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Geheime Gesprächsprotokolle: Kohls große Abrechnung
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"Merkel konnte nicht mit Messer und Gabel essen": Äußerst drastisch hat Helmut Kohl mit Parteifreunden abgerechnet. Der Altkanzler sprach Hunderte Stunden mit einem Ghostwriter - der SPIEGEL veröffentlicht Auszüge der Aufzeichnungen.

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kloroslav_mise 06.10.2014, 17:23
370.

Zitat von Klönschnack
Dann hat Birne aber lange gewartet, trotz GG-Auftrag. Er war immerhin schon 7 Jahre im Amt. Aber nun musste es hopplahopp gehen, egal, was es kostet. Dieser Pinsel war doch im Gegensatz zu Lafontaine, geistig überhaupt nicht in der Lage abzuschätzen, was er da anrichtet. Siehe seine Bemerkungen über blühende Landschaften, die sich von selbst bezahlen. Und wenn Sie mir schon Geschichtsunterricht erteilen wollen : Kohl hatte im Rahmen der 2+4 Verhandlungen, die Möglichkeit auf eine eigenständige Verfassung zu bestehen, was er aber nicht für wichtig erachtete. Aus diesem Grund haben wir immer noch keinen Friedensvertrag mit über 40 Kriegsgegnern und sind weiterhin die Büttel der Alliierten, die mit uns machen, was sie wollen. Also erzählen Sie mir nicht, was möglich war.
Ich dachte, er hätte Ihnen nicht lange genug gewartet?! Aber im Ernst: Die Einheit hatte sicherlich verschiedene Ursachen, u. a. Brandts Ostpolitik, die Strategie der US und auch die Demonstranten.

Was Lafo betrifft, so ist der der eigentliche Ruin seiner Partei gewesen. Nicht er allein, aber er und seinesgleichen, da zähle ich Schröder dazu, waren eine politische Generation, die an Selbstbezogenheit und Weltfremdheit kaum zu überbieten war. Also genau das, was in der Opposition 1989 ins Abseits führte und in diesem Thread an anderer Stelle von mir kritisiert wurde. Die dachten glatt, ihr ökosozialistisches Gewäsch wäre Common Sense und die Revolution ließe sich am Reißbrett, zumal von außen, planen. Viel mehr Inkompetenz war selten.


Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mochte den Dicken und seine Partei nie, aber wenn man ihm etwas zugute halten muss, dann dass er die Gelegenheit ergriffen hat.

Keine Ahnung was Ihr Hinweis auf die 2+4 Gespräche und die neue Verfassung in diesem Zusammenhang soll, aber ja, ich denke Kohl und die meisten Westdeutschen hielten das GG seinerzeit schon für ausreichend. Darüber zu streiten ist ebenso müßig wie irgendwelche Scheingefechte über einen vermeintlich ausstehenden Friedensvertrag, der im Grunde keinen interessiert.

Sie scheinen den Glauben an Papier mit Lafo und anderen zu teilen, während de facto die Bundesrepublik so souverän ist wie die meisten anderen Staaten dieser Welt in vergleichbarer Mittelmacht-Lage. Absolute Souveränität haben nicht mal die Chinesen oder Amerikaner.

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101rkb 06.10.2014, 17:37
371.

Auch Hr. Kohl ist die Macht in den Kopf gestiegen. Er zwar die Zeichen der Zeit fuer die Wiedervereinigung erkannt, aber gleichzeitig den Buregern zusätzlich Bürden auferlegt: Beispiel die Umtauschrate, den Soli, die Renten etc. Aber wo er immer noch uneinsichtig ist, dass er deutsches Recht mit seinem Ehrenwort gebrochen hat. Wer Vorbild sein will muss sich auch so verhalten! Und Helmut Kohl ist kein Vorbild!

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abeier6099 06.10.2014, 19:20
372. Verständnis für das Alter zeigen

sollte Frau Dr. Merkel nicht mit Messer und Gabel essen gekonnt haben, konnte sie jedoch die CDU aus dem moralischen Sumpf und Dreck ziehen, in die Kohl die CDU gefahren hat. Seht es einem alten Mann, solche Äußerung nach, denn eine Therapeut bei seiner narzisstischen Persönlichkeitsprofil hilft nicht mehr.
Arthur Beier

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Freiberufler 06.10.2014, 22:12
373. Kohl hatte intelligente Leute um sich - SPIEGEL längst selbstzensiert

wie z.B. von Weizsäcker, die ihn beraten haben. Oder auch Mitterand, der ihm bei der Wiedervereinigung wesentlich geholfen hat. Denn Kohl hat historisch recht damit, dass die DDR niemals alleine aus der Diktatur gefunden hätte. Demos reichen dafür nicht aus. Das war Gorbatschow selber, der die Truppen im entscheidenden Moment zurückgehalten hat. Nachzulesen im SPIEGEL selbst. ----------- Dass man heute im SPIEGEL so wenig über Merkel liest, was ihre Destruktion von Deutschland anbelangt, ihre Tätigkeit, die uns über TTIP Z.B. an die Amis ausliefern will, ihr gesamtes korruptes Verhalten uns gegenüber (Toleranz von Amazon und Starbucks, Monsanto, TTIP etc), das zeigt, dass sich auch beim SPIEGEL viel geändert hat, eben zur Selbstzensur hin. Investigativer Journalismus, zu Zeiten des korrupten Kohl normal und richtig, ist heute nur noch bei ARD und ZDF bzw. Phoenix und den Dritten möglich. -------------- Gruss vom Freiberufler

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risc 07.10.2014, 17:26
374. Diesem Mann

konnte ich nie recht geben, aber jetzt in einem schon: Über den damaligen niedersächsischen CDU-Chef Wulff sagte er: "Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null." Besser kann man diesen Menschen nicht in zwei Sätzen beschreiben.

