Forum: Politik
"Gelbwesten"-Proteste: Franzosen, Volk der Revolte
AP

Immer wieder leben die Franzosen auf der Straße das Unrechtsbewusstsein einer ganzen Epoche aus. Präsident Macron, Deutschland und der gesamte Westen müssen den Protest der "Gelbwesten" ernstnehmen.

Seite 21 von 21
oalos 10.12.2018, 13:08
200. Kein Kapital für GR, I, P, GB, ...

Zitat von butzibart13
Diese Aufstände, diese Unruhen erinnern in ihrer Brachialgewalt an die Wut beim G20-Gipfel vor einem Jahr in Hamburg. Der Rahmen dafür war allerdings damals ein anderer als jetzt in Frankreich, damals ein schwarzer Block von Anarchisten gegen die Globalisierung, hier eine inhomogene Masse gegen das neoliberale Establishment Solche Szenen werden auch ausländische Investoren vor Frankreich abschrecken, auch solche, die nicht die klassische Ausbeutermentalität aufweisen. Für die wirtschaftliche Kraft Frankreichs kein gutes Zeichen.
Wird langsam eng für die Investoren, wohin mit der Knete?
Ach ja, bitte um Beispiele "ausländischer Investoren, die nicht die klassische Ausbeutermentalität ausweisen." Der Vatikan ? Och, nö...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oalos 10.12.2018, 13:32
201. Versprochen - gebrochen...

Zitat von Beat Adler
Macon lieferte nicht? Resultat von grundlegenden Reformen in 18 Monaten zeigen sich NOCH nicht. Das ist richtig. Es fehlt ihm der Zauberstab, wie ungluecklich aber auch. Im ersten Macronjahr investierten Ausalender das 3-Fache im Vergleich zum letzen Hollandejahr. Die Zahl der Touristen nahm ebenfalls zu. Im Gastgewerbe in Frankreich sind 150'000 Stellen unbesetzt, das bei 9% Arbeitslosigkeit. Die Gelbwesten sorgen nun dafuer, dass sich dieser Touristenboom wieder beruhigt. Macron sagte im Wahlkampf, dass Frankreich unreformierbar sei, er es trotzdem tue. Er wurde deswegen heftigst kritisiert, und trotzdem 2 Mal zusammen mit seine Partei im Mehrheitswahlrecht deutlich gewaehlt. Fuer jeden Einzelnen ist das Empfinden wichtiger, wie die nackte Realitaet. "Ich glaube, dass ich arm bin, also bin ich arm." Wenn diese Person im Vergleich zu all den Anderen in der Rest EU der 27 in der Realitaet auch alles Andere wie arm ist. Eine Gelbweste, Frau im Ruhestand, beklagte sich live am TV, dass sie nur 750 Euros Rente im Monat hat. Kurze Zeit spaeter wird klar, dass sie verheiratet ist, mit ihrem Mann zusammen lebt und das Ehepaar gemeinsam 3'100 Euros pro Monat zur Verfuegung hat. Eine der vielen TV Sender, welche Gelbwesten in die Diskussionsrunden einladen, war unvorsichtig und praesentierte einen vor Gericht verurteilten Nazi, ehemaliger Staatsangestellter, der Berufsverbot bekam, und, wie andere TV Sender herausfanden, seither vom Staat, weil er nicht arbeiten darf, laecherliche 2'600 Euros pro Monat erhaelt. mfG Beat
Was hat denn Schröder alles versprochen ? Und was ist daraus geworden nach 16 Jahren Hartz 4 ? "Ich weiß, dass die Reformen zu Beginn schmerzhaft waren, aber wenn wir heute die Erfolge sehen, dann hat es sich für unser Land gelohnt." (Schröder in BILD). Das sehen Niedriglöhner, Aufstocker, befristet angestellte AN, viele Rentner, ... etwas anders.
Ihre Beispiele sind herausgegriffen. So jmd. wie 'Florida-Rolf' gibt es immer und überall...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
worlorn 10.12.2018, 19:08
202.

