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Flüchtlingsretter im Mittelmeer: Das Moraldilemma
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Woche für Woche ertrinken Menschen im Mittelmeer, trotz des Engagements vieler Seenotretter. Wer hat Schuld? Im Streit über Recht, Politik und Moral gehen die Ansichten weit auseinander. Ein Überblick.

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hup 07.08.2017, 09:58
80. Einseitiger Artikel mit abenteuerlicher Moral

Wenn Schleusung illegal ist, dann muss sie "aus humanitären Gründen" ganz offiziell legalisiert werden? Eine nette Lösung, wenn man geltende Gesetze und die große Mehrheit der Bürger einfach ignorieren will um das eigene Gewissen zu erleichtern.
Sind wir ehrlich: Ob die Geretteten gleich oder über den Umweg Italien und einen abgelehnten Asylantrag später wieder in Afrika landen müssten macht keinen Unterschied. Der Unterschied ist nur dann gegeben, wenn es ohnehin nicht um Asyl geht, sondern man die Moral der Rettung nur benutzt um de Fakto freie Migration gegen bestehende Gesetze und den Willen der Mehrheit der europäischen Bürger durchzusetzen: Wer herkommt hat zwar zwar fast nie ein Recht auf Asyl, dauerhaft bleiben dürfen dann 99 von 100 aber trotzdem.
Wir organisieren ein tödliches "Spiel ohne Grenzen" für die, die das Geld haben Schleuser zu bezahlen. Wer die Ziellinie erreicht, der bekommt seine Investition mehrfach zurück und kann seine Familie nachholen. Bei einer Überlebenschance von 97% über das Mittelmeer zu kommen, ist das eine rationale Entscheidung, ein Risiko das viele eingehen - nicht weil sie verfolgt werden, sondern weil das "goldene Europa" lockt mit seiner freien Alimentation. Und die Helfer, die primär politische Aktivisten sind, machen diese Wahl erst rational.
Die Helfer sind somit Teil eines Mordsystems, das schlicht demokratische politische Entscheidungen ignoriert und den eigenen politischen Willen mit angeblichem humanismus rationalisiert. Deshalb wird auch konsequent abgelehnt aus Seenot zu retten, ohne die Leute ihre Migration nach Europa beenden zu lassen. Retten und Schleusen sind hier eine Einheit.
Müssten die Retter die Leute nach Libyen bringen, würden viele wohl ihre Mission beenden und nach Hause gehen. Nicht das humanitäre Retten steht also im Vordergrund, sondern das politische Schleusen.

Aber selbst wenn man unkontrollierte Migration nicht mag: Die Leute müssen natürlich ohne wenn und aber aus Seenot gerettet werden - nur nach Europa müssen sie nicht gebracht werden. Wer wirklich keine Toten im Mittelmeer will, der muss das Rational der Migranten unterbrechen und echten Asylsuchenden ohne teure Schleuserreise die Bearbeitung eines Asylantrags außerhalb Europas ermöglichen. Wer abgelehnt wird, der muss dann nicht alle seine Ersparnisse für eine "Flucht" ausgeben und hat vor Ort noch eine Perspektive.
Aber um Asyl geht es den Helfern nicht, sie wollen nur ihr politische Agenda durchsetzen, die als Flüchtlinge bezeichneten Migranten sind nichts als eine moralische Keule für sie, die sie kunst- und selbstgerecht schwingen, wie der Artikel eindrucksvoll zeigt. Das ist aber nur Scheinhumanismus, und zwar antidemokratischer. Anstatt das zu legalisieren (Bock -> Gärtner), sollte man endlich darauf verzichten permanenten Rechtsbruch zu tolerieren - das würde tatsächlich Leben retten und tödliche Schleuserrouten stopfen. Aber das ist von einer politischen Kaste, die losgelöst von ihrer demokratischen Basis arbeitet nicht zu erwarten.

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caro1234 07.08.2017, 09:59
81. Tatenlose Staaten

So lange sich die staatliche Hilfe auf zugucken beschränkt, muss sich niemand wundern was da geschieht.
Natürlich retten Jugendlicher Retter vorbehaltlos jedes Leben, ihre Elten haben ihnen begebracht jedes Leben zu ehren und gewaltfrei zu kommunizieren - ich bin ok, Du bist ok Training,
Käfer einfangen und in de Garten setzen

nun kriminalisiert man diese Gruppen. Sie bewegen sich sicher am Rande er Legalität - doch warum - weil die EU nur glotzt und nichts tut. Sie guckt zu beim Ersaufen und sie guckt zu wenn andere ihren Job machen

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gonggong 07.08.2017, 09:59
82. Es gibt keine gerechte Lösung

Wer Verantwortung übernehmen will, muß mit Schuld leben können. Wer Flüchtlinge rettet und sie ablädt und weiterzieht, stielt sich aus der Verantwortung gegenüber den Menschen, denen er nun eine Bürde auflädt. Sich dem Gedanken verweigern, wie viele man aufnehmen möchte und was mit ihnen dann geschehen soll, ist verantwortungslos. Schuld lädt man immer auf sich, egal was man tut. Im Falle der Flüchtlinge ist auch zu fragen, ob oder wie viele wir in Europa überhaupt haben wollen. Diese Überlegungen sind nicht inhuman. Denn auch das gewaltsame Durchsetzen einer idealistischen Vorstellung von „einer Welt“ ist schuldhaft und kann mit Recht bekämpft werden. Man muß sich entscheiden, auf welche Seite man steht. Ein „Sowohl als auch“ gibt es nicht. Die Flüchtlingskrise jedenfalls bringt die christliche Vorstellung einer Gleichheit der Menschen kräftig ins Wanken.

