Forum: Politik
Forumsdebatte zu Sarrazin: "Ade Meinungsfreiheit"

Thilo Sarrazin provoziert - auch die SPIEGEL-ONLINE-Leser: Mehr als 12.000 Beiträge sind in den Foren zusammengekommen. Viele kritisieren Sarrazins polemische Wortwahl, doch es gibt auch viel Zustimmung. Und Empörung über die Entscheidung der Bundesbank, ihren Vorstand zu feuern.

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beobachter1960 04.09.2010, 08:44
10. Der Punkt ist doch

daß es vielen gar Nicht um die einzelnen Aussagen geht.

Das Problem ist doch daß wir eine Kultur des staatstragenden Jubels haben und alle betonen wie toll wir dies uns jenes finden, weil eine andere Äußerung soziale und berufliche Probleme macht.

Das andere wird nicht ausgesprochen sondern verdrängt und dadurch auch nicht ausdiskutiert. Und als Deutscher fühlt sich durchaus von "Völkern" umzingelt die alles aussprechen dürfen (auch ein Sch...-Deutscher ist da drin, oder ein "Weißbrot"), sogar sich selbst z.B. als "Zig...." bezeichnen . Aber wehe man antwortet, dann ist der Teufel los. Das macht zornig, vor allem wenn die Politiker dies nie ansprechen oder dafür abgesetzt werden.

Dazu kommt, ich kann doch nicht alle Türken lieben. Ich habe meine türkischen oder "halbtürkischen" Freunde und ich kann einige auf den Tod nicht ausstehen, vor allem deren Politiker. Und ich mag so manchen grünen Politiker mit Migrationshintergrund nicht. Ist das so schlimm?

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rkinfo 04.09.2010, 08:49
11. Der III. Weltkrieg ist nahe

Der Zerfall der Friedenspriorität ist unglaublich schnell und die Folgen kann man leicht in den Geschichtsbüchern nachlesen.

Auch in der ausgehenden Weimarer Republik war Meinungsfreiheit hoch gehalten wie bei "100 Autoren gegen Einstein". Die Bürger hassten die pluralistische Demokratie und waren begeistert wenn Leute die entstandene Meinungsfreiheit nutzten um zu diffamieren.

Genau wie damals prägen die Gelüste eines kommenden Führerstaates den Zeitgeist.
Und die Probleme soll ein starker unsozialer Staat per Zwang durchsetzen. Ausländer disziplinieren, aber auch im eigenen Volk die germanische Gebärmuter dem statistische Bundesamt als Verwalter übertragen.

Man erlebt in diesen Wochen live den Zeitgeist der späten 20er Jahre wieder mit. Da paßt vieles erschreckend gut überein.

Es wäre eine lohnende Aufgabe der Medien die historische Stimmung von damals aufzuarbeiten und den Bürger zeigen wie ähnlich sie schon zur Vorphase der späteren Jahrhundert-Katastrophe sind.

Sicherlich sind Probleme mit Migranten oder Überfremdung ein großes Alltagsproblem Vieler - egal ob in Deutschland, EU oder Rest der Welt.
Allerdings ist das ganzer Leben incl. Beruf in der Globalisierung und den Web 2.0 viel mehr Multi-Kulti geworden und das wird so bleiben.
Und wer bei der Einschulung das erste Mal Kontakt zu Menschen hat die jahreklang in Rufweite der eigene Wohnen lebte erlebt eine surreale Erfahrung.
Allerdings werden die Menschen sich später eh im Berufsleben wieder den Weg laufen.

Die Kritik an 'Ade Meinungsfreiheit' ist leider die Kritik an zuviel Pluralität der Meinungen. Die Thilo-Bibel und eigene Vorurteile reichen leider vielen aus die Aspekte zu verstehen. Und da stören Vielen leider ergänzende Meinungen.
Und dass einer Kanzlerin primär die 'Wüde des Menschen ist unantastbar' und 'Richtlinienkompetenz der Politik' umsetzt wird da schon zum Angriff aus eigene eingeschränkte Weltbild.

Eine komplexe Welt die sich teils schnell, teils absehbar langsam (wie Klima, Energieversorgung, Technologien wie E-Autos) verändert kann von Ewiggestrigen und Blockierern nicht konstruktiv begleitet werden.

