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Geheimdienst-Akten: Eichmann-Prozess löste Panik in Adenauers Regierung aus

Israel machte dem Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann den Prozess - und die Regierung Adenauer zitterte. Geheimdienstunterlagen zeigen: Das Auswärtige Amt befürchtete, in dem Verfahren könne für "Bedienstete der Verwaltung des Bundes und der Länder" belastendes Material auftauchen.

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neuesschauspielkoeln 03.04.2011, 09:53
40. Theaterstück: Bald ruh' ich wohl - Eichmanns letzte Nacht

Unser Beitrag zum Thema Eichmann

Das Stück entlarvt das "Böse" als Allerweltserscheinung, das in dem ehemaligen SS Sturmbannführer und Durchschnittsmenschen Adolf Eichmann zutage tritt - obwohl sein "Gewissen rein" ist.

Es zeigt wie sich Eichmann in der Attitüde des Beamten und Befehlsempfängers gefällt. Wie er sich hinter seinen Floskeln als Opfer generiert. Wie er sich, hinter seinem Wasch- und Putzzwang versteckend, als normaler und pflichtbewußter Bürger darstellt. Und wie er sich nicht schämt, in seiner unerträglichen Spießbürgerlichkeit, zu behaupten die Musik von Beethoven und Schubert zu lieben und gleichzeitig keinerlei Mitgefühl und Schuld zu empfinden - geschweige denn Einsicht in seine Verantwortung.

„Dieser Mann war zusammen mit den Naziführern für das verantwortlich, was sie die ‚Endlösung der jüdischen Frage’ genannt haben, das heißt die Ausrottung von sechs Millionen europäischer Juden.“

Stefan Krause
wwww.neuesschauspielkoeln.de

Nächste Vorstellungen: 29. und 20. März um 20:30Uhr
Theater Tiefrot, 50668 Köln - Dagobertstr.32 - 02214600911

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Brand-Redner 03.04.2011, 10:13
41. Interessierte Zwischenfrage

Zitat von neuesschauspielkoeln
Unser Beitrag zum Thema Eichmann Das Stück entlarvt das "Böse" als Allerweltserscheinung, das in dem ehemaligen SS Sturmbannführer und Durchschnittsmenschen Adolf Eichmann zutage tritt - obwohl sein "Gewissen rein" ist. Es zeigt wie sich Eichmann in der Attitüde des Beamten und Befehlsempfängers gefällt. Wie er sich hinter seinen Floskeln als Opfer generiert. Wie er sich, hinter seinem Wasch- und Putzzwang versteckend, als normaler und pflichtbewußter Bürger darstellt. Und wie er sich nicht schämt, in seiner unerträglichen Spießbürgerlichkeit, zu behaupten die Musik von Beethoven und Schubert zu lieben und gleichzeitig keinerlei Mitgefühl und Schuld zu empfinden - geschweige denn Einsicht in seine Verantwortung. „Dieser Mann war zusammen mit den Naziführern für das verantwortlich, was sie die ‚Endlösung der jüdischen Frage’ genannt haben, das heißt die Ausrottung von sechs Millionen europäischer Juden.“ Stefan Krause wwww.neuesschauspielkoeln.de Nächste Vorstellungen: 29. und 20. März um 20:30Uhr Theater Tiefrot, 50668 Köln - Dagobertstr.32 - 02214600911
Sicherlich eine gute Möglichkeit, sich dieser Problematik zu nähern - insbesondere für junge Leute, die so gut wie keine Vorkenntnisse haben und auch nicht unbedingt viel Historisches lesen.

Da dies auf mich nicht zutrifft und ich allein das ausgezeichnete Stück Heinar Kipphardts ("Bruder Eichmann")mehrmals gesehen / gelesen habe, frage ich mal neugierig: Welchen Neuigkeitswert kann ich von Ihrem Stück erwarten?

