Forum: Politik
Gedenken in Moskau: Stolpersteine für Stalins Opfer
Yuri Kozyrev/ Noor

Stalin ließ fast 700.000 Menschen ermorden, weil sie angeblich Verschwörer, Trotzkisten oder Spione waren. Nun will eine Bürgeraktion mit Gedenktafeln an sie erinnern - dem Kreml gefällt das gar nicht.

Seite 1 von 3
Hilfskraft 21.04.2016, 12:05
1.

ist der Begriff "Stolpersteine" im Zusammenhang mit Gedenken an Unrechtsopfern nicht geschützt?
Denke dabei an die "Stolpersteine" des Künstlers und Erfinders Gunter Demnig aus Köln.
Die Tafeln in Moskau heissen doch bestimmt anders, nicht "Stolpersteine", oder?

Beitrag melden
acitapple 21.04.2016, 12:11
2.

Was mir bei den Russen einfach nicht in den Kopf will ist die mangelnde Kritikfähigkeit. Noch nicht mal die Schlächter aus der Vergangenheit werden in Frage gestellt. Nicht mal Stalin, der massenhaft die eigenen Landsleute foltern und ermorden lies wird in Frage gestellt.

Beitrag melden
Androupolis 21.04.2016, 12:18
3.

Und da soll mir noch jemand sagen das die heutige Russische Regierung demokratisch und anti-stalinistisch denkt.

Beitrag melden
Abersicherdoch 21.04.2016, 12:20
4. Hätt ich gar nicht gedacht....

daß der Kreml ein Problem mit dieser Aktion hat.....:-))
In 100 Jahren wirds ähnliche Aktionen bezogen auf die Putin-Zeit geben....!

Beitrag melden
ostborn 21.04.2016, 12:32
5. Die Russen waren das Opfer ?

Zitat von acitapple
Was mir bei den Russen einfach nicht in den Kopf will ist die mangelnde Kritikfähigkeit. Noch nicht mal die Schlächter aus der Vergangenheit werden in Frage gestellt. Nicht mal Stalin, der massenhaft die eigenen Landsleute foltern und ermorden lies wird in Frage gestellt.
Es ist interessant, dass die Schlächter gar keine Russen waren. Dzerzhinski entstammt dem verarmten polnisch-litauischen Adel, Stalin, Beria und einige andere Helfer waren Georgier. Gemäßigt ging es weiter mit den Ukrainern Chrushchov und Brezhnev. Es ist leicht, die Russen zu kritisieren, die haben ihre bolschewistische Geschichte selbst noch nicht begriffen.

Beitrag melden
regula2 21.04.2016, 12:33
6. Offenbarungseid

Die ganze Schändlichkeit und Verlogenheit des Putin-Regimes wird mit dieser Angelegenheit offenkundig.
Sofern man sie überhaupt wahrnehmen will.

Beitrag melden
Emderfriese 21.04.2016, 12:44
7. Gedenken

Zitat von acitapple
Was mir bei den Russen einfach nicht in den Kopf will ist die mangelnde Kritikfähigkeit. Noch nicht mal die Schlächter aus der Vergangenheit werden in Frage gestellt. Nicht mal Stalin, der massenhaft die eigenen Landsleute foltern und ermorden lies wird in Frage gestellt.
Noch vor dem Namen und dem Grauen vor Stalins Taten steht der zweite Weltkrieg. Für die Russen hat sich dieses größte denkbare Unheil viel tiefer in die Seele gebrannt, als die Morde der Stalinzeit. Und Stalin steht (ob berechtigt oder nicht, sei dahingestellt) für sehr viele Russen eben auch als Sieger und "Retter des Vaterlandes" vor den faschistischen Mördern. Dieser Zwiespalt ist zur Zeit wohl nicht zu überwinden, weil es noch immer genügend Russen und Russinnen gibt, die diese Zeit selbst erlebt haben.

Es sei aber auch noch an etwas anderes erinnert: An die deutschen Opfer Stalins, die zumeist vor Hitler als Kommunisten in die damalige SU geflohen waren und mittlerweile dort lebten und arbeiteten. Dann jedoch im Zuge von "Säuberungen" in Lagern und in Gräbern verschwanden. Ich weiß nicht, inwiefern in Moskau auch dieser Menschen gedacht wird.

Beitrag melden
Kurt2.1 21.04.2016, 13:10
8. #2

Zitat von acitapple
Was mir bei den Russen einfach nicht in den Kopf will ist die mangelnde Kritikfähigkeit. Noch nicht mal die Schlächter aus der Vergangenheit werden in Frage gestellt. Nicht mal Stalin, der massenhaft die eigenen Landsleute foltern und ermorden lies wird in Frage gestellt.
Ich teile Ihre Ansicht, aber als ich Ihren Beitrag las, fiel mir ganz spontan ein, dass wir als Deutsche für diese mangelnde Kritikfähigkeit der Russen wahrscheinlich dankbar sein können und mit ziemlich roten Ohren den Kopf einziehen sollten.
P.S. Stolpersteine in RUS finde ich sehr gut.

Beitrag melden
mintyapple 21.04.2016, 13:12
9.

Das Verhältnis vieler Russen zur Stalinzeit ist aus guten Gründen schizophren. Ein patriotischer Reflex hat 1941/42 die massiven Probleme mit der eigenen Regierung (die man sich ja schon vorher nur hinter vorgehaltener Hand eingestand) vorübergehend in den Hintergrund gerückt. Was folgte, war ein Krieg, der dem sowjetischen Volk einen unfassbaren Blutzoll abverlangte – auch und gerade wegen der menschenverachtenden Handlungsweise des Regimes. Diese für uns heute nur schwer nachvollziehbare Härte, mit der das eigene Volk und die eigene Armee behandelt wurden (man denke nur an die vielen sowjetischen Soldaten, die von eigenen Einheiten niedergemäht wurden, wenn sie sich zurückziehen wollten), wird gern als notwendiges Übel erachtet, ohne das man diesen Konflikt nicht hätte gewinnen können. Noch vor Kriegsende zog Stalin die Daumenschrauben wieder an und ließ wieder massenweise Leute erschießen und in Lager sperren, darunter viele Soldaten, die bei den Deutschen in Gefangenschaft gewesen waren. Das Resultat war, dass mit den Sowjets eine Kriegspartei über die besiegten Deutschen zu Gericht saß und sich moralisch entrüstete, die derweil zu Hause das gleiche in Grün veranstaltete.

Mit einem Unterschied: Hitler war man losgeworden, Stalin mordete und unterdrückte. Das war der Dank dafür, dass die Russen und die anderen Völker der Sowjetunion sich in diesem Krieg aufgerieben haben: Lager und Erschießungen.
Das war nicht fair.
Und das zugeben zu müssen, dass man von der Geschichte gef*** worden ist, wäre einfach zu schmerzhaft – und würde in krassem Widerspruch zum heroischen Siegerimage stehen. Also arrangiert man sich lieber mit Stalin.

Beitrag melden
Seite 1 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!