Zitat von ingo.adlung
Es steht Ihnen und anderen frei andere Parteien als die regierenden zu wählen. Aus Ihrer Ablehnung deren Politik aber ein Recht auf zivilen Ungehorsam (Gesetze nicht befolgen) oder gar gewalttätigen Widerstand (wie derzeit in Frankreich vereinzelt zu beobachten) abzuleiten ist allerdings absurd!
Hab' ich was von bestimmter Gewaltanwendung gesagt? Natürlich ist Gewalt gegen die Bevölkerung mit Plünderungen etc. unakzeptabel. Das trifft die Falschen, nicht die Verantwortlichen für die ganzen Fehlentwicklungen. Ich sage nur, dass man es verstehen kann, wenn die Leute sich wehren und das zunehmend aggressiv. Sie sehen keine andere Möglichkeit mehr, weil das Kartell aus Politik, Wirtschaft und privilegierten Kreisen immer so weitermacht und die neoliberalen Auswüchse immer extremer werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hpampel 10.12.2018, 23:28
203. @65 taxiparis

Ja, geht mir auch so. Mein Vater hat auch ein Unternehmen in DE. Ich studiere in Paris Jura im 12 Semester und wohne im Zentrum in einer 130 qm Wohnung. Ich verstehe die Gelb Westen auch nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ingo.adlung 11.12.2018, 08:29
204.

Zitat von worlorn
Hab' ich was von bestimmter Gewaltanwendung gesagt? Natürlich ist Gewalt gegen die Bevölkerung mit Plünderungen etc. unakzeptabel. Das trifft die Falschen, nicht die Verantwortlichen für die ganzen Fehlentwicklungen. Ich sage nur, dass man es verstehen kann, wenn die Leute sich wehren und das zunehmend aggressiv. Sie sehen keine andere Möglichkeit mehr, weil das Kartell aus Politik, Wirtschaft und privilegierten Kreisen immer so weitermacht und die neoliberalen Auswüchse immer extremer werden.
Gewalt gegen den Staat wäre also akzeptabel, nur nicht gegen die Bevölkerung? Der Staat sind wir, jeder von uns, nicht eine abstrakte Klasse, somit ist Gewalt gegen den Staat Gewalt gegen die Bevölkerung. Unsere Parlamentarier sind Mitbürger, die wir gewählt haben unsere Interessen zu vertreten. Die Exekutive wird von diesen kontrolliert, sie agiert nicht abgehoben, autark. Das von Ihnen postulierte Kartell ist ein Mythos und gibt es so gar nicht. Haben wir die falschen gewählt? Vielleicht, dann machen Sie es das nächste mal besser. Aber Gewalt ist in einem demokratisch legitimierten Gemeinwesen nie akzeptabel. Gegen niemanden. Nie. Punkt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jdoehrin 11.12.2018, 18:49
205. Es wird nicht bei Frankreich bleiben

Der Neoliberalismus zersetzt, seit fast vier Jahrzehnten. Immer mehr, inzwischen auch Journalisten, merken das. Es kommt die Zeit, wo Bemerkungen wie die vorgestern von Minister Altmaier, für angemessene Staatsausgaben wäre erst jetzt, im Boom, genug an Einnahmen da, die Reaktion erhalten, die sie verdienen: Entweder wieherndes Gelächter oder blanke Wut.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jackberlin 12.12.2018, 22:39
206.