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MonaM 03.04.2011, 10:35
42. Theaterstück: "Bald ruh´ich wohl – Eichmanns letzte Nacht"

Zitat von neuesschauspielkoeln
Unser Beitrag zum Thema Eichmann Das Stück entlarvt das "Böse" als Allerweltserscheinung, das in dem ehemaligen SS Sturmbannführer und Durchschnittsmenschen Adolf Eichmann zutage tritt - obwohl sein "Gewissen rein" ist. [...]
Vielen Dank für den Hinweis und dass Sie sich dieses schwierigen und verstörenden Themenkomplexes annehmen: Wie wird ein Täter zum Täter? Welche Hintergründe, welche Einflüsse, welche charakterlichen Dispositionen spielen dabei eine Rolle?
Die quälende Frage, wieso Menschen schlicht zu allem fähig sind, ist heute mindestens so aktuell wie vor 70 Jahren.

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Jordan Sokoł 03.04.2011, 10:43
43. Gesinnungsfreunde unter einer Decke

Zitat von sysop
Israel machte dem Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann den Prozess - und die Regierung Adenauer zitterte. Geheimdienstunterlagen zeigen: Das Auswärtige Amt befürchtete, in dem Verfahren könne für "Bedienstete der Verwaltung des Bundes und der Länder" belastendes Material auftauchen.

Ich habe den diesbezüglichen Spiegel Artikel soeben gelesen. Dieser weist – ohne das dies vornehmstes Ziel der Dokumentation ist – nach, daß die diplomatische Vertretung zumindest in Argentinien von Gesinnungsfreunden der Nationalsozialisten durchsetzt war. - Übertragen auf das gesamte diplomatische Corps muß wohl davon ausgegangen werden, daß nach dem offiziellen Niedergang
des Nationalsozialismus noch für geraume Zeit gegenseitige Hilfestellungen gang und gäbe waren. Wo sollte die Adenauer-Administration denn auch so schnell demokratisch gesinnte Deutsche in der erforderlichen Anzahl finden? Kennzeichen sich ändernder politischer Strukturen wird es immer bleiben, daß aus der Gruppe der „Abgehalfterten“ ein fester Bodensatz ein existenzsicherndes Betätigungsfeld selbst in nach demokratischen Prinzipien neu zu organisierenden Staatsorganen findet.

Jordan Sokoł

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MonaM 03.04.2011, 12:45
44. Alles unter einem Dach...

Zitat von Brand-Redner
...frage ich mal neugierig: Welchen Neuigkeitswert kann ich von Ihrem Stück erwarten?
Da Sie nach neuen Informationen fragen, wäre für Sie vielleicht diese Ausstellung interessant:

Ausstellung "Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat"

"In der Öffentlichkeit werden die Verbrechen der Polizei im NS-Staat noch immer allein der Gestapo zugeschrieben. Dabei konnten wissenschaftliche Forschungen der letzten 15 Jahre eindrucksvoll bestätigten, dass auch die reguläre Kriminal- und Ordnungspolizei maßgeblich in die NS-Verbrechen involviert waren."

Immerhin arbeiteten Eichmann als Gestapo- und SS-Angehöriger und die Leitung der Polizei innerhalb des Reichssicherheitshauptamtes unter einem organisatorischen Dach zusammen. "Reichsführer SS" Heinrich Himmler war gleichzeitig "Chef der Deutschen Polizei".

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Brand-Redner 03.04.2011, 17:40
45. Dank und Klarstellung

Zitat von MonaM
Da Sie nach neuen Informationen fragen, wäre für Sie vielleicht diese Ausstellung interessant:
Danke für Ihren freundlichen Tipp, doch Sie haben mich missverstanden: Da es zum Glück noch vernünftige Historiker gibt, gibt es natürlich auch immer wieder neue Erkenntnisse über die Nazizeit. Ein aktuelles Beispiel haben Sie oben genannt.

