018, 14:33
46. Immer noch nichts verstanden

Es geht nicht darum, die Menschen ertrinken zu lassen.
Es geht bei den Privaten "Rettern" darum, dass die Geflüchteten nicht 20-30 km zurück in den nächsten Hafen gebracht werden, sondern 500-600km an einen europäischen Hafen.
Natürlich sind diese privaten "Hilfsorganisationen" bei den Schleppern fest eingerechnet. Denn die völlig überfüllten Schlauchboote würden es nie aus eigenem Antrieb nach Europa schaffen. Wie auch. Da sind die Schlepper tatsächlich auf die "lifeline" und Co angewiesen.
Also, Seerettung: Ja! Und zwar im Rahmen der geltenden Gesetze an den nächsten Hafen. Also: Zurück wo sie gestartet sind.
Da muss man nicht hunderte Menschen ertrinken lassen. Wenn über die Seeroute trotzdem keiner mehr in Europa ankommt und alle wieder zurück in Nordafrika anlanden, löst sich das Problem wahrscheinlich genauso schnell.
Die Option haben Linke aber irgendwie gar nicht auf dem Schirm. Da gibts nur harten Populismus (Tote, Mörder-Politiker) oder die kostenfreie Einreise via "Lifeline" nach Europa.

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Henderson 16.07.2018, 14:36
47. Dem Australia-Modell folgen

Warum folgen wir nicht einfach dem Modell Australiens. "Wer versucht illegal Einzureisen wird hier niemals eine Heimat finden". Das klingt brutal, wird aber am Ende illegale Einreiseversuche verhinden. Wer von Anfang an klar gemacht bekommt, dass es auf illegalem Weg niemals etwas zu erreichen gibt wird es sich zweimal überlegen. In Australien funktioniert es scheinbar, warum können wir nicht von anderen lernen?

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muunoy 16.07.2018, 14:36
48. Thema nicht verstanden

Augstein hat die eigentliche Problematik nicht verstanden. Es geht um die Frage, ob 12 sm vor der Küste wartende Schiffe nicht Afrikaner dazu ermutigen, sich vorsätzlich in Seenot zu bringen. Ich würde diese Frage bejahen. Denn auch ich, der als Segler die See respektiert, würde aus Sicht eines armen Afrikaners mit Aussicht auf deutsche Sozialleistungen dieses Wagnis der 12 sm auch eingehen. Anders als die Person auf dem Bild, weiß ich auch, wie man eine Rettungsweste richtig anlegt. Also, es geht hier nicht darum, ob man Menschen retten soll. Das soll man. Den Pull-Effekt könnte man jedoch schon dann vermeiden, wenn man die Schiffbrüchigen gem. internat. Seerechtskonventionen in den nächstgelegenen Hafen bringt. Und der liegt nun einmal nicht mehrere hundert sm entfernt.

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seyffensteyn 16.07.2018, 14:38
49. Das internationale Seerecht

sagt ganz klar,daß aus Seenot gerettete Menschen umgehend im nächsten Hafen angelandet werden müssen.Das sind bei vor Afrika geretteten dann auch die afrikanischen Häfen,wo sie meistens gestartet sind.Auf Booten,die keineswegs seetüchtig sind.Das muß man erkennen,wenn man sie besteigt.
Ich würde auch hier in kein Auto einsteigen,wo ich wüßte,daß die Bremsen außer Funktion sind........

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