Forum: Politik
Gas aus Russland: US-Botschafter Grenell schreibt Drohbriefe an deutsche Firmen
AP

Der amerikanische Botschafter Richard Grenell hat laut einem Medienbericht mehreren deutschen Firmen gedroht, die am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligt sind: Das könne "ein erhebliches Sanktionsrisiko nach sich ziehen".

Seite 43 von 46
bristolbay 13.01.2019, 17:33
420. Zieht dieses Argument eigentlich noch?

Zitat von gruffelo
Ich bin ja völlig einverstanden, dass ein Pipelinetransport grds einem Schiffstransport vorzuziehen ist, und das Gas wird ja innerhalb der USA und innerhalb Europas via Pipelines transportiert. Mein Punkt richtet sich auch nicht gegen Pipelines als bevorzugtes Transportmedium. Das Problem an Nordstream 2 ist aber nunmal, dass Russland jederzeit sein Ende der Pipeline zudrehen kann und wir keine Alternativversorgung haben. Damit sind wir von Russland erpressbar. Und jetzt sagen Sie mir doch bitte nicht, dass es nicht gefährlich sei, von einem Herrn Putin erpressbar und abhängig zu sein...
Seitdem erstes Öl und Gas aus russischen Pipelines gekommen ist, wurde diese Quelle noch niemals als Erpressungspotential benutzt. Weder von Breschnew noch heute von Putin.
Es ist eine ganz einfache und simple Gleichung, die haben Rohstoffe und brauchen Devisen, wir haben Knete und keine Rohstoffe. Immer ein gutes Geschäft für beide Seiten, zu mal sich jetzt europäische und auch US-Firmen an der Exploration von Öl und Gas in Russland beteiligen.
Die Russen und die Deutschen haben ihre Verträge immer eingehalten, sogar als der 2. Weltkrieg ausbrach.
Können Sie das von der jetzigen US-Regierung auch behaupten? Dort wird doch alles was "Amerika First" widerspricht, gekündigt und sanktioniert (Iran-Abkommen).
Für Amerika gilt gerade jetzt, nur was "uns" guttut ist gut.
PS: Wer ist eigentlich "uns"

Beitrag melden
bauklotzstauner 13.01.2019, 18:05
421.

Zitat von Idinger
Das sehe ich allerdings etwas anders als Sie und bauklotzstauner. Russland hat - beginnend 2004 - versucht, über mehrfache Forderungen von Preiserhöhungen für Gas und - bei deren Nichtakzeptanz durch die Ukrainbe - der Einstellung der Gaslieferungen zu "bestrafen" (wofür, braucht ja wohl nicht näher ausgeführt werden). Einzelheiten - auch zur unterschiedlichen Auslegung bestimmter Vertragsklauseln - lassen sich ganz einfach bei Wiki nachlesen. Hinzu kommt, was von interessierter Seite möglichst nicht erwähnt wird, dass GASPROM fast 3 Miliarden Dollar an die ukrainische Seite zahlen muss (Stockholmer Schiedsgericht, Urteil vom Februar 2018), dies aber nicht tut. Sie sehen also: So ganz astrein ist das Märchen von der unbedingten Vertragstreue Russlands nicht. Ansonsten stimme ich bauklotzstauner zu, dass Russland von den Gaslieferungen wirtschaftlicher abhängig ist, als wir es energiepolitisch sind.
Nun ja... da Gazprom seinerseits seit 2013 eine Vertragsstrafe an die Adresse der Ukraine in Höhe von 7 Milliarden Dollar geltend macht, die auch nie bezahlt wurde, ist das Nichtzahlen der Strafe des Stockholmer Schiedsgerichtes auch irgendwo verständlich.

Zumal die Entscheidung recht merkwürdig ist. Die Ukraine hat seit 2009 einen gültigen Vertrag über Gaslieferungen Russlands mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Also aktuell imer noch gültig. Seit 2015 kauft die Ukraine aber kein Gas mehr von Russland - eine einseitige Entscheidung der Ukraine - übrigens zum großen Nachteil der EU, müssen doch inzwischen EU-Staaten und -Untenrehmen (RWE) die Ukraine mit Gas versorgen - witzigerweise zuvor von Russland gekauftes Gas, das einfach "zurückgepumpt" wird.

