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Französischer Wahlkampf: Sarkozys Wahlmanöver verärgert Merkel
REUTERS

Sie wollte ihm helfen - doch er legt keinen Wert darauf: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen sauer auf Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident hatte die Kanzlerin zunächst um gemeinsame Wahlkampfauftritte gebeten - lud sie dann aber per Radiointerview wieder aus.

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Claudio Soriano 23.03.2012, 02:44
120. Von

Zitat von kuddel37
Sarkozy muss seinen Wählern zeigen das er französische Interessen vertritt, sich dann mit Frau Merkle zu zeigen wäre wohl komplett falsch. Die vertritt ja nicht mal Deutschlands Interessen.
jeden Migranten oder Ausländer der in Deutschland wohnen will,verlangt man einige Deutschkenntnisse in Wort und Schrift. Merkel konnte BK werden ohne demokratische Grundkenntnisse zu haben! In Moskau oder der O.Zone hat Sie vieleicht Marx oder Engels gelesen, bestimmt aber nicht das Bundesrepublikanische Grundgesetz! Hollande wird aufzeigen, das Europa auch Menschenwürdiger sozialer geht. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt wie Merkel und Sakozys, muß auf Dauer die Quittung dafür bekommen, ob es der Wirtschaftselite gefällt oder nicht.

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Tjoffke 23.03.2012, 19:15
121. Merkel verantwortungslos

Zitat von festuca
Ein Auftreten mit Angela Merkel in Frankreich wäre für Sarkozy geradezu kontraproduktiv. Die Kanzlerin sollte aufpassen, sie setzt auf das falsche Pferd.
Ist ja schon passiert, und die Folgen waren katastrophal. Das Seltsamste daran ist, dass es absehbar war.

Ich lebe und arbeite in Frankreich und kann bestätigen, dass Merkels bereits erfolgte offene Unterstützung für den Wahlkämpfer Sarkozy sowie - noch wichtiger - ihr herablassendes Verhalten gegenüber F. Hollande nicht nur in den Medien negativ aufgenommen wurde, sondern auch gerade in der Bevölkerung. Sowohl dem "Kleinen" als auch Merkel und dem von ihr vetretenen Deutschland wurde das ganz übel angekreidet.

Erstens verstärkte es den Eindruck, dass Sarkozy bzgl. Eurokrise nurmehr eine Marionette Berlins sei. In diesem Feld hatte der kleine Nick ja schon vorher mit dem Spott der Leute zu kämpfen gehabt.

Zweitens stellte (und stellt) sich vielen Franzosen die Frage, wieso sich das offizielle Deutschland eigentlich eine Einmischung in den frz. Wahlkampf anmaßt.

Und falls François Hollande gewinnt: wieso belastet Merkel das Verhältnis schon jetzt mit einer solchen Hypothek, noch bevor der neue Präsident sein Amt antritt? Das ist doch, gelinde gesagt, töricht.

Sie soll wegbleiben, schon im Interesse des Ansehens Deutschlands in Frankreich. Und ein normales Verhältnis zu beiden Kandidaten pflegen, soweit sie diese Möglichkeit nicht schon verbaut hat.

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Tjoffke 23.03.2012, 19:21
122. Am Thema vorbei

Zitat von nikon2000
Warum? Ist Hollande besser mit seinen 75% Spitzensteuersatz, den er fordert?...
Darauf kommt es hier nicht an. Die Frage ist, ob Merkels Parteinahme und die Demütigung, die sie Hollande hat zukommen lassen, nicht ein ganz großer politisch-diplomatischer Fehltritt sind und dadurch massiv den nationalen Interessen Deutschlands in seinem Verhältnis zu Frankreich schaden.

François Hollande und seine Partei begeistern sicher auch nicht gerade. Aber objektiv muss man sehen, dass er eine reelle Chance hat, die Wahl zu gewinnen. Und in dem Fall wird er eben Präsi de la R., und die Kanzlerin wird sich mit ihm arrangieren müssen. Da sollte sie nicht vorher das Verhältnis vergiften.

