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Gegner von Staatschef Sisi unter Druck: Ägyptens Absturz in die Diktatur
REUTERS

Vor der Wahl in Ägypten überlässt das Regime nichts dem Zufall: Jeder, der sich gegen Staatschef Sisi stellt, wird mundtot gemacht - oder landet im Gefängnis. Selbst vor ihren eigenen hochdekorierten Leuten macht die Armee nicht Halt.

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ali_yildirim 28.01.2018, 09:05
10. Putschisten waren nie Demokraten

Welch ein Wunder, anstatt dem Putsch zu ächten, war man still weil man den Mohammed Mursi, der zumindest demokratische gewählt war, los werden wollte. Warum dieser Spektakel? Mursi wollte nicht wie es der Westen, insbesondere die USA, es gerne hätten. Dann wird geputscht. So auch der Versuch In der Türkei! Nur wie lange will man das ägyptische Volk hinhalten? Der nächste Mursi wird sicherlich kommen. Will der Westen erneut mit einem Putsch antworten? Werte des Westens gehen nur soweit, solange der Westen das sagen und die Macht hat. Traurige Doppelmoral.

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Papazaca 28.01.2018, 09:07
11. Früher hatte ich unrealistische Vorstellungen ...

Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Für Diktaturen habe ich nichts über, auch nicht klammheimlich.
Aber nach dem arabischen Frühling kann sich keiner über die Ergebnisse freuen. Wir stellen fest: Wir hatten und haben keine Ahnung von diesen Ländern. Und es gab und gibt da keine politische Klasse, auf die man hoffen könnte.

So sind wir zunehmend egoistisch und hoffen, das nicht ein weiterer Krieg ausbricht und nicht noch mehr Flüchtlinge zu uns kommen ( apropo Ägypten ist ein großes Land). Und natürlich produziert jeder zusätzliche Konflikt noch mehr Terroristen siehe Syrien, Afghanistan, Libyen, Nigeria - die Liste ist lang.

Wie nennt man das jetzt: Abschied von viel Hoffnung und angekommen in der realen Welt.

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The Restless 28.01.2018, 09:09
12. Demokratie nicht exportierbar

Es gibt Gegenden, oder besser: Kulturen, in denen Revolutionen nicht langfristig zu demokratischen Strukturen führen, ja nicht einmal führen können. Dort wird es in absehbarer Zeit keine Alternativen zur Diktatur geben, weil die Menschen es als Schwäche auslegen, wenn nach dem Willen der Mehrheit gefragt wird. Ernst genommen wird in diesem Umfeld nur derjenige, der sich auf brutale Weise nach oben boxt und seine Widersacher eliminiert. Ist leider so, aber nicht zu ändern.

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iasi 28.01.2018, 09:39
13. der Nähboden auf dem radikale Bewegungen und Terrorismus wachsen

Eben diese korrupten Eliten, die sich auf Kosten der Mehrheit bereichern und diese unterdrücken, würgen jede demokratische Entwicklung und zwingen letztlich die Menschen in den gewalttätigen Kampf.
Der Westen unterstützt in seiner kurzsichtigen Sichtweise eben diese Eliten und macht sich dadurch zum Feind derjenigen, die gegen diese korrupten Systeme aufbegehren.
Die demokratische Regierung, die von Militär weggeputscht wurde, hatte den Kampf gegen diese Eliten aufgenommen. Statt diese aber zu unterstützen, jubelte der Westen über die Militärdiktatur. Den IS kann man nur besiegen, wenn man gegen die korrupten Eliten vorgeht.

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warkeinnickmehrfrei 28.01.2018, 09:40
14. Eine gute Bekannte von mir ist gerade

nach 4 Jahren berufsbedingtem Ägyptenaufenthalt zurückgekehrt und hat meine Ansichten zu Ägypten aus eigenem Erleben vollumfänglich bestätigt. Es gibt zur Autokratie dort leider keinerlei gangbare Alternative, die Vorstellung westlicher Phantasten man könne in arabischen Ländern auf so etwas wie Demokratie hoffen ist eine Chimäre. Die Autokratie ist das einzige, was der Machtergreifung durch die Religiösen entgegen steht. Pest oder Cholera und mit Militärs kann man wenigsten reden oder verhandeln....

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Atheist_Crusader 28.01.2018, 09:46
15.

Wie das so ist mit Diktaturen: an der Macht zu bleiben heißt am Leben zu bleiben. Vielleicht könnte eine vernünftige Demokratie entstehen wenn Sisi abträte, vielleicht aber auch eine weitere islamistische Diktatur.
Ich will mir nicht anmaßen zu wissen was der beste Kurs für Ägypten wäre, aber schlimmer geht's immer.

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traveller25 28.01.2018, 09:55
16. Alternativen?

Zitat von hausfeen
Gegen die soziokulturellen Verwerfungen, die nichts anderes zulassen, können wir kaum anschreiben. Weder ich, noch Spon. So bedauerlich es ist. Das sollten auch die Großmuftis des Westens begreifen, die unter Demokratie nur den ungehonderten Zugriff auf den Kapitalmarkt des Landes verstehen.
Sie bringen es mit ihrem Kommentar gleich zu Beginn auf den Punkt. Wenn es als Alternative die Wahl zwischen Diktatur und Chaos gibt, ist es, so zynisch es auch klingen mag, die Wahl zwischen dem kleineren Übel. Hier sollten sich mal der Schreiber gedanklich und inhaltlich weiterentwickeln und dies zur Kenntnis nehmen. Die Frage, die es zu beantworten gilt, heißt dann nämlich ganz anders. Nämlich wie ein mit Gewalt halbwegs stabilisierte Zustand in einen stabilen überführt werden kann und was dafür notwendig ist. Davon habe ich nichts gelesen.

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road_warrior 28.01.2018, 09:56
17. Eurozenrtismus

So what? Wie würde es in Ägypten aussehen, wenn das Militär nicht eingeschritten wäre? Man muss sich doch mal vor Augen führen, wie es im Land ausssieht. Hemmungsloses Bevölkerungswachstum. Keine Jobs, vor allem nicht für die jungen Uniabsolventen. Ägypten wäre längst im Chaos versunken ohne eine starke, repressive Führung. Ich habe selbst in Cairo gelebt und - auch wenn das aus eurozentristischer Sicht abschätzig klingen mag - dieses Land lässt sich nur so regieren. Klar ist dad oft nicht toll, aber was ist denn die Alternative? Gottesstaat? Es ist absurd, unser gewachsenes Demokratieverständnis auf ein muslimisches Land wie Ägypten anwenden zu wollen.

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wasserläufer 28.01.2018, 10:03
18.

Im Vergleich zur Muslimbruderschaft ist der el Sisi doch immer noch die bessere Alternative. Der westliche Demokratie-Export über irgendwelche Jahreszeiten- oder Farbrevolutionen funktioniert wohl nicht wirklich. Grade in Ländern mit knapp 40% Analphabeten unter den Erwachsenen sollte man vielleicht vorsichtiger zu Werke gehen.

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freddygrant 28.01.2018, 10:03
19. Man kann es drehen und wenden ...

... wie man will. Westliches "Nationbuiding" richtet sich nicht an
demokratischen Prinzipien und kulturellen, sozialen Bedingungen
aus, sondern nach materiellen und hegemonialen Ansprüchen,
die durch und mit den Geheimdiensten - besonders der USA -
definiert werden. Destruktion, Terror, Bürgerkrieg und Zerfall
sind die unmittelbaren Folgen dieser Politik.

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