Die Entscheidung des Stockholmer Schiedsgerichtes erscheint mir daher eher politisch motiviert als "rechtens".

Interessant am Gasstreit der Ukraine mit Russland ist übrigens, daß er im Jahr 2005 begann. Nachdem der vom Westen gepushte Wiktor Juschtschenko ans Ruder gekommen war, und jegliche Verhandlungen mit Russland über die Gaspreise ablehnte. Seine Ministerpräsidentin war damals Dame mit der Zopffrisur Julia Timoschenko, die sich 2011 vor Gericht wiederfand - wegen Amtsmißbrauch und Korruption, witzigerweise auch wegen des Gasvertrages von 2009 (!!), der aus Sicht der Richter die Ukraine benachteiligt hätte.

Sie wurde nach dem Putsch aus der Haft entlassen. Aber nicht - wie in unseren Medien jahrelang behauptet wurde - weil sie unschuldig gewesen wäre, sondern weil das Parlament in der Putsch-Nacht das Gesetz, dessentwegen sie verurteilt wurde, noch flugs abänderte. Ein überdeutlicher Beweis dafür, daß ihre Verurteilung absolut rechtens war. Was unsere Medien übrigens bis heute großzügig ingoriert haben. Mach schauen, ob sie sich in der Berichterstattung zu den Präsidentschaftswahlen, bei denen sie antritt, daran erinnern werden, oder ob weiter der große Opfermythos zelebriert wird.

Ja, die Ukraine ist schon ein "sehr spezieller" Fall....
Und jetzt also macht sich Grenell dafür stark, daß sie weiterhin am Gashahn Mitteleuropas sitzen darf...

Beitrag melden
g.eliot 13.01.2019, 18:07
422. Die Politik seines Masters

Zitat von espressotime
Der hat seit Anfang an für Spannungen gesorgt und würde mich auch nicht wundern wenn er der Drahtzieher ist für politische Unruhen in Deutschland um EU. Also bitte per one way ticket nach Hause schicken.
Grenell macht doch nichts eigenständig, sondern ist nur die devote Stimme seines Masters. Sonst wäre er schon längst weg vom Fenster.

Bei Trump wird pariert, ohne dumme Fragen zu stellen. Die eigene Meinung stört nur, die wird vom Größten POTUS ever nicht geduldet.

One way ticket, und dann folgt Trumps nächster Wadenbeißer.

Beitrag melden
Promethium 13.01.2019, 18:12
423.

Zitat von bauklotzstauner
Vielen Dank für die Ergänzung! Daran sieht man auch sehr gut, daß sogar die (nachvollziehbaren) Argumente eines egoistischen, wirtschaftlichen Eigennutzes seitens der USA nur vorgeschoben sind.
Aber genau das wurde sehr häufig behauptet und als Argument für die Ostsee Pipelines verwendet!

Daraus lernen wir, das den Argumenten für die Ostsee Pipelines nicht zu trauen ist!

Der Erdgasmarkt ist schwer in Bewegung. Viele Staaten die bisher Erdgas-Konsumenten waren, fangen an die Fracking Technologie zu nutzen um sich unabhängig zu machen. Die Kontingente dieser Staaten werden frei. Manche bisherigen Erdgas-Konsumenten, werden wie die USA zu Exporteuren werden. In der Liste ist z.B. Kanada noch gar nicht enthalten.

Darüber hinaus wird in naher Zukunft das Methanhydrat als Erdgasersatz auf den Markt drängen. In manchen Gegenden wird die Menschheit das Methanhydrat höchstwahrscheinlich sogar fördern müssen, weil es sonst durch die Erderwärmung in die Atmosphäre gelangen könnte wo es extrem Klimaschädlich wirkt.