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leiendeu 07.08.2017, 09:59
83. Wir schaffen das

......nicht. Die EU Sozialsysteme sind nicht unbegrenzt belastbar. Deshalb müssen innerhalb der EU gemeinsame Regeln bzgl. Einwanderung geschaffen und konsequent umgesetzt werden. Dazu gehört auch, dass der Zusammenarbeit der NGOs mit den Schleppern ein Ende gesetzt werden muss. Der letzte Absatz des Berichtes trifft den Punkt: Die nichtstaatliche Seenothilfe wird zu etwas, mit dem Flüchtlinge und womöglich auch Schleuser rechnen, was die Schwelle der Risikobereitschaft senkt. Durch diese Aktionen entstehen Anreize und damit wird die Gefahr größer, dass Menschen sterben.

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wecan 07.08.2017, 10:00
84.

Zitat von spon-facebook-1440053692
Völkerwanderungen gehören zur Geschichte der Menschheit. Wenn die Lebensbedingungen in einem Teil der Welt unerträglich werden, flüchten die Menschen dort hin, wo es besser ist. Das ist schlichte Biologie. Wenn in einem Gefäß Überdruck entsteht, dann entweicht dieser, bevorzugt dort hin, wo es Unterdruck gibt. Das ist ist schlichte Physik. Das alte Europa hat durch Kolonialismus die Grundlagen gelegt für die schlechten Lebensbedingungen und den Bevölkerungsüberdruck. Die fortdauernde Ausbeutung des afrikanischen Kontinents im Postkolonialismus, im Kapitalismus und in der Globalisierung haben alles deutlich verschlimmert. Da ist es nicht nur unmöglich sondern dazu höchst unmoralisch, sich gegen die durch die sog. Erste Welt verursachte Völker zu stemmen. Es ist völlig irrelevant, ob Staaten versuchen, menschenrechtswidrige Gesetze zu machen oder ob Schleuser an dieser Völkerwanderung verdienen. Wir sind dafür verantwortlich, unser Wohlstand beruht zu großen Teilen darauf. Da ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, alles dafür zu tun, dass möglichst wenige Menschen bei ihrer Wanderung zu Schaden kommen. Das ist die moralische Lage - um die sich Politik noch nie gekümmert hat.
Europa soll also Schuld daran sein, dass man in den meisten afrikanischen Staaten mindestens 5, gerne auch 10 Kinder pro Familie hat? Das sehe ich anders!

Afrika besteht aus eigenständigen Staaten mit selbstverantwortlichen Bevölkerungen. Hören Sie endlich auf, die Afrikaner zu unmündigen Kindern zu erklären, für die ein allmächtiges Europa die Verantwortung tragen soll.

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maxuniverse 07.08.2017, 10:01
85. Es muss etwas auf der globalen politischen Bühne passieren...

... nur dann kann man Tote im Mittelmeer vermeiden, die NGOs entlasten und außer Gefahr bringen und den Schleppern das Handwerk legen. Diese punktuelle Hilfe, bei der die Hilfeleistungen der NGOs stets eingeplant werden, bringt vielleicht bei einigen konkreten Fällen etwas; das Problem wird es aber niemals lösen. Dazu gibt es ja auch Politiker - nur machen die kaum etwas.

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kraijjj 07.08.2017, 10:01
86. Dann sollte man auch beginnen

Zitat von Shoxus
Das Engagement privater Seenotretter im Mittelmeer bleibe auch künftig absolut notwendig, sagt der Münchner Politologe Karsten Fischer. Das liege vor allem daran, dass die Debatte über die Ursachen von Migration nicht ehrlich und lösungsorientiert geführt werde - und so ebenso Raum schaffe für eine mit Mängeln behaftete asylfreundliche Politik wie auch für inhumane Asylfeindlichkeit.
die Dinge klar zu benennen. Das man jeden Ertrinkenden retten muss steht ausser Frage nur geht es doch hier nicht darum, ob Menschen generell Asyl vorenthalten wird.
Soweit ich es der Berichterstattung entnehmen konnte, hat kaum einer der über das Mittelmeer flüchtenden die Chance auf Asyl, da die Gründe der Flucht eben nicht aus politischer Verfolgung etc. resultieren.
Ein Mix aus fehlender Perspektive, Illusion vom Wunderland und Armut treibt die Menschen über das Meer und die die da kommen sind wohl noch die Stärkeren. Denen den es wirklich dreckig geht, die schaffen es nicht mal an die Mittelmeerküste.

