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Gaddafis Tod: Ende eines Tyrannen

Oberst Muammar al-Gaddafi war der wohl schillerndste Staatschef*unserer Zeit - ein Diktator und zugleich sein eigener Hofnarr. Jahrzehntelang*wechselte er zwischen äußerster Brutalität und aberwitziger Exzentrik.

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eulenspiegel 47 20.10.2011, 16:21
1. ***

Zitat von sysop
Oberst Muammar al-Gaddafi war der wohl schillerndste Staatschef*unserer Zeit - ein Diktator und zugleich sein eigener Hofnarr. Jahrzehntelang*wechselte er zwischen äußerster Brutalität und aberwitziger Exzentrik.
Und all die Jahre hofiert von westlichen Regierungschefs.

Mehr als peinlich sich mit Narren auf eine Stufe zu stellen.

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timewalk 20.10.2011, 16:22
2. passwordmaster

Zitat von sysop
Oberst Muammar al-Gaddafi war der wohl schillerndste Staatschef*unserer Zeit - ein Diktator und zugleich sein eigener Hofnarr. Jahrzehntelang*wechselte er zwischen äußerster Brutalität und aberwitziger Exzentrik.
Wie wohl die Einwohner darüber denken wenn deren Kinder an Uranhaltigem Staub verstümmelt zur Welt kommen?

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Redshield 20.10.2011, 16:55
3. Das Ende noch eines Tyrannen. ( To be continued )

… Hurra , hurra … Versuche mich zwar zu freuen; aber irgendwie überkommt mich die Freude nicht so recht ;-(

Bin aber ganz pessimistisch, denn ich weiß es genau, die Freude, sie kommt nie auf . Oder doch. Eines Tages; wenn der Rest der Tyrannen, implizit derer in der westlichen Hemisphäre, mal auf die Idee gekommen ist, froh und friedlich abzudanken.

A so, die heimischen "..." sind bis Dato nicht mal auf die Idee gekommen, sie wären welche. Dann haben wir da ein kleines Problem. ... Freilich, sie haben kein Problem. Haben wir ein Problem?

(Noch was, bevor jemand auf die Idee kommt, mir die Frage zu stellen, ob ich ein Problem hätte, so etwas zu behaupten. Nun ja mein Freund, ich habe ein gewaltiges Problem. Und nicht nur ein(s) davon ! ).


Na dann, hurra-hurra ! Ein Tyrann hat sein Ende gefunden; und der Nächste freut sich schon. Hurra, hurra, hurra !

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sir.viver 20.10.2011, 17:04
4. hurra

Der Diktator ist tot, es lebe der Diktator.

Who's next in charge?

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thomue73 20.10.2011, 17:04
5. Scheinheiligkeit regiert

Die Nachricht ist für das libysche Volk eine Befreiung. Der Tyrann, der über Jahrzehnte die Bevölkerung unbehelligt terrorisieren durfte ist vor seinen Schöpfer getreten.

Möge im der Herr seine Taten nicht so schnell verzeihen.

Auch der Westen jubelt über das Ende des einstmals begnadigten Terroristen, der kürzlich nur deshalb wieder in Ungnade gefallen ist, weil sich seine Taten nicht mehr unter den Teppich kehren ließen. Böses, böses Datennetz.

Im Grunde ist die aktuell inszenierte Erleichterung der Politik nicht nachzuvollziehen.

Ich meine, das Thema Gaddafi hätte spätestens nach Lockerbie final beendet werden müssen. Auch sind die Erkenntnisse über die unbeschreiblichen Greueltaten die der Mann zu verantworten hat nicht wirklich neu.

Egal, am Ende werden wir wieder profitieren. Das kleine Bisschen Doppelmoral bringt uns auch in diesem Fall nicht um.

"First we lay the carpet bombs, then we send the builders in - it's a humpty dumpty thing!"

Die Zeile stammt natürlich nicht von mir sondern von Ex-Carter USM Frontman Jim Bob. Aber sie passt meines beischeidenen Erachtens nach wie die Faust auf's Auge.

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xxyxx 20.10.2011, 17:13
6. Aber was kommt danach??

Zitat von sysop
Oberst Muammar al-Gaddafi war der wohl schillerndste Staatschef*unserer Zeit - ein Diktator und zugleich sein eigener Hofnarr. Jahrzehntelang*wechselte er zwischen äußerster Brutalität und aberwitziger Exzentrik.
Für das NTC hat die Nachricht vom Tod Gaddafis nicht nur positive Aspekte. Mit dem Verlust des gemeinsamen und dadurch auch verbindenden Feindes und Sündenbocks und mit der Eroberung der letzten Bastionen in Sirte und Bani Walid gehen auch die Begründungen verloren, weshalb der Aufbau staatlicher und auch rechtsstaatlicher Strukturen noch nicht angepackt werden kann und warum die Diskussion über die künftige Machtverteilung zwischen den einzelnen Machtzentren der Rebellenbewegung noch nicht zu Ende geführt werden kann. Gerade die letztere Frage enthält einige Sprengkraft und war deshalb auf die Zeit nach Ende des Krieges mit den "Gaddafi-Loyalisten" aufgeschoben.

