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"Gelbwesten"-Proteste: Franzosen, Volk der Revolte
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Immer wieder leben die Franzosen auf der Straße das Unrechtsbewusstsein einer ganzen Epoche aus. Präsident Macron, Deutschland und der gesamte Westen müssen den Protest der "Gelbwesten" ernstnehmen.

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Spiegelleserin57 09.12.2018, 10:14
120. nicht das entscheidet...

Zitat von butzibart13
Diese Aufstände, diese Unruhen erinnern in ihrer Brachialgewalt an die Wut beim G20-Gipfel vor einem Jahr in Hamburg. Der Rahmen dafür war allerdings damals ein anderer als jetzt in Frankreich, damals ein schwarzer Block von Anarchisten gegen die Globalisierung, hier eine inhomogene Masse gegen das neoliberale Establishment Solche Szenen werden auch ausländische Investoren vor Frankreich abschrecken, auch solche, die nicht die klassische Ausbeutermentalität aufweisen. Für die wirtschaftliche Kraft Frankreichs kein gutes Zeichen.
das dürfte den Menschen dort wohl egal sein...hier geht es um die blanke Existenz. Man sollte mal überlegen woher denn diese Wut kommt.
Arm gegen reich...das ist der Grund und die rücksichtslose Politik über die Köpfe der hinweg die fast nichts mehr zu verlieren haben.
Die oft erwähnte Schere hat sich zu weit geöffnet und das sind nun die Folgen, der Bogen ist überspannt und bricht!

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Smange 09.12.2018, 10:20
121.

Ich sage zu den Protesten nur: Vive la France !!! und Liberté, Égalité, Fraternité !!! - Die Franzosen üben Protest, die Deutschen schauen sich dies mal wieder selbstherrlich mit einem Bier in der Hand vom Sofa aus an. Solche Proteste wären hierzulande undenkbar aber einmal dringend notwendig.

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nic 09.12.2018, 10:23
122. müssen den Protest der "Gelbwesten" ernstnehmen

Nicht nur das, man sollte sich mit den Gelbwesten auch solidarisieren.

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jubelyon 09.12.2018, 10:23
123. Sorry, no revolution

Übrigens: eine neue Umfrage hat ergeben, dass die "gilets jaunes" im Falle ihrer Kandidatur bei den Europawahlen 12% erreichen würden. Dies zeigt, dass die tatsächliche Repräsentativität dieser unstrukturierten Bewegung stark relativiert werden muss. Aber Gewalt macht Eindruck und verstellt den Blick auf die wahren Verhältnisse - leider. Alle Möchtegern-Revolutionäre sollten zur Kenntnis nehmen, dass die Stabilität der französischen Institutionen nicht infrage steht.

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Reinhardt Gutsche 09.12.2018, 10:24
124. Danton läßt grüßen

Nach Taz (ROMY STRASSENBURG), Tagesspiegel (EBERHARD SPRENG) und der "Zeit" (Annie Ernaux) ist nun offensichtlich auch im "Spiegel" endlich die Macron-Dämmerung angebrochen, wenn man diese schlüssige Analyse in dahingehend deuten mag. Jeder, der sich auch nur oberflächlich mit der Geschichte Frankreichs befaßt hat, wird dem Verfasser abstrichlos zustimmen müssen.

Der Tenor seines Artikels erinnert an die Warnung Dantons vor dem Jakobinerklub 1793: "Das Volk lebt schon seit langem nur von seinen Tränen. Nur das Volk hat für die Freiheit gekämpft. Das wurde ihm schlecht gedankt; die Krämer und die Stinkreichen haben die Revolution gewünscht, um die Privilegien des Adels und der Priester zu genießen und sich ihre Besitztümer anzueignen... Wenn die Sans-Culottes nicht ihrerseits die Früchte der Revolution genießen können, werden wir gegen die Reichen und Bankiers dieselbe Revolution wieder von vorne." ("Le peuple depuis longtemps ne vit que de ses larmes. Le peuple lui seul a comabattu pour la liberté. Le peuple en a été le plus mal récompensé; les boutiqiers et les richards ont désiré la Révolution pour jouir des privilèges des nobles et des prêtres et pour s‘approprier leurs bi- ens... si les sans-culottes ne jouissent pas à leur tour de la Révolution, nous recommence- rons contre les riches et les financiers la même Révolution que nous avons faite avec eux contre le clergé et a noblesse.")

Die Gelbwesten-Revolte ist kein sektorieller Konflikt zur Verteidigung egoistischer Partikularinteressen, weder von innen noch von außen gesteuert, auch kein bloßer Zornesausbruch gegen die Person des zunehmend unpopulären Jupiter-Präsidenten S.A. Emmanuel Macron. Nein, es ist eine „Revolution des Volkes“ (Annie Ernaux) gegen die obwaltende Wirtschafts- und Gesellschaftsdoktrin, euphemistisch „Liberale Demokratie“ genannt, die sich die „noblen Nationen“ (Pompeo) als Label gegeben haben. Es ist der Aufstand der Opfer des globalisierten Finanzliberalismus.