Zitat von aspi01
Wie wahrscheinlich ist es, dass die Protestierer die Wähler von Macron waren? Der weitaus grösste Teil davon wird ihn ganz sicher nicht gewählt haben und will jetzt auf der Strasse gegen das Ergebnis der Wahl kämpfen. Mit Demokratie hat das gar nichts zu tun, eher schon mit einem gewaltsamen Umsturzversuch mit anschliessender "Diktatur des Proletariats", angefeuert von linken und rechten Medien.
Wenn Demokratie bedeutet, dass die Minderheit sich von der Mehrheit versklaven lassen muss, weil die sich ihre passende Regierung wählt, ist die Demokratie nichts wert. Können SIe auch gerne auf deutsche Verhältnisse Übertragen. Man kann das Präkariat natürlich weiter erniedrigen und an den Rand der Existenz drücken. Das betrifft ca. 30% in Deutschland. Fachausbildung, Studium, jahrelange Erfahrung und dann für Mindestlohn arbeiten und monatlich mit Entlassung rechnen müssen - das ist die Realität. Keine Überstundenvergütung, keine Weihnachtsgeld, flexible Kurzarbeit - so arbeiten in Deutschland mittlerweile Millionen. Für viele Arbeiter greift nicht mal das vielgepriesene Mindestlohngesetz und asoziale Unternehmer sparen sich die Krankenversicherung, weil Schröder und Co ihnen ermöglicht haben, ganze Unternehmen auf dem Prinzip von 450,- Euro Jobs aufzubauen. Und es gibt keine Möglichkeit, das Wahlergebnis von gut bezahlten Arbeitern, Angestellten und Beamten mit dauerhafter Festanstellung zu ändern, weil denen die 30% Verlierer egal sind. Und obendrein ist der Normal- bis Gutverdiener zu dumm, zu erkennen, dass er die Ausbeutung über seine Steuern mitfinanziert, da der Staat die Aufstockung und Krankenversicherung übernehmen muss. Die Geschichte zeigt, dass irgendwann jeder einen Punkt erreicht, an dem er auf die Straße geht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
maggelan07 16.12.2018, 13:39
207. Gelbweste - Neuer Tarnanzug der Anarchisten ??

Während hierzulande jemand bestraft wird, wenn er seinen selbstgebauten Starenkasten (Foto-Radar-Blitzer) an seine Wohnstrasse aufstellt, damit die Autos dort langsamer fahren, dürfen in Frankreich unbehelligt als Demonstranten verkleidete Anarchisten
Rettungswesten tragen, die sie damit zweckentfremden.
+++ Wer glaubt, dass nur mit Gewalt, Streiks und Lärm gegen das Unrecht in der Gesellschaft vorgegangen werden kann, der verschlimmert nicht nur die gesellschaftlichen Spannungen, sondern outet sich selbst als Demokratie-Feind !
So - meine lieben freiheitsliebenden Franzosen - so wird nicht
Demokratie gemacht !
Und auch nicht mit halbnackten und frisch lackierten femininen Schönheiten !! Hier hat die Model-Branche schon genug Unheil und Leid seit Jehrzehnten angezettelt - und das alles nur, um den Johannistrieb reicher, geiler, alter Säcke zu befriedigen !!
So kämpft man nicht für die Rechte der Frau, sondern stellt die Frau eher zur Schande !!
Wer mit nackten Frauen demonstriert, gleicht jenen Leuten, die ihren nackten Popo den Regierenden entgegen strecken als Zeichen ihrer Verachtung gegenüber Gerechtigkeit und Gesetz !!
Gesetze werden nur gemeinsam in demokratischen Abstimmungen gemacht und geändert, niemals mit irgendeiner Form von Gewalt !
Wer nicht die Macht des Wortes besitzt oder die Macht des eigenen gerechten Vorlebens, wer immer nur glaubt, die Regierung sei das Böse, was es zu vernichten gilt - und man ohne Gewalt eh nichts gegen die da ohm ausrichten kann, der irrt gewaltig und sollte sich den Lebenslauf grosser demokratischer Staatsmänner mal anschauen, was die ohne Gewalt auf die Beine gestellt haben !!
Streiks und Demonstrationen unter Anwendung von Gewalt ist sowas von vorgestern und eklig - es gehört verdammt und in die Tonne gekloppt.
Na, welcher von den pappnasigen Gelbwesten traut es sich, den Staatspräsident mal zu einem persönlichen Dialog zu bewegen ?
Oder besser: Selber Gerechtigkeit vorleben ! Politisch/gesellschaftliche Änderungen müssen immer in kleinen, mühsam geplanten Schritten vollzogen werden, um grosse gerechte Wirkung zu erlangen, andernfalls entsteht Chaos.
Heutige Demonstrationen kommen mir vor wie eine Bande verpennter Leute, die jahrzehntelang es versäumt haben, für Gerechtigkeit zu sorgen. Und erst wenn der Kessel kocht, kommen sie angerannt und wollen alles auf einmal, am liebsten gleich gestern erledigt haben. Solche Leute haben früher in der Schule die Schulnote 6 minus bekommen !!
Und gerechte Demonstranten sind geduldig und wollen nie etwas auf die Schnelle bewirken.
Soweit - happy new wheels !!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brutus972 16.12.2018, 15:40
208. Stadt & Land Gegensätze

