Forum: Politik
Geschlechtervielfalt: Warum der Quoten-Feminismus in Wahrheit reaktionär ist
DPA

Mann, Frau oder etwas ganz anderes? Für die moderne Theorie ist nicht die Biologie, sondern der freie Wille entscheidend für die Geschlechtszugehörigkeit. Wenn aber Chromosomen kein Schicksal mehr sind, wofür braucht man dann Quoten?

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markus.pfeiffer@gmx.com 09.03.2019, 08:05
240. Falsch verstanden

Zitat von fördeanwohner
Solange alle anderen kommunalen Einrichtungen tendenziell von Männern geleitet werden, sollten Sie sich damit abfinden, dass es in diesem Bereich doch tatsächlich mal fast nur Frauen gibt. Hier kann Mann einmal schön nachvollziehen (natürlich nur, wenn Mann es will), wie es sonst immer anders herum ist. Wenn sich das Gesamtverhältnis aller kommunalen Einrichtungen verändert hat, dann muss man erneut schauen. Und dann kommt vielleicht endlich Ihr großer Tag!
Es geht mir gar nicht darum, dass die Kita eine männliche Leitung bekommt, wo doch so viele hervorragende Frauen dort arbeiten. Im Gegenteil, wäre absurd, wenn 50% der Leitungen (analog zur Forderung bei den Vorständen) Männer wären; gibt ja gar nicht so viele...

Mir erschließt sich nur umgekehrt nicht, warum z.B. in der Automobilindustrie mit > 90% männlichen Arbeitern am Band und > 75 % männlichen Ingenieuren nun unbedingt >= 50% in den Vorständen Frauen sein sollten, damit eine "Geschlechtergerechtigkeit" hergestellt wird.

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frankanord 09.03.2019, 08:35
241. Entweder, Oder

“Wenn aber Chromosomen kein Schicksal mehr sind, wofür braucht man dann Quoten?“

Soll heißen, liebe Genderleute und Feministinnen, ihr müsst euch schon entscheiden, wofür ihr seid, denn sonst zeige ich euch krass, wie widersprüchlich das ist.

Kann man so machen. Man könnte es auch mit handfesten Argumenten anstelle von Zirkelschlüssen probieren. Aber nur schade um die schöne Polemik dann.

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spon_4_me 09.03.2019, 10:00
242. @ fördeanwohner (# 239):

Wie so oft ein kluger Beitrag von Ihnen. Allein, ich weiß nicht, ob akzeptiert werden der richtige Terminus ist. Früher - sagen wir zu Zeiten meiner Grosseltern - war der Zwang, typisch männlich oder typisch weiblich zu sein, wahrscheinlich sehr groß. Heute habe ich - auch aus vielen Kolumnen und dazu gehörenden Foren bei SPON - den Eindruck, jede als solche empfundene Orientierung ist richtig und als solche, wenn nicht zu akzeptieren, so doch zu schützen. Das ist zwar gut gemeint, wirft aber in der Praxis allerlei Probleme auf, die nicht zuletzt von Übergriffen häufiger betroffene Frauen tangieren. Ich bin immer wieder erstaunt (und finde Herrn Fleischhauers Kolumne einen wichtigen Beitrag in Richtung mehr Differenzierung aus zugegeben überraschender Quelle), wie - sagen wir mal - enthusiastisch und blauäugig solche vermeintlich fortschrittlichen Themen in die Diskussion geworfen werden, als gäbe es nur Plus und Vorwärts und nicht auch Minus und zurück. Der Economist brachte letztes Jahr - um präzise zu sein: am 25. Oktober - eine Zusammenfassung der Transgender-Thematik, den ich jedem, der sich dafür als normaler Bürger interessiert, nur empfehlen kann.

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fördeanwohner 09.03.2019, 11:04
243. -

Zitat von markus.pfeiffer@gmx.com
Es geht mir gar nicht darum, dass die Kita eine männliche Leitung bekommt, wo doch so viele hervorragende Frauen dort arbeiten. Im Gegenteil, wäre absurd, wenn 50% der Leitungen (analog zur Forderung bei den Vorständen) Männer wären; gibt ja gar nicht so viele... Mir erschließt sich nur umgekehrt nicht, warum z.B. in der Automobilindustrie mit > 90% männlichen Arbeitern am Band und > 75 % männlichen Ingenieuren nun unbedingt >= 50% in den Vorständen Frauen sein sollten, damit eine "Geschlechtergerechtigkeit" hergestellt wird.
Sehen Sie, und ich würde es begrüßen, wenn alle Bereiche hälftig besetzt wären. Es gibt natürlich einige wenige Ausnahmen, nämlich solche in denen Frauen durch ihre körperliche Unterlegenheit im Schnitt schlechter geeignet sind, wie z.B. im Bau oder ähnlichen Bereichen. Umgekehrt fallen mir keine Berufe ein, die nicht von Männern ausgeübt werden könnten und sollten.
Ich wollte mit meinem Beitrag also gar nicht ausdrücken, dass Männer nicht Kita-Leiter sein sollten, sondern bloß, dass es derzeit irgendwie eine Art ausgleichende Gerechtigkeit ist, wenn an dieser Stelle fast nur Frauen anzutreffen sind. Mehr nicht.