"Gefährliches Methanhydrat Klimakiller löst sich aus den Tiefen des Eismeeres"

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/gefaehrliches-methanhydrat-klimakiller-loest-sich-aus-den-tiefen-des-eismeeres-a-580213.html

Das Methanhydrat wird größtenteils per Schiff kommen, also brauchen wir endlich einen entsprechenden Hafen und keine sinnlose und konfliktträchtige Pipeline.

Beitrag melden
Idinger 13.01.2019, 18:13
424. Nein, nein !

Zitat von gantenbein3
Bisher wurden etwa 370 Kilometer Rohrleitungen verlegt: https://www.nord-stream2.com/de/media-info/neuigkeiten/pioneering-spirit-nimmt-nord-stream-2-verlegearbeiten-in-finnland-auf-116/ Sollen die für die Katze sein?
Nicht "für die Katz", sondern für die Aktionäre der beteiligten Firmen. Das Geld kommt doch bei den Gaslieferungen wieder rein - falls die Pipeline aber nicht in Betrieb genommen würde, hat man die Aktionäre doch wohl vorher über bestehende Risiken aufgeklärt. Schutzbedürftig ist dieser Personenkreis aber sicher nicht, es sei denn, die Politik hat - mir nicht bekannte - Zusagen über die Verwirklichung des Projekts gemacht..

Beitrag melden
volker w. rieble 13.01.2019, 18:16
425. Grenell/USA

Warum machen die USA das?
1. weil sie es können
2. weil dies die Strategie der USA seit 1900 gegenüber Deutschland ist.
Und natürlich interessieren sich die USA einen Sch...dreck um die Ukraine. Sie wollen schlicht und einfach ihr Fracking Gas an die Deutschen verkaufen, wenn es sein muss mit politischem Druck. Weil dieses Gas neben seiner Umweltzerstörung auch noch ca. 30% über dem russischen Gaspreis liegt.
Es wird darauf ankommen, ob und in welchem Umfang die EU hinter Deutschland steht. Zweifel sind angebracht.
Die einseitige Aufhebung der Sanktionen könnte eine mögliche Antwort im Sinne der deutschen Wirtschaft sein. Denn Mr. Trump wird weitermachen wie bisher. Allein Juncker mit dem Gewicht von 500 Mio Europäern konnte bisher Mr. Trump beeindrucken. Sic.

Beitrag melden
enfield 13.01.2019, 18:19
426. Pff

Zitat von P-Schrauber
... Wer sich nicht beschwert ... muss damit leben, auch wenn es ihnen offensichtlich nicht gefällt. Wo sie von Liga sprechen, die Vermutung liegt Nahe dass die Konversationsliga zwischen der USA und Deutschland so diskrepant zu Ungunsten von Deutschland zu sein scheint, dass es deswegen nicht funktioniert. Ich kann mir gut vorstellen das die US Seite einen erheblichen und permanenten Druck in jeden Satz hineinformuliert, den sind unsere Politiker nicht gewachsen scheinen.
Damit kann Deutschland natürlich gut leben. Der Botschafter hat ja eh keine Macht oder besonderen Befugnisse - da kann er twittern und quatschen was er oder Trump will. Was sollen Noten oder sonstwas bringen außer unnötigen Aufwand und Reibung. Die Rolle, Haltung und das Gebahren der USA und ihrer Vertreter ist ohnehin hinlänglich bekannt, das werden Kim Jong-un, Buhari oder Theresa May beispielsweise genauso sehen. Die EU ist genau wie Deutschland betroffen - inklusive diplomatischen Zusammenhängen.
Im übrigen ist das tatsächliche Drohpential der USA wohl sehr überschaubar - und wird sich wohl auch nicht in diplomatischen komplexen Formulierungen steigern lassen, sollte es in USA noch amtierende Diplomaten geben, die dazu überhaupt kognitiv in der Lage wären. Deswegen reicht Twitter ja auch wohl in den meisten Fällen völlig aus.