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Tjoffke 23.03.2012, 19:29
123. Tut mir leid, aber das ist Q...

Zitat von Apologet
Das heißt Sand in die Augen streuen. Niemand hat was dagegen, dass irgend ein Europäer in einem anderen Europäischen Land Urlaub macht. Aber sich an den Trögen der Sozialleistungen zu bedienen, praktisch voraussetzungslos, das ist ja wohl ein anderes Kaliber. Und das muss man nicht gut finden. Ich finde es nicht gut. Punkt.
Die meisten Sozialleistungen bekommt nur, wer zuvor ausreichend lang in die Sozialversicherungen eingezahlt hat. Und die Personenfreizügigkeit innerhalb der EU und der Schweiz gilt nur für jene, die für ihren Unterhalt aufkommen können. Was Sie da behaupten, ist einfach Quatsch und stellt in Wahrheit überhaupt kein Problem dar.

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Tjoffke 23.03.2012, 19:49
124.

Zitat von burgundy2
aber wenn Sie hier in Paris zum Beispiel nur 5000 Euro netto verdienen, dann können Sie hier nicht leben. Um allerdings auf 5000 Euro netto zu kommen, müssen Sie schon 10000 Euro brutto einfahren, auch in Frankreich ist es nicht anders als in Deutschland, nur etwas anders verteilt (weniger Steuern, dafür höhere Soziallasten). Viele in diesem Ballungsraum leben übrigens bereits von ihrem Erbe. Haben Sie keinen familiären finanziellen Background, ist Paris und Umgebung (ein Ballungsraum von immerhin 12 Millionen Einwohnern) verbrannte Erde für Sie bei Mieten von weit über 20 Euro pro qm oder Wohnungskaufpreisen von mindestens 5500 Euro pro qm, wobei es praktisch keine Mietwohnungen gibt. Alle, die diese Bedingungen nicht erfüllen, nehmen Pendlerzeiten von bis zu zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück in Kauf. Das ist die soziale Realität in der Ile de France. Wenn Hollande daran dreht, entsteht hier eine Massenarmut, die es ohnehin schon gibt, wenn man nur mal an den touristischen Sehenswürdigkeiten vorbeischaut.
Ich kann das nur bestätigen. Der Abstieg der Mittelschicht ins Prekariat ist hier (Frankreich und besonders IdF) erheblich weiter fortgeschritten als in Deutschland. Wer überhaupt noch vernünftig lebt, lebt von der Substanz. Wohnraum ist, wie schon oben beschrieben, beinahe unerschwinglich, egal ob zur Miete oder zum Erwerb. Mit einem "normalen" Beruf (Krankenschwester, Facharbeiter) können Sie nur im Ghetto wohnen und jeden Tag im Hausflur zweimal an den Drogendealern vorbei. In anderen Vierteln ist das Resultat Leerstand. In dem gutbürgerlichen Mietshaus in einem relativ reichen Vorort, in dem ich wohne, sind zahlreiche der Wohnungen unbewohnt. Ebenso stehen die zum Kauf angebotenen Häuser und Wohnungen teilweise jahrelang zum Angebot, weil das Preisniveau die Finanzmittel der meisten Leute so stark übersteigt. Makler fälschen die Dossiers von Mietkandidaten und täuschen bessere Einkommensverhältnisse vor als vorhanden - nur damit es zum Abschluss des Vertrages kommt. Totaler Wahnsinn.

Die Erhöhung der Steuern und Abgaben - wie von Hollande und dem PS gefordert - wird das nur noch verschärfen, weil die Kaufkraft der meisten Franzosen weiter sinken wird - nicht nur jener wenigen, die von den vielzitierten 75% betroffen wären. Allerdings geben sich die Parteien nicht viel; auch Sarkozy wird im Fall seiner Wiederwahl irgendwie Geld in die Kassen holen müssen. Er hat bloß noch nicht bekanntgegeben, wie er's bewerkstelligen will.

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Tjoffke 23.03.2012, 20:02
125.

