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Gerechtigkeitsdebatte: Kardinal Marx fordert höhere Besteuerung von Vermögen und Kapi
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In der Gerechtigkeitsdebatte bekommt SPD-Kanzlerkandidat Schulz Beistand von ungewohnter Seite. Im SPIEGEL sorgt sich Kardinal Marx: "Das Empfinden wächst, dass nicht alle die gleichen Chancen haben."

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Berg 10.04.2017, 17:40
120.

Zitat von n.wemhoener
Die Finanzminister aller Couleur hatten stets Glaceehandschuhe an, wenn es um die Besteuerung der oberen 10 % ging und die Spendierhosen, wenn es um deren Begünstigung ging. Alle Steuerreformen der letzten 15 Jahre kannten nur eine Richtung: Steuern runter für Höchtsverdiener und Vermögende. Die Steuergeschenke für den gehätschelten Kreis des Geldadels haben sich in den letzten 15 Jahren auf 700 Milliarden Euro addiert. Der Kardinal hat Recht ! Es wird Zeit, die "Rückverteilung" der bisherigen Umverteilung von unten nach oben einzuleiten.
Das mag ja die Meinung der paar armen Schlucker sein, die darauf hoffen, irgendwie etwas von den Vermögen des Geldadels abzubekommen. "Höchstverdienende und Vermögende" sehen das ganz anders: sie erhalten hohe Gehälter von ihren Arbeitgebern angeboten und wären schön blöd abzulehnen. Wieso also davon einem Unbeteiligten etwas abzugeben? "Unbeteiligte" gibt es in der eigenen Familie genug: Frau und Kinder, Kindeskinder und Eltern, Schwiegerkinder usw. Nicht nur der einfache Facharbeiter arbeitet für seine Familie - auch der Besserverdienende!

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n.wemhoener 10.04.2017, 19:17
121.

Zitat von Berg
Das mag ja die Meinung der paar armen Schlucker sein, die darauf hoffen, irgendwie etwas von den Vermögen des Geldadels abzubekommen. "Höchstverdienende und Vermögende" sehen das ganz anders: sie erhalten hohe Gehälter von ihren Arbeitgebern angeboten und wären schön blöd abzulehnen. Wieso also davon einem Unbeteiligten etwas abzugeben? "Unbeteiligte" gibt es in der eigenen Familie genug: Frau und Kinder, Kindeskinder und Eltern, Schwiegerkinder usw. Nicht nur der einfache Facharbeiter arbeitet für seine Familie - auch der Besserverdienende!
Sie finden also die steuerliche Bevorzugung der Geld-Elite ganz ok ?
So wie das offenbar auch die Mehrheit der Wähler sehen, die immer noch ihr Kreuz bei jenen Parteien machen, die für diese Schieflage im Steuersystem verantwortlich sind. Selbst die machen das Kreuz dort, die gar nicht zu den Nutznießern gehören.

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Berg 10.04.2017, 20:00
122.

Zitat von n.wemhoener
Sie finden also die steuerliche Bevorzugung der Geld-Elite ganz ok ? So wie das offenbar auch die Mehrheit der Wähler sehen, die immer noch ihr Kreuz bei jenen Parteien machen, die für diese Schieflage im Steuersystem verantwortlich sind. Selbst die machen das Kreuz dort, die gar nicht zu den Nutznießern gehören.
Ohne auf Steuerprozente, Gesamtsteuersummen und die Höhe von Einkommen und Vermögen einzugehen: ja, ich finde, dass Privatbesitz von Firmen, Unternehmen, Immobilien, Mietshäusern, Ländereien uvm. besser, als wenn das der Staat übernehmen müsste. Und viele hohe Geldvermögen werden wieder direkt in Unternehmen und Investitionen, Rekonstruktionen usw. gesteckt und von Privatpersonen finanziert und kontrolliert. Es ist notwendig, Vermögende zum Ausgeben ihres Geldes zu veranlassen: Immobilienbau und -sanierung, Firmengründung bis hin zu Aufträgen an Luxusgüterhersteller vom Juwelier bis zum Jachtbauer.

