Forum: Politik
Gelbwesten in Frankreich: Neues Jahr, neuer Protest, alte Ratlosigkeit
AFP

Wie militante Bauarbeiter stürmten Demonstranten am Wochenende ein Ministerium in Paris. Sie zeigten der Regierung, dass mit den Gelbwesten weiter zu rechnen ist. Präsident Macron und seine Minister wirken überfordert.

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bauklotzstauner 06.01.2019, 23:18
50.

Zitat von rumburg
Frankreich ist reformunfähig und die Gelbwesten Faulpelze. Ohne die EZB wäre schon längst Schluss mit 30-Stundenwoche Udo
Udo, Sie sind ein Demagoge!

In Frankreich gilt gesetzlich eine 35-Stunden-Arbeitswoche. Allerdings mit sovielen Ausnahmen und Sonderregeln, daß die TATSÄCHLICHE Wochenarbeitszeit durchschnittlich um die 40 Stunden beträgt. Neue Regeln der Regierung Macron, die zur Umsetzung anstehen, machen künftig auch regelmäßig 48 Stunden und "in Ausnahmefällen" 60 Stunden möglich.

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tomdabassman 06.01.2019, 23:21
51. Menge x Lautstärke x mediale Multiplikation

ist die Formel für Wahrnehmung einer politischen Bewegung. Mit der Menge sieht es ja nicht so toll aus, wie einige in Frankreich lebende Foristen bestätigen. Laut und gewaltbereit scheinen einige auf jeden Fall zu sein. Der wichtigste Faktor ist aber heutzutage die mediale Multiplikation, durch welche ein reales Ereignis zum Scheinriesen befördert wird. Wer ist denn hier das Volk? Jeder 1.000ste Franzose sicherlich nicht. Macron wurde genau von denen gewählt, welche weniger Staat statt mehr wollen, höhere Produktivität statt höhere Steuern, gleiche Leistungsbereitschaft statt herbeigestreikte Vorteile einzelner Berufsgruppen zu Lasten anderer. In den rechtspopulistisch geführten Ländern wie Ungarn wird die Arbeitszeit gerade staatlich erhöht und Repressionen gegen Arbeitslose verstärkt. Ist den Gilets Jaunes eigentlich klar in wessen Feuer sie ihr Öl gießen?

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bauklotzstauner 06.01.2019, 23:23
52.

Zitat von briancornway
Ursprünglich ging es nur um die Benzinpreise, inzwischen lauten die Forderungen: Höhere Renten und Löhne, mehr Geld für Polizei, Schulen und Krankenhäuser, und vor allem: Niedrigere Steuern. Alles gleichzeitig ! Um dies zu Erreichen werden Feuer entfacht und Läden geplündert ... ich kann darin keine politische Bewegung erkennen, nur Torheit und blinde Wut.
Und das wundert Sie?

Wenn WAHLEN nichts bringen, greifen die Menschen eben zu härteren Maßnahmen. Und da nützt es auch nichts, wenn eine französische Ministerin im Fernsehen davon spricht, daß "Gewalt noch nie etwas zum Besseren verändert habe".

Tatsächlich feiern die Franzosen jedes Jahr am 14. Juli ganz offiziell den Erfolg einer im Vergleich zu den Gelbwesten beispiellosen Gewaltaktion, die das Land zum Besseren veränderte - die Französische Revolution. Und sie haben diese Tradition eben bis heute verinnerlicht.

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Karsten Kriwat 06.01.2019, 23:31
53. Der Präsident für die Reichen

Macron hat als Investmentbanker selbst Millionen gescheffelt. Er ist ein zweiter Merz. Für die Armen und Arbeitslosen hat der "Erfolgsmensch" keinen Sinn. Sie passen nicht in sein Weltbild.

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Poli Tische 06.01.2019, 23:39
54. Der Autor sagt es nicht durch die Blume.....