sind in Frankreich besonders groß. Während Lyon und der Großraum von Paris von der Mondialisierung profitieren, sind die Leute auf dem Lande abgehängt. Wenn man auf der Autobahn in Frankreich fährt, kommt manchmal hunderte von Kilometer keine größere Stadt. In Deutschland kommt alle 50 km eine Mittel- oder Großstadt.
Hollande hat schon das richtige gemacht, als er Departements zusammenlegte, um regionale Zentren zu schaffen. In Deutschland bekommen solche regionale Zentren Fachhochschulen etc. gebaut, was dann noch Industrie nach sich zieht. Das alles gibt es in Frankreich nicht, noch nicht. Wenn Leute auf dem Lande wohnen, das Postamt schließt, das kleine Krankenhaus zu gemacht wird, wobei das nächste Krankenhaus dann 150 km weit weg ist, dann noch der Kraftstoff enorm verteuert wird, dann nimmt man den Staat schon anders war.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
P-Schrauber 17.12.2018, 02:16
209. nein nein nein so nicht!

Ja die Gelbwesten haben was von der APO (AußerPolitischen Opposition) sie sind nur nicht links oder rechts verortbar, sie lassen sich auch nicht durch Spiegelredakteure kategorisieren, das ist schon wieder ein Versuch der dogmatischen Erklärung der Welt weil man meint es zu wissen, das ist nicht der Fall.

Nein die Protestbewegung ist nicht nur gegen die Politik sondern auch gegen die eigene die Presse weil beide genau in Ihrer Borniertheit gegenüber einem großen Anteil der Bevölkerung meinen Ihnen in Lebensbereichen Vorschriften machen zu können die sie mittleiweile nicht mittragen das ist das ganze Problem.

Es ist genauso wie die Amerikaner und Obamacare Die egsngheitsreform wäre ein von fast allen Amerikanern angenommen worden wenn das Prinzip der Strafe mit dabei gewesen wäre.

In Frankreich ist es ähnlich die Subventionierung des Umweltschutzes über zusätzliche Steueranbgaben, wo doch die Franzosen gerade für Verkehrsmittel und dem Individualverkehr sehr viel mehr ausgeben müssen als wir war ein Kardinalfehler.

Es geht nicht um Kapitalismus es geht darum das den leuten die bornierte linkslastige Überheblichkeit der Sozialisierung und Politisierung aller Lebensbereiche auf den "Senkel" geht. Nicht mehr und nicht weniger.

G7 und G20 sind den gelbwesten egal, es geht darum am Ende des Arbeitsmonats noch eine gewisse Rücklage vorzufinden und nicht das Gefühl zu haben der monetäre Restbetrag wird auch noch herausgeschröpft um damit entweder soziomultikulturellen Befindlichkeiten der Regierung, der EU, der Migration oder eliäre Presitigeprojekte zu finanzieren, (da ist dann auch alles drin).

Das ist der simple Grund und es scheint protesttechnisch zu funktionieren. Das Problem ist der Linksruck der Politik und der Presse die ein Vakuum auf der bürgerlichen rechten Seite hinterlassen hat, das Vakuum ist nicht angefüllt, die Rechten in Frankreich wie in Deutschland sind dafür zu rechts, die Mitte Rechts liegenden Positionen als Populismus gebrandmarkt. Die SPD und andere sozialdemokratische "links" der bürgerlichen Mitte verhafteten Parteien im übrigen gerade deshalb jeglichem Existenzrecht genommen und deshalb im Sturzsinkflug begriffen, weshalb auch nun enttäuschte Linke mit dabei sind.


Was man dagegen tun kann, kritische Selbstreflexion der Presse (auch unserer) und die weitere Vermeidung der Eskalation (Empörung) der Diskussion durch mehr Stil im Umgang miteinander auch mit den sogenannten Populisten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 21 von 21