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fördeanwohner 09.03.2019, 11:18
244. -

Zitat von spon_4_me
Wie so oft ein kluger Beitrag von Ihnen. Allein, ich weiß nicht, ob akzeptiert werden der richtige Terminus ist. Früher - sagen wir zu Zeiten meiner Grosseltern - war der Zwang, typisch männlich oder typisch weiblich zu sein, wahrscheinlich sehr groß. Heute habe ich - auch aus vielen Kolumnen und dazu gehörenden Foren bei SPON - den Eindruck, jede als solche empfundene Orientierung ist richtig und als solche, wenn nicht zu akzeptieren, so doch zu schützen. Das ist zwar gut gemeint, wirft aber in der Praxis allerlei Probleme auf, die nicht zuletzt von Übergriffen häufiger betroffene Frauen tangieren. Ich bin immer wieder erstaunt (und finde Herrn Fleischhauers Kolumne einen wichtigen Beitrag in Richtung mehr Differenzierung aus zugegeben überraschender Quelle), wie - sagen wir mal - enthusiastisch und blauäugig solche vermeintlich fortschrittlichen Themen in die Diskussion geworfen werden, als gäbe es nur Plus und Vorwärts und nicht auch Minus und zurück. Der Economist brachte letztes Jahr - um präzise zu sein: am 25. Oktober - eine Zusammenfassung der Transgender-Thematik, den ich jedem, der sich dafür als normaler Bürger interessiert, nur empfehlen kann.
Mir fehlen in dieser Debatte die Stimmen der Betroffenen. Die kriegen wir an dieser Stelle nicht wirklich zu hören.
Zudem bin ich mir nicht sicher, ob diejenigen, die Herr Fleischhauer hier an den Pranger stellt, tatsächlich diejenigen sind, die sich gegen eine Quote für Diverse stellen, wenn diese sich eine solche wünschen. Weshalb auch? Im Prinzip müssten Frauen und Männer auf ein bisschen verzichten. So what!?
Ja, das Thema ist komplex. Und Fragen sollte man aufwerfen dürfen. Jedoch finde ich es bedauernswert, dass sich dann im Forum Leute über betroffene Menschen indirekt lustig machen, wie es hier ja auch der Fall ist.
Außerdem ist der Debattenbeitrag von Herrn Fleischhauer einzig dazu da, Forderungen für mehr echte Gleichstellung zu diskreditieren. Neutral ist er, wie wir alle wissen, nämlich nicht in dieser Sache.

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copydog 09.03.2019, 15:19
245.

Zitat von fördeanwohner
Das Problem ist aber doch, dass diejenigen, die "dann doch eher nichts mit den , in der Tendenz zutreffenden, Eigenschaften seines [ihres] biologischen Geschlechtes anfangen" können, benachteiligt werden. Männer, die gern Hausmänner sind, werden nicht akzeptiert. Frauen, die keine Kinder wollen, werden nicht akzeptiert. Menschen, die beiderlei Geschlechtsmerkmale haben, werden nicht akzeptiert. Usw. Diese Beispiele zeigen doch, dass es 1. viele gibt, auf die die vermeintlich "vorgegebenen" Tendenzen nicht zutreffen, und 2. die Akzeptanz quasi nur in eine Richtung verläuft. Der vermeintlich nicht passende Mensch soll sich gefälligst damit abfinden, dass es nun einmal so ist, wie es (angeblich) ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel auf dieser Platfrom hier über Vera Brunschweiger, die sich gegen das Kinderkriegen ausspricht. Dort wird auch noch einmal auf die Bewegung "Regretting Motherhood" hingewiesen. Die Natur gibt vor, wer die Kinder auf die Welt bringt, ja. Aber sie gibt eben nicht vor, dass es automatisch als toll empfunden wird.
Das mag durchaus sein, dass dies nicht von allen akzeptiert wird. Ich kenne einen Hausmann, keine Probleme. Genauso Frauen, die keine Kinder bekommen wollen, auch keine Probleme. Ich bin im MINT Bereich tätig und da gibt es auch Frauen (nicht viele, aber es gibt sie) und da sagt keiner was. Über Verena Brunschweiger (!) will ich mich eigentlich nicht äußern, außer dass ich absolut nichts von ihrer Argumentation halte. Wenn eine Frau keine Kinder bekommen will...absolut okay für mich und wahrscheinlich für jeden den ich kenne. Aber was diese Frau absondert ist wirklich banane.
Sie sehen, es kommt auf den Menschen an wie er mit ungewohntem umgeht. Da wird man auch nichts dran ändern können, und schon gar nichts mit Gesetzen oder extra Toiletten. Von dem Gro der Menschen zu verlangen sich an eine Minderheit anzupassen ist nunmal sehr viel verlangt. Und nur weil mich Menschen nicht in meiner Rolle akzeptieren (passiert selbst mir mit meinen Ansichten oft genug) würde ich nicht von Benachteiligung sprechen. Sobald mir Wege in der Gesellschaft tatsächlich aufgrund solcher Dinge verwehrt werden (gibt es natürlich auch) ist das eine echte Benachteiligung. Ihre Beispiele adressieren eher Egoprobleme.