.... wie ihn die Vandalen unter den Gelbwesten imponieren. Sind Sie verrückt, Herr Blume??? Ein Mob, der Angst und Schrecken, nicht nur bei den PolitikerInnen, sondern auf bei der Bevölkerung verbreitet. Geschützt von Demonstranten, die eigentlich friedlich ihr Anliegen auf die Tagesordnung der Politiker bringen wollen. Gewaltfreiheit, das haben die DemonstrantInnen bei den Demonstrationen gegen den Nato-Doppelbeschluss mit Hunderttausenden von Menschen in Bonner Hofgarten und Hamburg von Anfang an geklärt. Die Friedensbewegung hat Randalierer ausgegrenzt und isoliert. Gewalt von Minderheiten hat in einer Demokratie keinen Platz!

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From7000islands 06.01.2019, 23:45
55.

Zitat von Leibdschor
ist Politik scheinbar langfristig gar nicht mehr zu machen, da durch die sozialen Netzwerke jeder Mob, der denkt seine Meinung mit Gewalt durchsetzen zu müssen, problemlos sich formieren kann. Das die Franzosen gerne mal rumryndalieren ist ja nichts Neues, nur was erreicht denn dieser Mob mit seinen Aktionen? Ein Sturz eines Europäers würde eine Nationalistin an die Macht spülen, die noch weniger ihrem Volk was bieten würde. Das Problem der Franzosen ist, das ihre Wirtschaft schon lange nicht mehr internationalen Maßstäben entspricht und damit eine über 50 prozentige Staatsquote nicht mehr bezahlbar ist. Das hat M. erkannt. Wir sollten langsam begreifen, dass wir unseren Wohlstand nur in einem starken Europa halten können und nicht mit Kleinstaaterei. Die Chinesen und Amerikaner warten ja nur darauf das Europa zerfällt.
Ja, die Chinesen warten auf den Zerfall Europas, nicht die USA. Wie kann man immer über Europa reden und die EU meinen. Das ist die gleiche Heuchelei, die von dem EU Parlament im allgemeinen ausgeht. Deren politische Linie ist gar keine. Geld zu verschenken nach Willkür, Sanktionen nach Tagesstimmung, äussere und innere Grenzen offen zu lassen, die EU Ostländer nicht aufzubauen. Juncker & Merkel sind einfach zu alt, um sich für eine EU-Gemeinschaft ins Zeug zu legen. Macron ist unerfahren und realitätsfern.

Für eine EU, die mit der einen Hand gesetzliche Ansprüche durch ihren EGH gegen die Gerichte der Mitgliedsländer durchsetzt aber mit der anderen Hand unsere Steuergelder verteilt, Glyphosat erlaubt aber Autoverkehr verbietet, zugunsten der globalen Industrie dem 12000 km entfernten China unser Steuergeld in den Allerwertesten schiebt, ist der Niedergang schon eingeläutet. Es war Überheblichkeit, aus der EWG eine EU zu machen, obwohl der Euro eine gute Idee für eine Handvoll ausgewählte Industriestaaten ist. Man kann nur hoffen, dass bei der nächsten EU Wahl die Rechten haushoch gewinnen und den EU Laden reduzieren , um die Misswirtschaft der EU nicht endlos zu verlängern.

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euro-paradies 06.01.2019, 23:46
56. Wenn ein Land sich seinen Lebensstandard nicht leisten kann weil man

Kredite nicht bedienen kann, dann hat das Land schnell ein Problem und der Kreditzins steigt rapide an. Frankreich und der ClubMed haben das historische Glück, dass Deutschland über den Euro für deren Schulden bürgt, damit der Draghi deren Schrottpapiere aufkauft und die Zinsen drastisch drückt. Irgend wann ist diese Planwirtschaft aber mal zu Ende, weil dadurch die Märkte zerstört werden. Wird hochinteressant wie sich das weiter entwickelt - zumal wennTransferleistungen nicht mehr wie gewohnt prompt ankommen. Da werden die Gelbwesten-Proteste Kleinkram dagegen sein.