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Peter Bernhard 10.04.2017, 21:46
123. Erben

"Im Sinne der Gerechtigkeit müssen Vermögen und Erbschaften, aber auch der Kapitalverkehr stärker besteuert werden." - Das "Aber auch" hat es für mich heute in sich: es geht meiner Meinung nach viel mehr um möglichst hohe Mobilität, Flexibilität, Effektivität, also möglichst wenig Block-Bildung. Einererseits trifft das "aber", denn hohe Berge von Kohle hat die Vermutung von Abschottung, Kartellsierung und Verfestigung, also ungerechter Unflexibilität für sich. Denn richtig: in funktionierender Wettbewerbswirtschaft kann sich kein nämlich investives, das ist wichtig, kein investives Kapital langfristig halten und akkumulieren: weil Newcomer es durch - schlicht und einfach - zulässige Nachahmung und Besserwerden abschmelzen lassen. Das meine ich, habe Karl Marx gar nicht gesehen oder er ging aus von Monopolbildung als eine Art Immanenz. Andererseits sollte die Kirche, die ja histroisch neben sich wohl nur den Staat mehr oder weniger anzuerkennen hat, die Familie als einzige "heilige" (bekannter Titel von Marx, Karl) anerkennen. Da im Unterschied zu Aktiengesellschaften und "Körperschaften", der Körper als menschlicher schnell sein Fortleben verliert, ihn sehr rasch die Kräfte verlassen, stellt das, was sich da im Leben angesammelt hat, primär mal mir als "Ver"-Erben und nicht so sehr als unverdientes Erben dar und ist wie ich mit diesem Artikel mir klar machen konnte eine denkgesetzliche Kontinuität von dynamischen Tun und Sorgen, für sich selbst. Man muss das Geld aber verdient haben, und so lebt es weiter, nur so. Man kann das aber auch eine Stiftung fortführen lassen, was man anfing. Ansonsten: Grundgesetz unterscheidet zwischen Sozialpflichtigkeit und Enteignung. Bei der Bischofsbau-Affäre war ich verblüfft über die Größe der Liegenschaften der Kirche selber.

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gantenbein3 11.04.2017, 08:03
124. Es ist schon kurios

Wenn die Kirche zur sozialen Ungleichheit schweigt, ist es nicht richtig. Und wenn ein prominenter Kirchenmann etwas daran kritisiert, ist es auch nicht richtig. Ja was denn nun? Offensichtlich ist bei Vielen der Brass auf die Kirche größer als die Bereitschaft zum Nachdenken. Denn im Kampf gegen soziale Ungleichheit sollte jede Stimme Gewicht haben, auch die Stimmen der Kirchenleute. Und abgesehen davon: Eine Kirche, die ihr ganzes Vermögen den Armen schenken würde, könnte damit die Armut nicht aus der Welt schaffen. Aber es gäbe dann eine Instution weniger, die etwas gegen Armut tut. Vielleicht nicht genug, das ist wahr. Aber es hat noch nie etwas gebracht, die Kinder mit den Bädern auszuschütten.

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Berg 11.04.2017, 12:14
125.

Zitat von gantenbein3
Wenn die Kirche zur sozialen Ungleichheit schweigt, ist es nicht richtig. Und wenn ein prominenter Kirchenmann etwas daran kritisiert, ist es auch nicht richtig. Ja was denn nun? Offensichtlich ist bei Vielen der Brass auf die Kirche größer als die Bereitschaft zum Nachdenken. Denn im Kampf gegen soziale Ungleichheit sollte jede Stimme Gewicht haben, auch die Stimmen der Kirchenleute. Und abgesehen davon: Eine Kirche, die ihr ganzes Vermögen den Armen schenken würde, könnte damit die Armut nicht aus der Welt schaffen. Aber es gäbe dann eine Instution weniger, die etwas gegen Armut tut. Vielleicht nicht genug, das ist wahr. Aber es hat noch nie etwas gebracht, die Kinder mit den Bädern auszuschütten.
Jeden Sonntag, dazu Weihnachten, Ostern, Pfingsten stehen ungezählte Pfarrer auf den Kanzeln ihrer Kirchen vor ihren Gläubigen. Dort hat die Kirche die Möglichkeiten, zur "sozialen Ungleichheit" unter den Besuchern zu reden. Das traut sich aber keiner. Denn gerade dort trifft sich Unternehmer und Arbeitnehmer - "Ungleiche". Die angestoßene Forderung nach Beseitigung von Ungleichheiten ist blanker Unsinn.

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unionist 15.04.2017, 10:59
126. Der Herr hat kein Recht

sich in Belange der außerkirchlichen freien Wirtschaft einzumischen, schon alleine aus dem Grund NICHT, daß der kathol. Kirche ca. 5-6 Milliarden€ hart erarbeiteter Steuergelder so einfach mal jährlich in die Schatulle gesteckt werden! Eine, seinerseits für diese zugeschanzten Gelder erbrachte GegenLeistung, ist mir in keinster Weise ersichtlich!