Das NTC wird nun unter einen stärkeren Rechtfertigungsdruck kommen. Laut UNO-Angaben werden im "neuen" Libyen zur Zeit über 7.000 Menschen wegen angeblicher Unterstützung Gaddafis festgehalten, ohne daß ihnen der rechtliche Status von Kriegsgefangenen zugebilligt wird oder gegen sie Anklage erhoben wurde. Bei einer Bevölkerung von rund 6,5 Millionen ist dies mehr als jeder tausendste Libyer. Es dürfte schwer sein, auf der Welt ein Land zu finden, welches eine ähnliche Quote an willkürlich festgehaltenen politischen Gefangenen hat.

Die Bevölkerung Libyens wird das NTC daran messen, wie sich das Alltagsleben in der nächsten Zeit entwickeln wird. In den letzten Jahrzehnten war das Leben schwer und gefährlich für Menschen, die sich der politischen Opposition zurechneten. Die große Mehrheit, die sich um solche Dinge wenig kümmerte, lebte in einem stabilen und für afrikanische Verhältnisse sehr wohlhabenden Land. Die Rebellion und der Krieg haben für sie vor allem Zerstörung und Leid gebracht und ich denke nicht, daß es dem NTC bis jetzt gelungen ist, die Sympathie dieser Menschen zu gewinnen.

Man hat darüber gespottet, als Gaddafi angekündigt hatte, in seinem Land im Kampf zu sterben. Das es nun doch so gekommen ist, wird bei seinen Anhängern, die er in Libyen noch hat, seinen Mythos verstärken. Die alternativ in manchen Medien verbreitete Version, daß er in einem Erdloch versteckt gefangengenommen wurde, ist eine zu platte Wiederholung der Causa Saddam Hussein, als daß sie geglaubt werden würde.

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philathei 20.10.2011, 17:21
7. Der König ist tot

Zitat von sysop
Oberst Muammar al-Gaddafi war der wohl schillerndste Staatschef*unserer Zeit - ein Diktator und zugleich sein eigener Hofnarr. Jahrzehntelang*wechselte er zwischen äußerster Brutalität und aberwitziger Exzentrik.
Hoffen wir, daß es nicht nach dem alten Motto geht: "Der König ist tot, hoch lebe der König" bzw. in der für den Bereich islamischer Herrschaft passenden Version: "Der Diktator ist tot, hoch lebe der Diktator." Viel Grund zum Optimismus gibt es nicht.
Wie anderer Stelle kürzlich mitgeteilt wurde (vielen Dank, kewil!), stellte Altvater Friedrich Engels schon 1894 mit einer Nüchternheit fest, wie sie unseren Politikern und Journalisten völlig fehlt:
"Einen eigentümlichen Gegensatz hierzu [gemeint: zu den fortschrittlichen europäischen Revolutionen] bilden die religiösen Aufstände der muhammedanischen Welt, namentlich in Afrika.

Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des »Gesetzes«. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen.

Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen; eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an.

So ist’s geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch."

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raka 20.10.2011, 17:33
8. .

Zitat von Spon
(...) Erst als sich, inspiriert durch Tunesien und Ägypten, auch die libysche Opposition erhob, wendete sich das Blatt gegen den Narziss. Ein halbes Jahr leistete er erbitterten Widerstand, verstieg sich im Abwehrkampf in wilde Theorien, wie die absurde Klage, die Aufständischen stünden unter Drogen, die al-Qaida verteilt habe. Es nützte nichts: Am Ende nahmen sie Tripolis, wo man ihn zunächst nicht fand - Wochen später wurde er nun getötet. (...)
Äh, war da nicht noch was mit der kämpfenden NATO und so weiter, der fast die Munition ausgegangen ist und ohne die die "Revolution" wohl nicht geklappt hätte?

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Chris110 20.10.2011, 17:40
9. Spon

derart Nachrufe wirken sowas von peinlich.
Der Mann wurde doch vom Westen und auch seinen Medien! jahrzehntelang hofiert. Gerhard Schröder, Bill Clinton, Berlusconi, die Liste der Besucher ist lang!
Jetzt plötzlich soll er der große Tyrann gewesen sein?
Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

In meinem Bild war Gaddafi jahrzehntelang ein komischer Kauz, aber ein normaler Herrscher, wie es sie in Afrika dutzendfach gibt. Keineswegs aber ein Tyrann.
Das mit dem Tyrann kam erst seit der Revolution auf.

Hoffentlich schreibt niemand einmal einen Nachruf auf westliche Journalisten: "Er änderte seine Meinung nach Belieben, und schrieb immer nur Unsinn."

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