Beitrag melden
fortinbrass 13.01.2019, 18:24
427. Ribbentrop Reloaded

Zitat von mannakn
...nicht in der Lage ist seinen Job nach allgemeinen diplomatischen Gepflogenheiten zu erledigen und sich statt dessen wie Trumps Kampfhund benimmt, sollter bitte unser Land verlassen, und zwar je schneller desdo besser.
Dieser "Botschafter" ist genauso wenig für Aufgaben der Diplomatie geeignet, wie damals dieser Sekt- und Spirituosenimporteur mit NSDAP-Parteibuch. Wir sollten uns solche Unverschämtheiten nicht länger bieten lassen. Schließlich sind die USA immer noch Signatarstaat der 'Internationalen Wiener Übereinkunft über diplomatische Beziehungen' und haben sich an die dorf festgelegten Regeln zu halten. Unsere Regierung sollte endlich den Mumm haben, das Agreement für diesen "Diplomaten" zu widerrufen.

Beitrag melden
wolfgangselig 13.01.2019, 18:54
428. Was genau heißt "Verlust sicherheitspolitischer Bedeutung"?

Aha, die Ukraine "verlöre" durch die Pipeline an "sicherheitspolitischer Bedeutung". Was heißt das übersetzt ins Deutsche?

Ich übersetze das so, dass die Ukraine uns nicht mehr den Gashahn zudrehen kann, nur weil sie gerade im Streit mit Russland liegen. Da sage ich jetzt als Mitteleuropäer mal ganz entspannt: Ja und? Das ist ja genau der Grund, warum wir die Pipeline brauchen. Damit nicht mehr unbeteiligte Drittstaaten sich ein Veto rausnehmen. Und wenn man weiß, wie viel Gas aus dieser Pipeline in der Ukraine schon illegal gezapft wurde bzw. wie oft schon Rechnungen seitens der Ukraine nicht bezahlt wurden, kann ich die Russen schon verstehen. Von der fragwürdigen Instandhaltung bzw. Wartung wollen wir noch gar nicht reden.

Etwas anderes ist es mit Polen. Polen ist EU-Mitglied, Polen ist Nato-Mitglied, Polen zahlt seine Rechnungen und ist kein failed state. Ich würde es durchaus für sinnvoll halten, vom Ende der Pipeline eine Abzweigung in Richtung Polen einzurichten, um deren Abhängigkeit von der Ukraine bzw. Weißrussland zu verringern, denn den Polen hilft die neue Pipeline bisher nicht. Das wäre im Sinne guter Nachbarschaft zwischen Deutschland und Polen, die gerade in diesen Zeiten ein Zeichen der Verbesserung der angespannten Beziehungen wäre.

Und - liebe Amerikaner - natürlich kaufen wir auch gerne von Euch LNG-Gas vom Schiff. Aber dann halt zu wettbewerbsfähigen Preisen gemäß der geographischen Situation und nicht zu überhöhten Preisen, weil wir bei unserem osteuropäischen Nachbar nicht einkaufen dürfen, wenn es nach Euch geht. Wir korrigieren nur per Pipeline den politischen Zerfall der Sowjetunion in mehrere Staaten, weswegen das russische Gas halt jetzt auch eine neue, mit Russland zerstrittene Nation durchquert.

Die Pipeline ist eine der wenigen Dinge, die diese Regierung dank Altkanzler Schröder gerade richtig macht.

Beitrag melden
bauklotzstauner 13.01.2019, 19:27
429.

Zitat von Promethium
Aber genau das wurde sehr häufig behauptet und als Argument für die Ostsee Pipelines verwendet! Daraus lernen wir, das den Argumenten für die Ostsee Pipelines nicht zu trauen ist!
Da haben sie aber die Diskussion um Nordstream 2 nicht richtig verfolgt. Gas aus den USA stand als Alternative nie wirklich zur Debatte. Schon wegen der gar nicht verfügbaren Mengen. Vielmehr nähert sich Nordstream 1 seit 2017 der Kapazitätsgrenze.

Beitrag melden
Seite 43 von 46
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!