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kim.delesys 09.03.2019, 16:25
246. Leicht aussprechbare geschlechtsneutrale Sprache

Immer mehr Leute wollen manchmal oder häufig über andere Personen sprechen, ohne diese einer der beiden traditionellen Geschlechtskategorien zuzuordnen. Das Gender-Sternchen wird jetzt von vielen als schriftsprachliche Lösung praktiziert, aber es löst das Problem nicht in allen Fällen und führt zu einer zusätzlichen Hürde bei dem Übergang von geschriebener zu gesprochener Sprache.

Ich bevorzuge daher eine Lösung, die in gesprochener und geschriebener Sprache gleich gut funktioniert, nämlich das De-Le-System. Im De-Le-System kann man z.B. "de Lehrere" als geschlechtsneutrale Alternative zu "der Lehrer" oder "die Lehrerin" verwenden. Mehr Details zum De-Le-System gibt es auf der folgenden Webseite: https://delesystem.wordpress.com

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friespeace 11.03.2019, 11:45
247. Quoten per se gut?

Ich bin überzeugt davon, dass nur die Gesellschaft einen gesunden Umgang mit beiden Geschlechtern pflegt, der weder Quoten noch Feiertage, etc. benötigt. Und ich bin auch überzeugt davon, dass wir in Deutschland schon weiter waren als wir es zur Zeit sind und dass die derzeitigen Debatten uns eher nach hinten werfen als die noch offenen Punkte zu verbessern.

Wie komme ich auf diesen Gedanken? Nun - zum Einen sehen wir ja gerade in Deutschland, dass sich der Anteil von Frauen in hohen politischen Ämtern in vielen Parteien wieder verringert hat und auch, dass der Frauenanteil in MINT-Studiengängen zurückgeht bis stagniert, von Absolventinnen mal gar nicht zu sprechen. Es scheint also nicht zu helfen, vehement dieses Thema in den Vordergrund zu bringen.

Aber etwas ganz anderes hat mich nachdenklich gestimmt: wenn man das statistische Bundesamt um die Länder mit den höchsten Quoten an Frauen in Parlamenten bemüht, sind die Top 6 mit Sicherheit keine Länder, die als Vorbilder taugen: Ruanda, Mexico, Namibia, Grenada, Bolivien, Kuba.
Und auch der Weltfrauentag ist bei näherem Dahinsehen offenbar kein Garant für eine Würdigung der Frauen, sondern scheint eher als Feigenblatt benutzt zu werden. Erfunden von Sozialisten und ein Feiertag in Ländern wie Russland, Tadschikistan, Usbekistan und sogar Nordkorea! Berlin kann sich hier jetzt einreihen...

Lasst uns doch die bereits bestehende Chancengleichheit gerne da verbessern wo notwendig - aber der viel zitierte Kampf, der aus Sicht mancher Frau weiterhin notwendig zu sein scheint, hat keine guten Vorbilder.

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mark.muc 14.03.2019, 17:01
248. Genderismus und Lyssenkoismus

Der Lyssenkoismus war eine von dem sowjetischen Agrarwissenschaftler Trofim Lyssenko begründete pseudowissenschaftliche Theorie, die unter anderem auf den schon damals überholten Anschauungen des Lamarckismus aufbaute. Im Jahr 1938 wurde Lyssenko zum Präsidenten der Akademie für Landwirtschafts-Wissenschaften ernannt, und seine Thesen erlangten bald allgemeine Gültigkeit in der Sowjetunion, während kritische Stimmen – wie allgemein in jener Phase des Stalinismus – massiv unterdrückt wurden und kaum zur Geltung kamen. Zu den zentralen Themen des Lyssenkoismus gehörte neben der Veränderung von Getreidesorten durch spezielle Kulturbedingungen auch die „Artumwandlung“, bei der ebenfalls durch bestimmte Kulturbedingungen etwa aus Weizenkörnern Roggenpflanzen hervorgehen sollten.

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