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alohawave 06.01.2019, 23:52
57. Totgesagte leben länger

Da sind sie wieder die "Gelbvesten", die angeblich kein Mensch mehr unterstützt und deren Zahl stetig abnimmt! Sie werden die Medien noch eine ganze Weile auf Trab halten.
Vielen hier im Forum scheint nicht bewusst zu sein, dass es in Frankreich kein Verhältniswahlrecht gibt. Daher fühlen sich ein Großteil der Leute die aktuell auf die Straße gehen weder gehört, noch vertreten (z.B. Front national, landesweit ca. 46% Stimmenanteil bei der Wahl, aber nur 2 Sitze im Parlament).
Macron hat eine Milchmädchenrechnung gemacht, als er sich dachte, es würde reichen die Bewegung zu diskreditieren, sie klein zu reden und den anfangs friedfertigen Demonstranten, durch willkürliche Polizeigewalt und das einschleusen von Provokateuren, Angst einzujagen. In seiner Neujahrsansprache betitelte er die "Gilets jaunes" als rechtsextrem, homophob, rassistisch und intellektuell beschränkt. Viele dieser Menschen haben nicht mehr viel zu verlieren und sind es einfach Leid vom Staat keinerlei Respekt zu erfahren. Jetzt fangen sie an sich zu wehren. Der Auslöser ist und war Macrons großkotzige und abschätzige Handlungsweise.

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ogoehni 06.01.2019, 23:59
58. Macron der..

Messias für viele Eurofanatiker, kann eben doch nicht übers Wasser laufen. Man kann sich nicht für Europa die größten Visionen ausdenken, aber im eigenen Land nicht die Hausaufgaben machen.
Die Misere in Frankreich, einen hohen Lebensstandard und wenig Arbeitszeiten, geht in einer globalen Wirtschaft nicht auf.
Sie sind auch nicht bereit für mehr Umwelt, mehr Steuern zu bezahlen. Mit unseren Energiepreisen für den Ökostrom, gäbe es dort eine Volksaufstand. Die trennen sich nie von ihren günstigen Atomstrom.

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ingo.adlung 07.01.2019, 00:02
59. Was auch immer in Frankreich geschehen mag ...

Zitat von derhey
daß Macron wohl scheitern wird. Denn auch die Erkenntnis, erst die Ausgaben erhöhen und dann die Steuern trifft nicht zu: Die Steuern wurden für die Reichen gesenkt und die Ausgaben für die "Unterschicht" gekürzt und deren Ausgaben noch erhöht. Das kann nicht gutgehen, am Ende auch nicht bei uns.
... die deutsche Realität sieht anders aus. Ja, es klafft bei den Vermögen eine Kluft. Und ja, es ist kaum verständlich, das etwa Kapitalerträge pauschal mit 25% besteuert werden, Lohn aus Arbeit aber einer Steuerprogression unterliegt. Aber die Einkommenteuer für Reiche in Deutschland ist nicht niedrig, sondern liegen bei 42% + 3% Reichensteuer + 3% Soli). Nein, Mitleid ist nicht gefragt, aber auch nicht Neid (gehöre übrigens nicht dazu). Die oberen 1% tragen rund 20% des Einkommensteueraufkommens. Die oberen 10% rund 50%. Die unteren 50% der Steuerzahler tragen zu rund 5,5% bei. Es ist eine Mär, dass "die Reichen" steuerlich stets entlastet und die "Unterschicht" ständig mehr belastet wird. Zugegeben, die Einkommensteuer ist nur ein Teil der Abgabenlast, aber der Bereich der Sozialversicherung ist eben genau dies, eine Versicherungsleistung, deshalb können die Beiträge auch nicht nach oben offen sein. Und andere Steuern (MwSt, Stromsteuer und ähnliche) sind proportional zum Konsum. Die Staatsquote ist übrigens weitgehend stabil über die Jahre. Ein Dorn etwa im Auge der FDP, beweist aber doch, dass der Vorwurf wir würden Ausgaben stetig kürzen falsch ist und es wird auch durch stets neue Behauptungen nicht richtiger. Im Gegenteil, bei steigenden BIP haben wir analog sprudelnde Steuereinnahmen und die Politik erfindet ständig neue Ausgabenfelder wie die Herdprämie, Baukindergeld, oder Mütterrenten, die keinesfalls den von ihnen verachteten Reichen zu Gute kommen. Zugegeben auch nicht den Abgehängten unserer Gesellschaft, aber tatsächlich nimmt die Zahl der ALG II Empfänger ab und auch die Arbeitslosenquote sinkt. Jeder einzelne ist einer zu viel, aber die Richtung stimmt - auch wenn es Ihnen zu langsam geht bzw Sie eine ganz andere Wahrnehmenung haben sollten.

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