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hohez 04.09.2010, 08:49
12. Vertrauensverlust der Redaktionen

Zitat von sysop
Thilo Sarrazin provoziert - auch die SPIEGEL-ONLINE-Leser: Mehr als 12.000 Beiträge sind in den Foren zusammengekommen. Viele kritisieren Sarrazins polemische Wortwahl, doch es gibt auch viel Zustimmung. Und Empörung über die Entscheidung der Bundesbank, ihren Vorstand zu feuern.
Nach dieser Medienhetze hat der Spiegel, genau wie alle anderen Leitmedien, nun dasselbe Problem wie die Politik: Das Vertrauen ist weg. Mit Artikeln wie "Ade Meinungsfreiheit" muss nun versucht werden, es wieder herzustellen. Doch ich denke, die Leser sind seither ein Stück weit schlauer geworden. So schnell lassen sie sich nicht mehr verschaukeln von Redakteuren, die glauben, ihre besserwisserischen und unverhohlen parteiischen Teilwahrheiten widerspruchslos verbreiten zu können.

Mit dem Internet 2.0 ist auch die Zeit der redaktionellen Kanzelprediger ist zu Ende. Die Online-Redaktionen der Printmedien können natürlich einfach die Kommentarfunktion abstellen, wie zum Beispiel die Frankfurter Rundschau, die noch völlig mittelalterlich funktioniert, oder teilweise die politisch korrekte SZ. Aber dann laufen ihnen die Leser endgültig davon.

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tart 04.09.2010, 08:49
13. meinungsfreiheit ade?

Sarazin kommt ja nicht in den Knast. Diejenigen die nun die Grundgesetzkeule herausholen müssen sich im klaren sein dass man als Mensch, welcher im öffentlichen Raum steht schlichtweg nicht einfach so rassistische Sprüche klopfen kann ohne die Konsequenzen zu tragen.
Würde der Chef der Deutschen Bank z.b. Frauen als genetisch minderbemittelt bezeichnen, wäre er auch nichtmehr lange Chef der Deutschen Bank. Oder van Graal kann den FC Bayern als Saftladen bezeichen...schaumer mal wie lange er dann noch Trainer dort ist. Jemand mit Sarazins Einstellung hat in der Chefetage der Bundesbank und in der SPD nichts verloren.
(Ich bin im übrigen für eine Integrationsdebatte, aber nicht in diesem Ton und bitte ohne Rassismus/Eugenik)

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janne2109 04.09.2010, 08:50
14. Forumsdebatte zu Sarrazin: "Ade Meinungsfreiheit"

Verstehen kann ich die Aufregung innerhalb der genannten Migrantengruppen nicht.Ich bin Deutsche und kann daher vielleicht in meinem Nationalstolz nicht folgen.

Die nicht gemeinten Migranten, die sich in Deutschland gebildet haben, die Sprache sprechen und arbeiten, sollten doch vielleicht auch einmal von alleine ihren abseits stehenden Landsleuten das Problem schildern, indem sich dieses Land, in das sie ja so gerne gekommen sind, erklären.

Man kann in seinem Nationalstolz auch über das Ziel hinaus stoßen. Und das tun alle Migranten die sich derzeitig aufregen und überhaupt nicht von Sarrazin und anderen gemeint sind.

Ich rege mich auch nicht auf, wenn türkische Kinder im ARD Fernsehen - ich ekle mich vor Deutschen-- zum besten geben.Konstatiere aber, es müssen die Gespräche im Elternhaus sein, die zu so einer Meinung führen.Das ist keine Entschuldigung, zeigt nur auf wie lange unsere Regierungen! das Problem verschleppt haben und wie dösig sie nun darauf reagieren.

Mir stellt sich eine ganz andere Frage- wen wähle ich nun ( nach dem bla bla der Politiker, statt endlich einmal vernünftige Vorschläge zum Gesetz zu machen) bei den nächsten Wahlen???

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otto huebner 04.09.2010, 08:54
15. da stimmt doch was nicht.............

Zitat von sysop
Mehr als 12.000 Beiträge sind in den Foren zusammengekommen. Viele kritisieren Sarrazins polemische Wortwahl, doch es gibt auch viel Zustimmung.
die berichterstattung des spiegel ist tendenziös gegen sarrazin.

richtiger waere:

die zustimmung ist ueberwaeltigend mit ca. 80-90 %. einige wenige kritisieren sarrazins polemische wortwahl.

bach fast 50 jahre spiegel-lesen ist das nicht mehr mein spiegel.

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nixi40 04.09.2010, 08:56
16. Meinungsfreiheit

Zitat von sysop
Thilo Sarrazin provoziert - auch die SPIEGEL-ONLINE-Leser: Mehr als 12.000 Beiträge sind in den Foren zusammengekommen. Viele kritisieren Sarrazins polemische Wortwahl, doch es gibt auch viel Zustimmung. Und Empörung über die Entscheidung der Bundesbank, ihren Vorstand zu feuern.
Ich verfolge seit einigen Tagen die Forenbeiträge hier und in diversen anderen Blättern und muss leider zu dem Ergebnis kommen, dass der Fokus der Diskussion schon lange von den eigentlich zu diskutierenden Inhalten verschoben (Nicht nur in den Foren)

1. Es geht NICHT um Meinungsfreiheit:
Die wird Herrn S. nicht beschnitten. Es muss nur klargestellt werden, dass Meinungen immer auch ihren gesellschaftlichen und politischen Platz haben. Und diese Positionen, die Herr S. Innehat oder -hatte, lassen sich nicht mit seiner zynischen Demagogie vereinbaren. Er denkt und fühlt weder sozial noch demokratisch. Außerdem laboriert er immer noch schwer an der Reihenfolge von Ursache und Wirkung.