Ehrlich muss auch diskutiert werden, welche Perspektive man den Menschen hier geben kann und nur Duldung und Alimentierung ist eben keine Perspektive. Die Voraussetzungen der Flüchtenden sind eben auch denkbar schlecht. Nicht die Sprache der Zielländer sprechend, oft wohl auch keine ausreichende Ausbildung habend, welche sie hier einfach integrierend ließe, ohne Familie/Bindung in ein soziales Gefüge wandern sie direkt und zu befürchten auch lange Zeit in das soziale Netz der jeweiligen Staaten. Das ist keine für das aufnehmende Land zu stemmende Migration und erst recht keine Integration.

Und ob sich mit nicht homogenen Gruppen von Migranten, die wohl nur die Flucht und der Traum von Europa eint, der ländliche Raum wiederbeleben lässt, wie von einer Politikerin ?!? im Artikel vorgeschlagen wird, ist zumindest leicht zu bezweifeln.
Wer nach Hamburg kann, wird vermutlich nicht nach Bötzow-Ausbau wollen.

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olliver_123 07.08.2017, 10:04
87. Wenns nicht so traurig wäre

"Ich bin nicht die einzige, die darauf hinweist, dass Tausende Dörfer von Polen bis Spanien fast leerstehen, die von Flüchtlingen aufgebaut und bewohnt werden könnten", sagt Susan Neiman,die Direktorin des Potsdamer Einstein Forums."Ich plädiere dafür, dass man konkrete Lösungen statt abstrakte theoretische Fragen diskutiert."
Das sind also dann also die konkreten, realitätsnahen Vorschläge von Einsteins Erben? Wir geben denen ein paar alte Häuser und paar Samen, dann kommen die schon zurecht. Noch eine Schaufel und einen Sack Zement, dann fehlt nur noch die Mauer außendrum, damit die auch in den polnischen und spanischen Dörfern bleiben...Wenn man sich das Leben nach der Rettung in Europa natürlich so leicht vorstellt, dann ist man als Retter auf jeden Fall moralisch im Recht. Wenn man sich aber anschaut, wie das leben der Meisten tatsächlich verlaufen wird (Sozialhilfe und Ghettos in den Großstädten), dann stellt sich schon eher die Frage, ob man dazu animieren sollte, ins Mittelmeer zu springen.

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DJ Bob 07.08.2017, 10:04
88. tja

"Tausende Dörfer von Polen bis Spanien fast leerstehen, die von Flüchtlingen aufgebaut und bewohnt werden könnten"

So wurde im Artikel argumentiert.

Auf den ersten Blick ein sinnvoller Vorschlag.. Nur, was für Hilfen sollen Sie bekommen beim Aufbau?? Bekommt jeder von Ihnen sogar noch eine Immobilie zur Verfügung nebst Aufbauhilfen?? Dann können sich die ettablierte Parteien jetzt schon drauf einstellen das Rechtspopulisten die Oberhand gewinnen

Auf den zweiten Blick fragt sich hier warscheinlich keiner WARUM diese Dörfer leerstehen? Kann es villeicht sein wegen der fehlende Perspektive? Und wenn ich keine Perspektive habe Warum sollen diese Menschen plötzlich Perspektive haben?? Oder basiert das haben von Perspektive auf Grund von völlig verschiedene Ansichten..Für diese Menschen sind "3 hots and a cot" und Sicherheit eine verdammt hoher Perspektive...Ja und dann? Nach ein paar Jahren Sozialhilfe passiert das was allen Menschen egal welcher Hautfarbe Religion etc...Steigende Kriminalität. Und im diesem Fall mit streng religiösen Ansichten verbunden.
Ich für mein Teil möchte keine "islamische Stadt Guerilla" finanzieren!

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mostly_harmless 07.08.2017, 10:05
89.

Zitat von carcaroba
...desto mehr kommen. Dieses Problem wird leider allzu oft ausgeblendet. Australien fährt hier den richtigen Ansatz, indem sie einfach prinzipiell niemanden mehr aufnehmen, der per Boot kommt. Damit hätte zumindest das ertrinken ein Ende, wenn allen Flüchtlingen klar ist, dass das Besteigen eines Bootes auf keinen Fall zum Erfolg führt. Die tiefer gehenden Ursachen zu bekämpfen ist natürlich etwas anderes, das wird aber noch Jahrzehnte dauern und hilft in der aktuellen Situation nicht.
Entgegen der Agitprop gewissen Kreise versuchen Leute sehr wohl, nach Australien zu fliehen. Untergebracht werden die Aufgegriffenen in KZ-ähnlichen Lagern

http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlingskrise-das-modell-australien-ist-fuer-die-eu-kein-vorbild-a-1106179.html

Bei denen, die nicht aufgegriffen werden, setzt Australien darauf, dass diese entweder im Magen von Haien, oder auf dem Meeresgrund landet.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/australien-schickt-alle-fluechtlingsboote-zurueck-loest-aber-das-problem-nicht-a-1029454.html

Sehr lesenwert der Link im Spiegel-Artikel auf den australischen Sender ABC, wo von kilometerlangen Leichenketten und massiv traumatisierten Mitgliedern der australischen Küstenwache geschrieben wird.

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