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cosifantutte 15.04.2017, 16:48
127. Bin immer wieder verwundert

Da lese ich in der Zeitung, dass die oberen 10% "Reichen" ab 400.000 Euro Haushaltsvermögen haben. Die oberen 5% sollen bei 660.000 losgehen. Das freut mich, dass es ein paar Leute gibt, denen es soooo gut geht. Dann rechne ich nach und stelle mit Erstaunen fest, dass auch wir zu den oberen 5% gehören. Eine Rechnung jagt die nächste, die Renten reichen nur bis zum 15ten des Monats. Also reich ist was anderes, das kann man mir glauben.

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Berg 16.04.2017, 10:04
128.

Zitat von cosifantutte
Da lese ich in der Zeitung, dass die oberen 10% "Reichen" ab 400.000 Euro Haushaltsvermögen haben. Die oberen 5% sollen bei 660.000 losgehen. Das freut mich, dass es ein paar Leute gibt, denen es soooo gut geht. Dann rechne ich nach und stelle mit Erstaunen fest, dass auch wir zu den oberen 5% gehören. Eine Rechnung jagt die nächste, die Renten reichen nur bis zum 15ten des Monats. Also reich ist was anderes, das kann man mir glauben.
Jeder muss in seinem Leben die Balance finden zwischen Einnahmen und Ausgaben, zwischen Guthaben und Schulden, zwischen Sach- und Barvermögen, zwischen Pflicht- und Kürzahlungen. Bei manchen gelingt es gut, bei anderen dauert es.

Weil alle Unternehmen, Immobilien, Gebäude usw. jemandem gehören, anderen aber nichts davon, kommen auch größere Unterschiede zustande. Wir sollten froh sein, dass der Kapitalismus die Möglichkeiten bietet, auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Geld umzugehen.

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alfred-wilhelm 16.04.2017, 13:56
129. Ich kann mich an Zeiten erinnern,

Zitat von yvowald@freenet.de
Wären wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer uns doch endlich einmal einig, könnte es eine tatsächliche Steuergerechtigkeit geben. Solange jedoch diejenigen, die nicht arbeiten, aber dennoch hohe und höchste Gewinne (Dividenden usw.) kassieren, den Ton angeben, wird da nichts drauß. Die Groß- und Finanzindustrie hat riesige Geldsummen, aber keine wirkliche Macht. Die haben wir als arbeitende Bevölkerung, die wir nicht wirklich an den erzielten Gewinnen beteiligt werden. Wann endlich reift diese Erkenntnis in allen Köpfen?
.....wo das eben nicht Normal war, an Zeiten, wo Großvater, kurz vor der Rente, in einer Firma arbeitete, Vater bei der gleichen Firma mitten im Berufsleben stand und Sohnemann eine Lehre bei der gleichen Firma anfing.

Ok, diese Zeiten sind vorbei!

Aber zum Verständnis warum

Die Basis des Wohlstands des Staates, des Rentners, des Millionärs und des durchschnittlichen Bürgers ist und war die industrielle Wertschöpfungskette.

In den letzten 25ig Jahren wurde die industrielle Wertschöpfungskette der Konsumgüter-Industrie (Textilindustrie, Radio und Fernsehtechnik, Küchenelektronik, PC-Industrie usw.) aus Europa/USA nach Asien verlagert.
Damit wurden aber bei uns eine Unmenge von Arbeitsplätze und Lehrstellen der betroffenen Firmen abgebaut und Asien/Indien/China zur Werkbank der westliche Hemisphäre.
Wenn nun (!Globalisierung!) Herr XY in Asien ein Paar Schuhe für 1,50 € herstellen lässt und die für 40,00 € oder mehr in Deutschland verkauft, wird Herr XY zum Millionär und der asiatische Fabrikarbeiter, der am entsprechenden Wertschöpfungsprozess beteiligt ist, wird seinen Lebensstandard ebenfalls verbessern.

Die andere Seite ist aber, dass der Wohlstand des Durchschnitts-Bürgers und des Staates der westlichen Hemisphäre - mangels gut bezahlter Arbeitsplätze - den Bach hinunter geht.

In anderen Diskussionen wird bereits ganz offen von der post-industriellen Zeit gesprochen. Wer also wissen möchte, was auf ihn und seine Kinder zu kommt, kann sich einmal die Realität der vorindustrielle-Zeit Europas anschauen.

Was fällig wäre/ist, ist eine Art Re-Industrialisierung Europas/der USA, damit der durchschnittliche Bürger, mit seiner Arbeit, sich und seiner Familie wieder einen normalen Lebensunterhalt sichern kann.

Über Steuerumverteilung lässt sich Letzteres nicht verwirklichen

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