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DocW 07.10.2014, 22:28
375. Kohl Kleingeist

Der Katholik Helmut Kohl glaubt nicht an das Wirken des Heiligen Geistes bei der deutschen (friedlichen!) Wiedervereinigung. Gorbatschow hat auch nichts beigetragen. Bleibt nur ER SELBST - Helmut, König aller Welten. Unerhört, der Kerl, selbstgerecht - hoffentlich nur senil, als Gnade des späten Hinscheidens.

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Eliza 08.10.2014, 02:22
376.

Zitat von flo_bargfeld
Zitat Kohl auf Seite 20 des neuen Spiegel-Hefts: "Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und habe die Welt verändert." Zynischer hat sich nie ein Politiker über die DDR-Bürgerrechtler und die friedliche Revolution von 1989 geäußert. Kohl zeigt sich in den Interview-Zitaten genau so, wie ihn seine Feinde immer beschrieben haben: provinziell, machtbesessen und ungeheuer nachtragend.
Och watt.

Die Bürgerrechtler in der DDR, die ich außerordentlich bewundere, machten ja nicht mehr als 2 % der Bevölkerung der DDR aus.

In Leipzig war das Zahlen-Verhältnis vielleicht etwas besser als in Berlin und in Brandenburg, wo das demokratische Defizit vollkommen verzweifelt war. (Wer DAS nicht glaubt, lese einmal die Berichte zu den Havemann-Prozessen in Frankfurt an der Oder Mitte der '90er Jahre, wo es um die Schuld der abhängigen Juristen, Richter und Staatsanwälte der DDR ging, die seinerzeit immer exzessiv gegen den oppositionellen Professor Robert Havemann vorgegangen waren, auch sogar gegen die DDR-Gesetz selber.)

Zwar in Leipzig (und zuvor in Plauen) hat man kurzzeitig einige hunderttausend Bürger zum Engagement für die Freiheit mobilisieren können.

Aber auch da waren diese durchaus nicht alle, und selbst die Demonstranten hatten zT verquere Einstellungen zum Thema Demokratie. Das sah Kohl, falls die Aussage tatsächlich von ihm stammt, ganz realistisch.

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Eliza 08.10.2014, 02:27
377.

Zitat von ddrbewohner
Die Revolution war doch nicht frielich, weil die Menschen friedlich waren. Sie war friedlich, weil der Staat und das Militätr nicht eingegriffen haben. Die hätten den Aufstand locker unterdrücken können.
Und dass die damals unglaublicherweise das große Blutvergießen doch gescheut haben, das ist ihnen über die Maßen hoch anzurechnen oder was?

Hätten Sie ein blutiges Eingreifen dieser Truppen für normal gehalten?

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abeier6099 09.10.2014, 16:13
378. Was ist Wahrheit?

Für mich ist Willi Brandt der Kanzler der Einheit. Durch seine Gesprächsoffensive mit den Staaten des Osten kam ein Dialog zustande, der letztendlich die Ereignisse 1989 ermöglichten. Die Adenauer - Doktrin: "Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb", bewirkte eine Konfrontation bei den DDR - Bürgern auch gegenüber der BRD, natürlich mehr oder weniger ausgeprägt. Dies änderte sich mit der Politik von Willi Brandt spürbar in der DDR.
Wer in inoffiziellen Gesprächen zum Rundumschlag ausholt, wie in zitierten Stellen der Tonbandaufzeichnungen, stellt sich selber in Frage, und auch seine Leistungen.
Arthur Beier

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julia-s12345 04.11.2014, 16:40
379. siehe Amerika

Zitat von anjo1970
Dass Helmut Kohl - Gott sei Dank - in die Geschichtsbücher gehört, ist unbestritten. Ich bin der Meinung, er war zu lange Kanzler. Hätte die CDU (Geißler, Süssmuth, Späth) im Frühjahr 1989 Standhaftigkeit erwiesen, wäre Kohl nur als der Kanzler in die Geschichte eingegangen, der als erster und einziger das Staatsoberhaupt der DDR in der Bundesrepublik empfangen hat. Aber so ist das mit dem "Mantel der Gechichte"... Was hier aber wieder über die aktuellen Politiker gefaselt wird, grenzt an Beleidigung und zeugt von historischer Unkenntnis und Ignoranz: Angela Merkel hätte als Staatsratsvorsitzende die Demonstrationen blutig niedergeschlagen...! Ach ja: Ohne die Protestierenden in Leipzig und anderswo wäre das Regime in der DDR nicht ins Wanken geraten. Hier irrt der Historiker Kohl!
Ich denke, es wäre das Beste, wenn man die Wiederwahl des dt. Bundeskanzlers wie die des amerikanischen Präsidenten auf einmal begrenzen würde. Dann käme alle paar Jahre ein frischer Wind herein.

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