Ich aber fragte nach dem Zweck und Nutzen eines neuen Eichmann-Stückes, weil es m.E. schwerlich den allseits bekannten Vorläufer von H. Kipphardt übertreffen kann.

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neuesschauspielkoeln 04.04.2011, 17:10
46. Theaterstück: Bald ruh' ich wohl - Eichmanns letzte Nacht

Liebe MonaM,
etwas Neues - ist der Blick auf ein anderes Theaterstück, was man noch nicht kennt. Aber vielleicht hilft ein kurzer Besuch auf unserer homepage: www.neuesschauspielkoeln.de um ein Eindruck zu bekommen.

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Ontologix II 11.04.2011, 13:41
47. Eichmann, Globke, Adenauer und Ben Gurion

Wie Eichmann in seinen Tagebüchern schrieb, wunderte er sich darüber, dass er in Israel auf seine Hinrichtung wartete, während in Bonn ein Herr Globke im Vorzimmer von Adenauer saß.
Globke war Ministerialbeamter im Reichsinnenministerium der Nazis und gab u.a. Anweisungen an Eichmann, war also in bestimmten Fragen dessen Vorgesetzter. Welche Rolle Globke bei der Verfolgung der deutschen Juden spielte, ist allgemein bekannt. Siehe Wikipedia.
Als rechte Hand Adenauers verhandelte Globke mit der israelischen Regierung über Details der Wiedergutmachung an Israel. Er vermied es, nach Israel zu reisen, da er wusste, was ihm drohen könnte.

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Ontologix II 12.04.2011, 06:24
48. Adenauer war kein Nazi-Gegner

Zitat von elbröwer
Adenauer war ein entschiedener Gegner der Nazis
So kann man das nicht sagen. Adenauer arbeitete zwar nicht für die Nazis, leistete aber auch keinen aktiven Widerstand gegen sie. Er war nicht in die Aktivitäten um den 20, Juli 1944 verwickelt.
Wäre Adenauer Nazi-Gegner gewesen, hätte er es nicht zugelassen, dass ZWEI DRITTEL der ersten CDU-Fraktion im Bundestag 1949 ehemalige NSdAP-Mitglieder waren, sowie seine rechte Hand Globke einer der führenden Judenverfolger war.
Aus dem Adenauer-Artikel in Wikipedia:
"Er sagte in diesem Brief auch, 1932 erklärt zu haben, „daß nach (s)einer Meinung eine so große Partei wie die NSDAP unbedingt führend in der Regierung vertreten sein müsse.“
Ende 1932 hatte sich Adenauer für eine Regierungsbildung von Zentrum und Nationalsozialisten in Preußen ausgesprochen.[6] Am 29. Juni 1933, also kurz nach Hitlers Ernennung zum Kanzler, schrieb er in einem Brief: „Dem Zentrum weine ich keine Träne nach; es hat versagt, in den vergangenen Jahren nicht rechtzeitig sich mit neuem Geiste erfüllt. M.E. ist unsere einzige Rettung ein Monarch, ein Hohenzoller[,] oder meinetwegen auch Hitler, erst Reichspräsident auf Lebenszeit, dann kommt die folgende Stufe. Dadurch würde die Bewegung in ein ruhigeres Fahrwasser kommen.“ Er befürchtete, „wenn der revolutionäre Zustand nicht rechtzeitig in die Periode der neuen Ruhe und des neuen Aufbaus übergeht, dann kommt die Katastrophe“."

In der Zeit vor der Machtübernahme der Nazis bekämpfte Adenauer die SPD mit viel mehr Energie. Die Nazis mochte er sicher nicht, tat aber auch nichts gegen sie.
Während seiner langen Kanzlerschaft von 1949 bis 1963 fiel er nicht durch besondere Aktivitäten zur Bestrafung ehemaliger Nazi-Täter auf. Vielmehr meinte er, dass ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden müsse.

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