Zitat von Shaft13
"Der freie Personenverkehr zählt zu den konkretesten und größten Errungenschaften der europäischen Integration und stellt eine Grundfreiheit dar." Stimmt, die ganzen Osteuropäischen Verbrecherbanden sehen das haargenau so wie Frau Merkel. Sarkozy will die Grenzkontrollen schliesslich nicht wegen den Spaniern,Italinier,Össterreicher oder Deutsche wieder einführen,sondern wegen den unkontrollierten Wanderungen dieser Verbrecherbanden.
Die Spanier, Italiener, Österreicher und Deutschen wären davon aber auch betroffen.

Und gegen Verbrecherbanden sollte man besser erst einmal im eigenen Land vorgehen. Was in Frankreich aber nicht getan wird.

Fahren Sie mal mit der Pariser S-Bahn, dann merken Sie sofort, dass da gewerbsmäßige Bettelei usw. in einem Ausmaß betrieben wird, das nur durch totale Duldung zu erklären ist.

Dieselben aber, die die Bettelei managen, organisieren auch andere, weniger harmlose "Wirtschaftszweige": Diebstahl usw.

Sicherheitspersonal in den Zügen oder auf den Bahnhöfen gibt es nicht. Wer sich beklauen lässt, ist selbst schuld. Wenn Sie eine Versicherung gegen so etwas haben, dann zahlt die nicht, wenn Sie nicht körperlich angegriffen worden sind: denn in dem Fall ist ja schon mal klar, dass Sie fahrlässig gehandelt haben und unaufmerksam waren. Zum Glück kriegen aber viele Opfer von den Räubern auch gleich noch ein paar aufs Maul gehauen.

Gegen das alles könnte man relativ einfach vorgehen. Das wird aber nicht getan, und zwar hauptsächlich aus Kostengründen. Die Polizei leidet sowieso unter chronischem Mangel an Personal und allem anderen, und die RATP braucht ihr Geld für andere wichtige Projekte, z.B. 500.000 EUR für die Weihnachtsfeier und viele, viele Millionen für den Betriebsrat. Gegen die Verhältnisse, die dort herrschen, waren z.B. die Veranstaltungen bei VW (die "Damen von Rio") ein Kindergeburtstag.

Da hilft es wenig, wenn man ein paar EU-Ausländern Steine in den Weg legt, die eine Stelle in Frankreich annehmen wollen.

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Tjoffke 23.03.2012, 20:19
126. Nein.

Zitat von achazvonthymian
Wenn es den Franzosen an den Geldbeutel geht, hervorgerufen durch allzu europäische Solidarität, ist meistens der "Boche" - das alte Schimpfwort für die Deutschen - schuld. Man scheut sich dann auch nicht, die Nazi-Keule aus der Kiste zu holen, fast 70 Jahre nach Kriegsende. Das war schon zu Adenauers Zeiten so, das ist heute genau so. Wer etwas anderes behauptet, ist reichlich blauäugig.
Nein. Meine Erfahrung (lebe seit vielen Jahren in Frankreich und folge dem politischen Leben hier) ist eine ganz andere. Die Nazi-Keule wird inzwischen praktisch nie mehr geschwungen - wenn ich versuche, mich spontan zu erinnern, wann und wo ich so etwas das letzte Mal gehört habe, dann war das aus dem Mund von J.-P. Chevènement. Habe gerade nachgesehen, das war im Jahr 2000. Und er hat sich damit total ins Abseits befördert.

Krieg und Okkupation kümmern im Verhältnis der Franzosen zum heutigen Deutschland hier niemanden mehr, trotz rührseliger Fernsehspiele um mutige Resistance-Frauen usw. Die Leute haben andere Sorgen. Wenn Deutschland hier misstrauisch beäugt wird, dann weil die Franzosen dem von Sarkozy & Co. hochgelobten "deutschen System", dass er vorgibt, kopieren zu wollen, nicht trauen. Sie haben vor allem Angst vor dem (tatsächlichen oder vermeintlichen) Sozialdumping, mit dem der deutsche Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre nach Meinung vieler hier erkauft worden ist. Die Sicht ist sehr nüchtern, wenn auch nicht immer gut informiert.

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