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ayee 09.12.2018, 10:25
125. Absolut korrekter Artikel

Ursache für Gelbwesten, AfD, Trump ist die immer größer werdende Spaltung der Gesellschaft, zwischen digital und analog, Stadt und Land, gebildet und ungebildet, hohem Einkommen und niedrigem Einkommen oder kurz: Gewinner und Verlierer. Die Brände, die wir überall in der westlichen Welt sehen, sind Ausdruck dafür, dass die Verhältnisse gekippt sind. Das kann man weder weglächeln, noch niederknüppeln. Man hat nur die Wahl, ob man die notwendigen Änderungen geregelt vornimmt oder es zur Eskalation/Revolution kommen lässt.

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rudi_ralala 09.12.2018, 10:26
126.

Zitat von chilischweiz
.... IN der Schweiz - halb so hohe Abiturienten und Akademiker-Quoten - verdienen Krankenschwestern und Handwerke auch unter Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten das Doppelte!...
Das ist ja nun wirklich komplett übertrieben. Ich frage mich wie eine Kassiererin in Zürich von gut CHF 4.000,00 leben kann, wenn sie noch Miete bezahlen muss? Auch die Rentner haben in der Schweiz das Doppelte, trotzdem leben 600.000 ausserhalb der Grenzen, weil sie sich die teure Schweiz nicht leisten können. Sie haben offensichtlich den gleichen Blick, wie unsere Politiker, die die Realität nicht sehen wollen.

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From7000islands 09.12.2018, 10:29
127. Gegen die Globalisierung

Genau wie beim Migrationspakt stheht nirgends ein gesetz, dass die Entwicklung in Europa so sein muss wie sie ist. Niemand zwingt uns per Gesetz sich den chinesischen Arbeitsverhältnissen und Löhnen zu nähern. Doch die übermässig von Profit geprägte heutige Globalisierung ist gegen die Mehrheit der Menschen in Europa gerichtet, während die wenigen Unternehmer , Manager und Politiker extreme Profite einfahren, und das auch noch ohne gerechte Steuern an die Gemeinschaft zu zahlen. Die Umwelt wird geschädigt , die Luft durch die langen Transportwege zugeschmutzt, die Arbeitsplätze in Europa vernichtet. Da lohnt es sich schon, zu protestieren.

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schueler79 09.12.2018, 10:30
128. Das Problem

Ist ja, dass immer bei den Ärmsten noch etwas mehr genommen wird, während es die Vergünstigungen nur für die Superreichen gibt. Dieser jahrzehntelange Trend setzt sich unter Macron gnadenlos fort, aber auch kein Wunder, ist er doch selbst Teil dieses elitären Klubs. Wie sagte Holland über ihn: "Er ist kein Präsident der Reichen, er ist ein Präsident der Superreichen."
Die Geldumverteilung von unten nach oben ist also ein schleichender Prozess, aber er wird dennoch wahrgenommen, was zu einer schleichenden Unzufriedenheit im Volk führt, ist ja überall zu beobachten. Der Autor konzentriert sich hier sehr auf die Gewaltbereitheit der Demonstranten, dabei betrifft das nur den harten Kern, vielmehr sollte man die Entschlossenheit und den Zusammenhalt der Bevölkerung hervorheben, weil diese es ja sind die zum Einlenken bewegen. Der Versuch durch die üblichen Verdächtigen (linke, rechte, ja sogar Putin), die Demonstrationen zu illegitimisieren und zu zerschlagen ist auch deswegen gescheitert.
Wie auch immer: Es ist also klar an welchen Stellen die kapitalistischen Systeme schrauben müssen, sonst wird diese Maschine früher oder später kaputt gehen.

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k.laschefski 09.12.2018, 10:32
129. Macrons angebliche Ökosteuer

sind nur einfache Preiserhöhungen von Treibstoffe ab. Eine Ökosteuer sollte aber dazu führen dass Arbeit sich wieder gegenüber dem Einsatz von energiefressenden Maschinen wieder lohnt. Es ist ja nicht der "kleine Mann" sondern die Industriellen, die für den Zustand des Klimas verantwortlich sind. Die Forderungen sind großteils berechtigt. Sie Zielen auf eine robuste soziale Marktwirtschaft bei Beibehaltung wichtiger öffentlicher Funktionen wie Gesundheitswesen, Bildung etc. ab. Sie sind nicht "antigutmenschenöko" wie manche Kommentatoren hier glauben. Viele der sozialen Forderungen könnten durch ein bedingungsloses Grundeinkommen bürokratiereduziert gelöst werden. Die Gelbwesten sind jedenfalls sympathischer als das dumpfbackige rechte AFD - Neonazilager hier.

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