2. Es geht NICHT um bisher unausgesprochene Wahrheiten:
Herr S. sagt uns nicht Neues. Jeder, der sich mit der Thematik beschäftigt hat, kennt das wenige, was an Tatsachen von Herrn S. behauptet wird. Und dass die Politik hier bisher geschlafen hat, ist nichts neues und wird noch nicht einmal von den verantwortlichen Politikern selbst geleugnet.

3. Es geht um den Geist, der in Sarrazins Werk umgeht
Man sollte eher einmal genau auf Sarrazins Sprache hören, die Begriffe, die benutzt, die Schlüsse, die er zieht. bzw. seine pseudo-wissenschaftliche willkürliche Beweisführung analysieren mit der er nachträglich seine vorher gefassten Meinungen belegt. Und man sollte einen Schritt weiterdenken – nämlich wo dieses Wesen hinführt.

Soll er denken und sagen, was er will, dass kann und darf man ihm nicht nehmen (tut auch keiner), aber die Auseinandersetzung muss erlaubt sein ohne dass man seinen Kritikern das vorwirft, was man ihm, unreflektiert zugesteht. Jemand, der so arbeitet, ist in verantwortungsvollen Positionen untragbar, denn letztlich muss man schließen, dass er bei allem so oberflächlich vorgeht.

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hjm 04.09.2010, 08:57
17. nen Titel für

Zitat von sysop
Viele kritisieren Sarrazins polemische Wortwahl, doch es gibt auch viel Zustimmung.
Sogar in der Selbstkritik wird noch mit rhetorischen Tricks gearbeitet. Der Satz suggeriert natürlich beim ersten Lesen, dass die überweigende Mehrheit "kritisiert", aber ein paar Leute auch "zustimmen". Erst beim zweiten Lesen fällt auf, dass da ja zweimal das gleiche Wort "viel(e)" steht, was der Wahrheit ein bisschen näher kommt. Und erst beim dritten Lesen fällt schließlich auf, dass sich die "Kritik" ja nur auf die "polemische Wortwahl" bezieht, die "Zustimmung" jedoch auf den Inhalt seiner Aussagen, was noch einmal deutlich näher an der Wahrheit liegt. Mit anderen Worten, die Aussage des Satzes ist genau das Gegenteil dessen, was er beim flüchtigen Lesen suggeriert.

Und was wohl auch keiner bemerkt hat: Dieser Beitrag ...

Zitat von
istiklal schreibt: "Wirklich schade, in unserem Freundeskreis wird viel über ihn debattiert. Viele sind enttäuscht. [...] Wir haben große Familien, aber wer hat die nicht? Ich wusste gar nicht, dass ich, meine Schwester (Anwältin) und meine Eltern (Abteilungsleiter/Pflegerin) dumm sind und eine Gefahr für die Enkelkinder Sarrazins, [...], weil wir Türken sind." Die Konsequenz: "Mir ist mit 26 Jahren bewusst, dass ich dieses Deutschland verlassen werde..."
... bestätigt geradezu Sarazzins Kernaussage. Nämlich, dass in Deutschland ein Klima herrscht, dass gebildete und intelligente und Menschen dazu motiviert, auszuwandern, statt hier eine (große) Familie zu gründen.

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NoMaHu 04.09.2010, 09:01
18. Ade Meinungsfreiheit

Artikel 5
Der Artikel 5 des GG sollte umformuliert werden: Eine grundsätzliche Meinungsfreiheit kann es nicht geben, denn diese findet ihre Schranken in allgemeinen Gesetzen.

Und selbst in Foren ist dieses hohe Rechtsgut, wenn es nicht nettiquettekonform präsentiert wird, gefährded.

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wowo 04.09.2010, 09:05
19. die Spirale

wenn es Sarrazin bei seinen literarischen "Auslassungen" über die Muslime in Deutschland belassen hätte, wäre die jetzige Eskalation möglicherweise ausgeblieben. Zumindest hätte es nicht diese Hype-Formen angenommen.

Der Sprengsatz kam hinein durch sein Gefasel vom "Judengen". Eine solche Einlassung ist in Deutschland der Garant dafür, dass sich die Spirale ohne Ende dreht. Ohne Ende heißt, die Folgen für die Person Sarrazin kommen erst noch.

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